Mir ist kürzlich ein interessanter Vergleich in den Sinn gekommen: Ich halte es mit dem Gendern im Alltag ein wenig wie mit dem "Siezen".
Ich find es affig und unnötig, aber wenn jemand Wert darauf legt oder darauf besteht, dann versuch ich dem halt nachzukommen, einfach weil ich keinen Bock auf Stress habe. Andererseits mache ich z.B. auch keinen Aufriss, wenn mich jemand siezt.
Beispielsweise habe ich einen Kumpel der streng-woke alles gendert was geht.
Da kann man sich ja dann auch irgendwie in der Mitte treffen: Gendersternchen usw. kommen mir nicht in die sprachliche Tüte, aber ich verwende dann in Gesprächen mit ihm Formulierungen wie "Person an der Kasse". Allerdings würde der Kollege im Gegenzug jetzt auch nicht rumheulen, wenn ich "der Kassierer" sage, obwohl wir noch gar nicht an der Kasse sind und wissen, welches Geschlecht die Person hat.
Und wenn ich ein Gegenüber habe, das weder mit er, sie oder es angesprochen werden möchte (ist mir allerdings noch nicht passiert), dann würde ich einfach auf Pronomen verzichten und die Person einfach immer namentlich erwähnen (was für mich aber vmtl. sehr ungewohnt wäre, da ich Personen nahezu nie mit ihrem Namen anspreche).
Ich bin weiterhin kein Supporter des Genderns, gerade in einer Form, die die Sprache komplett verhaut, kann aber potentiell mit der Idee leben, wenn es vernünftig umgesetzt ist / wird.