Harry
Mir war aufgefallen, dass er bei der junge Mann bei der Erwähnung von Martinez kurz zuckte. Aber hätte ich sowas wie ne Hutschnur gehabt - sie wär mir hochgegangen, als der Typ vor mir mit ziemlich aufgesetzt wirkenden Freundlichkeit auf den Schrank von Kerl verwies, der einige Meter von uns entfernt an seiner Knarre rumhantierte.
"Er liebt es, Kritik anzunehmen."
Jaja! Genau so sah der Kerl mit dem anbetonierten Bürstenhaarschnitt auch aus! Ich konnte mir durchaus lebhaft ausmalen was geschehen würde, wenn ich dem Kerl blöd käme; Zumal die drei goldenen pfeilförmigen Streifen, die an der Schulterklappe seiner Uniform angebracht waren ihn als Sergeant verrieten, während es der wortkarge Roboter hinter mir zum Leutnant gebracht hatte.
Und wenn mir selbst das Ding mit dem französischen Zopf und der Barrettmütze nicht verraten wollte oder konnte, was hier gespielt wurde dann war der Kerl da drüben mit Sicherheit noch weniger der Boss hier.
Meinen Blick noch auf den zwei Meter- Hünen gerichtet fühlte ich mit einem Mal eine seltsame Unruhe in mir aufsteigen. Was daran lag dass meine Fantasie plötzlich damit begonnen hatte mit meinen unter ihren Arm geklemmten Gedanken in ein zappendusteres Gefilde meiner Vorstellungskraft zu galoppieren.
Wäre dieser abgeschiedene Ort mitten in der Pampa und somit auch abseits neugieriger Augen nicht auch erstklassig für nicht so ganz offizielle Hinrichtungen geeignet?
Und selbst wenn ich, oder die anderen, die auch in Begleitung der MP angekommen waren nicht hier waren um ohne lästigen Prozess an die Wand gestellt zu werden; Mir waren die Lancer, Spirits, Halbdämonen und Magier nicht entgangen die sich mittlerweile auch hier eingefunden hatten. Und das - im Unerschied zu mir - offensichtlich aus freien Stücken.
Waren denn so Leute wie ich nicht eigentlich nahezu ideal als Versuchskanninchen geeignet? War ich vielleicht sogar zum Zweck hier, dass sie sich zu Trainingszwecken sozusagen am lebenden Objekt austoben konnten?!
Natürlich war es so!
Ich verfluchte mich für meine Dummheit! Der Brief, da war ich mir plötzlich sicher, war blos eine Finte. Nur dazu da, dass ich auch noch schön ohne zu mucken selbst zur Schlachtbank dappte. Und ich Idiot fiel auch noch darauf herein!
Meine Gedanken rasten; Ich musste dringend weg von hier - und zwar zackig! Die Frage war nur wie! Sollte ich versuchen jemandem seine Waffe zu entreissen? Ich verwarf den Gedanken rasch, bei all der Klingen und Schiesseisen hier wäre das reinster Suddendeath- Selbstmord. Magie war auch keine Option. Selbst wenn ich mich in völlig entspannter Umgebung auf sie konzentrierte war bei mir nicht mehr drin als kleinere Illusionszauber.
Die eigneten sich höchstens dafür, um beim Pokern mal jemanden übers Ohr zu hauen - und auch dann nur, wenn derjenige nicht allzu genau hinsah...
Da bemerkte ich, wie sich der Seargent in diesem Moment eine Kippe ansteckte. Ich senkte den Blick und tat einen vorsichtigen Schritt in das überreife Gras unter meinen Füssen.
Und als ich mich nach der Militärpolizistin umsah, die in Begleitung des Bürschchens gekommen war, und sie reger Unterhaltung mit meinem eigenen Trupp wiederfand, da kam mir doch eine Idee...
Ich wusste nicht genau, wie lange ich schon wortlos dastand, aber nun wandte ich mich meinem ...hilfsbereiten Gegenüber zu.
"Ist das so?" fragte ich, wenig darum bemüht dabei nicht scheinheilig zu wirken, und fuhr in entschlossenerem Ton fort.
"Na, dann kann er sich jetzt aber auf was gefasst machen!"
Ich wendete den Schritt auf der Verse und bewegte mich zielsicher in Richtung des Sergeants. Erfreulicherweise schien mein Aufpasstrupp nicht besonders in Sorge deswegen. Vermutlich bewerteten sie die Gefahr, dass ich ihn tatsächlich gefährlich werden könnte wohl eher als gering ein, weswegen sie in ihre Unterhaltungen vertieft blieben.
