Beiträge von Haggard

    Hm, keine einfache Frage. Und eine Patentantwort darauf zu finden, da bin ich bestimmt der falsche dafür. Ich meine, natürlich kann man sich in jeder Minute selbstlos aufopfern bis man irgendwann so enttäuscht darüber ist letztendlich doch so wenig erreicht zu haben dass man sich irgendwann resignierend in Bitterkeit und Zynismus ergibt. Andererseits kann man sich auch denken, was solls, nach mir die Sintflut, was kümmerts mich - vom Preis abgesehen - wenn meine Karre bei jedem Kilometer nen halben liter leckeren Super säuft, ein einziges grosses Frachtschiff bläst im Jahr ohnehin mehr Schwerölabgas durch den Kamin als alle deutschen Autos gemeinsam...

    Für mich selbst hab ich halt einfach mal wieder den Mittelweg gewählt. Übersetzt heisst das: Gutes tun und was zum positiven hin verändern; Schon, aber nur solangs halt nicht weh tut xD"

    Aber ich schaffs nicht anders, ich versuche nicht absichtlich Energie zu verschwenden, ich kaufe nicht hundertmal verpackten Kram, achte auch darauf, wo was herkommt und geb gern nen Euro mehr aus, wenn ich dafür weiss dass keine chinesischen Kinderhände daran rumwerkeln haben müssen. Ich geh auch wählen und versuch mir zu merken wenn Politiker vor drei Wochen noch was ganz anderes sagten.

    Nur, ich ess auch gern mal ein leckeres Steak und mein Wagen fährt leider auch nicht grade mit Solarenergie und auch mal auf ein Motorrad zu steigen kann ne spassige Sache sein. Und ich trank auch schon mal ein Bier oder ne Cola aus ner resourcenverschwendenden Aludose... wahrscheinlich während einer Party - wo doch anderswo grade ne Demo oder eine politische Debatte stattfand x_X

    Aber was ich wirklich versuche, das ist mich stets mit Leuten zu umgeben, von denen ich was lernen kann, und sei es nur eine andere Sicht der Dinge. Und die mich dadurch besser machen - oder sie versuchens zumindest, ich bin kein besonders gelehriger Mensch ^^"
    Und trotzdem, ein paar Sachen sind mir schon hängengeblieben; Zum Beispiel, das ein Mensch allein nicht alles tun kann, aber jeder einzelne kann immer etwas tun. Und das es eigentlich gar nicht darauf ankommt, die ganze Welt zu verändern, denn wenn jeder nur auf zwei Menschen im Leben acht gäbe und ihnen Inspiration oder Vorbild sein könnte würde das auf die gesamte Menschheit Einfluss nehmen.
    Und naja, selbst ich musste da einsehen, irgendwas Wahres ist da schon dran o_O

    Schlafen.

    Ich werd immer so nervös, wenn man mich anfasst; Friseur - oder Zahnarztbesuche sind mir schon nur deswegen ein Graus...
    Aber das heisst jetzt nicht gleich, ich wär gestört oder so... - nur naja, verhaltensoriginell xD

    Sahara oder Anarktis?

    olà sunny! :halloween:


    xD

    Ja, ich hab auch vor ihn mir anzusehen, eigentlich wollte ich heute mit nem Freund hin, ging sich dann aber leider nicht mehr aus. Bin gespannt auf den Film. Hoffentlich endlich mal wieder etwas gute ScienceFiction xD

    Tja, heute hab ich vielleicht etwas schwere Kost für euch; Vielleicht habt ihr ja mal was von den Kindern von Izieu gehört. Und naja, gestern war es eben der 69. Jahrestag ihrer Deportation, weshalb ich euch eben mal einen Song vorstellen möchte, der davon handelt...

