"Wir haben unsere Gründe.", fiel Nwago ihr ins Wort.
Dakaria blickte den Hauptwächter in die Augen.
Sofort fiel der genervt-wütende Ausdruck von ihm ab und machte etwas anderem Platz.
Angst.
Er kannte diesen Blick von Razuel...
Es war derselbe Blick, den Razuel immer aufsetzte, wenn er jemanden in die Enge trieb.
Doch Dakaria drehte sich nur um und sortierte weiterhin Bücher in das Regal ein.
"Er mag euch unheimlich sein, doch das ist kein Grund, ihm einen Karrieresprung zu verweigern."
Nwago starrte sie ungläubig an.
"Woher weißt du-?"
Dann bemerkte er es. Natürlich.
„...ah...verstehe. Razuel hat dir beigebracht, Menschen zu lesen
Dakarias emotionslose Augen wandten sich wieder ihm zu: "Das ist korrekt."
Der Hauptwächter schüttelte den Kopf.
"Du kommst ganz nach deinem Meister..."
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Tagebuch von Nwago - Eintrag 1:
"Diese Dakaria ist definitiv Razuels Schülerin. Sie ist genauso verschlossen wie er (wenn auch wesentlich disziplinierter - wenn ich nur daran denke, was Razuel im Gasthaus treibt... ich habe bereits Beschwerden wegen unangemessener arkaner "Streiche", sexueller Belästigung und nicht weniger Schlägereien bekommen- und dabei ist er keine drei Tage hier!) Ich muss herausfinden was sie vor hat. Vielleicht kann Wächter Grael mir dabei helfen, auch wenn ich ihn nur ungern um einen Gefallen bitte.. nein - es ist besser, wenn er keinen Verdacht schöpft. Vielleicht kann ich einen anderen Wächter um Rat bitten..."
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Tagebuch von Nwago - Eintrag 2:
"Ich habe Grael dennoch angewiesen, ein Auge auf Razuels Schülerin zu haben. Auch wenn er mir unheimlich ist - er ist mein bester Schüler und ich weiß, dass auf ihn Verlass ist. Diese Dakaria... ich will nicht wissen, was Razuel ihr angetan hat damit ihr Blick so kalt und tot wurde... Ich weiß, dass sie irgendwas im Schilde führt...Unterdessen werde ich versuchen, Razuel zu beschatten, auch wenn ich sicher bin, dass er das bereits eingeplant hat."
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Tagebuch von Nwago - Eintrag 3:
"Es ist frustrierend, dass ich immer noch nicht weiß, was Razuel vorhat! Er gibt sich vollkommen normal..
...nun...
...nicht, dass er je normal gewesen wäre...
Seine Schülerin hat einiges von ihrem Meister gelernt, unter anderem wohl auch, sich in fremden Situationen unauffällig zu verhalten. Sie erfüllt ihre Pflichten ohne einen einzigen Fehler zu begehen...
...ich glaube, selbst Grael scheint gelinde beeindruckt zu sein.
Nun ja.
Sagen wir, ich vermute es.
Aus ihm wird man genauso wenig schlau, was mich ebenfalls beunruhigt. Diese Unwissenheit bringt mich noch um den Schlaf!"
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Es dunkelte schon, als Razuel zum Gasthaus zurückkehrte.
Es war ein schöner Tag gewesen.
Er hatte auf dem Marktplatz einige bemerkenswerte Schnäppchen gemacht, und alles, was er jetzt wollte, waren ein guter Drink und ein bequemes Bett.
Doch als er die Gestalt sah, die in der Dämmerung wartete, grinste er.
Es war schon der vierzehnte Versuch, seitdem er hier angekommen ist, bei dem Nwago versuchte, seinen Plan zu durchschauen.
Irgendwie niedlich.
"Razuel."
Nwagos Stimme klang bestimmt.
„Es reicht. Ich werde beantragen, dass du und deine Schülerin die Insel verlasst."
