Beiträge von Erika

    Ich finde gar kein soziales Netzwerk schlimm, da es letztendlich von einem selbst abhängt, auf welche Sinnlos-Diskussionen man sich in welchem Ausmaß einlassen möchte. Wer sich nicht abgrenzen kann, weil er zB fortlaufend Inhalte konsumiert, die dem eigenen Wohlbefinden nicht zuträglich sind, oder wer darauf aus ist, unbedingt Bestätigung zu bekommen, für denjenigen ist diese Art von (Online-)Freizeitbeschäftigung vielleicht nicht die beste Idee. Grundsätzlich sollte aber jeder schreiben dürfen was er möchte und wie er es möchte. Komplett ohne Regeln geht es natürlich trotzdem nicht. Kommentare, in denen zur Gewalt aufgerufen wird, sollten selbstverständlich gelöscht und der Verfasser an die entsprechenden Behörden gemeldet werden. Aber wen juckt es, wenn jemand schreibt, er glaubt an eine flache Erde, oder was weiß ich. Einfach ignorieren und gut ist.

    Also zumindest was gewisse politische Themen in Deutschland, USA oder bezüglich Russland/Israel und sowas angeht würde ich jedem Stammtisch fernbleiben bei dem das das Thema des Abends sein soll.

    Einem Stammtisch fernzubleiben, der einem thematisch oder aus anderen Gründen nicht zusagt, ist ja auch verständlich. Ich selber hätte auch kein Interesse über Russland zu diskutieren, aber genausowenig auch über My Hero Academia und andere Animes, die ich zB nicht gesehen habe. Nur würde ich deshalb nicht verlangen, dass bitte diese Themen dann ausgeschlossen werden, weil ich ja sonst keine Lust hätte teilzunehmen. Soll jetzt keine Unterstellung dir gegenüber sein, sondern eine ergänzende Erklärung meinerseits.

    Meiner Ansicht nach sollten keine thematischen Eingrenzungen vorgenommen werden (oder vielleicht nur, wenn man viel zu weit vom Ursprungsthema entfernt ist). Mal ehrlich, es wäre ohnehin unrealistisch, politische Themen auszuschließen. Japan, Anime, Popkultur sind allesamt durchzogen von politischen, gesellschaftlichen und historischen Kontexten. Davon abgesehen, wie würde das in der Praxis aussehen? Jedes zweite Gespräch einfach abwürgen? Da blieben nur noch die Themen Sushi und Kawaii-Kram übrig. Wow.

    Politik auszuschließen führt nicht unbedingt dazu, dass daraus entspannte Gespräche werden. Vielmehr werden interessante Aspekte ignoriert und alles rund um Japan, Anime, Manga usw würde als leeres Hobby ohne Bezug zur Realität behandelt werden.

    Unterschiedliche Meinungen aushalten können, gehört einfach dazu. Wenn man schon bei einem lockeren Voice Chat Angst hat, dass jemand eine andere Sichtweise vertreten könnte, die man selbst nicht vertritt, dann ist das Problem nicht Politik sondern Dünnhäutigkeit. Man kann und darf verschiedener Meinung sein, ohne dass es eskaliert. Wer ausfallend wird, kann dann immer noch gekickt werden. Das gleiche gilt auch für offensichtlich menschenverachtendes Vokabular und ähnliches. Aber, eine Meinung ist und bleibt ersteinmal genau das: eine Meinung, die man gut oder schlecht finden kann, ohne demjenigen direkt seine Grundrechte entziehen zu wollen.

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    Sehr gut gelungen :dogekek:

    Ich schaue/höre sowas eher selten, vielleicht ein- bis zweimal im Monat. Allgemein empfinde ich derartigen Content meist nicht so spannend, als dass ich da zuhören möchte. Aber manchmal wird doch etwas recht Interessantes vom Algorithmus vorgeschlagen.

    Zum Beispiel das hier (ist halt eher zum Zuhören):

    Тhе ЕVІL Man Who Kіdnаppеd, Grооmеd & Married His 4 Yеаr Оld Ѕtеpdаughtеr - Franklin Delano Floyd
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    www.youtube.com

    Gibt es einen Fall, der euch bis heute nicht loslässt?