    Reinhard Mey - Die Kinder von Izieu

    Wobei ich hier unterm Spoiler für alle, die kein Geklimper ertragen halt mal den Songtext reinkopiert hab;

    Spoiler anzeigen


    Sie war‘n voller Neugier, sie war‘n voller Leben,
    Die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
    Sie war‘n genau wie ihr, sie war‘n wie alle Kinder eben
    Im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.
    Auf der Flucht vor den Deutschen zusammengetrieben,
    Und hinter jedem Namen steht bitteres Leid,
    Alle sind ganz allein auf der Welt geblieben,
    Aneinandergelehnt in dieser Mörderzeit.
    Im Jahr vierundvierzig, der Zeit der fleiߑgen Schergen,
    Der Spitzel und Häscher zur Menschenjagd bestellt.
    Hier wird sie keiner suchen, hier oben in den Bergen,
    Die Kinder von Izieu, hier am Ende der Welt.

    Joseph, der kann malen: Landschaften mit Pferden,
    Théodore, der den Hühnern und Küh‘n das Futter bringt,
    Liliane, die so schön schreibt, sie soll einmal Dichterin werden,
    Der kleine Raoul, der den lieben langen Tag über singt.
    Und Elie, Sami, Max und Sarah, wie sie alle heißen:
    Jedes hat sein Talent, seine Gabe, seinen Part.
    Jedes ist ein Geschenk, und keines wird man denen entreißen,
    Die sie hüten und lieben, ein jedes auf seine Art.
    Doch es schwebt über jedem Spiel längst eine böse Ahnung,
    Die Angst vor Entdeckung über jedem neuen Tag,
    Und hinter jedem Lachen klingt schon die dunkle Mahnung,
    Daß jedes Auto, das kommt, das Verhängnis bringen mag.

    Am Morgen des Gründonnerstag sind sie gekommen,
    Soldaten in langen Mänteln und Männer in Zivil.
    Ein Sonnentag, sie haben alle, alle mitgenommen,
    Auf Lastwagen gestoßen und sie nannten kein Ziel.
    Manche fingen in ihrer Verzweiflung an zu singen,
    Manche haben gebetet, wieder andre blieben stumm.
    Manche haben geweint und alle, alle gingen
    Den gleichen Weg in ihr Martyrium.
    Die Chronik zeigt genau die Listen der Namen,
    Die Nummer des Waggons und an welchem Zug er hing.
    Die Nummer des Transports mit dem sie ins Lager kamen,
    Die Chronik zeigt, daß keines den Mördern entging.

    Heute hör‘ ich, wir soll‘n das in die Geschichte einreihen,
    Und es muß doch auch mal Schluß sein, endlich, nach all den Jahr‘n.
    Ich rede und ich singe und wenn es sein muß, werd‘ ich schreien,
    Damit unsre Kinder erfahren, wer sie war‘n:
    Der Älteste war siebzehn, der Jüngste grad vier Jahre,
    Von der Rampe in Birkenau in die Gaskammern geführt.
    Ich werd‘ sie mein Leben lang sehn und bewahre
    Ihre Namen in meiner Seele eingraviert.
    Sie war‘n voller Neugier, sie war‘n voller Leben,
    Die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
    Sie war‘n genau wie ihr, sie war‘n wie alle Kinder eben
    Im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.

    Nun ist es ja nicht so, dass ich mit diesem Ding Schuldgefühle und betretene Gesichter provozieren möchte; Es ist keiner unter uns, der was dafür kann, was damals geschah.

    Nur, ich denke dass wir, die wir in anderen Zeiten leben dafür schon echt verantwortlich dafür sind wachsam zu sein. Denn auch heute sind die vielen Gesichter des Wahnsinns in den Köpfen mancher Menschen noch quicklebendig, egal ob in Syrien, Nordkorea oder gleich an der nächsten Strassenecke.
    Und wenn mans wieder zulässt, das dieser Überhand nimmt werden die Unschuldigen wieder an erster Stelle den kürzesten ziehen.

