Aktuell bin ich auf der Suche nach einem neuen Job und das bedeutet: Ich muss mich wieder Vorstellungsgesprächen stellen. Ich fand das schon immer unangenehm, vor allem dann, wenn mir nicht nur eine Person zuhört, sondern gleich mehrere und alle Augen auf mich gerichtet sind.
Mir ist klar geworden: Ich möchte mich auf gar keinen Fall verstellen. Es geht mir nicht einfach nur darum den Job zu bekommen und die Sache ist damit erledigt. Ich möchte, dass der Job auch wirklich zu mir passt und ich für die Position geeignet bin. Ich möchte ehrlich zu mir selbst sein. Unter welchen Bedingungen möchte ich denn arbeiten? Ich finde zum Beispiel Großraumbüros schrecklich, diese ständige Lärmbelastung macht mich krank und ich bin unter solchen Umständen auch nicht leistungsfähig. Ich habe eine Lücke in meiner beruflichen Laufbahn, da ich gesundheitliche Probleme hatte und mich erstmal vollständig auf meine Heilung konzentrieren musste. Ich würde mir diesbezüglich wünschen, dass es kein Tabu Thema mehr sein sollte, eine psychische Erkrankung anzusprechen. Durch Vorurteile wird außer Acht gelassen, dass auch Menschen, wenn die Bedingungen passen, gut mit einer psychischen Erkrankung arbeiten können. Natürlich muss man nicht gleich alle Karten auf den Tisch legen, wenn man das nicht möchte, aber ich denke, durch Offenheit kann man Stigmatisierungen entgegenwirken. Führungskräfte und Kollegen können durch Bewusstseinsbildung ebenfalls dazu beitragen Stigmatisierungen zu bekämpfen.
Ich möchte keine Rolle spielen müssen und ich würde es begrüßen, wenn man als Unternehmer ebenso versucht den Menschen kennenzulernen, nicht die Fassade. Nur so kann man einigermaßen abschätzen, ob man wirklich zueinander passt. Dieses „Gekünstelte“ bei Bewerbungsgesprächen, sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Bewerber finde ich furchtbar.


