Japaner heiratet Anime Girl

  • Beitrag von solri ()

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  • das ist für mich nicht normal. Anime ist technisch etwas weiter als ein Manga deshalb kommt sowas wohl öfter vor aber es fehlt so viel menschliches wie die Stimme, das Anfassen, Zärtlichkeiten, Vertrauen, Interesse, Geschlechtsverkehr und deshalb ist es für mich auch psychisch krank so hart das auch klingt.

  • chaosd : Es mag für "normale" Menschen (aber wer definiert bitte was normal ist?) sehr extrem klingen. Doch wenn man mal versucht vor Augen zu halten des es auch Menschen gibt, die einfach keine Sozialkompetenzen haben und Kontakt zu anderen Menschen nicht fähig sind oder nicht damit umgehen können, so ist das gar nicht mehr so abwegig.

    Wenn ich mir einfach vorstelle, das es inzwischen sehr viele einsame Menschen gibt, so kann ich durchaus verstehen, dass sie trotz ihres Handicaps den Wunsch nach einer Art von Beziehung haben. Für manche Menschen scheint dies die einzige Form einer Beziehung zu sein. Warum sollte das so abwegig sein?

    Wenn ich genauer darüber nachdenke, so gibt es doch ähnliche Fälle bei Onlinespielen, bei denen sich User in andere Mitspieler verlieben, ohne das es einen physischen Kontakt gibt? Wenn ich da z.B. an WOW oder Second Life denke so finde ich das nicht weniger abstrakt als wenn sich dieser Japaner in ein Anime-Girl verliebt.

    Meine Oma hat immer gesagt: "Wer weiß wo die Liebe hinfällt - und wenn es hinter den nächsten Misthaufen ist!" :D


    Ich würde es nicht als "krank" oder als "gestört" abtun, wenn jemand so einen Weg einschlägt. Vielmehr zeigt es doch, dass es ein gesellschaftliches Problem ist. Menschen vereinsamen immer mehr und ihr einziger Ausweg ist es einen künstlichen Charakter zu lieben. Einen Charakter welcher diese Person so liebt wie er ist, ohne wenn und aber, sich weder über ihn lustig macht, noch ihn hintergeht. Für ihn ist das der perfekte Partner, welcher er leider in der realen Welt so nie finden würde. Das zeigt aber auch, dass es in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, einen vernünftige Partner(in) zu finden. Die Messlatten und Kriterien werden immer schwieriger und dadurch fallen eben auch immer mehr Leute durch das Raster. Diese suchen dann auf irgend einen Weg doch noch ein bisschen Glück für sich zu finden. Ob das wirklich gut ist sei mal dahin gestellt, aber wenn es ihn letzten Endes glücklich macht, warum denn nicht?

  • Die Messlatten und Kriterien werden immer schwieriger und dadurch fallen eben auch immer mehr Leute durch das Raster.

    Hierbei ist letztlich das Problem, dass die meisten Leute sich selbst diese Messlatte zu hoch setzen... Entweder sie bewerten sich selbst viel zu niedrig, als andere sie als solches wahrnehmen bzw. was sie eben wert sind oder haben Ansprüche an den Partner, die jenseits des guten Menschenverstandes liegen..

    Es mag für "normale" Menschen (aber wer definiert bitte was normal ist?)

    Genauso schaut's aus...

    aber im Endeffekt ist eine echte Beziehung immer besser.

    Im "Endeffekt" kann eine echte Beziehung auch vieles verschlimmern, aber das hast du bestimmt nur vergessen, mit aufzuführen? ;) Soviel zum Endeffekt...


    Solange ein Mensch mit seiner Neigung und/oder seinem Verhalten keinem anderen Menschen Schaden zufügt und er damit selbst glücklich leben kann, soll es ihm vergönnt sein. Jedem Tierchen sein Pläsierchen...

  • Chojin

    bin trotzdem dafür das man kämpft für eine glückliche Beziehung statt sich zu verkriechen und ein Anime Girl zu heiraten was so gut wie gar keine Beziehung ist. Die Vorteile einer positiven Beziehung überwiegen einfach ums vielfache. Klar wenn man eine zickig emotionslose hat dann ist man mit einem Anime Girl besser dran. Gibt ja genug "glückliche Singles"

  • Nun mich hat es zum Denken gebracht und dabei ist mir auch die Frage in den Sinn gekommen: Was ist denn eine "echte Beziehung?"


