Ein Beispiel: Unser erstes Grundgesetz – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – ist empirisch gesehen keine Tatsache. Ohne irgendeine Form von emotionaler Bindung bleibt die Einsicht abstrakt und wirkungslos. Sie motiviert weder zum Handeln noch zu echter Verantwortung.
Nein, es ist logisch, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das hat nichts mit Emotionen zu tun. Das Grundgesetz regelt logisch und effektiv das Zusammenleben indem es gesunde nachvollziehbare Grenzen aufstellt. Ohne das Grundgesetz (und Gesetze generell) funktioniert Gesellschaft nicht. Diese Gesetze sind alle aus Erfahrungen bzw. empirischem Denken entstanden. Man hat gesehen was in der Vergangenheit nicht funktioniert hat und hat Gesetze aufgestellt damit sich Fehler nicht wiederholen.
Wenn man nur rein danach geht, müsste man konsequenterweise auch sagen, dass Menschen mit einer Behinderung, die bestimmten Kriterien nicht entsprechen, rational gesehen nicht gleichwertig wären. Ich weiß, das ist ein extremes Beispiel, aber genau das zeigt, warum Rationalität allein als primäre Entscheidungsgrundlage nicht funktioniert. Wir könnten genauso gut nur 95 % oder 80 % genetisch übereinstimmen ohne eine normative Prämisse bleibt völlig unklar, warum Gleichwertigkeit daraus folgen sollte. Diese Prämisse lautet meistens: „Menschen, die sich ähnlich sind, sollen gleich behandelt werden.“ Aber auch das ist keine neutrale Tatsache, sondern eine wertbesetzte, emotional mitgeprägte Setzung.
Wieso sind Behinderte rational nicht gleichwertig? Dir ist schon klar, das Behinderte von einem gesunden Menschen genetisch auch kaum abweichen, ja? Meine Aussage zerlegt nach wie vor ganz rational das Narrativ von Rassisten. (Genetische Überlegenheit) Es gibt übrigens keine Menschen mit 85% menschlicher DNA. Es gibt auch keine Menschen mit nur 99% menschlicher DNA. Es sei denn, Schimpansen sind für dich Menschen...
Aber nichts für Ungut, du musst dich nicht mit Genetik auskennen, es reicht, wenn du weißt worauf ich hinaus will. Jeder Mensch hat andere Talente.
Ich wiederhole mich vielleicht ein bisschen, aber auch wenn du sagst, dass Gewalt die Grenze sei, bleibt das alles ziemlich schwammig.
Historische Beispiele zeigen nämlich, dass eine Haltung als „überzogen“ oder „extrem“ gelten kann, obwohl sie vollkommen friedlich ist. Die frühe Frauenwahlrechtsbewegung oder Martin Luther Kings ziviler Ungehorsam wurden damals genau so dargestellt, also als extrem.
Gewalt ist ein nachvollziehbares Kriterium für Extremismus, aber inhaltliche Radikalität ist stark abhängig vom jeweiligen Zeitgeist. Ohne eine klare Definition verschwimmt der Begriff und kann schnell dazu genutzt werden, legitimen Protest abzuwerten.Und: Demokratie bedeutet mehr als nur das Mehrheitsvotum. Sie fußt auch auf Grundrechten, die gerade dann greifen, wenn eine Mehrheit sie zu überstimmen versucht. Wären Mehrheitsentscheidungen immer absolut, hätte Rosa Parks Unrecht gehabt, als sie sich geweigert hat, ihren Platz im Bus zu räumen.
Legitimer Protest, selbst wenn er gegen geltendes Recht verstößt, kann demokratische Prinzipien vertiefen und nicht untergraben.
Du vermischt hier gerade sehr viele Dinge. Ich nenne rationale Grenzen und du zitierst Zeiten, in denen es noch keine rationalen Grenze gab. Wie gesagt, nein, es (z.B. Frauenrechte) ist rational betrachtet kein Extremismus. Extremismus ist im allgemeinen extrem, nicht weil der Kontext es extrem erscheinen lässt. Das eine ist real, das andere wird durch die (damalige) Gesellschaft aufgezwungen. Das heißt, rein logisch betrachtet ist es extrem, wenn Frauen keine Rechte hätten. Wie schon gesagt, da wo kein Gleichgewicht herrscht, schlägt es in Extremismus um.
Aber ökonomische Unsicherheit, soziale Medien und gruppenbezogene Benachteiligung haben einen starken Einfluss auf die Gefahr von Radikalisierung. Wenn man diese strukturellen Faktoren ausklammert, überschätzt man die Wirkung reiner Erziehung und unterschätzt, wie stark reale Machtasymmetrien mitwirken.
Okay. Also du sagst quasi, dass Erziehung den Umgang mit Dingen und Situationen im Leben (Benachteiligung, Armut, soziale Medien) nicht regelt. Ok, ist deine Meinung. Macht zwar überhaupt keinen Sinn, aber ich akzeptiere das.
Aber eine Sache möchte ich an alle loswerden: Wir haben in manchen Dingen unterschiedliche Ansichten, aber ich finde es unglaublich schön, dass wir uns alle zumindest darin einig sind, das alle Menschen gleich sind.
Gibt genug Foren wo das leider nicht der Fall ist.

