Beiträge von Freigeist

    Ich glaube, mich trifft der Schlag. Dieses Gefühl habe ich buchstäblich empfunden, als ich diesen Anime sah.

    Ich weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll. Die Geschichte ist zwar einer westlichen Autorin entsprungen, doch es freut mich zu lesen, dass sich die Macher der Serie möglichst genau an das Buch gehalten haben. An dieser Tatsache hatte ich zuvor aber auch nicht gezweifelt, obwohl ich Anne mit den roten Haaren nie zuvor las und deshalb ein genauer Vergleich nicht möglich war. Auszusetzen habe ich am Anime tatsächlich nichts. Im Gegenteil. Es ist ein Anime, welcher ein "Masterpiece of the World Masterpiece Theater" ist. Objektiv betrachtet ist es ein historischer Slice of Life-Anime. Doch von diesem Genre habe ich langsam die Nase voll. Dass dieses mich jedoch noch so überwältigen kann, hätte ich nicht erwartet.

    Angefangen bei Anne. Ich finde, Anne ist das Gegenteil von dem, was sie glaubt zu sein. Und dann ist da noch ihr Charakter. Einzigartig. Anne ist träumerisch, hat eine enorme Fantasie und Emotionalität. Ihre Wortwahl ist für ihr Alter schon sehr komplex. Sie ist weitaus reifer, als andere Kinder und doch ist sie selbst ein Kind, ja manchmal ein richtiger Dickkopf. All diese Eigenschaften machen sie zwar unberechenbar, aber doch liebenswert. Nicht zuletzt, weil ich einige Eigenschaften von ihr auch in mir erkenne.

    Mein zweiter Lieblingscharakter ist Matthew. Zwar auch hin und wieder etwas verhalten, Grüße an mich, aber auch ein herzensguter Mensch. Er hat Anne von der ersten Sekunde an verstanden und sie immer unterstützt.

    Zu seinen Eigenschaften passt eine Szene ganz besonders gut.

    Wunderbar fand ich die Szene, in der Matthew ein Kleid für Anne kaufen wollte und sich nicht getraut hatte, die Verkäuferin danach zu fragen. Es war ihm so peinlich, dass er durch einige Missverständnisse ganz andere Sachen mit nach Hause gebracht hatte. Ich habe mich vor Lachen echt weggeschmissen, wobei das natürlich ganz und gar nicht zum Lachen ist. Aber diese Szene hat seine Kontaktscheue perfekt dargestellt.

    An den anderen Personen habe ich ebenfalls nichts auszusetzen. Nun zur Geschichte.

    Im ersten Fünftel verläuft die Handlung noch etwas schleppend, doch danach nimmt sie Fahrt auf und die zeitlichen Abstände zwischen den Episoden werden größer. Dabei gehen vielleicht manch gute Szenen verloren, in denen Anne noch hätte etwas besonderes erleben können. Jedoch wäre der Anime mit dem Tempo der ersten Folgen wohl etwas zu langatmig geworden. Mit der Zeit reift Anne's Gestalt und Charakter - sie wird erwachsen. Doch wo sie äußerlich ein ganz anderer Mensch wird, bewahrt sie sich trotzdem noch ein Funken ihres alten Geistes im Herzen auf. Mit dabei sind Freunde wie Feinde und Situationen, die sie meistern muss. Ihre Entwicklung ist ausgezeichnet dargestellt.

    Die deutsche Vertonung - einfach spitze. Am Anfang fand ich Anne's Stimme zwar etwas unpassend, doch an die habe ich mich schnell gewöhnt. Was ich zudem gut finde, ist der Erzähler. Komplexere Sachverhalte oder Zeitsprünge werden gut kommentiert. Das deutsche Opening klingt äußerst nostalgisch. Auch wenn ich damals nur wenige Folgen der Serie gesehen habe, ist mir das Lied stets in Erinnerung geblieben. Die Handlung wird ebenfalls wunderbar mit klassischer Musik begleitet. Was die Animationen und die Zeichnungen angeht, darf man natürlich nicht zu viel erwarten. Doch abgesehen von manchen Stellen, an denen die Animationen ziemlich ruckelig waren, sind beide Aspekte recht ansehnlich gemacht. Die Landschaftsaufnahmen gefallen mir besonders.

    Also gut, ein paar kleine Mankos hat der Anime schon. Doch über diese kann man schnell hinwegsehen, denn die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen. Zu schade, dass nur der erste Band verfilmt wurde. Das Ende hat mich dennoch zu meiner Freunde überrascht.

    Nur anklicken, wenn du den Anime komplett durchgesehen hast.

    Beim Titel der letzten Episode erwartete ich eigentlich, dass Anne nun nach all dem Stress doch fortgehen würde. Allerdings ist sie da geblieben. Ich war so glücklich, dass sie Green Gables und ihre "Familie" nicht im Stich gelassen hat. Sie hat zwar das Zeug gehabt, an den hochklassigsten Universitäten zu studieren, doch die Entscheidung zu treffen, dass Freunde und Familie vor der Karriere stehen, finde ich sehr erwachsen und bescheiden.

    Der Anime ist nicht unbedingt als Kinderserie zu betrachten. Als Kind kann man viele Sachen wohl noch gar nicht so richtig nachvollziehen. Deshalb kann ich die Serie auch jeder Altersgruppe darüber empfehlen. Es mag sein, dass ich besonders euphorisch hiervon schwärme, da die Identifikation mit den Darstellern bei mir besonders groß ist. Doch ich schätze, kalt lassen kann der Anime nur wenige.

    Unbedingt ansehen! Alle Folgen bis zum Schluss!