    Wenn ich chaosd Argumente nehme, dann wohl die "klassische" zwischen Mann und Frau bzw. zwischen zwei realen Personen? Aber was macht denn eine Beziehung aus?

    Also ich denke, das die meisten Menschen in einer Beziehung danach streben, den oft so genannten Seelenverwandten zu finden. Eine Person, der man sich verbunden fühlt und die man einerseits sehr wertschätzt und diese im Gegenzug das ebenfalls tut. Jemanden dem am sich anvertrauen kann. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Jemand der für einen stark ist, wenn man sich selbst schwach und hilflos fühlt. Man sich dafür nicht schämen muss hilflos zu sein weil der Partner dies nicht als Schwäche ansieht. Weil er weiß, dass der Andere in einen anderen Moment dann die Rolle des Starken übernimmt und dann ihm genauso hilft wie er ihm davor. Letzten Endes wünschen sich doch viele von uns eine Art von Engel, einem gütigen Wesen, welche unsere Fehler nicht unter die Nase reiben, sondern uns dabei helfen sie zum Besseren zu wandeln und im Gegenzug wünschen wir denn nicht auch, das wir das dann auch für unseren Partner tun können? Ist das nicht der Traum, den eigentlich jeden antreibt, wenn es um den Seelenverwandten geht?


    Durch dieses sehr hochstilisierte Bild wird es natürlich sehr schwer, eine Person zu finden, welche all diese Kriterien gerecht wird. Und was ist wenn dann der vermeintliche "Engel" sich nicht als würdig herausstellt oder schlicht überfordert ist? Soll man dann einfach seine Ansprüche herunter schrauben und den nächstbesten nehmen "nur" um eben nicht alleine zu sein?

    Manche werden auf Ihrer Suche wohl nie fündig werden, das mag aus vielen Gründen der Fall sein und es wir auch immer welche geben, welche das Glück das sich haben, nicht zu schätzen wissen. Aber heißt das auch, dass eine "echte" Beziehung immer nur dann echt ist, wenn sie im klassischen Sinn zwischen zwei realen Menschen besteht welche neben der spirituellen Verbindung auch eine körperliche ausüben können?


    Ich habe mich dann auch folgende Frage gestellt: "Wenn es Sex ohne Liebe gibt, warum sollte es denn nicht auch Liebe ohne Sex geben?" Warum sollte eine platonische Liebe weniger wert sein als eine die auch körperlich vollzogen wird?


    Ich denke daher, dass der betreffende Japaner in dem Anime-Girl (bzw. deren Charakter) eben die Person für sich gefunden hat, welcher er sich einfach verbunden fühlt und sie genau die Eigenschaften seiner "Traumfrau" bzw. seiner Seelenverwandten hat. Das er mit ihr nie physischen Kontakt haben kann ist ihm sicherlich bewusst und dennoch hat er diese Gefühle für sie. Sind sie deswegen weniger wert? Muss man erst mit einem Menschen auch die körperliche Liebe vollziehen können um eine Beziehung zu haben? Warum sollte eine platonische Liebe nicht der einer köperlichen Liebe gleichgestellt sein?

    Wenn man den Bogen weiter spannen möchte, so sehe ich da durchaus parallelen zu Nonnen, welche ohne jemals einen physischen Kontakt zu Gott hatten, von sich behaupten mit ihm verheiratet zu sein? Mönche aller Glaubensrichtungen gehen eine spirituelle Verbindung ein, welche man durchaus als eine Beziehung mit ihrem Gott ansehen kann. Dies wird als völlig legitim angesehen.


    Natürlich ist ein Anime-Girl sicher nicht Gott und darauf wollte ich auch nicht hinaus. Was ich damit sagen wollte ist einfach, dass ich bei meinen Überlegungen festgestellt habe, dass es da durchaus Parallelen gibt. Das man diese Beziehung weniger als einen halbherzigen Ersatz für eine reale Person sehen sollte, sondern das es ihm schon ausreicht, dass er einen Charakter gefunden hat, der ihm das Gefühl gibt nicht mehr allein zu sein und ihn damit glücklich macht?