Razuel gähnte gelassen.
"Und weswegen? Ich hörte, sie hat erst kürzlich Wächter Haal vor dem Tod bewahrt."
Nwagos Stimme klang sofort unsicherer.
"Das - das hat nichts damit zu tun! Ich weiß nicht warum ihr hier seid, aber -"
"Aber was? Bisher haben wir dir doch in keinster Weise geschadet, mein Freund.", sagte Razuel mit einem entspannten Lächeln und winkte einer Dame aus der Gaststube zu.
"Ich habe Beschwerden über dich erhalten und das nicht wenige!", knurrte Nwago.
Razuel zog eine Augenbraue hoch.
"Gut, wenn du meinst. Ich verschwinde von hier. Aber Dakaria bleibt."
Nwago starrte ihn fassungslos an.
"Warum sollte sie bleiben?! Sie wird mit dir gehen!"
Razuel gluckste.
Offenbar war Nwago der Kragen geplatzt.
Nun gut, wenn er unbedingt einen triftigen Grund braucht...
"SIE hat nichts falsches getan, oder?"
Nwago schwieg und Razuel deutete auf die Bank neben sich.
"Setz dich zu mir, alter Freund."
Nach einer langen Weile gehorchte Nwago widerstrebend.
Razuel zündete sich seine Pfeife an, bevor er erneut sprach.
"Dakaria kommt bestens ohne mich aus. Sie braucht niemanden und war ihr Leben lang auf sich allein gestellt. Ich habe sie zwar aufgezogen...doch ich war nie ein Vater für sie."
Er blies einen Schwall des Pfeifenrauchs in die Abendluft.
„Ich wollte aus ihr eine Waffe machen. Eine Waffe die jeden Krieg gewinnen kann."
Seine Stimme wurde eine Spur leiser.
„Aber nun, da sie so weit ist... schmerzt es mich, dass sie nur noch eine gefühllose Puppe ist."
Er ließ den Blick über das Meer schweifen.
„Es war ihr Wunsch hierher zu kommen. Und ich denke, es wäre vielleicht besser, wenn sie bleibt. Sie hat mehr Krieg und Elend gesehen, als irgendjemand ertragen sollte. Das hat Narben hinterlassen, die niemals wirklich heilen werden. Ich weiß nicht, was sie sich von diesem Ort erhofft ... aber ich konnte es nicht über mich bringen, ihr diesen Wunsch abzuschlagen."
Stille legte sich über die Beiden.
Razuel dachte über seine eigenen Worte nach.
Er musste sich eingestehen, dass das Meiste davon zutraf.
Er öffnete eine Weinflasche und führte sie zum Mund.
"Ich hätte nie gedacht, dass du dich jemals für jemanden verantwortlich fühlen würdest.", meinte Nwago und nahm ihm die Flasche aus der Hand.
Er trank einen Schluck und lächelte.
Razuel zuckte die Schultern und sah wieder aufs Meer hinaus, wo die Sonne langsam ihre letzten Strahlen auf das Wasser fallen ließ...
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Dakaria sortierte die letzten Objekte ein.
Es dunkelte schon und die magischen Kugeln gaben nur spärliches Licht ab.
Dann hörte sie ein vertrautes Geräusch, das sich näherte.
Schnelle Schritte.
Gleichmäßiges Tempo.
Und dennoch ohne Eile.
"Du bist noch wach?"
Sie drehte sich um.
Grael näherte sich und trug eine Laterne, deren Schein lange Schatten auf sein Gesicht warf.
„Ich wollte meine Arbeit noch beenden."
Er nahm ihr das Buch wortlos aus der Hand.
"...es sieht dir gar nicht ähnlich, dass du dich verspätest...", bemerkte er.
Sie nickte und senkte ihre Stimme um eine Oktave: "...ich glaube, Wächter Vrelen will mich von der Arbeit abhalten. Er steht jede Stunde hier und will mich in ein Gespräch verwickeln. Ich habe keine Zeit für unnützes Geschwätz."
