Mir ist aber zusätzlich aufgefallen, dass sich ein paar Sachen fast ein bisschen so lesen, als könne man sich nur mit Gewalt, wenn auch in sehr geringem Maß, Respekt und Autorität verschaffen.
Das sehe ich natürlich nicht so, für mich ist die Erziehungsgrenze nur bei dem Klaps erreicht. Das heißt, es ist für mich der letzte Ausweg, bevor ich mich geschlagen gebe. Oberstes Ziel ist es auch bei mir, gewaltfrei und deeskalierend zu erziehen. Sollte ich "Glück" mit meinen Kindern haben, dann wird es auch nie zu Gewalt kommen, wobei ich Gewalt selbst für einen eher untreffenden Begriff halte. Autorität basiert für mich auf Respekt, nicht Dominanz.
Lehrer haben gar keine Wahl, als sich Respekt ohne Gewalt zu verschaffen. Und viele kriegen das auch hin.
Viel zu oft erwarten Eltern doch mitlerweile, dass Erzieher und Lehrer ihren Job machen. Nämlich dem Kind Regeln, Respekt und alles drum herum beizubringen. Das kann nur nach hinten losgehen.
Genau das ist ja die Situation. Das Problem dabei ist, dass es nicht nur das eigene Kind betrifft, sondern gleich 20-30 andere. Ist mein Kind verzogen und macht schon Zuhause Probleme, dann hat kein Lehrer die Möglichkeiten, das selbstständig zu beheben. Umso schlimmer ist es dann, wenn man gleich mehrere solcher Kinder betreut. Wäre ich als Elternteil betroffen, dann würde ich mich in Grund und Boden schämen, aber an diesem Punkt ist es schon schwer, das Verhalten des Kindes kurzfristig zu korrigieren. Deswegen halte ich es für wichtig, dass das Kind zumindest ein grobe Idee hat, wo es steht, bevor es die Strukturen auslegt, wie es lustig ist.
selektiver Kooperationsverweigerung
Das funktioniert Zuhause wahrscheinlich auch ganz gut, aber mit einem "fremden" Erwachsenen wahrscheinlich weniger.
Entweder man nimmt dem Kind kurzzeitig etwas weg, während es in der Schule ist und nichts davon merkt, oder man zahlt ihm kein Taschengeld mehr/kauft keine Spielzeuge da man bestohlen worden sei und nun kein Geld mehr habe (wer ganz fies ist, spart hier bei den Weihnachtsgeschenken).
Ähnliches wurde auch mit mir versucht, aber ich hab dann doch immer irgendwas gefunden, mit dem ich mich beschäftigen konnte. Geld hatte ich zu dem Zeitpunkt kaum bis garnicht, oder habe es fast nur gespart. Es kann klappen, bei mir hat es das aber leider nicht :D
Ich finde das am Thema vorbei und bin der Meinung, wir bringen unseren Kindern damit lediglich bei, Gewalt sei eine legitime Maßnahme.
Das ist ein negativer Effekt, den man nicht abstreiten kann. Das Problem dabei ist aber, dass Kinder immer einer Form von Gewalt ausgesetzt sein werden, ob im TV, dem Schulhof, oder sogar Büchern. Das war bei mir nicht anders. Wer mich als Kind verletzt hat, der bekam es dreifach zurück. Du hast ja selbst Erfahrungen damit gemacht. Ein Weg drumrum ist utopisch, deswegen wurde mir auch beigebracht, mich zu verteidigen. Es ist keine gute Idee, Kindern Gewalt als legitim zu verkaufen, aber sie sollten damit rechnen, Ziel von Gewalt zu werden.