    Und nun lass ich auch wieder gut sein, ihr wisst ja, was ich sagen will. Und dafür kriegt ihr noch ein Dessert, einen teils sehr amüsanten, teils aber auch etwas ernsten Webcomic-Strip den ich sehr gelungen fand: When your house is burning down, you should brush your teeth

    Hi Sunny! Schön, so viele von euch noch hier zu treffen. ^^V (Wobei, ich glaube, dass ihr fast n wenig auf die neuen User abfärbt, denn auch sie sind prima Leute, hab ich den Eindruck. xD)

    Uund dann gehts auch wieder los hier mit ner neuen Binsenweisheit. Wobei, diesmal gehts vielleicht nicht mal so lehrreich zu, denn was ich euch zeigen möchte ist mal wieder ein Blogeintrag von Traumfängerin, einer jungen Frau, die bereits schon mal hier im Thread vertreten ist.

    Aber ich finde den Artikel prima. Auch deshalb, weil er mal eine gute Begründung dafür liefert, warum man oftmals doch recht schnell ermüdet, selbst wenn man mal genug hat von der Bild-Zeitung und Gerichtsshows und ja eigentlich gewillt wäre, sich einmal mit etwas Kultur zu beschäftigen...

    Ist zwar etwas länger diesmal, aber lest es, wenn ihr mögt.

    Die Schwere der Bedeutungsschwere

    Sie sitzt gegenüber. Sie mit den großen rehbraunen Augen, den vollen, geschminkten Lippen. Sie, die sich kleidet wie ein Künstler, den typischen dunkelhaarigen lockeren Dutt zu der schwarzen Kleidung trägt, und doch kleidet sie sich eben nur wie einer.
    Sie sitzt gegenüber und liest vor.

    Sie liest aus ihrem Text, den sie schrieb. Ein Text über eine Figur. Eine Figur, allein mit der Erinnerung an bessere Zeiten.
    Und dieser Text trieft.

    Ich sitze gegenüber. Ich mit den mischfarbigen Augen, den irgendwann am frühen Morgen vielleicht mal geschminkten Lippen. Ich, mit dem billigen Rosé in der einen und der Zigarette in der anderen Hand.
    Ich sitze gegenüber und höre zu.
    Ich sitze gegenüber und ertrinke in ihrem triefenden Text.

    Sie liest ihren Text mit tausenden von Kunstpausen. Die Sätze bestehen zum Teil nur aus ein paar Wörtern. Sie liest sie leidend. Trägt dazu diesen zutiefst betroffenen, bewegten Blick auf ihrem betroffenen, bewegten Gesicht. Jeder Satz, so scheint mir, beinhaltet das ganze Ausmaß einer kompletten menschlichen Tragödie. Und es sind viele Sätze. Zu viele Sätze, selbst für ein Tragödienleben.
    Sie liest ihren Text, den sie mit ihren ausgemergelten Händen hält, den viel zu dünnen, zerschnittenen Armen. Immer wieder der leidende Blick aus den großen Mädchenaugen. Sie ist viel älter als ich und doch ist sie es, wenn ich es mir so recht überlege, wieder nicht.

    Ich lese keinen meiner Texte, wieso auch. Ich würde ihn lesen, wie ich ihn schreibe. Nüchtern. Gerade in dem Moment, in dem es mir am meisten wehtut, werde ich am sachlichsten. Es ist ein wenig, so fällt mir auf, wie in Kästners Sachlicher Romanze, die liest er auch wie eine Abhandlung und gerade dadurch könnte man schreien vor bloßem, puren Schmerz und stummer, blinder, fassungsloser Wut.
    Es liegt in der Knappheit, in dem, was nicht gesagt wird.