Grael nickte.
Sein Blick fiel auf den Einband des Buches, das er Dakaria abgenommen hatte.
Es war eine Studie über psychische Torturen.
"...von wem hast du dieses Buch?", fragte er.
Dakaria sah ihm ruhig in die Augen.
"Ich habe die Erlaubnis des Hauptwächters, mich hier weiterzubilden."
Zum ersten Mal ... umspielte der leiseste Hauch eines kalten Lächelns Graels Lippen.
"...dies war keineswegs eine Schuldzuweisung."
Dakaria sah zu Boden.
"Verzeiht... es ist meine Aufgabe alles zu erlernen, um meine Heimat zu schützen..."
Er gab ihr das Buch zurück.
"Höchst ungewöhnlich für eine... Arkanistin."
Er drehte sich um: „Folge mir."
Dakarias Puls beschleunigte sich.
Warum hatte sie ihre Heimat erwähnt?
War sie kurz davor, entlarvt zu werden?
Verbannt, bevor sie ihre Mission erfüllt hat?
Sie folgte ihm schweigend.
Doch zu ihrer Überraschung führte er sie nicht zum Hauptwächter.
Stattdessen schloss er ein Tor zu einem ihr unbekannten Teil der Archive auf und bedeutete ihr, einzutreten.
Danach schloss er die Tür hinter ihnen.
Sie waren allein.
Nur Graels Laterne spendete etwas Licht.
"Dieser Teil ist normalerweise für Außenstehende verboten...", erklärte er.
Sie sah sich um.
Folianten über arkane Folterwerkzeuge.
Objekte die in besonderen Behältern verstaut worden waren, weil ihre negative Energie bereits Menschen in den Wahnsinn getrieben hatte.
Anleitungen für dunkle Rituale...
Ihre Augen leuchteten.
Andererseits - sie drehte sich zu ihm um, misstrauisch blickend.
"Warum habt ihr mich hierher gebracht?"
Er ging langsam zwischen den Regalen hin und her, seine Finger strichen leicht über die verwitterten Buchrücken unzähliger Bücher.
„Als meine Assistentin ... solltest du mit jedem Teil des Archivs vertraut sein. Und mit jedem dir anvertrauten Objekt."
Dakaria konnte ihre Euphorie kaum verbergen.
Doch... irgendwas war an der Sache faul.
Sie wollte noch etwas sagen-
doch er drehte sich um und ging.
Sie blieb allein zurück.
Dakaria dachte nach.
Das konnte doch nur eine Falle sein, oder?
Andererseits...
...er schien auch nicht gerade abgeneigt von ihrem Gesuch zu sein...
Nach einem kurzen Zögern traf sie eine Entscheidung.
Sie beschloss sich schnell umzusehen.
Wenn hier alle dunklen Geheimnisse und Riten zu finden waren, musste ES auch hier sein.
Sie bewegte sich schnell durch die endlosen Regalreihen.
Eine nach der anderen.
Nichts.
Immer noch nichts.
Stunden vergingen.
Durch ein Fenster, hoch oben drangen bereits die ersten Sonnenstrahlen.
Sie fluchte innerlich.
Würde man sie hier entdecken, würden gewiss unangenehme Fragen gestellt werden!
Sie trat an die Tür - abgeschlossen.
Er hatte sie hier drin eingesperrt.
Natürlich hatte er das.
Statt ihn zu verfluchen, lächelte sie.
Sie hatte ihn richtig eingeschätzt...
Kalt.
Gerissen.
Ehrgeizig.
Sie lehnt sich gegen ein Regal und überlegte.
Offenbar kam sie nicht ohne Schlüssel hier raus.
Ihr blieb wohl nichts anderes übrig, als zu warten...
-was war das?
Sie hörte Schritte...
...Stimmen.
...Wächter.
