Rückblickend fand ich die Schulzeit ansich recht gut. Es gab aber viele Schattenseiten, seltsame Lehrer, seltsame Lehrmethoden, Mobbing (auch seitens der Lehrer!) - welches auch mich zu Hauf betroffen hat. Es gab aber auch die guten Seiten. Allerdings kann ich heute ach feststellen das man vieles von dem was man dort gelernt hat, im Prinzip später nicht mehr braucht. Außerdem waren bestimmte Fächer, die mich persönlich interessiert hätten entweder gar nicht, oder oder sehr rudimentär vorhanden, weil in den Anfängen.
Ich hatte das Glück in eine blinguale Klasse zu kommen. Damals eine der ersten in Deutschland die dieses Prinzip umgesetzt hatten. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher ob der Jahrgang vor mir oder der davor der erste war. Aber damals war das noch etwas besonderes. Das hieß: doppelt so viel an "normalem" Englischunterricht und zusätzlich die Fächer Erdkunde (Im 7. - 9. Jahr), Geschichte (8. - 10.) und Politik (9.-10.) auf englisch. Zusätzlich gab es 10 Tage Klassenausflug nach England. Das hat mir tatsächlich gefallen. Vor allem Erdkunde war dank meines tollen Lehrers eine wirkliche Bereicherung, hier konnte ich viel lernen, der Unterricht war durchgehend interessant und mein Lehrer war aufgeschlossen für Neues. Geschichte war nur in der Theorie gut. Geschichtliche Highlights (Ägypten, Rom, Napoleon, usw) waren bestenfalls Randthemen, die wir im ersten Jahr ohne auch nur den Hauch eines Tiefgangs durchgerasselt haben. Danach ging es nur noch um die deutsche Geschichte, aber auch hier erst ab WW1. Diese Zeit von WW1 bis Ende WW2 haben wir hoch und runter durchgekaut. Der Politikunterricht war ähnlich gestaltet, hier ging es mit der Weimarer Republik los. Das unschönste im Geschichts- bzw. Politikunterricht war aber der permanete Wechsel zwischen den Sprachen. Es sollte rein englisch sein, viele Themen wurden zu 90% auf deutsch durchgekaut. Da sind viele, inklusive meiner Wenigkeit, nicht mit klar gekommen - zumal dann die ganzen Tests, die für die Benotung am Ende wichtig waren, rein englisch waren, bestimmte Begrifflichkeiten fehlten dann einfach, das hat mich notentechnisch in den Fächern nach unten gehauen. Abgesehen davon war das Mehr an Englisch vor allem im Englisch- und Erdkundeunterricht, aber gut.
Ansonsten hatte ich immer Spaß an den Naturwissenschaften. Diesen habe ich dann für mich auch als Neigungsschwerpunkt für die 9. und 10. gewählt. Der Physik unterricht war für meinen Geschmack zu trocken. Richtig gut waren dagegen Biologie und Chemie. Nach kurzer "Downphase" in Chemie und einem von mir damals neu entwickeltem Lernkonzept, ging es dann aber schnell wieder aufwärts und ich hatte meinen Spaß. Leider wurde meine Lehrerin für Biologie und Chemie ende der 9. Krank und kam auch nicht mehr zurück. Das bedeutete viele Freistunden und "Ersatztlehrer". Die waren auch gut. Nur konnte die erste uns nur Chemie beibringen, blieb aber auch nur knappe 3 Monate und der zweite war reiner Biologe, also Biounterricht. Hat jeweils Spaß gemacht, hatte aber leider nur den Zweck einer "Unterhaltungsmaßnahme", damit es nicht zu Freistunden kam. Die Benotung wurde dann in beiden Fächern aus der ersten Hälfte der 9. übernommen - sehr schade, denn besonders in Bio hab ich gerockt!
