Bürger*innen schulden ihrem Staat nichts.
Damit meine ich nicht steuerliche Abgaben. Die sind notwendig, um die Wirkmächtigkeit des Verwaltungskonstrukts Staat zu erhalten. Das ist ein gutes Beispiel für ein materielles tit-for-tat.
Aber ich denke, Bürger*innen schulden Staaten moralisch nichts, weshalb meiner Meinung nach kein Staat legitim von seinen Bürger*innen verlangen kann, in den Krieg zu ziehen oder einen Ersatzdienst ableisten zu müssen, wenn das abgelehnt wird. Ich verstehe tatsächlich überhaupt nicht, warum das die Meinung im Mainstream ist.
Mir geht es hier nicht so sehr um eine realpolitische Diskussion, die geopolitische aktuelle Ereignisse einbezieht, als wäre damit auf argumentativer Ebene irgendetwas gelöst. Es geht mir um eine von konkreten Ereignissen losgelöste Argumentation, die theoretisch ja auch in Zeiten des Weltfriedens geführt werden könnte.
Es ist beispielsweise nicht einmal im Ansatz ausdiskutiert, ob Gewalt überhaupt immer eine legitime Strategie darstellt.