Beiträge von Chojin

    Es kommt auf das Verhältnis drauf an. Ein normaler japanischer Bürger, der sich morgens auf dem Weg zur Arbeit seine Manga-Anthologie käuft und diese in der Bahn liest, wird wohl kaum auf großes Unverständnis stoßen, da deren Bezug zu Manga & Anime ein ganz anderer ist, als es bei uns (Europa) oder in den USA der Fall wäre. Ein Otaku, der eventuell schon krankhafte Züge seiner Leidenschaft angenommen hat, wird dies nicht groß in der Öffentlichkeit präsentieren? Ich ging ganz einfach vom Normal-Bürger XYZ aus, der eben seinen Manga liest und nicht mehr.

    Wie verurteilen die Außenstehenden überhaupt Anime/ Manga?

    Es ist heutzutage oft noch so, das viele der Ansicht sind, das Zeichentrick- und Animationsfilme rein der Kinder- und Familienunterhaltung dienen sollten und eben nur jene Thematiken aufarbeiten, die hierfür auch geeignet sind. Kommen aber nun Thematiken wie Sex-, Action- und Gewaltdarstellungen zum Zuge, empfinden das jene als befremdend und nicht konform mit dem Medium Zeichentrick. Dadurch kommen dann solche Aussagen wie "Was schaust Du dir da für einen Scheißdreck an?"... Vergleicht man beispielsweise die westlichen Zeichentrickfilme untereinander, wird man feststellen, das der überwiegende Teil rein der Kinder- und Familienunterhaltung dient und sich nur ein kleiner Bruchteil davon (die Animationsfilme von Ralph Bakshi bespielsweise) auch an ein älteres und/oder ausschließlich erwachsenes Publikum richtet. In Japan gibt es dieses Problem nicht, weil es dort als ein ganz normales Film-Medium wie viele andere auch wahrgenommen wird und somit in jedem Genre Verwendung findet. Ähnlich verhält es sich auch mit Comics. Für viele sind Comics, wie Zeichentrickfilme, Kinderkram (Mickey Maus Magazin, Lustiges Taschenbuch, Spiderman,...) die man mal in jungen Jahren liest. Sitzt man als Erwachsener in der U-Bahn und liest einen Superhelden-Comic oder einen Manga, kommen hier und da schiefe Blicke. In Japan juckt das keine Sau, was dieser oder jener in der U-Bahn oder der Öffentlichkeit liest, egal ob nun Manga oder Comic. Viele, die immer meinen: "Du bist doch schon erwachsen... Warum liest Du immer noch Mangas (Comics) und schaust noch deine japanischen Zeichentrickpornos (wird ja immer gerne verwendet...) an?" vergessen nur einen wichtigen Punkt. Das in jedem immer noch ein Quantum Kind steckt und solange man an etwas seine Freude hat, ist man nie zu alt dafür. Habe schon oft mit meinen Eltern zusammen Anime geschaut und gerade mein Papa sagt meist so etwas wie "Was für ein Quatsch!"... und doch schmunzelt er hin und wieder. :D

    Interessant finde ich immer jene Leute, die mit Anime nichts anfangen können und/oder einen deswegen dumm anschauen, gleichzeitig aber Feuer und Flamme für "Die Simpsons", "Disney Animation", "Spongebob Schwammkopf", "South Park" oder "American Dad" sind... Mal abgesehen von der Herkunft und den unterschiedlichen Stilen sind und bleiben alle in ihrem Wesen "Animationsfilme", nicht mehr und nicht weniger. So what? Wenn man jenen dann die Frage stellt, wieso sie eine Animationsserie wie "Spongebob Schwammkopf" mögen, sich aber anderen Animationsmedien verschließen - sprich Anime, kommt in den seltensten Fällen eine klare vernünftige Antwort heraus. Wer ist nun peinlicher?

    Das Problem ist, das jemand mit digitalen Mitteln bestimmte Effekte einfacher erstellen kann, als wenn diese von Hand gezeichnet werden. In einem anderen Anime- & Manga-Forum, wo ich einst war, gab es auch solche gemischten Wettbewerbe und meist wurden die digtalen Werke den traditionellen vorgezogen, nur weil sie digital aufgemotzt waren. Ich spreche jenen, die es auf digitalem Wege drauf haben, ihr Können nicht ab, nur liegen zwischen diesen beiden Techniken Welten.

    In Jin-Roh merkt man auch nichts vom Faschismus an sich, keine Ahnung wo du das hernimmst.

    Wenn man die fiktiven Hintergründe zu "Jin-Roh" kennt, kann man es sich aber gut vorstellen. In "Porco Rosso" bekommt man auch nicht allzu viel vom Faschismus mit und dennoch ist er vorhanden. Vielleicht ist es auch Auslegungssache, doch gerade in Jin-Roh kommen viele Aspekte aus dem 3. Reich zum Zuge, so u.a. der Elitarismus, blinder Gehorsam (Befehl ist Befehl, egal was einem das Gewissen zu sagen versucht), Unterdrückung der Bevölkerung, etc. Wieso lehnt sich die Bevölkerung gegen das Regime auf? Wieso kommt es zu Terroraktionen? Es liegt einfach auf der Hand, dass das nationalsozialistische Deutschland nach der Besatzung Japans genauso argiert, wie in Deutschland selbst oder anderen Teilen Europas zur Zeit des Zweiten Weltkriegs...

    So ist es. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Fremdsprachen für Japaner. Man nehme nur mal das "Deutsch" der Asuka aus "Neon Genesis Evangelion"...

