Kleine Warnung, tretet vielleicht besser einen Schritt zurück um vor dem Galgen nicht von einer umfallenden Textmauer erschlagen zu werden o_o"
Sorgfältig las ich Zeile um Zeile der Schilderungen des alten Frederick, auf der Suche nach satirischen Elementen. Aber ich fand nichts, das die Veröffentlichung auf der Witzseite gerechtfertigt hätte. Im Gegenteil...
Frederick zufolge war der Sheriff zwar mit seiner Waffe angeschossen worden, doch war er es nicht, der den Abzug betätigt hatte; Davon wäre angeblich auch der Gerichtsmediziner und die Frau des Bürgermeisters überzeugt. Dass Sep dennoch verhaftet wurde - und diese Ungerechtigkeit zu akzeptieren schien musste andere Gründe haben.
Was war hier im Gange? War es Absicht, das man einen so brisanten Artikel auf diese Weise ins Lächerliche ziehen und unter den Teppich kehren wollte? Wenn es so war, musste diese Intrige bis in die höchsten Kreise reichen.
Und warum schwieg Sep, wenn er doch unschuldig war? Wurde er vielleicht erpresst?
Ich schluckte, als mir ein furchtbarer Gedanke kam; Was, wenn Sep Fellicitas schützen wollte?!
War das auch der Grund für die plötzliche Freundschaft zwischen der Assistentin des Sheriffs und ihr? Schmeichelte sich die Assistentin bewusst bei Fellicitas ein um Sep grausam vor Augen zu führen, in welcher Gefahr sie schwebte, wenn Sep sein Schweigen brechen würde?
Als Assistentin des Sheriffs wäre sie auch zweifellos in der Lage Seps Waffe für ihre Zwecke zu missbrauchen. War Katsuro deshalb misstrauisch gewesen? Wenn ja würde sie ebenfalls in Gefahr sein!
Noch verstand ich nicht alle Zusammenhänge in diesem Ränkespiel, denn für den Mord an SelY hatte die Assistentin durch Fellicitas schliesslich ein Alibi; Aber hatte der plötzliche Mord an SelY möglicherweise etwas mit der Tatsache zu tun, dass Sep wieder auf freiem Fuss war?
Dann musste es einen Hintermann geben - oder jemanden, der zwar nicht auf der Gehaltsliste des Bürgermeisters stand, den man aber gewähren lies, um den Mord an SelY für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.
Fredericks Artikel hatte in mir mehr Fragen aufgeworfen als er beantwortet hatte, doch eines schien klar. Was immer hier vorgehen mochte - ich musste Katsuro und Fellicitas warnen!
Als ich die Tür aufschlug und das Archiv verlies war die Dunkelheit über Hasington hereingebrochen. Die Sterne funkelten in der klaren, lauen Nacht als wäre der Himmel von einem Meer winziger Kerzen erfüllt. Ein wunderschöner, friedlicher Anblick, wie ich ihn den letzten Wochen oft genossen hatte, doch heute lag etwas unheimliches, unheilvolles in der Stille, die mein Herz mit Unruhe erfüllte während ich eilig in Richtung des Marktplatzes lief.
Auf der Höhe der alten Steinbrücke, die über den nun silbrig schimmernden Fluss führte glaubte ich einen Augenblick lang jemandes Anwesenheit zu spüren, tat es aber als Täuschung ab während mein Blick von der Brücke herab auf die versammelte Menge auf dem Martplatz fiel. Vielleicht waren auch Katsuro und Fellicitas noch dort, hoffte ich und beschleunigte meinen Lauf.
In der Dunkelheit hatte man Fackeln herangeschafft, die den Platz in flackerndem Licht erhellten, während man sich im Kreis versammlt hatte und wild durcheinander murmelte.
Doch als man meine Ankunft bemerkte legte sich eine eisige Stille über den Platz, ehe sich die Menge geräuschlos teilte. Zu einer Art Bresche, an deren Ende der Sheriff stand.
