Ja, das sehe ich auch so. Es kann aber nicht sein, dass (zum Beispiel), jemand der die AfD wählt, pauschal als Rassist bezeichnet wird.
Zumindest für die Politiker in der AfD würde ich das auf jeden Fall so sehen das das alles Rassisten sind, und da es bei deinem Beitrag ja auch um das fehlende Einladen dieser zu Gesprächsrunden ging, weil die AfD abweichende Meinungen vertritt, war das halt meine Position dazu.
Was nun die Wähler angeht: Naja, kann man drüber streiten. Wieviel Zustimmung und Unterstützung muss man einer rassistischen Gruppierung zukommen lassen, um selbst als Rassist zu gelten? Muss man Mitglied sein? Geld spenden? Oder reicht eben schon seine Stimme bei einer Wahl?
Überhaupt: Ab wann ist man denn generell ein Rassist? Muss man dafür selbst Ausländer verhauen? Ist man einer, wenn man gegen neue Flüchtlinge demonstriert? Reicht es bei rassistischen Witzen mit zulachen? Oder reicht es einfach nur in Gedanken Vorurteile zu haben und Ausländer abzulehnen, auch wenn man dieses öffentlich nie irgendwie äußert?
Ich glaube ja sogar das weit mehr Menschen zumindest latent Rassisten sind (also mindestens zu den eben zuletzt genannten gehören) als nur die 15%, die die AfD derzeit als Wähler auf sich vereint. Ich kenne genug Menschen die Union, SPD, FDP, Grüne oder anderes wählen, denen ich diesen Stempel ehrlich gesagt auch auf die Stirn drücken würde. Bei der AfD ist die Quote nur deutlich größer und meiner Meinung nach wirklich annähernd 100%. Jemand, der keine Vorurteile gegen Flüchtlinge, Muslime, generell "Nicht-Deutsche" hat, welchen Grund hat der denn die AfD zu wählen? Weil man unzufrieden mit der Ampel ist? Neee, das zieht nicht mehr. Selbst der dümmste Mensch dürfte begriffen haben, das es da andere Optionen gibt seinen Protest kund zu tun, als die AfD zu wählen. Und es dürfte auch jeder inzwischen mitbekommen haben, was die AfD für ein Verein ist. Dieses "Nicht jeder AfD Wähler ist ein Rassist" ist für mich auf der gleichen Ebene wie "Ich bin kein Antisemit. Aber man muss doch einmal sagen dürfen das DIE Juden an allem Schuld sind."
Es geht aber bei Demokratie nicht um die beste Entscheidung, sondern um die Mehrheit.
Das war schon immer so. Und wenn die Mehrheit wieder in Höhlen leben möchte, dann hat das jeder im Land zu akzeptieren.
Das ist Falsch. Natürlich entscheidet im Zweifel die Mehrheit, aber es ist ein Grundsatz der Demokratie, Minderheiten nicht auszugrenzen und komplett zu ignorieren. Sonst bräuchten wir keine Opposition, könnten den Bundestag abschaffen und es würde reichen wenn die eine Partei/Koalition, die am meisten Stimmen hat, danach alles ohne parlamentarische Aussprache alleine entscheidet. Und deswegen haben (zumindest die guten) Demokratien auch Mechanismen verankert, die z.B. dafür sorgen sollen, das die Demokratie sich nicht einfach so selbst abschaffen können, nur weil eine Mehrheit das gerade will. Mehrheiten sind in Demokratien nicht allmächtig.
