Nun, da ich letztens ja Geburtstag hatte stellte ich anlässlich der dazugeghörigen Festivität mit Erstaunen fest, dass sich durchaus auch bei meiner Leber die altersbedingten Abnutzungserscheinungen bisher in Grenzen zu halten scheinen.
Und da fiel mir ein, dass ich ja eigentlich ein dazu passendes Geschichtchen kenne, das ich euch mal zeigen könnte. ^^
Ich bin ein alter Knacker (von Hellmut Holthaus)
Ich bin ein Knacker. Ein alter Knacker selbstverständlich, denn junge Knacker gibt es nicht. In dieser Beziehung sind die Knacker den Phöniziern ähnlich.
Ich weiss es von einem jungen Mädchen. Es sagte zu einem andern jungen Mädchen: Och, so´n alter Knacker, er ist schon fünfundvierzig.
Sie sprachen nicht von mir, aber ich sass auch in dem Abteil und hörte es. Sie sprachen von irgendeinem fünfundvierzigjährigen Mann. Jedoch, was diesem recht war, musste mir billig sein, denn auch ich bin fünfundvierzig. Wenn er ein alter Knacker war, war ich auch einer in den Augen solcher reizenden jungen Damen.
Es ist ja auch egal. An das Knackertum muss man sich gewöhnen, es ist ganz unvermeidlich. Mir kam es allerdings ein bisschen plötzlich. Da läuft man blos ein paar Jahre herum auf diesem ruppigen Planeten, und auf einmal ist man ein alter Knacker. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht.
Ich hätte eher angenommen, es begänne mit Sechzig. Das muss aber damit zusammenhängen, dass ich noch keine Sechzig bin. Denn die Sechzigjährigen verlegen die Schwelle des Knackertums jenseits der Siebzig. Die Siebzigjährigen ihrerseits sagen, ein alter Knacker sei ein achtzigjähriger Mann. Die stattlichen Achtziger aber erklären, der Knacker beginne mit Neunzig. Als zwei Endachtzigern, die einen gleichaltrigen Skatkumpanen durch den Tod verloren hatten, ein rüstiger Endneunziger als Ersatzmann vorgeschlagen wurde, sagten sie: Mit so einem alten Knacker spielen wir nicht! Der rüstige Endneunziger aber kündigte zornig an, man werde es noch erleben, dass er mit den Knochen der beiden Skatbrüder in die Birnen schmeisse.
So ergibt sich die verblüffende Tatsache, dass der Mensch dem Knackertum immer näher rückt, ohne es doch jemals zu erreichen, jenen eigentümlichen mathematischen Kurven vergleichbar, die gewissen Linien immer näher kommen und sie doch in alle Ewigkeit nicht berühren. Das ist die höhere Knackermathematik, um die sich die jungen Mädchen allerdings kein bisschen kümmern. Sie sehen die Sache anders an und legen unseresgleichen unter Alter Knacker ab. So wurde auch ich ein Knacker.
Mir selbst war mein Knackertum bis dahin nicht aufgefallen. Was soll denn eigentlich knacken an mir? Zum Kuckuck! Es müsste doch etwas knacken, wenn das Wort einen Sinn haben soll. Ich höre nichts! Flink, kraftvoll und geschmeidig laufe ich einher, es geht wie geölt, nichts knackt. Wenn ich ein alter Knacker bin, dann bin ich jedenfalls einer der jüngsten alten Knacker, die es gibt, das müsst ihr zugeben, ihr Mädchen.
Wartet nur! Das weibliche Gegenstück zum Knacker ist die Knacke. Was meint ihr, wie es ist, wenn ich doppelt so alt - wenn in Neunzig bin? Jetzt seid ihr Zwanzig, aber dann seid ihr nicht Vierzig, das wäre falsch gerechnet, dann seid ihr Fünfundsechzig. Sehr ihr, so kommen wir uns wieder näher. Vielleicht knackt ihr dann schon ganz schön.Das sollte mich jedenfalls freuen. Ich aber werde an euch vorüberschreiten, federnd, elegant und feurig und ohne im mindesten zu knacken. Ich will es jedenfalls hoffen.
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So, und jetzt gibts noch nen kurzen Comic, der die bedeutungschwere und tiefgründige Philosophie mal mit nem Augenzwinkern betrafchtet. Denn es ist Sommer, da ist leichte Kost zu bevorzugen xD