Seien wir mal ehrlich: wer von denen, die ihr Fleisch beim Metzger um die Ecke kaufen, wissen tatsächlich wo das Tier herkommt, wie es gefüttert wurde, ob es Freigang hatte und vor allem ob die Tötung ordentlich und für das Tier schmerzlos abgelaufen ist?
Wenn man nicht wirklich den "Öko-Hof" um die Ecke und die Tiere mal selbst bei ihrem Tagesablauf beobachtet hat, kann man das nicht beurteilen, denn man muss sich auf das Wort des Metzgers verlassen; und der ist nicht der Halter der Tiere gewesen.
Ich weiß wovon ich rede - ich hatte das Vergnügen einige Zeit auf verschiedenen Betrieben (Schwerpunkt Milchvieh) zu arbeiten und zu sehen wie unterschiedlich es da zugehen kann. Und trotzdem war ich nie bei einer Schlachtung dabei und weiß auch nicht wie es für das Tier war; ich weiß nur, dass die ungern in die Anhänger gestiegen sind.
Der eine der Höfe war ein Demeter Betrieb, die Kühe durften tatsächlich jeden Tag auf die Weide und einfach Kuh sein, ebenfalls fand keine schmerzhafte Enthornung der Kälber statt, die Schweine hatten keine gekürzten Schwänze und die Hühner keine gekürzten Schnäbel oder gestutzen Flügel; die durften so gut als möglich "Tier" sein; und trotzdem war es "Nutzvieh".
Das krasse Gegenteil war ein Betrieb mit 200 Kühen im dunklen Stall auf Spaltenboden, in ihrer eigenen Scheiße liegend und mit massenhaft Geschwüren an den Füßen deswegen. Die Behandlung der Tiere war auch eine andere (Schläge etc.) und nicht selten durfte ich eine winzige tote Frühgeburt von den Spalten klauben... Es war absolut widerlich und das hat mir das Milchtrinken dermaßen vergällt.
Ich mach es niemandem madig tierische Produkte zu konsumieren, aber man sollte es sich nicht immer rosig vorstellen, bloß weil ein "Bio-Siegel" draufklebt oder der Metzger mit einem glücklich lachenden Schweinchen auf seinem Logo wirbt.
Und ich wiederhole an der Stelle noch mal, was ich bereits früher mal hier schrieb: ich bin kein militanter Veganer, ich möchte nur zum Nachdenken anregen. Beide Seiten (bzw. alle drei, wenn man die Vegetarier nicht unter den Tisch kehren will) haben ihre Ansichten und das ist auch okay so.