Ellie - Ostschleuse, altes Industriegelände
Erschrocken darüber, was sich da gerade vor meinen Augen abgespielt hatte war ich steif vor Entsetzen. Mein Blick gefangen von der Szenerie; Vom Körper der Frau, der aus der Hocke schräg zu Boden sackte und dort leise zuckend...gurgelnd liegenblieb, während der Kopf, nur noch von Haut und Sehnen am Rumpf gehalten zur Seite weggedreht daneben lag. Die Fassungslosigkeit in ihrem starren Blick nun verborgen hinter ihrem langen, schwarzen Haar, das ihr vor die Augen fiel, als der Kopf kraftlos am Boden aufschlug.
Ihr Mörder, der Kerl, den sie Mor nannte stand wie angewurzelt daneben, und blickte ohne Regung in seiner Miene auf den Körper, der nun ausgestreckt zu seinen Füssen lag, herab.
Bei den Göttern, wovon mochte ich Zeuge geworden sein? Warum hatte er die Frau getötet? Was war es, das die Frau, Tryia, nicht länger tun oder ertragen konnte - oder wollte? Wer waren die Beiden, und was ging hier in der Ostschleuse vor sich, dass es möglich machte, dass ein Soldat am hellichten Tage einen anderen Soldaten tötete? Wem konnte ich davon erzählen?
Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass so wie die Dinge lagen es bestimmt nicht dieser Mor war, dem ich irgendwas erzählen oder Fragen stellen sollte.
Ich schlich leise zurück, tiefer hinein in den Schatten der Betonsäule hinter der ich vor ein paar Minuten Deckung suchte und ging dort mucksmäuschenstill in die Hocke, während ich die Ohren spitzte. Nach Geräuschen, die mir vielleicht berichten konnten was meinen Augen zu meiner Sicherheit besser verborgen blieb.
Ob er ging - oder, was mir am wenigsten lieb war - er mich doch bemerkt hatte und sich mir nähern würde - oder was er mit der Frau vorhatte.
Doch es bliebt still; Kein Laut war zu hören, bis auf meinen Herzschlag und das leise Säuseln der Zugluft, die der leichte Wind durch das alte Fabriksgelände trieb...
Edit: N kleiner Nachschlag, weil man ja nicht so oft von Ellie hört ^^"
Stille, in die ich angestrengt hineinlauschte, auf dass mir kein Geräusch entginge, während ich meinen Herzschlag zur Ruhe mahnte - doch nichts. Die alte Fabrik blieb nur erfüllt vom leisen Flüstern des Windes. Eine Weile kauerte ich noch hinter der Säule, ehe ich es wagte, mich vorsichtig an die Kante der Säule zu tasten, dahinter hervor zu lugen, und mein Blick daraufhin hastig über das Gelände zu jagen.
Aber da war nichts. Der blonde Mörder war verschwunden, und zurück blieb nur die reglose Frau am Boden.
Ich hatte nichts von seinem Verschwinden bemerkt, war ich mir sicher; Wo also, fragte ich mich während ich mir auf die Unterlippe biss, war er hin?
Die Minuten verstrichen und liessen mich unruhig werden. Sollte ich verschwinden? Ich tat einen zögerlichen Schritt in die Richtung aus der ich vorher gekommen war - hielt dann aber inne. Was, wenn mich meine Sinne getäuscht hatten, der Kopf der Frau gar nicht soo weit um die eigene Achse gedreht wurde...und das Mädchen... vielleicht noch lebte?
Ich wandte mich unsicher um, prüfte abermals das Gelände und schlich vorsichtig in die Richtung des Mädchens, das keine dreissig Meter von mir entfernt lag. Doch als ich es erreichte und ihren Puls zu ertasten versuchte erkannte ich, dass meine Sinne mich nicht getäuscht hatten. Sie war tot, mausetot, und inzwischen hatte auch ihr Körper seinen Kampf aufgegeben. Ich bekreuzigte mich unsicher, obwohl ich nicht gläubig war, und wusste auch nicht recht, warum ich es tat. Vielleicht aus Respekt, vielleicht weil ihr Tod mich traurig machte. Sicherlich aber empfand ich Mitleid, als ich mich zu ihr hinkniete und ihr das Haar aus dem Gesicht strich. Die Hundemarke um ihren Hals war aus dem T-Shirt gefallen, und "Langley, Tryia, P 687-93-1054, BG 0" war darauf zu lesen.
Tryia Langley, las ich mir leise vor, ehe ich mir den Namen einprägte und die Hundemarke wieder loslies. Sie war sicher nicht viel älter als ich... und vor einer Viertelstunde noch hat sie wohl kaum geahnt, das sie heute sterben wird. Umgelegt von dem Kerl, von dem sie glaubte, hoffte, er würde etwas für sie empfinden, weil er ihr Süssholz ins Ohr raspelte und ihr Herz verführte.
Aber so einfach würde er nicht davonkommen, schwor ich mir. Aber was sollte aus Tryia werden? Sollte ich sie einfach so hier liegen lassen? Sie zudecken? Sie mitnehmen?
Ich sah mich um, und fand in meiner Umgebung genug an altem Schrott um eine Art Bahre zusammen zu flicken, auf der ich Tryia hinausziehen könnte, aber verwarf den Gedanken dann doch.
In einer Basis, wo Soldaten Soldaten ermordeten, wem war da zu trauen? Und wenn ich als Fremde mit ihrer Leiche im Schlepptau auftauchte... Was, wenn man mich für den Mörder hielt?
Obwohl, ich war kleiner als sie, und sogar für Zweifler wohl nur schwer in der Lage Tryia eigenhändig das Genick gebrochen zu haben, überlegte ich vertrauensvoll. Doch ein Schatten zog über meinen Gedanken auf. Sie würden mich vielleicht nicht für den Mörder halten - aber vielleicht zu ihm machen. Ich war... anders als Tryia.
Ich schloss die Augen und vertrieb die Bilder und Stimmen aus meiner Vergangenheit, ehe ich sie wieder öffnete. Entschlossen versprach ich Tryia zurück zu kommen, blickte mich abermals sorgfältig um, um zu sehen ob die Luft rein war und machte mich leise aber hastig auf den Weg aus dem Gebäude hinaus.
Doch als ich um die Ecke des verfallenen Eingangs bog erstarrte ich vor Schreck. An die Aussenmauer gelehnt, mit gesenktem Blick und verschränkten Armen stand der Kerl, dem sie ihren Tod verdankte.
"Wohin des Weges, kleines Mädchen..?" fragte er, ohne mich anzusehen, und seine Stimme klang dabei fast sanft...

)


nie einen Wolf oder Mörder geschnappt habt.


)