    Allgemein bin ich recht schmerzbefreit bei solchen Themen. Aber den Fall Lucy Letby ("Babymörderin") fand ich so unmenschlich, auch insbesondere aufgrund der Vorgehensweise der Täterin, dass ich mir den kompletten Ablauf im Detail nicht geben konnte und ich das Video dann letztendlich auch abgebrochen habe. Da war wirklich meine Grenze erreicht und diese Grenze wäre auch dann existent, wenn das alles nur Fiktion wäre. Mit Gewalt gegenüber Säuglingen, und dann auch noch so widerwärtig, kann ich nicht umgehen (und will ich ehrlich gesagt auch nicht).

    Hast du da persönliche Erfahrungen?

    Ja...

    Aus Überzeugung und aus eigener Erfahrung heraus

    Für die Fragen/Probleme die ich zu dem damaligen Zeitpunkt hatte, waren die Gespräche eine große Hilfe. Im Rahmen einer Psychotherapie wäre das Ganze wahrscheinlich schnell in eine (für mich) sehr falsche, unproduktive, nicht zielführende Richtung gegangen und ich hätte mich vermutlich missverstanden gefühlt.

    Incubus

    Ja, das gibt es wirklich, es ist kein Eigenname oder eine persönliche Erfindung, sondern eine professionelle Dienstleistung, bei der philosophische Methoden genutzt werden, um Menschen bei Lebensfragen, Entscheidungen, Reflexion über Werte usw. zu begleiten. Es geht also nicht, wie in einer Psychotherapie, um Diagnosen oder die Behandlung psychischer Erkrankungen, sondern darum, Klarheit über das eigene Denken und Handeln zu gewinnen.

    Die das anbieten, haben in der Regel ein Philosophiestudium absolviert und meistens auch zusätzliche Weiterbildungen speziell für philosophische Praxis. Manche kombinieren das auch mit Elementen aus Coaching oder Beratung. Es wird in den Gesprächen viel mit Fragen, Argumenten und Reflexion gearbeitet, ähnlich wie im sokratischen Gespräch, um dabei zu helfen, eigene Einsichten zu entwickeln.

    Dass es eher unbekannt ist, liegt wahrscheinlich daran, dass es im deutschsprachigen Raum noch relativ neu ist, und eben nicht so sichtbar wie Coaching oder Psychotherapie. Es ist also verständlich, dass viele Philosophie weniger als praxisnahe Lebenshilfe kennen. Dennoch gibt es inzwischen Institute und ausgebildete Praktiker, die diese Begleitung professionell anbieten.

    Meiner persönlichen Meinung nach, exisiteren zwei Szenarien, in denen ich Psychotherapie bzw. Psychotherapeuten (also Menschen, die Psychologie studiert haben und im Anschluss daran eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten absolviert haben) als nützlich einschätzen würde:

    - in der Theorie

    - die hilfesuchende Person gerät durch großes Glück an einen kompetenten, passenden Therapeuten

    Ich finde, es kommen viele unterschiedliche Aspekte zusammen, die letztendlich (eigentlich zwangsläufig) dazu führen müssten, mit viel Vorsicht an diese Thematik ranzugehen, statt sich "einfach", wie viele es reflexartig empfehlen, in eine Psychotherapie stürzen zu wollen:

    Die Methoden und Konzepte mögen auf dem Papier zwar sinnvoll erscheinen, und man kann viel über verschiedene Verfahren und deren "Wirksamkeit" lesen. Die Ergebnisse gelten aber nur statistisch im Durchschnitt, womit die Unterschiede zwischen Individuen nicht wahrgenommen werden (was sich oft auch dann in der Therapie selbst abzeichnet). Das führt dann eben dazu, dass die zu erwartenden Resultate ausbleiben oder nicht lange anhalten. Pauschal dem Patienten die Schuld daran zu geben, davon halte ich nichts, gerade weil eben viele unterschiedliche Faktoren aufeinander treffen.