    Denn ich denke durchaus, dass nicht nur eine "echte" Beziehung jemanden glücklich machen kann, sondern eben auch eine Beziehung die mehr auf einer spirituellen bzw. platonischen Ebene stattfindet. Und wohl immer noch besser als eine unglückliche oder eine die man notgedrungen eingegangen ist, "nur" um eben nicht alleine zu sein.


    Das es Leute gibt, welche das als "krank", "abartig", "verrückt oder sonstwie bezeichnen ist ihr gutes Recht, denn jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Ich denke einfach das es nicht in ihr Weltbild passt. Aber ich denke einfach, dass sie glücklich sein sollten, dass es in ihrer Welt es nicht notwendig ist, dass sie solche Wege beschreiten müssen. Aber es gibt eben auch die Anderen, welche dann in einer etwas anderen Lage und Lebenswelt leben, und für sie ist das durchaus eine Art um glücklich zu werden. Das ist aber kein Grund um sie zu stigmatisieren. Weil ich es nicht verstehe heißt es doch nicht, dass es schlecht ist? Oder nur weil jemand einen anderen Lebensweg eingeschlagen ist, heißt das nicht, das er falsch liegt? Es gibt in dieser Sache nicht den "einen" richtigen Weg. Ich denke, es gibt mehrere Wege und jeder sollte den Weg für sich finden, der ihn zu seinem Ziel führt um glücklich zu werden. Zu versuchen ihn einem aufzuzwingen weil man denkt der eigene sei der einzig richtig finde ich sehr herablassend und selbstgefällig.


    Ich beneide jeden Menschen, welcher das Glück hat, seinen Seelenverwandten gefunden zu haben und in einer glücklichen Beziehung lebt. Auch jene die noch auf der Suche sind und die Hoffnung nicht aufgegeben haben. Genauso die Menschen, welche für sich entschieden haben als Single glücklich zu werden. Jeder für sich sollte also, wenn er glücklich ist, dafür dankbar sein und dies wertschätzen. Und wenn es Menschen gibt, die eine andere Form ihres Glückes gefunden haben, sollten wir sie nicht dafür verurteilen oder herablassend als verrückt oder minderwertig betrachten. Ich denke ein wenig mehr Demut vor den Gefühlen und dem Seelenleben anderer würde uns allen (mich eingeschlossen) ganz gut zu Gesicht stehen.


    Wie man sieht, hat mich das Thema sehr beschäftigt und mir sind dazu sehr viele Gedanken durch denk Kopf gegangen. Es ist nur ein versuch sie hier auch in die passenden Worte zu fassen. :ohonion:

  • Das er mit ihr nie physischen Kontakt haben kann ist ihm sicherlich bewusst und dennoch hat er diese Gefühle für sie. Sind sie deswegen weniger wert? Muss man erst mit einem Menschen auch die körperliche Liebe vollziehen können um eine Beziehung zu haben? Warum sollte eine platonische Liebe nicht der einer köperlichen Liebe gleichgestellt sein?

    An sich stimme ich diesem Zitat zu. Sex und Erotik haben nur bedingt etwas mit ernsthafter Liebe zu tun und sind definitiv voneinander trennbar, sofern beide Partner keinerlei Probleme damit haben.


    Stattdessen - und das ist nun der Knackpunkt- ist es doch so: Beziehungen basieren auf zwischenmenschlichen Interaktionen. Man diskutiert angeregt über Hobbys, streitet sich auch schon mal ein wenig, macht blöde Witze und erzählt sich ganz banal von der Arbeit und dem Alltag. Man interagiert miteinander, reagiert auf die Worte des jeweils anderen und bestätigt so, dass man ihm wichtig ist und sich für ihn interessiert.


