Also dann, es gibt mal wieder n neues Wort zum Sonntag. Fühlt euch..., noja, sagen wir einfach mal: b e g l ü c k t !
xD
Das Thema? Heut gehts in die Richtung Kunst und Kultur. Das klingt n bisschen ätzend jetzt, aber die beiden nachfolgenden Geschichtchen dazu fand ich doch ganz prima.
Showgeflimmer
Es ist so weit weg, alles.
Das, was da vor mir auf dem Bildschirm flackert, gerade mal seit ein paar Minuten, ist so unfassbar weit weg, weit weg von dem, was mich bewegen kann. Fassungslos sitze ich da, mit jeder Sekunde wird mir klarer, dass es Dinge gibt, die ich einfach nie verstehen werde.
Es ist wie immer, man packt ein paar Streicher irgendwo in die Musik und macht ein Crescendo und die Tränchen fließen. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Klassik-Konzert, bei dem die Zuschauer um einen herum gerührt die Taschentücher zücken, während man selbst im Kopf nur die vollkommen geläufigen Kadenzgänge verfolgt.
Das Publikum jubelt. Bei ein paar stinknormalen Lichteinstellungen, bei ein paar Seifenblasen oder einer miserablen Bühnenshow mit dauergrinsenden Tänzern im Hintergrund. Bei Sängern, die angeblich "Wahnsinnsstimmen" haben, jedoch außer Schreien und kopfstimmenlastigem Hauchen nichts, aber auch gar nichts beherrschen.
Was soll es wundern in Zeiten, in denen das größte Vergnügen im Fernsehen darin besteht, den Auftretenden beim Leiden zuzusehen. Je schlimmer, desto besser. Aber gut, kein modernes Phänomen, die Hinrichtungen waren früher ja auch schon immer gut besucht.
Aber zurück zu dieser Show, die so wenig tiefsinnig wie weitreichend ist. Was bleibt hängen. Nichts. Nichts. Gar nichts. Genauso wenig wie von den tausenden Gewinnern von irgendwelchen Castingshows, die trotz alledem die besten Quoten haben, immer wieder.
Aber was hängen bleiben könnte, geht unter. Die wahrhaft guten Filme, wahrhaft gute Erlebnisse. Dabei gäbe es Dinge, die man nie wieder vergessen wird.
Ich erinnere mich, an so vieles. An Dinge, bei denen man leidet, sich nicht entziehen kann, sich von Endorphinen und Gefühlen überflutet sieht. Bei denen man vor Angst zittert, vor Unwohlsein glaubt, sich übergeben zu müssen, bei denen man losheulen könnte, weil man über etwas lacht, das so tief geht und angreift, dass man es nicht mehr aushalten kann. Bei denen man sich so schmerzlich wiedererkennt. Und hinausgeht und weiß, man ist gewachsen. Hinausgeht, und einen das Glücksgefühl durchströmt, etwas erkannt zu haben. Nicht mehr derselbe zu sein, nie wieder.
Aber das erreicht man nicht mit Show, mit Lichteffekten oder mit Kreischen.
Das erreicht man nicht so.
Aber mit Kunst. Mit Menschlichkeit.
(geschrieben von: Die Traumfängerin)
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Anti-Kultur
Zufällig stieß ich in der Nacht zu Montag auf das Format "Kulturpalast" vom ZDF. Da ich mich etwas für Kultur interessiere und ohnehin nicht schlafen konnte, schaute ich mir die Folge an.
Neben dem Comic-Zeichner Ralf König wurde auch das Projekt von Clemens Schick vorgestellt, der über Weihnachten ein zweites Mal nach Afghanistan gereist ist, um vor deutschen Soldaten aufzutreten.
Nach dem Beitrag wurde ein Kommentar Robert Stadlobers gezeigt, der sagte, dass er vor keiner Truppe der Welt auftreten würde, da man es denen dann ja auch noch schön da machen würde.
Meine Einstellung zur Kultur ist offen gesagt gespalten.
Das, was heutzutage als Kunst bezeichnet wird, hat für mich kaum noch einen künstlerischen Wert. Die Künstler haben ungemein bedeutungsschwere Botschaften und sind so tiefgründig, dass kaum jemand noch diese Kunst versteht.
Die kulturelle Elite, die schon, auch die Intellektuellen, die verstehen das.
Aber die einfachen Menschen, Leute, die sich nie wirklich mit Kunst beschäftigt haben, die verstehen diese Kunst nicht. Da die zeitgenössische Kunst oftmals Mittel vergangener Epochen verwendet, diese zitiert oder konterkariert und eben daraus auch ihre Wirkmacht bezieht, ist sie nur für die verständlich, die das zitierte oder konterkarierte eben auch kennen.
Für alle anderen ist das nur ein Anzug aus Filz an einem Garderobenständer und kein Sinnbild des modernen Künstlers, dargestellt durch die Anlehnung an Beuys, den Fett-und-Filz-Mann.
Aber genau hier tauchen dann Künstler wie Clemens Schick auf, dessen künstlerische Botschaft womöglich auch nicht verständlicher ist, der aber auf die Menschen zugeht. Der sich auf sie einlässt und sich in ihre Lebenssituation einlässt.
Und sich nicht nur in den sicheren Gewässern der Galerien, der Theater, der Konzertsääle und Filmfestivals versteckt, um sich mit anderen hochintellektuellen Künstlern einen auf ihre Tiefgründigkeit runterzuholen.
Solche Künstler verdienen Achtung und Respekt, weil sie eben hinaus gehen in die Realität und vielleicht auch die Konfrontation suchen mit denen, die nicht sonderlich viel mit Kunst am Hut haben.
Die Aussage Stadlobers ist eigentlich ein trauriges Beispiel für den Großteil heutiger Künstler.
Sie mögen auch here Ansichten und Absichten hegen und versuchen, die Welt mit ihrer Kunst besser zu machen. Aber dadurch, dass sie nur in ihren kleinen Zirkeln verweilen, und sich nur untereinander austauschen, verlieren sie die Bodenhaftung.
Sie sind abgehoben, lebensfremd, arrogant und selbstgerecht geworden.
Ja, es war vielleicht nicht die beste Idee, Soldat zu werden. Nur sind diese Männer und Frauen nun einmal da. Und es ist geradezu menschenverachtend, ihnen etwas zu verweigern, dass ihre Situation etwas erträglicher machen könnte.
Ich heiße den Krieg nicht gut, aber trotzdem ist einfach unwürdig, so mit diesen Menschen umzugehen, die ständig mit der Furcht leben, verletzt oder getötet zu werden.
Viele der Soldaten sagten nach der Vorstellung, egal ob sie diese nun gut fanden oder nicht, dass es sehr mutig von diesem Künstler war, zu ihnen zu kommen und dass sie sich gefreut haben, mal wieder mit jemandem sprechen zu können, der kein Soldat ist.
Und gerade deshalb verdienen Künstler, die auf die Menschen zugehen, die sich aus ihrer sicheren Welt der Kunst herauswagen, höchsten Respekt.
Womöglich könnte die Kunst ihrem Anspruch, die Welt zu verändern, in höherem Maße gerecht werden, wenn es mehr solcher Künstler gebe. Anstatt nur im sicheren Atellier zu hocken und zu lamentieren.
(geschrieben von: Knoxx91)