Wenn über dieses Thema konstruktiv [!] geredet würde, dann stünden soziale Probleme im Vordergrund und die Frage, ob eine gendergerechte Sprache ein Teil einer komplexen Strategie sein kann, die sozialen Probleme zu überwinden. [...]
Ich lese hier nur eigene Meinungen aus privilegierten Positionen, die selbst als Teil der reproduzierenden Strukturen des Status Quo zirkulär auf die eigens geschaffene Logik rekurrieren.
Dass du hier nur eigene Meinungen liest ist ja aber dann deinem Leseverständnis zuzuschreiben. :)
Immerhin hast du bspw. meinen Punkt bzgl. Reaktanz gefließentlich ignoriert. :p
Um das also noch mal zu wiederholen:
"Ansonsten ist der Punkt "Reaktanz" ein interessanter: Es gibt Theorien, dass der Versuch gegenderte Sprache zu verbreiten, in weiten Teilen der Bevölkerung zu einer Reaktanz führt bzw. führen könnte, die sich dann eben über die Sprache hinaus auch allgemein gegen Gleichberechtigung richten könnte, und Gendern somit mittelbar sogar eher schlechter als besser für queere Bevölkerungsgruppen sein könnte. (Zumindest, sofern man es erzwingt.)"
Das ist keine Meinung aus einer privilegierten Position, sondern eine Frage die man sich in dem Kontext stellen kann oder sogar muss, und auf die es aus wissenschaftlicher Perspektive eben, mWn, noch keine Antwort gibt. Über diese Frage zu diskutieren halte ich also für durchaus konstruktiv. Auch, um eben dem Thema Gleichberechtigung keinen, wie waltersen es ausgedrückt hat, Bärendienst zu erweisen.
Auch sonst machst du es dir mMn etwas zu einfach indem du einfach sagst "Eure Anliegen sind nur Meinungen, keine Argumente".
Den Punkt "Es gibt Alternativen die keinen ausschließen, ganz ohne Sternchen" finde ich durchaus legitim. Dass das Sternchen oder der "Glottisschlag" durchaus Nachteile mit sich bringen ist unumstritten ein Fakt - insofern muss sich selbst ein Verfechter der gendergerechten Sprache da doch auch auf das Argument einlassen, dass es Alternativen gibt, die die Problematik des Sternchens nicht aufweisen? Man kann dann ja immer noch darüber diskutieren, welche Variante die bessere ist.
Das andere Extrem höre ich neuerdings auch recht oft, wenn dann die Pause direkt weggelassen und dann beispielsweise von Arbeiterinnen gesprochen wird, obwohl Arbeiter und Arbeiterinnen gemeint sind...es gibt auch noch Männer da draußen.
Den Punkt verstehe ich nicht so ganz. Auf der einen Seite das generische Maskulinum verwenden und mit "die Frauen wissen doch, dass sie da enthalten sind" (kein wörtliches Zitat) argumentieren, aber sich auf der anderen Seite beschweren, dass jemand ein generisches Femininum verwendet?
Da bin ich (in beiden Fällen) eher bei Kruadon - man kann sich halt auch anstellen.
Sprache entwickelt sich von ganz allein. So haben wir z.B. seit Jahrzehnten eine zunehemende Anzahl an Anglizismen in unserem Wortschatz die nach und nach ihren Platz darin gefunden haben.
Das sehe ich ebenfalls so. So funktioniert ein natürlicher Sprachwandel, der sich dann auch in der Bevölkerung verbreitet.
Sowas kommt natürlich nie bei jedem an, aber es setzt sich mehr und mehr durch, wenn Menschen das Gefühl haben, dadurch einen Vorteil zu haben. Sei es, dass es ihnen einfach besser gefällt, es einfacher ist, oder eben für andere Leute angenehmer ist. Am Ende ist Sprache immer noch ein Mittel zum Zweck und muss dementsprechend praktisch sein und unmittelbare Vorteile bringen.
Und wenn man jetzt z.B. die Sprache von einem Marcel Reich-Ranicki mit der eines Rezo vergleicht - dann sind das schon sehr unterschiedliche Wortschätze. Und das ganz ohne, dass etwas erzwungen wurde.