    In einer "Beziehung" zwischen einem fiktiven Charakter, der nicht eigenständig denken kann, dessen gesamtes Leben auf einem Storyboard beruht und dementsprechend überhaupt nicht reagieren kann, und einem realen Menschen, der sich tief im Inneren nach Anerkennung und Interesse von anderen sehnt, ist für mich persönlich definitiv keine richtige, ernstzunehmende Partnerschaft. Die fiktive Figur kann, fernab ihrer Programmierung, nicht eigenständig interagieren, nicht ihre wirkliche Meinung sagen und auch keine realen Gefühle zum Ausdruck bringen - stattdessen ist sie quasi gezwungen das hinzunehmen, was man ihr eingetrichtert hat.

    Und gerade dann, wenn es keine besonderen Programme wie diese ganzen Datingsims gibt, die einem vorspielen ganz verliebt und glücklich zu sein, wird es kritisch, denn dann findet die ganze Beziehung nur im Kopf desjenigen statt, der sich diese wünscht. Vielleicht mag ihn das für eine Weile glücklich machen, jedoch ist dieses Verhalten meiner Meinung nach ziemlich ungesund. Eine Flucht in eine Fantasiewelt anzutreten, weil man Angst vor der Wirklichkeit hat und in dieser nicht bestehen kann, war noch nie etwas Gutes und hat noch nie etwas Sinnvolles bewirkt. Ich wage mich sogar so weit aus dem Fenster zu lehnen und zu behaupten, dass diese Menschen, die sich eine solche Art von Beziehung aussuchen, in Wahrheit überhaupt nicht glücklich sind. Ihnen fehlt eindeutig etwas, das sie zu kompensieren versuchen. Man mag dieses Verhalten gut und gerne unterstützen, vor allem weil nun einmal niemand damit zu Schaden kommt, ich empfinde es jedoch als wesentlich sinnvoller das Übel bei der Wurzel zu packen und herauszufinden, was hinter dieser Realitätsflucht steckt.


    Darum finde ich diese Geschichte auch nicht süß oder lustig, sondern eigentlich ziemlich traurig.

  • Eine Flucht in eine Fantasiewelt anzutreten, weil man Angst vor der Wirklichkeit hat und in dieser nicht bestehen kann, war noch nie etwas Gutes und hat noch nie etwas Sinnvolles bewirkt. Ich wage mich sogar so weit aus dem Fenster zu lehnen und zu behaupten, dass diese Menschen, die sich eine solche Art von Beziehung aussuchen, in Wahrheit überhaupt nicht glücklich sind. Ihnen fehlt eindeutig etwas, das sie zu kompensieren versuchen. Man mag dieses Verhalten gut und gerne unterstützen, vor allem weil nun einmal niemand damit zu Schaden kommt, ich empfinde es jedoch als wesentlich sinnvoller das Übel bei der Wurzel zu packen und herauszufinden, was hinter dieser Realitätsflucht steckt.

    Ich stimme dir zu und es ist nicht vorn der Hand zu weisen, dass es eine Flucht ist. Doch vor was flüchtet er? Vor einem sehr einsamen und für ihn trostlosen Leben? versucht er so die Einsamkeit zu kompensieren?

    Ich denke das er wirklich Angst vor der Wirklichkeit hat. Denn sie sieht für viele doch so aus, dass sie aufgrund von keinen oder sehr wenigen Sozialkompetenzen sich nicht in der Lage fühlen, "normal" mit anderen Menschen zu interagieren. So hast du Recht, das es eine Realitätsflucht ist. Denn "nur" in dieser Fantasiewelt kann er so was wie ein "normales" Leben führen.

    Für jemanden, der mit solch garvierenden Ängsten lebt, ist es sicher nicht leicht, einfach mal das "Übel an der Wurzel" zu packen. Das würde sicher auch bedeuten dass er Hilfe dabei benötigen würde und hier beißt sich die Katze selber in den Schwanz. Wie so jemand, der ansich schon Schwierigkeiten hat mit Menschen in Kontakt zu treten, jemanden finden der ihn bei diesen Problem hilft? Gerade daran wird es wohl sehr oft scheitern und auch wenn er selbst erkennen sollte, das er ein Problem damit hat, wen sollte er dabei um Hilfe bitten wenn er Scheu hat auf andere zuzugehen?


    Daher stimme ich dir auch zu:


    Darum finde ich diese Geschichte auch nicht süß oder lustig, sondern eigentlich ziemlich traurig.