    Beispielsweise verstehe ich nicht, wie manche Patienten 10 Jahre und länger in Therapie sind, und dies auch weiterhin bleiben, obwohl sie selbst sagen, dass sie bislang keine großen Fortschritte gemacht haben. Wieso geht der Therapeut hier nicht seiner Verantwortung nach, sich einzugestehen, dass er dieser Person nicht helfen kann oder schlicht nicht der richtige Ansprechpartner ist? Eine Therapie unter solchen Umstände so lange fortzusetzen, und dem Patienten so die Möglichkeit zu nehmen, sich jemand Geeigneteren zu suchen, ist schlicht verachtenswert.

    Und bevor jetzt der Einwand kommt, dass jeder Mensch doch für sich selbst verantwortlich ist: Ja, prinzipiell ist das richtig. Nur gehen ja tendenziell eher solche Menschen in Therapie, bei denen wichtige Fähigkeiten, unter anderem sich abgrenzen können oder die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und richtig einordnen zu können, zu weiten Teilen nicht (mehr) vorhanden bzw. verschüttet sind. Wenn man es so betrachtet, dürfte man nur denjenigen eine Psychotherapie empfehlen, die psychisch sehr stabil sind und klare Grenzen setzen können. Nur sind derartige Menschen eben nicht die Zielgruppe für eine Psychotherapie.

    In diesem Zusammenhang sollte man auch nicht ausblenden, dass viele Missbrauchfälle existieren, Therapeuten also massiv die Grenzen ihrer Patienten überschreiten und es immer wieder zu emotionalen oder sogar sexuellen Missbrauch kommt. Patienten, die ohnehin verletzlich sind, gerade die, die sowieso schon traumatisiert sind, können sehr schnell zu leichten Opfern werden.

    Zudem scheinen Therapeuten auch schnell an ihre Grenzen zu stoßen, sobald sie mit komplexeren, ungewöhnlichen oder vielschichtigen Problemen konfrontiert werden, die nicht ins klassische Schema passen. Gerade da wären individuelle und vielleicht auch kreativere Herangehensweisen notwendig, was aber der Therapeut dann nicht leisten kann oder will.

    Wie bereits oben erwähnt, kann eine Psychotherapie für manche hilfreich sein. Dies bedeutet aber nicht, dass sie grundsätzlich eine gute Empfehlung ist. Auf mich wirkt es eher wie ein riskantes Experiment, das nur für wenige Menschen wirklich funktioniert.

    Wer diese Risiken, gerade der Gesundheit zuliebe, nicht eingehen kann oder möchte, kann immer noch nach Alternativen Ausschau halten. Aus Überzeugung und aus eigener Erfahrung heraus (ist zwar schon länger her aber was soll's), würde ich eher Philosophische Praxis empfehlen. Ja, auch das ist nicht für jeden etwas, je nach Typ Mensch und Art der Probleme. Dennoch möchte ich einige Vorteile gegenüber einer Psychotherapie herausstellen:

    - keine Pathologisierung: niemand wird "krankgeredet", Probleme sind keine "Störungen", sondern menschliche Fragen oder Herausforderungen (hat den Vorteil, dass keine Stigmatisierung stattfindet)
    - Stärkung der Eigenverantwortung: man wird geradezu dazu ermutigt, selbst zu denken und Lösungen zu entwickeln (hat den Vorteil, dass es Abhängigkeit verhindert)
    - individuelle Herangehensweise: es wird nicht auf standardisierte Methoden zurückgegriffen, sondern die Werte und Gedanken eines jeden Menschen ernst genommen (hat den Vorteil, dass es auch denjenigen Raum für neue Perspektiven gibt, die nicht in 0815-Kategorien passen)
    - keine therapeutischen Machtstrukturen, sondern ein Dialog auf Augenhöhe (hat den Vorteil, dass das Risiko von emotionalen und sexuellen Missbrauch deutlich geringer ist)
    - Konzentration auf konkrete Fragen (des Lebens, des Handelns usw.), statt endloses Probleme wälzen ohne Ergebnis

    Darüber hinaus existieren ja noch etliche andere Möglichkeiten, beispielsweise Selbsthilfegruppen (die ich wiederum, wie Psychotherapie, ablehnen würde). Letztendlich kommt es darauf an, das Passende für sich selbst zu finden. Ist etwas Unpassend (aus welchen Gründen auch immer), ist es selbstverständlich nutzlos.