Ich hätte gerne mehr Informatikunterricht gehabt. Zu meiner Zeit an meiner Schule gab es das nur als AG, also 1x die Woche zwei Stunden nachmittags. Beim Chef höchst persönlich. Abgesehen davon das wir die meiste Zeit gezockt haben (Micro Machines!!!) war der Unterricht tatsächlich sehr gut und auch leicht verständlich. "Highlight" waren die "Ausflüge" ins Internet....ganze zwei Mal, über die Suchmaschine (Netscape) sind wir nicht weit rausgekommen. Aber ja, davon hätte gerne mehr gehabt. im zweiten AG-Jahr hatte ich dann technisches Zeichnen - das hat Spaß gemacht und ich konnte es in meiner Ausbildung auch noch nutzen.
Die Lehrkörper waren manchmal wirklich Leerkörper. Mit den Klassenlehrer hatte ich Glück, die waren in Ordnung und fair. Negativ in Erinnerung habe ich meine Deutschlehrerin, die ich 4 Jahre lang hatte. Egal welche Klassenarbeit, ob Aufsatz, Rezension, grammatisches, ich hatte immer eine 4. Selbst bei einer Klassenarbeit die ich mit "Hab das Buch nicht gelesen, aber ich bekomme ja eh immer ne 4" verweigert hatte (Zur Erklräung: die Klasse durfte demokratisch abstimmen welches Buch im Unterricht durchgenommen werden sollte, zur Wahl stand eine Abenteuergeschichte und Drogenkram "Rolltreppe abwärts", 3/4 wollten ersteres, wir bekamen letzteres). Ich bekam natürlich meine 4.
Meine Bio/Chemie-Lehrerin war auch ein Fall für sich, die war ständig am Meckern, ständig schlecht gelaunt, man hat nie was richtig gemacht, usw. Im Neigungsschwerpunkt dann wie ausgewechselt...super lieb, hat sich Zeit genommen es wenns sein musste jedem einzelnd zu erklären. Einfach toll - das hätte ich mir die ersten 4 Jahre auch gewünscht. Im Großen und Ganzen war von guten und netten Lehrern bis hin zu Alkoholleichen und flüsternden (im wahrsten Sinne) Lehrern alles dabei.
Die Klassenkameraden waren...naja. Mobbing gab es tagtäglich. Opfer waren neben mir noch 1-2 weitere Mitschüler und Mitschülerinnen. Den Lehrköpern war es zumeist egal. Man musste sich selbst helfen, wenn man das Tat, gabs auch den Anschiss, die Mobber wurden ignoriert. Wurde es angesprochen gab es nur ein "jaja".
Die Technik meiner Schule war damals schon veraltet, teilweise schrottreif, modernisiert wurde vieles erst zum Ende meiner Schulzeit. Teilweise war auch der Informationsanteil sehr veraltet, wurde aber so gelehrt und auch benotet, daran bin ich einige Male angeeckt. Merke: du darfst nicht mehr wissen als in dem Buch steht, welches vor dir liegt, auch wenn die Information falsch oder veraltet ist.
Insgesamt betrachtet war die Schule und auch meine Schulzeit in Ordnung. Je nach Lehrköper konnte ich mehr oder weniger lernen, ich habe einiges mitnehmen können, habe einige Erfahrungen gemacht. Ich hätte mir aber ein wenig mehr Vorbereitung aufs echte Leben gewünscht, mehr nützliches bzw. nützliche Inhalte mehr vertieft und nicht nur schnell "durchgekaut". Auch hätte ich mir gewünscht das die Lehrer ihren Stoff besser vermittelt hätten. Es gibt Lehrer von denen man auch das komplizierteste Zeug schnell und gut lernt, aber viele sind einfach nicht in der Lage den Lehrstoff vernünftig an die Schüler zu vermitteln - so war das bei meinen Lehrern oft. Manchmal zeigte es sich dann auch: neuer Lehrer, gleiche Thematik, auf einmal begriffen es alle.