Wie ich erwartet hatte war der Kerl eher von nervösem Schlag und hielt mir augenblicklich den Lauf seiner Wumme entgegen als er mich bemerkte. Aber ich gab mich zuckerfreundlich und unterwürfig, lobte die Qualität seiner Waffe, und die vielen kunstfertigen Modifikationen die er daran vorgenommen hatte, genau so wie die ach so ruhmreichen Taten seiner Abteilung. Während ich zufrieden beobachtete, dass der junge Kerl der mich vermöbelt sehen wollte die Ereignisse mit Interesse verfolgte.
Schliesslich erwähnte ich weniger beiläufig als es den anschein machen sollte, dass ich wohl tragischerweise meine Zigaretten verloren haben müsse - und all das Geschleime entfaltete doch tatsächlich die gewünschte Wirkung. Er bot mir kurzerhand eine seiner eigenen Kippen an, die er mir erfreulicherweise auch gleich anzündete.
"Dank dir!" nuschelte ich mit dem Ding im Mund und tat dann einen tiefen Zug daran - schwer darum bemüht den Hustenreiz zu unterdrücken.
Dann hob ich den Kopf und blies den blauen Dunst effektvoll aus meiner Nase.
"Ihr Jungs leistet schon echt was um das Land zu beschützen..." begann ich dann wiederum. "...und trotzdem meinen manche Typen, sie bräuchten euch keinen Respekt zu zollen."
"Wie meinst du denn das jetzt?" fragte mich der Seargent mit ärgerlicher Verwunderung.
"Ach komm, vergiss es. Ein paar Trottel sind die Aufregung eh nicht wert!" erwiderte ich gespielt beschwichtigend, was den Searg nur noch mehr anstachelte.
"Los, jetzt red schon!"
"Naja, wenn du wirklich meinst." begann ich mit entschuldigendem Blick, "Siehst du zum Beispiel den weisshaarigen Typen da drüben, der schon die ganze Zeit in unsere Richtung starrt?"
Er folgte meinem Blick und nickte interessiert.
"Ich hab mich vorhin mit ihm unterhalten, und da meinte er doch glatt..." Ich schnupfte kurz um die Genugtuung zu geniessen etwas auszusprechen, dass mir endlich wieder leicht über die Lippen ging.
"...die von der MP würden sich für die grossen Macker halten, solang sie den Finger am Abzug hätten. Aber ohne Uniform und Knarre wärt ihr nur Riesenbabys, die keine Schulhofsprügelei überstehen würden ohne weinend nach ihrer Mama zu rufen..."
Ich gluckste innerlich vor Freude, als ich merkte wie die Zornesröte in ihm aufstieg während er sich mit grossen Schritten in Richtung meines ja so hilfsbereiten Freundes von vorhin zubewegte. Aber ich nahm mir nicht die Zeit um mich an dem was vielleicht folgen würde zu ergötzen. Hastig verbarg ich die glimmende Zigarette hinter meinem Rücken, brach dort den Filter ab und spürte zufrieden, wie der grossteil des unverbrannten Tabaks aus der Filterseite herausrieselte als ich das Papierröllchen vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinder hin und herdrehte.
Ohne den Tabak darin, so überlegte ich, würde das Papier eine für meine Zwecke ausreichende Flamme erzeugen können. Zufrieden spürte ich bald die erwartete Hitze in meiner Hand und liess das Ding vorsichtig in ein Büschel brottrockenenen Grases fallen.
Ich war schon dabei, mich unauffällig ein paar Schritte vom Ort des Geschehens fortzubewegen, da hörte ich ein dumpfes Rascheln hinter mir. Ich wandte mich um, und sah an die Stelle, an welcher ich eigentlich erwartete den glühend spriesenden Samen meines genialen Planes zu erblicken.
Da stand aber nur ein Stiefel im Gras, unter dessen Sohle ein ersterbendes Wölcken schwarzen Rauches hervortrat.
Ungläubig hob ich den Blick - bis er an der Mündung einer Maschinenpistole hängenblieb. Und an dessen hinterem Ende, da stand Leutnant Robocop.
"Versuch sowas nicht nochmal..." begann sie, ohne dass sich auch nur eine Spur an Emotion in ihrer Stimme hätte finden lassen.
"glaub mir, du würdest es bereuen."
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Sorry, ist etwas arg lang geworden, aber ich hatte Zeit heut und es lief halt auch ganz gut... xD"
Mal von den stocksteifen Dialogen abgesehen... ò_o"