Mehrere, wie es schien.
Ein einziger Gedanke durchzuckte sie - Sie musste sich verstecken!
"Seid ihr sicher, Wächter Grael? Ich kann mir einen Eindringling in der verbotenen Abteilung nur schwerlich vorstellen. Schließlich kommt man nur durch den Schlüssel überhaupt hinein!", sagte einer der Hauptwächter skeptisch.
Grael schloss die Tür auf, ohne den Blick vom Raum dahinter abzuwenden.
„Ich bin mir absolut sicher."
Er trat ein.
„Jemand war hier."
Er deutete auf eine Reihe Regale.
„Seht ihr die Unordnung?"
Der fremde Hauptwächter ließ den Blick umherschweifen: "...in der Tat... aber wo ist der Eindringling?"
Grael ging methodisch durch die Regale.
Unmöglich...
Sie war verschwunden!
Aber - es gab keinen zweiten Ausgang.
Der Raum konnte nur von außen aufgeschlossen werden.
Sie musste hier sein!
Irgendwo...
Doch jeder Gang...
Jedes Regal...
Jeder Schatten...
War leer.
Der Hauptwächter verschränkte die Arme.
"Nun - wer auch immer es war, ist weg. Wenn ihr keine wichtigen Anliegen habt, werde ich mich nun zurückziehen."
Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, verschwand er.
Grael machte keine Anstalten, ihn aufzuhalten.
Seine Augen suchten weiterhin den Raum ab.
Dann...
Etwas erregte seine Aufmerksamkeit.
Auf dem Steinboden lag eine einzelne Feder.
Schwarz.
Mit Gold besetzt.
Scharf, wie die Klinge eines Rasiermessers.
Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich.
„...Ein Val'kyre..."
Er hob sie vorsichtig auf.
Dann verließ er den Raum und schloss die Tür noch einmal hinter sich ab.
"Habt ihr da drin etwas gesucht, Wächter Grael?"
Er erstarrte.
Dakaria!
Sie stand nur wenige Meter neben ihm.
Ruhig.
Emotionslos.
Als hätte sie die ganze Zeit über dort gestanden.
Zum ersten Mal seit Jahren... war er aufrichtig überrascht.
"Du!"
Seine Stimme klang kälter, als gewöhnlich.
„Wie bist du...?", knurrte er.
Dakaria trat plötzlich näher.
Näher...
Bis sie kaum noch eine Handbreit voneinander trennten.
Die Porzellanmaske, die sie jeden Tag trug...
...fiel einfach weg.
Was ihn ansah, war das mörderischste Lächeln, das er je gesehen hatte.
Ihre eisblauen Augen leuchteten vor unverkennbarer Freude.
Sie senkte ihre Stimme auf kaum mehr als ein Flüstern.
Leise.
Fast verführerisch.
"Das war ein guter Hinterhalt. Ihr habt meine Schwäche gesehen und sogleich ausgenutzt.", ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen.
„Doch selbst gut ausgebildete Soldaten versäumen es hin und wieder, nach oben zu sehen. Sie denken manchmal nicht dreidimensional. Dies...", sie neigte den Kopf leicht, „War euer einziger Fehler."
Sie machte eine Pause.
„Ich bin euch dankbar für diese Lektion."
Dann, genauso plötzlich –
Verschwand das Lächeln.
Ihr Gesicht wurde wieder zu der emotionslosen Maske, die ihm so vertraut war.
Sie lehnte sich zurück.
"Ihr wollt wissen warum ich hier bin."
Das war keine Frage, eher eine Feststellung. Und sie hatte Recht.
Er verschränkte die Arme.
"Das wäre zumindest ein Anfang...", seine Finger spielten mit der Feder in seiner Hand, „...kleine Val'kyre."
Für einen Moment sah sie fast überrascht aus. Dann bemerkte sie die Feder.
„...Ah."
Ihr Ausdruck versteifte sich.