    Was mir an "Terror in Tokyo" neben der großartigen Atmosphäre, der brillanten Story, den wundervollen Animationen und den interessanten Haupt- als auch Nebenprotagonisten sehr imponierte, war das Verhalten und die Ermittlungsarbeit von Shibazaki. Auch, dass er durch seine "verschrobene" Art, seiner Hartnäckigkeit und seinem Charisma einige wenige Kollegen vollends überzeugen konnte, ihm trotz drohender Suspendierung zur Seite zu stehen. "Was Sie auch vorhaben... Wir sind dabei!"... Großartiges Meisterwerk!

    Beides hat seine Vor- als auch Nachteile.

    Bei einer Synchro kann man einfach in Ruhe abschalten und sich den Anime ansehen, oder mal nebenbei was anderes erledigen. Natürlich ist hier auch die Wahl der Sprecher entscheidend, aber was in den letzten Jahren so an Synchronisationen fabriziert wurde, kann sich durchaus hören lassen. Vor allem Universum Anime leistet da sehr gute Arbeit (Studio Ghibli Collection) und auch Kaze hat ein Händchen dafür ("Ame & Yuki - Die Wolfskinder", "Summer Wars", "The Garden of Words", usw). Wer mal grottige Synchros erleben möchte, der sollte sich die alten von OVA-Films reinziehen, u.a. die von "Agent Aika", "Riding Bean", "M.D. Geist", usw. Und selbst im japanischen Originalton gibt es massive Fehlschläge, so u.a. in der ersten Episode von "Adventure Kid"... Wichtig ist natürlich auch das Timing des gesprochenen Dialogs mit den Mundbewegungen der Figur, wobei sich da Deutsche als auch Japaner wenig nehmen.

    Bei Subs bleibt natürlich das japanische Feeling bestehen und es wirkt authentischer. Jedoch kommt es hierbei darauf an, ob 1. die Untertitel gut lesbar sind (Anime Virtual hatte damals bei "Weiß Kreuz" sehr hellgelbe Untertitel eingesetzt, die man stellenweise gar nicht lesen/erkennen konnte), 2. auf das Timing der Einblendung (hier und da sind mir selbst bei aktuellen Anime massive Verzögerungen aufgefallen, sodass der Untertitel 1-2 Sek. vor dem eigentlichen Dialog eingeblendet wird), 3. die Länge des Dialogs. Bei Subs kann man nie all das einblenden, was gerade gesprochen wurde, aber manche Publisher - so scheint es mir jedenfalls - versuchen dies, was dann in langen Zweizeilern endet. - und 4. die Zeit der Einblendung, welche hier und da viel zu kurz ist, als das man den kompletten Text in Ruhe lesen könnte. Bei manchen Anime musste ich teilweise immer auf Standbild pausieren, um mir den Text vernünftig durchzulesen und das stört ungemein. Die damaligen Subs von OVA Films waren und sind meiner Meinung nach die besten, die es auf dem deutschen Markt gab. Sie waren Gelb mit schwarzem Rand, gut lesbar und recht kurz verfasst (eben nur das wichtigste, um der Story zu folgen), das Timing als auch die Einblendzeit waren passend und so fiel es einem auch nicht so schwer, wie bei manch heutiger Veröffentlichung.

    So... "Terror in Tokio" habe ich nun durch und gerade die letzten 3 Episoden haben mich mehr als nur in ihren Bann gezogen. ;( Bei dieser Serie stimmt einfach alles, bis ins kleinste und aberkleinste Detail. Auch die Gesamtlänge von 11 Episoden hat voll und ganz ausgereicht, um eine mitreißende, spannende und überaus emotionale Geschichte zu verpacken. Eine Ausnahmeserie die wahrlich ihresgleichen sucht!!!

    In Bezug auf "Jin-Roh" fiel mir noch folgender Kurz-Animationsfilm ein:

    "Jin-Roh: Images of the Last Battalion" by Koushi Kishida (Production I.G.)

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    Wenn es um die Personifikation des ultimativen Bösen geht, kommen diese finsteren Gesellen gerne zum Einsatz: Nazis. Auch wenn diese Thematik recht spartanisch im Anime gesät ist, keimt sie hin und wieder auf.

    Das wohl beste Beispiel - welches wohl jedem geläufig sein dürfte - ist die "Hellsing Ultimate OVA" (Bild oben), welche die NS-Symbolik bis zum Äußersten ausreizt.

    Auch in der damaligen MTV-Ausstrahlung zu "Lupin III" gab es eine 4-teilige Episode (den Titel habe ich über die Jahre hinweg vergessen) in welcher eine NS-Diva dem guten Lupin den Garaus machen möchte.

    In "Urotsukidoji II" versucht der verrückte Nazi-Wissenschaftler "Münchhausen" mit Hilfe einer riesigen Vergewaltigungsmaschine das Tor zur Dämonenwelt zu öffnen, welches letztlich fehlschlägt...

    In "Porco Rosso" wimmelt es von italienischen Faschisten...

    Dies wären einige Beispiele zur Verwendung der NS-Thematik im Anime.


    Doch wie steht ihr dazu?

    NS-Thematiken im Anime = geht oder geht gar nicht?

    Sind euch noch mehr Anime unter die Augen gekommen, die sich dieser Thematik bedienen?

    Ist NS-Symbolik ein weiteres legitimes Stilmittel im Anime?


    Gruß,
    Euer Chojin.