    Mir fällt gerade ein Film ein. Ein Film, der von einem Mann und einer Frau handelt, die sich treffen, eine Nacht miteinander verbringen, in der sie so tun, als wäre es für immer, um nach dieser Nacht beide wieder in ihr Leben zurückzukehren. Eine schöne Idee, aber jede Gefühlsregung ist ausformuliert. Statt eines alles so viel besser sagenden stummen Blickes steht die Frau vor dem Spiegel und deklamiert theatralisch: Manchmal stelle ich mir vor, tot zu sein., so dass ich denke, dass ich mir auch manchmal vorstelle, mein Fernseher würde tot sein und ich wäre frei von der Verlockung, mir Filme von der Sensiblität eines wildgewordenen Elefantens im Porzellanladen anzusehen.
    Denn, was dieser Film und sie mit den leidenden Augen vollkommen übersehen: Sobald man beginnt, Bedeutung zu zelebrieren, fällt ebendiese Bedeutung in sich zusammen. Wenn man stattdessen eben gerade so tut, als hätte etwas keine Bedeutung, entdeckt der wahre Zuhörer zwischen den Zeilen die leise, tatsächlich so bedeutende Botschaft. Und diese Entdeckung ist nicht nur unvergesslich wunderschön für jeden, der sie macht, sondern ist auch tatsächlich die, bei der das Leid zu etwas Sinnvollem führt: Einer Gefühlsregung, einer Bewegung, einer Veränderung.

    Sie gegenüber jedenfalls schafft das nicht. Mit gerunzelter Stirn und zwei Zigaretten später, bei einem einseitigen Text eindeutig ein Zeichen für einen hohen Stresspegel meinerseits und extrem gedrosselter Lesegeschwindigkeit ihrerseits, verfolge ich die letzten Sätze ihres pseudo-literarischen, bedeutungsschweren Textes. Sie endet ihren Schlusssatz mit einem zutiefst berührten Seufzer, sanfte Tränen stehen in ihren Augen und sie sieht sich um, Lob und Zuspruch erwartend.
    Der Text stirbt ja schon fast vor Bedeutung., kommentiere ich trocken. Mir ist schlecht. Ich weiß nicht, ob von dem Text, den zu hastigen Zigaretten, dem Billig-Rosé oder der Kombination aus allem drei. Ich weiß nur, dass man noch soviel schöne Texte schreiben kann und sich noch so künstlerhaft anziehen und leidend inszenieren kann - wenn man es nicht ist, ist man es nicht.
    Ja, wenn man es nicht ist, ist man es nicht, so wird es sein., murmle ich noch vor mich hin, stehe auf und drücke geistesabwesend und vor mich hin sinnierend meine Zigarette aus, schütte den Rest des Rosés in die nächstgelegene Topfpflanze und mache mich ohne Abschied, mit der zweitbesten Gesellschaft der Welt, nämlich mir selbst, auf den Weg nach Hause.

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    Uh, und da hab ich grade zufällig noch was entdeckt... Und irgendwie passts ja auch zu Ostern. Es handelt sich um eine kleine Reihe von Kurzfilmen, fünf, um genau zu sein. Die Sprache ist niederländisch, aber die Untertitel stehen ja auch noch da. Und die Dinger sind irgendwie eine recht gelungene Mischung von Humor und Traurigkeit...

    Und den ersten Teil zeig ich euch einfach mal...

    Adriaan - Ein Sarg für Stippie

    Und falls ihr das tatsächlich auch nicht übel finden solltet, und euch auch den ganzen Rest ansehen möchtet - und das auch in halbwegser Bildqualität - programmiert euren Rekorder auf ARTE, nächsten Samstag früh, so von 9 bis 10 Uhr


    Edit: uund falls ihrs versäumt habt, aber sich wer irgendwann doch mal alle Teile ansehen möchte, kann sich derjenige ja bei mir melden. Ich hab ne Kopie ^^

    Equilibrium

    (Naja, ich ging auch nicht in nen Laden und kaufte ausgerechnet diesen Film, ich bin mehr der Wühltischtyp. Aber wenn ich da was finde, das sich nach Drama anhört isses gekauft. Natürlich hab ich auch Ramsch erstanden, aber ich hab auch ein paar echte Juwelen gefischt, wie auch Pans Labyrinth, Another Earth oder Requiem For A Dream, zum Beispiel. Und die bereiten schon viel Freude, für 4 - 5 Euro ^^")