Offenbar gefiel es ihr nicht, dass er ihr kleines Geheimnis entdeckt hatte.
Sie nickte.
"In Ordnung. Ich werde euch mein Missionsziel anvertrauen... aber im Gegenzug erbitte ich eure Hilfe. Gibt es einen Ort wo wir ungestört reden können?"
Grael wollte etwas erwidern, als sich jemand in ihr Gespräch einmischte.
„Störe ich?"
Vrelen, ein niederer Artefaktsucher, welcher beinahe vom Spiegel des Jenseits eingesogen worden wäre, wenn Dakaria nicht im richtigen Augenblick den Blickkontakt unterbrochen hätte.
Er lächelte Dakeria an: "Dakaria, hast du heute Abend schon was vor? Ich dachte wir könnten... du weißt schon... zusammen was trinken gehen oder so."
Obwohl sie sonst eher die emotionslose Puppe spielte, bemerkte Grael den leicht genervten Ausdruck in ihrem Gesicht.
Sie schien sich arg zusammenreißen zu müssen...
Doch nur für einen Moment.
Einen Augenblick später, hatte ihr schönes Gesicht wieder seine neutrale Maske aufgesetzt.
Sie konnte sich beeindruckend gut beherrschen.
"Tut mir leid, ich habe bereits andere Pläne."
Vrelen zog eine Augenbraue hoch.
"Tatsächlich?"
Er trat näher.
"Ich hoffe doch, du meinst mit anderen Plänen nicht, dass du den ganzen Abend hier verbringst... Etwas Gesellschaft würde dir gut tun..."
Seine Hand näherte sich ihrer Wange, doch Dakaria drehte sich eiskalt weg.
"Mir reicht die Gesellschaft von Wächter Grael."
Vrelens Lächeln schwand.
Er starrte zu ihm hinüber.
In den Augen eine Mischung aus Überraschung ...
... und Feindseligkeit.
„Verstehe."
Wieder das Lächeln.
Er lehnte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr.
"Dann ein andernmal..."
Plötzlich ertönte ein scharfes, metallisches Klicken.
Vrelen heulte vor Schmerz auf.
Seine linke Hand, welche auf einem Regal ruhte, steckte in einer Mausefalle.
Vrelen entfernte sie, lief rot an und rauschte davon.
Grael warf ihr einen vielsagenden Blick zu.
Dakaria verdrehte die Augen.
"Irgendwie musste ich ihn loswerden."
"Du solltest magische Artefakte nicht leichtfertig verwenden."
Zu ihrer Überraschung klang er weniger streng als sonst.
Tatsächlich sah sie das erste Mal den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht.
Oder zumindest etwas, das einem Lächeln recht nahe kam.
"Das sagt ja der Richtige. Wie ich hörte, hat euch Wächter Rastofir mit einer Degradierung gedroht, solltet ihr den unbeschrifteten Folianten weiterhin studieren.", erwiderte sie.
"Er will nur die Anerkennung für sich...", erklärte er und trat näher.
So nahe, dass nur sie ihn hören konnte.
"Sonnenuntergang. Der rechte Flügel der Haupthalle.", seine Stimme war zu einem unheimlichen Flüstern geworden, „Lass mich nicht warten... kleine Val'kyre."
-
"Vrelen?", Wächterin Yalanda blickte von ihrem Schreibtisch auf, „Was ist denn mit dir los? Du siehst so niedergeschlagen aus."
Vrelen schüttelte nur schweigend den Kopf, wütend dreiblickend.
Lovir, sein bester Freund und Kollege grinste: "Immer noch kein Glück bei der Neuen, was?"
Vrelen sah finster zu ihm.
"Ich glaub zwischen ihr und Grael läuft was."
Yalanda brach in Gelächter aus.
"guter Witz!"
Doch als niemand ihr Gelächter erwiderte, kriegte sie sich wieder ein.
„Warte - du meinst das ernst?"
