Dann fangen wir mal an ;)
Ich wurde definitiv nicht streng erzogen, aber wenn ich mal großen Mist gebaut hab, hab ich halt ein paar aufs Gesäß bekommen. Die Vorfälle kann ich auch locker an zwei Händen abzählen, es war nicht brutal und hat mich auch nicht dazu gebracht, mich vor meinen Eltern zu fürchten. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich mehr Respekt vor dieser Situation, als vor irgendwelchen "Schmerzen" hatte. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass mich andere Bestrafungsarten immer total kalt gelassen haben. Ob es Hausarrest, Fernseh- oder Gamesverbot war, man hat dann doch immer irgendwas anderes gefunden. Lerneffekt Null.
Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Grundschulzeit. Man saß ordentlich und relativ leise zusammen, die Autorität des Lehrers war absolut. Aufgaben in der Stunde und auch Hausaufgaben wurden in der Regel ohne Anstand gemacht, ohne Widerstand. Probleme mit den Eltern gab es meines Wissens fast ausschließlich bei den Empfehlung für die weiterführende Schulform. Durch mein Studium bin ich grade im zweiten Praktikum in einer Grundschule in meinem sehr ruhigen und "migrationsarmen" Städtchen und selbst hier sind die Veränderungen krass. Nicht wenige Schüler verweigern am laufenden Band Aufgaben, andere wuseln wild durch die Klasse und Ruhe gibt es eigentlich überhaupt nicht. Der letzte Ausweg ist es da, die Schüler vor die Tür zu setzen. Gabs ja damals auch schon. Ich hatte dabei ein schlechtes Gewissen, heute stolzieren sie mit einem dicken Grinsen ins Gesicht vor die Tür. Nicht ohne Grund sind einige Schüler mit geräuschunterdrückenden Ohrenschützern im Klassenraum.
Dadurch entstandene, schlechte Leistungen werden dann wohl regelmäßig von den Eltern auf die Lehrer abgeschoben. Ergo soll also die unzureichende Erziehung der Eltern auf die Lehrer übertragen werden, was einfach nicht funktionieren kann. Die Frage ist hierbei, was hat sich denn verändert? Die Gesellschaft, die Technologie, das frühere "Erwachsenwerden"? Natürlich werden Kinder dadurch beeinflusst, aber der Kernfehler muss in der Erziehung liegen. Was immer mehr verloren geht, das ist der Respekt, besonders gegenüber älteren Personen. Zu Grundschulzeiten habe ich nicht einmal daran gedacht, die Autorität von Lehrern anzuzweifeln. Ich hatte sogar gehörigen Respekt vor älteren Schülern, da man ja was abbekommen könnte, wenn man frech wird. Gibts heute fast nicht mehr (was natürlich auch seine guten Seiten hat).
Worauf will ich also hinaus? Aus meiner Sicht wird die Erziehung immer lascher. Die Kinder werden verhätschelt und lassen sich, wenn überhaupt, nur noch etwas von den eigenen Eltern vorschreiben. Wenn ich darüber nachdenke, wie wenig "Züchtigung" bei mir nötig war, um mich zu einem halbwegs sozialen Menschen zu erziehen, dann ist das für mich ein durchaus valides Mittel. Natürlich ist das gesellschaftlich verpöhnt, aber es wird dabei eine absolut falsche Botschaft vermittelt. Ich für meinen Teil wurde in keiner Weise verletzt, verängstigt, oder unterdrückt. Es war das einzig funktionierende und angebrachte Mittel, um auf starkes Fehlverhalten zu reagieren. Mit einem tiefgehenden Gespräch und 2-3 "Du-du-du!" allein wär man bei mir nicht weit gekommen.
Insgesamt will ich jetzt nicht dazu aufrufen, eure Kinder in regelmäßigen Abständen durchzuklopfen, aber eine zu gut gemeinte Erziehungsweise geht meiner Meinung nach mit einer an Garantie grenzenden Wahrscheinlichkeit, auf die eine oder andere Weise, in die Hose. Kinder sollten nicht nur für Fehlverhalten vernünftig bestraft werden, sondern müssen auch ihre eigenen Konflikte lösen.
PS: Ich habe keine Kinder :D