Okay, also ich hab jetzt einfach mal alle Beiträge überflogen (boah, das war echt viel), und werd jetzt eher grob auf die verschiedenen Punkte eingehen, ohne da explizite Zitate zu verwenden.
@Caldaria, danke für das Kompliment, ob ich dich enttäusche oder nicht, wird man sehen.
(Könnte vielleicht alles etwas chaotisch argumentiert sein, da ich einfach mal so das alles runter schreibe. Bitte das zu entschuldigen... :D)
Also die Kernthese, um die sich die Diskussion ja mittlerweile dreht, ist, sowie ich das jetzt sehe, "kann/darf man rechten und linken Extremismus gleichstellen", right?
Dazu würde ich als erstes einmal ganz kurz einen kleinen Ausschnitt von Marc-Uwe Klings Känguru-Chroniken verlinken: YouTube
Aber um das ganze dann noch mal etwas differenzierter aufzufassen:
Klar, auf beiden Seiten gibt es am äußeren Rand Leute, die es übertreiben. Selbst ich, der sich als Antifa bezeichnen würde, findet manche Aktionen anderer Antifas lächerlich oder übertrieben.
Aber das Ding ist doch, das unnötigste und dümmste, was ich bisher in 2016 von linken Extremisten mitbekommen habe, waren vielleicht mal Prügeleien auf Demos mit den Cops, oder Einbrüche in Naziwohnungen. Also zu den Auseinandersetzungen mit der Polizei will ich mich nicht wertend äußern, da man da nie sagen kann, von wem die Gewalt/Provokation als Erstes kam, aber so Aktionen wie das mit der Wohnung würde ich auf jeden Fall hart verurteilen. Aber spontan fallen mir da jetzt auch keinen "schlimmeren" Aktionen ein, die von linken Extremisten in 2016 begangen wurden.
Vielleicht sehe ich das aber auch zu sehr durch die rote Brille.
Kommen wir nun zur rechten Seite. Da muss ich nicht lange googlen um Morde, Brandstiftungen an Wohngebäuden, Angriffe auf Polizisten, usw. zu finden.
Oder auch erst vorige Woche, ein rechter Mob jagt einen Asylbewerber durch eine thüringische Kleinstadt. Ohne da jetzt mit Whataboutism die Taten der Linken zu rechtfertigen, aber im direkten Vergleich ist das für mich 'Tanken und abhauen ohne zu bezahlen' vs. 'Bewaffneter Raubüberfall mit Geiselnahme'.
Beides kein Kavaliersdelikt, aber deutlich unterschiedliche Schwere der Taten.
Und wo wir schon mal beim Whataboutism sind, schauen wir uns doch mal die Argumentationsstrategien an, mit denen die verschiedenen Lager ihre politisch motivierten Straftaten versuchen zu rechtfertigen.
Rechte Rhetorik verwendet da nämlich meistens Whataboutism, um anhand linker Aktionen von ihren eigenen abzulenken:
"Ey, ihr habt da Scheisse gebaut, das war echt nicht cool." - "Ja, aber die Linken haben das und das gemacht!!! Die sind auch schlimm!" - "Ehm, ja, aber darum geht es gerade nicht?"
Im Gegenzug dazu rechtfertigen natürlich auch Linke immer wieder ihre Taten mit denen der Rechten, wobei da eher die "Actio und Reactio"-Argumentation verwendet wird.
"Jaaa, klar haben wir auf der Demo Mülltonnen und Autos angezündet, aber wenn die Rechten gar nicht erst aufmarschiert wären, dann hätten wir auch nicht blockieren müssen!!!"
Auf den ersten Blick wirkt das erst mal ähnlich, beide Rhetoriken binden die Aktionen des anderen politischen Lagers in die Argumentation mit ein.
Aber auf den zweiten Blick sind sie eben nicht ganz so ähnlich, denn bei "Actio und Reactio" basiert eben die Reaktion (der Linken) wirklich auf der Aktion (der Rechten).
(Ob die Aktion nun die Reaktion rechtfertigt, das ist wiederum eine andere Frage.)
Beim "Whataboutism" hingegen wird versucht die eigene Scheisse die man (die Rechten) gebaut hat zu rechtfertigen, indem man argumentiert, irgendjemand anderes (die Linken) hätten ja auch Scheisse gebaut, obwohl die Scheisse der anderen überhaupt nichts mit der eigenen Scheisse zu tun hat.
Und da ich ein Freund der Metaphern bin, das ganze mal auf einen Kindergarten projeziert:
"Actio & Reactio": "Aber Paul hat angefangen! Wenn der mir mein Spielzeug nicht geklaut hätte, dann hätte ich ihn auch nicht gehauen!"
"Whataboutism": *Tim hat Jonas Sand ins Gesicht geschmissen* - "Ja aber Tom hat gestern Paul gehauen! Das war viel gemeiner und schlimmer als Sand ins Gesicht werfen!"
Ein weiterer Punkt war: "Nicht jeder, der rechte Ansichten hat, ist gleich ein Nazi!"
Das stimmt. Wenn ein radikaler Muslim ein konservatives Frauenbild verteidigt, dann ist das rechts, macht ihn aber nicht zum Nazi.
Wenn aber die AfD nach dem Schema argumentiert "Deutsche zuerst, Ausländer raus, etc.", dann erinnert mich das doch stark an eine gewisse Arbeiterpartei, die den Begriff des Nationalsozialismus geprägt hatte. Und dann muss man sich als AfD-Wähler diese Begrifflichkeit eben gefallen lassen, mMn.
Und das Ding ist ja nicht, dass gleich jeder, der die aktuellen Flüchtlingsgesetze kritisiert ein Nazi ist.
Es kommt nur auf die Art der Kritik an. Wenn man konkrete Punkte kritisiert und Verbesserungsvorschläge hat, dann ist das konstruktive Kritik und nicht ausländerfeindlich.
Wenn man mit 1,2 Promille beim Stammtisch rumgröhlt, dass "das ganze Pack hier reinkommt, unsere Frauen vergewaltigt und unsere Jobs klaut!!!11elf", dann ist das keine konstruktive Kritik und ausländerfeindlich.
Erstere Person würde von manchen Antifa-Hardlinern bestimmt trotzdem als Nazi bezeichnet werden, mMn aber dann zu unrecht. Zweitere Person aber vollkommen zurecht.