Ich liebe Avatar. Ich hab die Zeichentrickserie auch schon ein paar mal rewatcht, zuletzt mit Shin 
Die erste Staffel ist jetzt kein Burner und hat für mich einige zähe Momente, aber es lohnt sich definitiv, dranzubleiben. Mit etwas Geduld wird man mit großartig geschriebenen Charakteren und einer einzigartigen Geschichte belohnt, die sich von Staffel zu Staffel immer weiter steigert. Jede Staffel wird besser als die vorherige und die letzte ist für mich ein absolutes Feuerwerk! Je öfter ich mir die Serie angesehen habe, desto bewusster ist mir geworden, wie gut sie eigentlich ist. Ich liebe die Idee mit den vier Nationen und den Bändigern. Was ich auch noch super finde, ist, dass jedes Element auch die Eigenschaften und die Persönlichkeit der Charaktere widerspiegelt.
Zum Beispiel ist Katara einfühlsam und fürsorglich. Wasser wirkt oft sanft, kann aber gleichzeitig eine enorme Kraft entfalten und genau das spiegelt sie wider. Trotz ihrer gutmütigen Art ist Katara eine starke Bändigerin, die denjenigen, die versuchen, sie kleinzuhalten, entschlossen und mutig entgegentritt. Ich kann verstehen, dass manche ihre mütterliche Art manchmal als nervig empfinden. Aber damn it, können wir darüber reden, wie sie sich dafür eingesetzt hat, dass Frauen im nördlichen Wasserstamm nicht nur auf Heilkunst beschränkt werden? Sie hat dafür gekämpft, dass Frauen dieselben Kampftechniken erlernen dürfen wie Männer und sich immer wieder gegen sexistische Vorstellungen gestellt. Katara akzeptiert Ungerechtigkeit nicht einfach, sie stellt sich ihr entgegen und dafür liebe ich sie.
Zuko ist impulsiv, und sein damaliger Zorn hat seine Bändigungskräfte genährt. Er besitzt wahrscheinlich eine der krassesten Charakterentwicklungen überhaupt und die verdankt er auch seinem Onkel (btw einer der besten Charaktere ever). Zuko hat viele Fehler gemacht. Jedes Mal, wenn er einen Schritt nach vorne gemacht hat, schien es so, als würde er wieder drei Schritte zurückgehen. In der letzten Staffel mochte ich ihn so sehr. Wie er Verantwortung für seine Fehler übernommen hat und darum gekämpft hat, dass die anderen ihm verzeihen, fand ich einfach großartig. Es passt auch unglaublich gut zur Geschichte, dass ausgerechnet Zuko Aang das Feuerbändigen beibringt. Er musste erst lernen, dass Feuer nicht nur für Zorn und Zerstörung steht, sondern auch für Leben, Energie und Leidenschaft. Die Folge, in der Zuko und Aang die Meister Ran und Shao aufsuchen, hat mir echt gut gefallen. Es war toll zu sehen, wie die beiden sich näherkommen und wie gut sie eigentlich miteinander harmonieren, obwohl sie auf den ersten Blick komplett verschieden sind.
Aang ist für mich auch eine tolle Figur. Ich fand seine Entwicklung so realistisch. Hinter dem Titel des Avatars steckt eine riesige Last. Er ist ein Kind, das plötzlich erfährt, dass die Verantwortung für die ganze Welt auf seinen Schultern liegt. Er verliert seine Heimat, seine Familie und seine ganze Welt, nur um aufzuwachen und zu erfahren, dass alle von ihm erwarten, alles wieder in Ordnung zu bringen. Dass er Angst hat, wütend wird oder manchmal einfach weglaufen möchte, ist so nachvollziehbar. Aang muss nicht nur lernen, die Elemente zu meistern, sondern auch lernen, mit Schuldgefühlen, Erwartungen und seiner eigenen Identität umzugehen. Er muss akzeptieren, dass er die Vergangenheit nicht ungeschehen machen kann. Statt seine Gefühle zu verdrängen, lernt er, mit ihnen umzugehen, an ihnen zu wachsen und trotzdem seinen eigenen Werten treu zu bleiben.
Sokka ist so lustig, in keiner Welt möchte ich auf diesen Charakter verzichten. Ich musste so oft wegem ihm Lachen. Seine Witze sind manchmal so absurd und dumm, dass sie genau deshalb wieder lustig werden. Sokka ist aber nicht nur der lustige Dude der Gruppe. Sokka kann kein Wasser bändigen, keine Elemente kontrollieren und besitzt auch keine außergewöhnliche Kraft. Während andere mit ihren Fähigkeiten glänzen können, fragt er sich oft, welchen Wert er überhaupt in der Gruppe hat. Er lernt, andere zu respektieren und seine eigenen Vorurteile zu hinterfragen. Besonders am Anfang hat Sokka sehr traditionelle Vorstellungen und unterschätzt oft die Fähigkeiten von Frauen. Durch seine Begegnungen mit starken Frauen wie den Kyoshi-Kriegerinnen und Suki erkennt er langsam, dass Stärke nicht von dem Geschlecht abhängig ist. Ich finde es schön, dass Sokka trotzdem noch Sokka bleibt, aber durch seine Art, seinen Mut und Kreativität ein wichtiger Teil der Gruppe ist. Er muss nicht der Stärkste sein, um wertvoll zu sein.
Toph ist genauso ein unglaublich gut geschriebener Charakter. Sie ist blind, aber sie möchte nicht wie ein hilfloses kleines Mädchen behandelt werden. Toph ist laut, frech, stur und hart. Gleichzeitig ist sie eine der besten Erdbändigerinnen ihrer Zeit und beweist immer wieder, dass ihre Blindheit keine Schwäche ist. Aang bringt ihr bei, dass sie nicht alles alleine tragen muss, während Toph ihm zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst zu behaupten. Ich fand es so lustig, den Unterschied zu sehen, wie Katara Aang das Bändigen beigebracht hat und wie Toph es gemacht hat. Katara war geduldig, einfühlsam und hat Aang für seine Leistung gelobt. Toph hingegen hatte einen ganz anderen Ansatz. Sie hat Aang nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern ihn auf die harte Tour lernen lassen. Ja, manchmal ist sie etwas rücksichtslos und kann sehr stur sein, aber ich mag sie trotzdem.
Während ich das alles hier geschrieben habe, ist mir noch einmal bewusst geworden, wie gut die Charaktere eigentlich ausgearbeitet sind. Avatar hat natürlich auch noch viele andere interessante Charaktere, wie Hama oder Azula, die ihren ganz eigenen Weg gegangen sind. Die Serie zeigt nicht nur Helden, sondern auch Figuren, die durch ihre Erfahrungen geprägt wurden und dadurch andere Entscheidungen getroffen haben. Entscheidungen, die man nicht gutheißen kann, aber trotzdem bekommt man die Möglichkeit, einen Blick hinter diese Entscheidungen zu werfen und zu verstehen, wie diese Charaktere zu den Persönlichkeiten geworden sind, die sie sind.
Avatar ist nicht einfach nur eine Serie für Kinder. Sie behandelt auch viele ernste Themen wie Krieg, Verlust, Trauma, Schuld, Vergebung und die Suche nach der eigenen Identität. Sie erzählt nicht nur von großen Kämpfen und Abenteuern, sondern vor allem von Menschen, die versuchen, mit ihren Erfahrungen umzugehen und daran zu wachsen. Nicht alle Folgen waren super und aufregend, aber insgesamt ist Avatar - der Herr der Elemente eine tolle Serie, die ich sehr gerne angeschaut und analysiert habe.