    Aber wie sollte man jemanden unter diesen Bedingungen helfen können? Ich denke das dies eine Art der Sozialphobie darstellt. Ich bin weder Arzt noch kenne ich mich damit wirklich aus, aber zumindest von dem was ich mal gehört und gelesen habe, könnte das durchaus der Fall sein. Wenn man wirklich davon betroffen ist, so ist das sehr schwer, alleine mit einem solchen Problem fertig zu werden. Und ich sehe auch ein Problem ist sicher auch das die gesellschaftliche Entwicklung da einen gewissen Beitrag dazu geleistet hat.

    Und gerade die japanische Gesellschaft an sich tut sicher noch ein weiteres dazu. So denke ich das in Zukunft dieses Phänomen eher vermehrt als weniger auftreten wird. Daher stellt sich für mich die Frage: Wie werden wir künftig damit umgehen, wenn es immer mehr solche Menschen gibt, die sich nicht mehr in der Lage fühlen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten?

  • Ich stimme dir zu, dass es nicht einfach ist einen Weg aus dieser Situation zu finden. Neben der Tatsache, dass viele Japaner auf Ehre und Anpassung getrimmt sind und daher wohl keine Schwächen zeigen wollen - oder sich die in ihrem Beruf gar nicht leisten können -, ist das dortige Therapieangebot wesentlich schlechter als das hierzulande. In Japan darf sich jeder Therapeut nennen, der Lust darauf hat, denn die Berufsbezeichnung ist - im Gegensatz zur strengen Reglementierung hier - nicht geschützt. Zudem werden die Kosten (mit einer Zuzahlung vom Patienten) nur dann vom Gesundheitssystem übernommen, wenn eine Psychotherapie vom Arzt verordnet wurde. Du hast also Recht: Die Gesellschaft und die dortigen Regeln tragen extrem dazu bei, dass es in Japan viele Menschen gibt, die sich in ihre persönlichen Fantasiewelten flüchten.


    Dennoch ist es nicht unmöglich, eine Sozialphobie zumindest teilweise eigenständig zu "heilen". Als mir damals gesagt wurde wie lange ich auf einen Therapieplatz warten muss, um meine Probleme anzugehen, habe ich mich dazu entschlossen selbst einen Weg zu finden. Das war harte, schwierige Arbeit und ich bin oft an meine Grenzen gestoßen, weil ich mich wirklich zwingen musste überhaupt einen Fuß vor die Tür zu setzen und den Mund aufzumachen, wenn irgendjemand etwas von mir wollte (oder ich von jemandem). Mir hat damals niemand geholfen, was es umso schwerer gemacht hat. Wenn man sich jedoch vollkommen des Problems bewusst ist und einfach keinen Bock mehr auf dieses hat, dann schafft man es irgendwann über seinen Schatten zu springen - dazu gehört aber nun einmal sehr viel Mut, den die meisten leider nicht haben. Mir fallen viele Dinge immer noch sehr schwer (zum Beispiel größere Menschenmengen ab 8 Personen), aber zumindest kann ich mit anderen nun problemlos interagieren, ohne gleich in eine Panikattacke zu verfallen.


    Um auf deine Frage zu antworten: Japan müsste sein Gesundheitssystem - oder zumindest das der psychischen Pflege - komplett neu aufrollen und sich am westlichen System und Therapieangebot orientieren, um das Problem ansatzweise in den Griff zu bekommen. Deren Methoden, soweit ich es in einem Artikel lesen konnte, sind nämlich wohl der absolute Witz. Ob das jedoch irgendwann mal der Fall sein wird, bleibt fraglich - dafür müsste sich wohl auch einiges in deren Mentalität tun.


    Traurigerweise kann man dieses Problem aber nicht nur auf Japan münzen, denn hier fängt es ja auch langsam an: Das Gefühl von extremer Einsamkeit, und das obwohl wir heutzutage so vernetzt sind. Es wird in den Medien ja immer nur am Rande erwähnt, aber wenn man schon in England ein Ministerposten eröffnet wird, um gegen das Problem "Einsamkeit" zu kämpfen... Nun, dann kommt man schon ins Nachdenken wie viele Menschen es tatsächlich gibt, die unter solchen Problemen leiden.