Lovir verschränkte die Arme hinter dem Kopf und wippte auf seinem Stuhl: "Was soll daran so seltsam sein? Unheimlich und unheimlicher - passt doch."
"Die Kleine gehört mir...", knurrte Vrelen.
Er beachtete nicht einmal die Schar anderer Wächterinnen, die ihm giggelnd zuwinkten.
"Mach bloß nichts, was du später bereuen könntest..."
Lovirs Stimme war ruhig und bestimmt.
Es war ein guter Rat.
Doch leider...
hörte Vrelen nicht hin.
---
Einige Zeit später...
Dakaria blickte zum gefühlt zehnten Mal über die Schulter.
Niemand schien ihr zu folgen.
Grael wartete bereits.
Ohne ein Wort zu sagen, bedeutete er ihr, ihm zu folgen.
Er aktivierte einen Teleporter, der aussah, als sei er schon seit einigen Jahren nicht mehr benutzt worden.
Ein Puls aus blassblauem Licht hüllte sie ein.
Augenblicke später tauchten sie unter den arkanen Hallen auf.
Die unterirdischen Gänge waren alt.
Vergessen.
Verlassen.
Steinbögen verschwanden in der Dunkelheit, während dicker Staub auf dem Boden lag.
"Vor langer Zeit wurden hier die ersten Schriften und Artefakte gelagert...", erklärte er, während sie ihm weiter folgte,
„Nun wird es zu einem Gewölbe für die Vesani umgebaut."
Seine Laterne warf lange Schatten an die Wände.
„Wir haben nicht viel Zeit."
Dakaria nickte.
Es gefiel ihr hier unten. Kein Licht drang durch diese Mauern, nur der Schimmer seiner Laterne trieb sie voran.
Dann...
Sie hörte etwas.
Leise.
Vorsichtig.
Schritte.
"... Wächter Grael..."
"Ich weiß."
Er setzte seinen Weg ungehindert fort, bis sie schließlich in einem gewölbeartigen Keller angelangt waren.
Dann – ohne eine Vorwarnung – verschwand Dakeria in der Dunkelheit.
Grael drehte sich weder um, noch rief er ihr nach.
Er wusste bereits, was sie vorhatte.
Einen Herzschlag später-
... hallte ein Schrei durch den Korridor hinter ihnen.
Als er sich umdrehte, lag Wächter Vrelen blutend auf dem Boden und hielt sich das Bein.
Offenbar hatte Dakaria ihn noch nicht töten wollen.
Sie hatte ihn lediglich an der Flucht gehindert.
Nach allem was er gehört hatte, recht ungewöhnlich für eine Val'kyre.
"D-Dakaria!"
Vrelen zitterte am ganzen Leib.
Tut mir... - ich - ich wollte..!"
Dakaria hob einen Finger.
ScHwEig!
Sie bewegte ihre Lippen nicht, doch der Befehl echote in Vrelens Kopf wider.
Ihre Augen begannen zu leuchten.
Ein unheimliches grünes Licht sickerte aus seinem Körper und floss langsam in ihre ausgestreckte Hand.
"Ich konnte Spione noch nie leiden."
Ihre Stimme klang kühl.
Die grüne Energie formte sie zu einer Klinge.
Sie musterte ihn.
"Warum bist du uns gefolgt?"
Vrelen blickte starr vor Schreck auf das spektrale Messer.
Er war unfähig zu sprechen.
Dakaria stach ohne mit der Wimper zu zucken zu - in seinen Arm.
Nicht tief genug, um ihn zu töten, doch tief genug, um sich an seinem Leid zu ergötzen.
Ein Schmerzensschrei hallte durch die Kammer.
Sie beobachtete ihn mit stiller Faszination.
In ihren Augen war keine Wut zu sehen.
Kein Hass.
Nur...
Vergnügen.
Als wäre sie in Trance geraten.
Oder vielleicht eine Ekstase.