Benjiro Misaki
Etwas ziellos laufen wir eine ganze Weile einfach durch den Wald, um uns vor den Zombies in Sicherheit zu bringen. Das eine oder andere Mal kann ich mich gerade noch abfangen, um nicht über eine Wurzel zu stolpern, während ich einem Zombie den Schädel einschlage. Bisher ist zum Glück noch niemandem etwas passiert. Immer wieder wandert mein Blick von einem zum anderen in der Hoffnung niemanden zu verlieren. Die Zombies um uns herum werden langsam weniger, bis die Geräusche letztendlich ganz verstummen. Dennoch laufen wir noch ein ganzes Stück weiter, bis zu einem kleinen Hügel. Ein gutes Stück vor der Lichtung auf der Spitze hört der Wald auf und fängt erst ein paar Meter dahinter wieder an. Die Gruppe wird langsamer und ich bleibe an dem letzten Baum des Waldes stehen, während die anderen noch bis zur Spitze des Hügels laufen. Für einen Moment beobachte ich meine Klassenkameraden und Frau Minako.
Bis vorgestern war es für mich normal einfach irgendwo zu stehen, Musik zu hören, andere einfach zu beobachten oder einen Manga zu lesen. Ich wollte nie mit auf diese Klassenfahrt und habe immer gehofft, dass sie so schnell wie möglich zu Ende ist, damit alles wieder normal ist. Mein Blick wandert von dem verletzten Haruma, über Jun und Shuusei bis zu Edea. Bis vorgestern waren sie mir alle einfach egal, so egal, wie ich ihnen einfach egal war und Edea kannte ich nicht einmal. [Doch heute, heute ist alles anders, als es vorgestern war.] Von meiner Klasse ist nur noch eine Handvoll von Menschen über. Menschen, die versuchen irgendwie in dieser Hölle zu überleben und nicht aufgeben, bis sie ihre Familien wieder sehen. Ebenso, wie ich nicht aufgeben werden, bis ich meine Schwester gefunden habe. Ich denke für einen Moment an Takeru, Rafina und diesen komischen Typen. [Hoffentlich sind sie noch am Leben und wir finden sie wieder.] Meine Gedanken drehen sich um alle Geschehnisse von vorgestern bis heute. Egal ist mir keiner von ihnen mehr, ich möchte, dass sie es alle schaffen. [Aber wie egal bin ich Ihnen noch?] Ich bekomme wieder Angst zu viel gesagt zu haben und zu viel von dem Menschen gezeigt zu haben, der ich wirklich bin. Ich schaue noch einmal zu den anderen und mein Blick trifft auf den von Shuusei. Ruckartig schaue ich einfach weg. [Noch möchte er unbedingt, dass wir befreundet sind, aber wer weiß, wie lange noch...]
Eigentlich möchte ich mich zu ihnen setzen, bleibe aus Angst aber einfach an der Stelle, an der ich gerade stehen geblieben bin setze mich hin, lehne mich vorsichtig an einen Baum, ziehe meine Beine an und lege meine Arme über meine Knie. Um uns herum ist einfach nur Wald. Ich versuche meine Angst und alle Frage in meinem Kopf beiseite zu schieben. [Viel wichtiger ist jetzt...Wie kommen wir hier wieder raus und wie finden wir den richtigen Weg?]
Um besser nachdenken zu können, schließe ich meine Augen, lausche aber trotzdem nach jedem noch so kleinem Geräusch, welches sich mir nähert.