Shyani, Weg zum Bäcker
Sie schritt wieder zurück durch den zerfallenen Eingang der Stadt und spielte weiter mit dem kleinen braunen Lederbeutelchen, welcher einige Münzen beinhaltete und leise klimperte. Immer wieder warf sie ihn in die Luft, behielt dabei allerdings die Befestigungsschnur fest im Griff, und überlegte schon, ob sie sich nicht noch etwas Süßgebäck gönnen sollte. Schließlich passte sie diesmal eine längere Zeit auf das gemeinsame Haus mit ihren ihren Eltern auf, die momentan quer durchs Land reisten und... irgendwas taten. Shyani kniff die Augen zusammen, verzog leicht den Mund zu einem missbilligenden Ausdruck und ließ ihren Geldbeutel in die Tasche gleiten.
''Sie sagen mir tatsächlich nie was sie anstellen.''
Noch nie war der Albin aufgefallen, dass ihre beiden Elternteile verschwanden und um eben irgendwann ohne große Worte wieder aufzutauchen. Sie gaben nicht einmal grobe Angaben über die Dauer ihrer Abwesenheit oder ansatzweise auch nur über ihre Planung an ihre Tochter weiter, die sich zwar daran gewöhnt hatte, mittlerweile damit allerdings nicht mehr glücklich war. Da konnte man wohl nur hoffen, dass sie nichts allzu gefährliches oder aufsehenserrgendes anstellten, weil sie selbst relativ wenig Lust auf Probleme hatte. Nicht umsonst hielt sie sich auch in Lemura so bedeckt wie möglich und betrat nicht einmal mehr die Taverne der Stadt, in der sich von den jungen Burschen bis zu altgedienten Herren alles sammelte und den Abend ausklingen ließ. Nur ein Jahr vorher hatte sie dort selbst für ein wenig Zubrot gearbeitet und ist mit den Bestellungen in der Hand von Tisch zu Tisch gerannt, wollte sich dann allerdings weiter auf ihre Bücher konzentrieren und verließ die Stelle.
Durch ihre Gedanken abgelenkt hatte sie garnicht bemerkt, dass sie sich schon fast im Zentrum Lemuras befand und sich nur wenige Straßen von ihrem Lieblingsbäcker entfernt befand, der ihr meistens noch kostenlos etwas zusteckte.