Katsuro
Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an seit ich das letzte Mal einen Fuß in die Akademie gesetzt hatte.
Das Erste was mir auffiel war die unglaubliche Lautstärke, der Lärm den die anderen Auszubildenden machten.Trainingswaffen die aufeinander schlugen, dass Trampeln von Füßen, die Aufrufe von Frustration und Freude.
All das war ein starker Kontrast zu der abgekapselten Stille, die mich die letzte Zeit begleitet hatte. Stille um mich komplett auf mein Training konzentrieren zu können, einzig und allein mit Mathieu Sadareen, aka ewig mürrischer Lehrmeister aus der Hölle, als Gesellschaft.
Mein Blick wanderte von den Trainierenden zurück nach vorne, auf Sadareens Rücken, welcher vor mir lief.
Während ich ihm schweigend folgte drifteten meine Gedanken zum vergangenen Training zurück.
Die meisten von Sadareens Trainingsmethoden waren für mich fragwürdig, aber als braver Soldat machten man eben die Sachen, die einem aufgetragen wurden.
Und wenn es bedeutete Tage damit zu verbringen Briefe an Anhänger des weiblichen Geschlechts zu schreiben, dann schrieb man auch Tagelang Briefe an Anhänger des weiblichen Geschlechts.
Während ich also mit der einen Hand einen schlechten Macho-Spruch schrieb, durfte ich mit der anderen einen weiteren genauso schlechten Macho-Spruch schreiben.
Als Verbesserung meiner Handkoordination hatte Saradeen es bezeichnet.
Dank der damit verbundenen Kopfschmerzen, und das zwischendurch aufkommende Verlangen meine Hände abzuhaken, vermisste ich dann doch das körperliche Training.
Bis es wiederkam.
Blitzmagie hatte ich mir immer wie Laufen vorgestellt, nur in sehr sehr schnell.
Angefühlt hatte es sich zunächst wie unkontrolliertes ruckartiges Vorwärtskommen. Aber zumindest hatte ich keine Probleme damit, mich des Element Blitzes zu bedienen.
Zur Hilfe bekam ich dafür eine Halskette mit Deridium-Anhänger.
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Doch war Bedienen nicht gleich Anwenden.
Die schönen Nebenwirkungen bei falscher Anwendung, des Element Blitz, sind verschwommene Sicht, bis hin zur Ohnmacht und Erbrechen oder Ohnmacht und Erbrechen.
Und was soll ich sagen, ich durfte sie alle erleben.
Beschleunigtes Vorankommen auf einer geraden Strecke war noch machbar. Das darauffolgende Schwindelgefühl und die Übelkeit waren zwar unangenehm, jedoch gewöhnte ich mich recht zügig daran.
Schwieriger war dann die Richtung währenddessen zu ändern oder zum Schlag auszuholen.
Dabei verwendete ich Holzstangen, Saradeen meinte mit echten Schwertern wäre die Gefahr zu große, dass ich mich selbst aufspießen würde.
Jetzt hatte ich nicht nur mit Schwindel und Übelkeit zu kämpfen, sondern zusätzlich mit Gleichgewichtsstörungen und Orientierungsverlust.
Sagen wir mal so, es war nicht schön. Für niemanden.
Als sich Gleichgewichts- und Orientierungsverlust der Party anschlossen, die Schwindel und Übelkeit bereits in meinem Kopf veranstalteten, resultierte diese in einer leidenschaftlichen Begegnung mit einer Wand.
Darauf folgte dann auch der Moment als Erbrechen und Ohnmacht gleichzeitig eintrafen.
Nach einiger Zeit gelang es mir auch damit umzugehen. Ich lernte wie ich die Blitzmagie richtig einzusetzen hatte, ohne meinen Körper zu überfordern, wie weit ich gehen konnte und bei welcher Geschwindigkeit es kritisch wurde.
Dazu kam dann das Training mit richtigen Schwertern und die Weiterausbildung meiner Fähigkeit Stürmender Ozean.
Nach dieser Zeit kann ich also behaupten, mich beim Training nicht komplett schlecht angestellt zu haben.
Und das eine Mal als mir die Tränen kamen hatte ich Galle im Auge, das zählt nicht!
