Der Anfang vom Ende.

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"Test, Test! Eins, zwei, drei!"

Mit einer Hand halte ich das Mikrofon des CB-Funkgeräts an meinen Mund, mit der anderen drehe ich ein wenig hilflos an den Reglern. Technisch begabt war ich, von meinen Computerfähigkeiten einmal abgesehen, noch nie, sodass ich keinerlei Ahnung davon habe, ob mich tatsächlich jemand hören kann. Oder ob das Ding überhaupt noch funktioniert. "Wahrscheinlich macht das auch keinen Unterschied mehr.", seufze ich leise. Trotzdem. Mir einzureden, dass da draußen jemand ist, der meine Worte empfangen kann, ist immer noch besser, als einen Blick nach draußen zu werfen. Und dabei wieder der Tatsache bewusst zu werden, dass die Stadt in Schutt und Asche liegt und ich seit Monaten keiner Menschenseele begegnet bin.


"Also, falls das hier wirklich funktioniert und jemand noch lebt, dann: Hi!" Einen Moment lang komme ich mir ziemlich dämlich vor. "Mein Name ist Floof. Ich bin vierundzwanzig Jahre alt und lebe schon mein ganzes Leben in dieser Stadt. Die, na ja, die... Es sogar geschafft hat noch hässlicher zu werden." Ein unsicheres Lachen steigt in mir auf, das von einem schnellen Hüsteln erstickt wird. "Tut mir Leid, ich war noch nie sonderlich witzig. Oder wortgewandt. Oder selbstbewusst. Ist ja auch egal. Jedenfalls habe ich dieses Funkgerät hier gefunden und mir gedacht: Floof, wenn du schon früher nichts Sinnvolles gemacht hast, dann kannst du das zumindest jetzt tun. Und was ist wohl das Sinnvollste, das man in dieser Situation hier tun kann?" Ich halte einen Moment lang inne, so als würde ich auf jemanden warten, der plötzlich in mein Versteck stürmt und mir eine Antwort zuruft. Oder jemand, der mir zumindest per Funk antwortet. Passieren tut jedoch nichts dergleichen.


"Richtig, eine Radioshow!", erleichtere ich meine schweigenden Zuhörer. "Jetzt, wo sich am Nachmittag niemand mehr vor den Fernseher hocken und sich so leicht unterhalten lassen kann, kommt das gerade richtig, nicht wahr? Zumindest sehe ich das so, denn diese Einsamkeit kann echt öde sein. Nun fragt ihr euch sicher, worum es hier gehen wird. Wenn ihr euch knackigen Dubstep erhofft, dann muss ich euch leider enttäuschen, denn ich habe keine Ahnung, ob und wie man Musik mit diesem Ding hier abspielen kann. Und außerdem, selbst wenn ich irgendwo eine funktionierende Dolbysurroundanlage finden sollte... Ich glaube, das lassen wir besser. Ich schätze zwar, dass die Stadt komplett verlassen ist, aber wer weiß, welche Spinner vielleicht doch hier rumgeistern mögen. Entdeckt zu werden möchte ich dann doch nicht riskieren. Stattdessen habe ich mir überlegt, dass ich euch Dinge vorstelle. Wisst ihr, Medien waren früher voll mein Ding. Serien, Filme, Spiele und Bücher. Vor allem Bücher!" Ein trauriges Lächeln huscht mir über die Lippen. Ja, das waren noch Zeiten, als ich in meinem gemütlichen Bett saß, in einem Roman blätterte und die Welt um mich herum vollkommen in Ordnung war. "Rezensionen konnte ich schon immer gut verfassen, darum denke ich, dass das hier ganz lustig und informativ werden könnte. Das Problem ist nur... Na ja, ihr müsst euch wahrscheinlich ein wenig anstrengen, um die Sachen im ganzen Schutt zu finden. Aber hey, vielleicht gibt es sogar noch irgendwo eine intakte Buchhandlung. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ach, und um all das noch ein wenig ironischer zu machen: Die Bücher und Spiele und Filme und Serien, die ich vorstelle, haben alle mit einem Thema zu tun: Unsere aktuelle Lebenssituation. Die Post-Apokalypse. Das nukleare Drama. Die..."


Einen Moment lang halte ich inne, dann kann ich nicht anders, als ein wenig dümmlich zu grinsen. "Die Endzeit, Baby!"