Ein neuer Morgen; Ein neuer Mord; Die selbe Lichtung...
Ich stehe reglos vor Daichiis blassem Körper, als es aus einem Himmel zu schneien beginnt, der einem wogendem Meer aus flüssigem Blei gleicht.
Lautlos fallen die weissen Flocken durch die Stille herab auf. Auf das weiche Moos, auf das tote Gras, auf ihre kalten Wangen.
Es ist seltsam, aber ihr Gesicht wirkt friedlich, fast scheint es, als wäre es mit einem Lächeln im Tod erstarrt. Als hätte sie auf dieser Lichtung ihr Leben verloren, aber Erlösung gefunden...
Ich habe nicht bemerkt, wie fest meine Gedanken den Griff um den Zettel schlossen, der heute früh in mein Büro kam. Die Nachricht der Herzkönigin liegt zerknittert in meiner Hand.
Ich glätte ihn flüchtig und lese ihn, wie mechanisch, ein weiteres Mal ehe ich meinen Blick wandern lasse.
Unser Kreis ist kein Kreis mehr. Er hat sich verformt zu einem Dreieck. Die sanften Kurven haben sich gewandelt. Zu etwas Hartem, Kantigem. Etwas, das der Spitze einer Klinge gleicht.
Nur Say, Kurax und ich sind noch übrig. Und ich fühle es, keinen von uns hat die Dunkelheit grundlos verschont. Jeder von uns lebt aus einem bestimmten Zweck, selbst wenn nur einer von uns weiss, welcher das ist.
Mein Blick fällt auf Say, der am Boden kniet und um Daichii weint. Ich kann ihn verstehen. Oder ich könnte es, wenn seine Tränen wirklich seine wären; Und nicht die, eines Krokodiles, welche um ihr Opfer weinen, nachdem es in ihren Rachen verschwand.
"Man soll nicht alle Entscheidungen dem Zufall überlassen." Den Satz der Herzkönigin und meine Gedanken dazu habe ich nicht vergessen, genau so wenig wie Says Eifer. Was wenn er unsere Nachforschungen nur vorantreiben wollte, um uns zu zerstreuen; Und um zu erfahren, was wir denken, damit er reagieren könnte?
Was, wenn er es doch gut meinte? Wenn es der Eifer seiner Jugend ist, der ihn antreibt; Der ihn nicht stillsitzen - und in meinen Augen nervös erscheinen lässt?
Mein Blick fällt auf Kurax. In meinen Augen, die Ironie in diesem Spiel.
Er wird ihr gerecht; Daichii ist Tod, doch anders als bei Say liegt weniger Bedauern in seinem Blick, als Erleichterung.
Welche Entscheidung er wohl meinte, die Daichiis Tod im leichter macht... Oder ist er doch froh, das er ihren Mund durch den Tod verschliessen konnte. Denn sie sprach nicht sehr viel in diesen Tagen, und doch, sie erwähnte seinen Namen.
War es das, wofür sie sterben musste..?