    Ganz allgemein empfinde ich es irgendwie als faul und auch langweilig, Menschen in "gut" und "schlecht" einzuteilen. Denn was eben sehr oft geschieht ist, dass Menschen glauben, anhand von Taten einer Person beurteilen zu können, wie diese vom Wesen her ist. Genau das meine ich auch schon teilweise mit faul: jemanden zu verurteilen ist nunmal sehr viel einfacher, als diesen versuchen zu verstehen.

    Es geht mir nicht darum, zB sehr schlimme Taten zu verharmlosen oder zu rechtfertigen. Sondern darum, dass ein Mensch -meiner Ansicht nach- nicht mit seinen Taten gleichzusetzen ist. Auch nicht mit seinen Gedanken. Und auch nicht unbedingt mit dem, was durch äußere Einflüsse "aus ihm geworden ist". Auch müsste man sich erst einmal fragen, ob Menschen wirklich wissentlich "schlecht" handeln. Das was viele als Bosheit abtun, könnte genauso gut ein Mangel an Erkenntnis/an Erfahrung/an Empathie oder auch pure Verzweiflung sein.

    Das soll nun nicht bedeuten, man habe sich bei jeder (schlimmen) Tat für die Hintergründe zu interessieren oder sogar Empathie aufzubringen. Das was ich schrieb ist lediglich eine Begründung dafür, wieso ich nicht an diese Einteilung glaube bzw. es nicht für sinnvoll halte, Kategorien zu verwenden, die oberflächlich gesehen eine gewisse "Ordnung" schaffen sollen, in Wirklichkeit aber eine Einengung darstellen, wo meiner Meinung nach sehr oft Verstehen nötig wäre. Das ist vielleicht nicht für jeden einzelnen im Privaten ständig relevant, aber für die Gesellschaft im Allgemeinen meiner Ansicht nach schon.

    So gesehen: Nein, ich bin kein "schlechter Mensch", weil niemand ein "schlechter Mensch" ist.

    Nur mal ein paar ungeordnete Gedanken dazu:

    Warum scheint es (manchen) so wichtig zu sein, den Begriff "Fan" zu verwenden? (Ja ich weiß: Zugehörigkeitsgefühl, Identität blabla - meine Frage ist eher provokativ gemeint weil man genau diese Aspekte nämlich hinterfragen könnte und eigentlich auch sollte).

    Man könnte ja genauso einfach sagen "Ich mag/schaue gerne Animes."

    Mir ist es jedenfalls scheiß egal, ob sich jemand als Fan bezeichnet oder nicht. Dass Begriffe gerne mal unzutreffend oder verwässernd verwendet werden, sollten wir alle sowieso bereits zu genüge gewohnt sein. Der Begriff "Fan" erscheint ohnehin recht flexibel in seiner Interpretation, so dass eh keine harten Grenzen gezogen werden können.

    Ich muss aber zugeben, dass es mich zumindest irritieren würde, wenn sich jemand als Fan bezeichnet, der, übertrieben gesagt, gerade mal drei Animes gesehen hat. Genauso würde es mich irritieren, wenn jemand behauptet, kein Fan zu sein bzw Animes nicht zu mögen, aber bereits sehr viele Animes geschaut hat und auch weiterhin schaut. Welche Animes das nun sind, spielt meiner Meinung nach keine Rolle.

    Jemand, der beispielsweise zu 90 % Indie Games spielt, wäre in meinem Augen genauso ein Gamer wie jemand der fast ausschließlich AAA Mainstream Games spielt.

    Fazit: Es geht meiner Ansicht nach vorrangig darum, ob man "Fan" eines bestimmten Mediums ist, und nicht, was innerhalb dieses Mediums konsumiert wird.