Es kommt ja immer darauf an, mit welchem Wissen und welcher Erwartungshaltung man an einen Anime herangeht. In meinem Fall habe ich den Manga bereits gelesen gehabt und war schlichtweg begeistert. Deshalb war ich auch umso neugieriger, wie das dann in bewegten Bildern umgesetzt wurde.
Ich glaube, hätte ich den Manga vorher nicht gekannt, wäre The Case Study of Vanitas zu einer meiner absoluten Lieblingsserien geworden. So habe ich Anime und Manga jedoch unterbewusst unentwegt verglichen und schwanke nun zwischen einer immer noch vorhandenen Begeisterung für die Handlung und die Charaktere und einer gewissen Enttäuschung darüber, wie mit der visuellen Brillianz der Vorlage umgegangen wurde.
Natürlich ist mir klar, dass ein gewisses Budget vorhanden sein muss, um die detailverliebten Zeichnungen von Jun Mochizuki auch nur ansatzweise umzusetzen. Aber angesichts der aufwändig gestalteten Kämpfe und der fließenden Bewegungen der Figuren hat es daran gewiss nicht gemangelt. Es war wohl einfach eine kreative Entscheidung der Produzenten, die visuelle Intensität nicht einfach übertragen zu können und durch viele bunte Farben zu ersetzen, durch die sich an vielen wichtigen Stellen nicht die passende Atmosphäre entwickeln will.
Und obwohl man der Adaption zugutehalten muss, dass sie sich mit der Erzählungen der Geschichte Zeit lässt und gerade die entspannten Zwischenhandlungen mit Vanitas und Noè mit Ruhe und Sorgfalt erzählt, sind einige Details auf der Strecke geblieben, die mich etwas zweifelnd zurücklassen:
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- Gleich am Anfang fehlt eine Szene zwischen Noè und Riche in den Katakomben. Nichts weltbewegendes, aber ich mag Riche und diese kleine Anekdote wurde im Manga ziemlich süß dargestellt.
- Ein netter Slice of Life-Moment fehlt im Anime ebenfalls, denn in der Vorlage backt Vanitas Noè eine Tarte Tartin, von der er schlichtweg begeistert ist.
- Die Rolle von Astolfo wurde im Anime drastisch reduziert, was zur Folge hat, dass sein Assisstent Marco kaum mehr als ein Dress Extra bildet. Man kann nur schwach erahnen, was die beiden verbindet. Außerdem wurde Astolfos Verbindung zu Roland stark vereinfacht und auf ein absolutes Minimum reduziert.
- Mein größtes Problem ist jedoch der Umgang mit Mikhail. Im Manga finden sich noch einige weitere Teaser, die sein Auftauchen ankündigen. Diese wurden im Anime entweder ganz weggelassen (Vanitas' Flashback, als er Jeanne verspricht, sie zu töten) oder erst nachträglich eingefügt (Mikhails und Dominiques Begegnung nach Jeannes Date). Dadurch wirkt der letzte Arc wie etwas krampfhaft ans Ende angefügt und weniger rund, beinahe wie bei einer Light Novel-Adaption.
Ich will aber nicht alles schlechtreden, denn insgesamt hat man schon gemerkt, dass das Produktionsteam sich Mühe gegeben hat, den Charakteren und ihrer mitreißenden Story Leben einzuhauchen. Der manchmal schräge Humor aus dem Manga wurde auch sehr passend umgesetzt, ebenso wie die besondere Beziehung von Vanitas und Noè sowie Vanitas' und Jeannes Romanze.
Als Fan des Manga bin ich trotzdem hin- und hergerissen, was ich von der Umsetzung halten soll.