Das Thema Flüchtlinge ist nicht besonders einfach zu handhaben. Die Gefahr zu verallgemeinern und abgestempelt zu werden ist sehr groß. Ich für meinen Teil habe generell nichts gegen Ausländer, nenne einige meine Freunde und hab auch im Kundenkreis viele sehr freundliche Menschen die man dieser Gruppe zuschreibt. Was nun die Flüchtlinge ansich betrifft, da habe ich eher gemischte Gefühle. Meinen persönlichen Erfahrungen nach ist der größere Teil absolut in Ordnung, freundlich und glücklich darüber in unserem Lande untergekommen zu sein. Allerdings habe ich auch schon gegenteilige Erfahrungen gemacht. Krasse Beispiele dafür waren bei mir im Geschäft ein Diebstahl und Leute die sehr undankbar und unfreundlich waren. Letzteres habe ich schon einige Male erlebt als ich den "Kunden" nicht helfen konnte, da ich sie schlicht nicht verstanden habe. Dabei hatte ich es dann mit deutsch und englisch versucht, ebenso mit der guten alten "Hand und Fuß" Kommunikation - die Leute waren aber dann sehr schnell gereizt, einer wurde laut, einer hat mich gar angebrüllt. Fand ich in diesen Fällen nicht sehr höflich. Die meisten mit denen ich bisher zu tun hatte, waren allerdings zumindest bemüht freundlich und auch verständlich zu sein.
So viel zu meinen persönlichen Erfahrungen.
Generell gehöre ich aber zu den Menschen die mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung nicht einverstanden sind. Ich finde es wichtig und richtig zu helfen. Aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht "allen". Aktuell wird im Großen und Ganzen zwischen Kriegs-, Wirtschafts- und Klimaflüchtlingen unterschieden. Letztere fallen aktuell nicht wirklich ins Gewicht. Was die Kriegsflüchtlinge betrifft, dort finde ich es richtig zu helfen und möglichst viele aufzunehmen. Bei den Wirtschaftsflüchtlingen sehe ich das anders. Ich kann deren Kummer und Leid verstehen, aber ich denke es bringt sowohl uns als auch den Betreffenden deutlich mehr wenn man ihnen in ihren Heimatländern hilft und die dortigen Systeme aufbaut und ankurbelt.
Mit dem aktuellen Flüchtlingsstrom marschieren hunderttausende Flüchtlinge gen Europa, besonders in die gelobten Länder Deutschland und Schweden. Das Warum ist simpel, es gibt nicht nur Unterkunft, sondern auch Geld. Abgesehen davon das sich viele europäische Länder mit der Aufnahme eher schwer tun, kann ich nicht wirklich nachvollziehen warum die Flüchtenden nicht schon in den südlicheren Ländern "halt" machen, oder aber sich in andere Länder verteilen lassen. Dort sind sie ebenso sicher - also warum dann weiterreisen? Ich stelle mir mich in einer solchen Situation vor - ich flüchte vor Krieg und dem entsprechenden Elend, ich wäre froh wenn ich irgendwo unterkomme wo ich nicht um mein Leben fürchten müsste. Aber scheinbar gibt es eine Menge an Flüchtenden die neben der Sicherheit auch noch andere Interessen haben.
Wie eben geschrieben gehöre ich zu den Skeptikern. Ich frage mich wo das alles enden soll. Die Regierung sagt: "kommt alle her" und "wir schaffen das". Nobel, ohne zweifel, aber fragt denn da niemand nach dem "wie"? Sicherlich haben wir hier im Lande unsere Möglichkeiten, und diese kann man auch ausschöpfen. Aber irgendwann ist das sinnvolle Maß eben auch voll. Die Unterbringung der Flüchtlinge kostet Geld und Wohnraum - sozialer Wohnraum ist hierzulande mittlerweile eher selten. In Zelten wollen die Flüchtlinge (verständlicher Weise) nicht leben, ebenso wenig in Massenunterkünften. Aber was wenn kein Wohnraum zur Verfügung steht? Soll es dann so gehandhabt werden wir kürzlich hier in OWL, wo Mietern Städteeigener Wohnungen die Kündigung des Mietverhältnisses drohte? Oder soll, wie von manchen Politikern bereits angedeutet "zwangsenteignet" werden? Letzteres beträfe erstmal nur ungenutzte wirtschaftliche Immobilien, aber dennoch, ist das sinnvoll? Ich denke, man kann und sollte Menschen in Not aufnehmen, aber man muss sie auch entsprechend unterbringen können und wenn dies nicht mehr gewährleistet ist, dann kann man auch nicht weiter aufnehmen. Und was ist mit dem Personal? Zumeist kümmern sich Ehrenamtliche um Unterbringung und Verpflegung, aber diese Leute gehen auch langsam auf dem Zahnfleisch weil der Strom einfach nicht abreist. Immer mehr fühlen sich allein gelassen und sind entsprechend überfordert.