Während ich in Gedanken war, hätte ich beinahe nicht mitbekommen, dass Saradeen plötzlich anhielt.
Ich stoppt noch rechtzeitig, um nicht in ihn hineinzulaufen, doch stand ich nun unangenehm dicht neben ihm und trat einen Schritt zurück.
Wir waren an einer großen Tür angelangt, die Saradeen aufschloss.
Dahinter befand sich, wie ich wusste, eine Waffenkammer.
Die Tür ging knarrend auf und mein Meister betrat den Raum. Ich folgte ihm und überlegte kurz die Tür hinter mir zu schließen.
Ließ es dann aber, damit etwas Licht von draußen, in den spärlich beleuchteten Raum, fallen konnte.
Es war keine all zu große Waffenkammer, gefüllt war sie mit ein paar hohen Regalen, auf denen sich verschiedenste Mordwerkzeuge sammelten.
"Komm her."
Saradeen war bereits an der gegenüberliegenden Wand, als ich meinen Blick von den Regalen abwand. Diese war behangen mit einigenSchwertern, die er prüfend musterte und die Hand über einen der Griffestreichen ließ. Ach ja, Waffen-Fetischist. Hätte ich fast vergessen.
Ich trat neben ihn und begutachtete, weniger passioniert, die Waffen vor mir.
"Nein, die sind zu gut für dich." murmelte er vor sich ihn und begab sich zu einem der Regale.
"Wozu brauche ich eigentlich neue Schwerter? Kann ich nicht einfach die aus dem Training weiter benutzen?" Die war ich schließlich schon gewöhnt.
Als Antwort darauf bekam ich ein genervtes Seufzen.
"Das ist der spaßige Teil deiner Ausbildung, also verdirb ihn nicht."
"Das ist der spaßige Teil?"
"Für mich, nicht für dich. Jetzt halt die Klappe."
Gesagt getan, schweigend und mit verschränkten Armen lehnte ich mich gegen eine niedrige Vitrine und wartete darauf, dass Saradeen fand was er suchte.
Gefühlt Stunden später, die er mit durch den Raum streifen und unverständliches Zeug vor sich hin murmeln verbracht hatte, tat er das dann auch.
Er zog einen Kasten hervor, welchen er mit einem Knacken des Schlosses öffnete.
Auf sein "Hier." reagierte ich zunächst nicht, da mir nicht wirklich bewusst war, dass er mich auch angesprochen hatte.
"Masayoshi!"
"Ja."
Ich schreckte auf, stoß mich von der Vitrine ab und ging ein paar Schritte auf ihn zu.
In dem Kasten befanden sich zwei mittellange Schwerter mit dünnen, geschwungenen Klingen.
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"Die sind voll verbogen."
Das war jetzt vielleicht nicht die beste Reaktion die ich hätte zeigen können.
Gestraft wurde ich mit einem Vortrag von Saradeen über Gewichtsverteilung, Dynamik, der Fluss des Blitzelements und anderem bla bla über Schwertklingen.
Kein Wunder, dass er mich nicht leiden konnten, ich war echt undankbar, wenn man mir etwas beibringen wollte.
Wie beinah alles was er sagte meinen Kopf gleich wieder verließ, als wäre er ein löchriger Eimer.
"Hier, nimm mal." sagte er als er die beiden Schwerter herausholte und mir in die Hände drückte.
Ich drehte sie in der Hand, sie fühlten sich nicht unangenehm an, aber anders als die Schwerter, die ich im Training verwendet hatte, viel leichter.
Als ich sie begutachtete fiel mir auf, dass in das eine das Wort "Ila" und in das andere "Kesuk" eingraviert war.
Gerade als ich Saradeen danach fragen wollte, war zuhören, wie jemand mit lauten eiligen Schritten, den Raum betrat.
Ich sah Richtung Tür, in der nun ein großer, breit gebauter Mann mit wenigen Haaren stand, welcher als einer der MP zu erkenne war.
Er salutierte vor Saradeen mit einem rauen "Sir!". Dieser antwortete mit einem kurzen Nicken und wartete darauf, dass der Mann fortfuhr.
Doch statt meinem Meister wendete er sich, mit einem knittrigem Brief in der groben Hand, mir zu.