"Wir haben dich schon erwartet, Wolf..." begann dieser und ein Gröhlen ging bei seinen Worten durch die Menge, die den Kreis hinter mir wieder schloss. Erschrocken und verwirrt wich ich einen Schritt vor dem Sheriff zurück doch man packte mich von hinten an den Schultern und hielt mich fest.
"Sind Sie verrückt geworden?! Was soll das!?" rief ich entsetzt, doch der Sheriff würdigte mich keiner Antwort.
"Bringt ihn zur Anhöhe!" befahl er. "Dort werden wir ihm zeigen, was wir hier in Hasington mit falschen Hasen machen."
Ich protestierte während die Furcht in mir aufflammte, versuchte mich los zu reissen, schimpfte abwechselnd über den Wahnsinn, der sich vor meinen Augen offenbarte, beruhigte ich mich wieder und versuchte erklärend auf die Menge einzureden - und liess dann wieder dem Zorn und der Verzweiflung in mir ihren Lauf.
Doch nichts von alledem hielt den langsamen, aber unaufhaltsamen Mahlstrom von flirrenden Fackeln, wütend gestikulierenden Pfoten und tanzenden Schatten auf finsteren Gesichtern auf, der mich zur Anhöhe zerrte auf dem die Hasen des Sägewerkes um den Galgen standen, den sie in aller Eile dort oben zusammen gezimmert hatten.
Als der gräubärtige Grismut mich erkannte und sich unsere Blicke trafen sah er mich an, mit einem Ausdruck von Enttäuschung und Verachtung in seinen Augen. Und dieser Anblick umklammerte mein Herz mit erstickendem Kummer.
Er war der wortkarge Chef des Sägewerkes und auch wenn wir nie viele Worte gewechselt hatten, ich mochte ihn gern und erinnnerte mich daran wie er mich nach manch hartem Tag mit einem sanften Lächeln in der untergehenden Sonne vor dem Sägewerk zu einem Karottenschnaps eingeladen hatte.
Wie sonderbar es mir nun schien, dass die Bretter der Stufen, welche ich hinaufgeführt wurde noch immer nach frisch geschnittenem Holz dufteten.
Eine sonderbare Leere erfüllte mein Herz, als ich stumm hier oben stand und den Blick über die Gegend streifen lies, während man mir den Strick um den Hals legte.
Ein leiser Luftzug trieb sanfte Wogen über die reifen Wiesen, die der aufgehende Mond erleuchtete und die dunklen, satten Wälder mit bleichem Licht schraffierte. Es war eine herrliche Sommernacht, in der ich sterben würde. Und ich dachte daran, wie viel lieber ich im Winter hinab zur Hölle gegangen wäre.
Denn ich starb nicht für den Mord an SelY. Aber ich starb für meine Ruhmsucht, für meinen Leichtsinn - und für meine Trägheit. Was hier geschah, ich hätte es verhindern müssen.
Mein Blick fiel hinunter in die schweigsam gewordene Menge, auf den Sheriff, der in sonorem, selbstgerechten Ton die Anklage verlas, auf seine Assistentin, die etwas abseits von ihm stand und mich ausdruckslos anstarrte. Auf die Blicke der Menge. Und auf die Wut, die Trauer, die Neugier und die Ratlosigkeit in ihnen.
"Nun, noch irgendwelche letzten Worte?" fragte mich der Sheriff nach der Verküdnung des Urteils desinteressiert und kurz angebunden.
Ich überlegte, während mein Blick noch einmal über die Menge streifte, in dessen Mitte sich SelYs Mörder und meine Henker verbargen.
"Wenn ich nun also für deine Sünden sterbe, so mögest du es für die meinen tun..."
Ich schloss die Augen und spürte wie ich fiel. Hinab in die Tiefe der Unendlichkeit.
E N D E...
...endlich! xD
Etwas überlang und verwirrend geworden vermutlich - und auch etwas arg Dicke aufgetragen, aber es hat Spass gemacht; Mir, auf alle Fälle!
Allerdings... hab ich mich in dieser Runde etwas sehr an Ralucasus Kreationen vergriffen und ihnen Sachen angedichtet mit denen ich mich weit aus dem Fenster gelehnt hab, wofür ich mich sehr entschuldigen möchte! 