Dann das Thema kosten. Die Aufnahme von Flüchtlingen kostet Geld, das ist ein Fakt. Aber eben nicht nur jetzt aktuell, es kostet über Jahre und wird noch Folgekosten geben. Über die letzten Jahre wurde in vielen Bereichen eingespart, jetzt aber sind auf einmal Millionen von Euros da. Ich schätze die Rechnung bekommen wir dann später in Form steigender Steuern und Beiträge.
Ein weiteres Thema sind für mich die Medien bzw allgemein die Informationslage. Bis vor kurzem sah man überall in Fernsehen und Zeitungen nahezu nur positives. Die, nicht wenigen, negativen Nachrichten rund um Flüchtlinge waren dann spärliche Randnotizen oder gar nicht vorhanden. Bedrohen oder verletzen Flüchtlinge sich gegenseitig, Helfer oder die Polizei, wird dies nirgendswo erwähnt. Schmeisst aber ein Spinner einen Stein in eine Flüchtlingsunterkunft berherrscht der Vorfall die Schlagzeilen. Die aktuellen Vorfälle in Köln sind auch ein Beispiel dafür. Erst Tage später kam das Thema überhaupt auf. Was von Seiten der kölner Polizei ans Licht kam, das Informationen nicht weitergegeben werden sollten oder kleinere Delikte nicht verfolgt werden sollten, wusste ich schon vor Monaten. Ein guter Kunde von mir ist Polizist in unserem Kreis, dieser erzählte mir ähnliches. Ich finde das alles erinnert ein wenig an die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, das Ergebnis kennen wir alle. Das darf es nicht sein. Man könnte an dieser Stelle denken, wir sollen nur bestimmte Informationen bekommen. In einer Demokratie darf ein solcher einseitiger Informationsfluss, oder gar das zurückhalten von Informationen nicht sein.
Wenn es tatsächlich stimmt, das Konfrontationen der Flüchtlinge mit dem deutschen Gesetz nicht verfolgt werden oder keine oder mildere Konsequenzen haben, funktioniert das deutsche Rechtssystem nicht mehr. Wenn jemand einen anderen bestiehlt, verletzt, nötigt oder sonst irgendwie schädigt, gehört er bestraft. Ganz gleich ob es sich dabei um einen Deutschen handelt oder um einen Flüchtling. Es darf nicht sein das irgendwer milder behandelt wird als ein anderer.
Die Geschehnisse in Köln und anderen Städten sind nun ans Licht gekommen, aber bei weitem nicht die einzigen Vorfälle der letzten Monate. Nur sind andere Vorfälle nie in den Medien und damit bei den Menschen angekommen.
So wie ich denken viele. Hört man sich unter seinen Mitmenschen um, bekommt man viele ähnliche Meinungen. Die Leute sind zumeist nicht strikt ablehnender Natur, aber sie hinterfragen oder sind nicht zufrieden. Viele fühlen sich einfach seitens der Regierung übergangen, sie wurden nicht gefragt und werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Unzufriedenheit ist das Ergebnis. Ansich sollte dies auch in Ordnung sein, aber da sind wir eben auch schnell bei der Eigangs angesprochenen Verallgemeinerung. Schubalde auf, Nazistempel drauf, Schublade zu. So denken einige und das finde ich falsch. Auch wird man gerne augenzwinkernd als "besorgter Bürger" bezeichnet - in etwa gleichbedeutend mit dem Stempel. Ich finde dies falsch. Man sollte in der Lage sein zwischen den echten "Nazis" oder Rechtsradikalen und Jenen, die die aktuelle Situation nicht in Ordnung finden, zu unterscheiden. Ebenso sollte man in der Lage sein die Meinungsfreiheit zu respektieren.
Durch einseitige Berichterstattung, zurückhalten von Informationen, Verharmlosung, übergehen der Bevölkerung und Schubladendenken gießt man allerdings tatsächlich Wasser auf die Mühlen der wirklichen Rechten. Trotzdem ist es schwer zu sagen ob generell mit einer Zunahme der rechten Szene online wie offline zu rechnen ist (oder ob es die im Topic beschriebene Zunahme gab) oder ob sie einfach nur präsenter wird.
Das Problem Flüchtlingskrise können wir aber hier in Europa oder Deutschland nicht lösen. Wir kämpfen hier mit Folgen. Wichtiger ist es in meinen Augen den Grund anzugehen. Dies geht nur auf Weltpolitischer Ebene und wenn man es wirklich wollte, gäbe es da sicherlich auch Mittel und Wege.