Kleines League-of-Legends-Spirit-Blossom-Fanfiction-Zeugs :3

  • Vorab: da ich das Spirit Blossom Event echt cool finde, habe ich aus langeweile mich daran gemacht, aus Teilen der Spirit Bonds und meinem ganz eigenen Charakter ne Fanfiction zu machen... eh - oder so o.o (Btw sorry für den Hyper-langen-Theme-Titel xD)

    Eh...eh... bitte nicht tilten, nicht flamen und..eh...enjoy oder so o.o"""


    Kapitel 1

    Solange sie sich zurück erinnern konnte...war sie immer allein... Warum war sie nur hier? Und wie war sie hierhergekommen? Sie wusste es nicht mehr. Das Einzige, woran sie sich erinnern konnte, war ein Baum mit rosa Blüten. Eine davon war in ihre Hand gefallen...und dann... Darqueria öffnete die eisblauen Augen. Es war hell. Sie blinzelte ein paar Mal. “Du solltest dich wo anders schlafen legen.”, sagte eine Stimme. Ein Schatten verdunkelte den Himmel und das Licht. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie auf dem Boden lag, den Blick gen Himmel gerichtet. Und dass sich jemand über sie beugte. Ihre Hände strichen gedankenverloren über das Gras. Sie konnte fühlen. Sie konnte sehen. Sie konnte atmen. Dann... war sie also tatsächlich aus dem Abgrund entkommen. Sie kniff die Augen zusammen und musterte den Mann, der sie misstrauisch beäugte. Er trug ein Stirnband und hatte weißes Haar... sehr lang und äußerst... voluminös. Er hatte es irgendwie zu einem Zopf zusammengebunden und Darqueria fragte sich wirklich, wie er das bloß geschafft hatte. Sein Blick war kühl. Er war gut durchtrainiert. Sein linker Arm schien von einem blauen Schimmer überzogen zu sein. Und er trug ein Schwert bei sich.


    Vorsichtig stand sie auf. Der Blick des Schwertkämpfers richtete sich auf den Wald hinter ihr, “...die Kreatur kommt näher... einen Augenblick” Er verschwand zwischen den Bäumen. “..Kreatur? Was meint er damit?”, schoss es ihr durch den Kopf, “Und wer ist er überhaupt?” Während sie wartete, bemerkte sie einen kleinen Teich in der Nähe und zum ersten Mal sah sie ihr Spiegelbild. Sie hatte sehr langes schwarzes Haar und ihre Haut war kreidebleich. Dunkles Makeup und dunkle Kleidung. Sie trug einen traditionell verzierten Rock in Schwarz-, Rosa- und Lilatönen, sowie eine dazu passende Korsage die ihr nur bis kurz über die Rippen ging. Dazu schwarze Handschuhe und eine lila Kapuze. Außerdem bemerkte sie ein schwarzes Band an ihrem Hals, mit einer kirschblütenförmigen Brosche daran.

    “Noch ein Dämon erledigt... so... und was machen wir jetzt mit dir?”, der Schwertkämpfer war zurückgekommen. An der Klinge seines Schwertes klebte schwarzes Blut. Darqueria wusste nicht so recht was sie sagen sollte. Sie hatte noch nie mit jemandem gesprochen. Ihre Schüchternheit schien den Schwertkämpfer zu belustigen. Er grinste: “Nein... du bist definitiv keiner von denen. Wer bist du?” Sie schluckte. “I-ich heiße Darqueria...” Sie schlug sich vor Schreck auf den Mund. Noch nie zuvor hatte sie ihre eigene Stimme gehört. Gleichzeitig schämte sie sich dafür - wahrscheinlich hielt der Schwertkämpfer sie jetzt für vollkommen verrückt. Sie wurde rot und zitterte etwas. Der Schwertkämpfer war nachdenklich geworden: “Du musst keine Angst vor mir haben. Du hast nichts zu befürchten.” Darqueria war dankbar für seine Worte. Sie nickte lautlos. Der Schwertkämpfer schien nicht so recht etwas mit ihrer Schweigsamkeit anfangen zu können. Er zuckte die Achseln: “Ich gehe jetzt. Du bist außer Gefahr.. Fürs erste. Pass auf, dass du nicht gefressen wirst.” Mit diesen Worten verschwand er.

    Darqueria zwang sich, sich zu beruhigen. Es war ungewohnt, einen anderen Menschen zu sehen, geschweige denn ein richtiges Gespräch zu führen. Alles was sie bisher kannte, waren die Stimmen der verlorenen Seelen des Abgrunds. Sie sah sich etwas um. Sie war in einem wunderschönen Wald gelandet. Die Bäume schienen schon sehr alt zu sein. Hie und da wuchsen lilafarbene Pilze. Der Duft des Waldes... immer mehr neue EIndrücke die auf sie wirkten. Und doch... fühlte sie sich allein... Ziellos umherwandernd, gelangte sie auf ein verwaistes Schlachtfeld. Doch … nein... sie spürte eine Aura. Jemand streifte zwischen den weggeworfenen Schwertern umher. “...Mein Schwert....mein...Schwert...”, sie hörte ein leises, ruheloses Murmeln, “...Wo...ist... mein Schwert...” Das Murmeln gehörte zu einer jungen Frau mit silberigen Haaren. Auch sie trug ihre Haare zu einem praktischen Zopf und auch wenn ihre Haare nicht so voluminös waren wie bei dem Schwertkämpfer, musste Darqueria sich wieder die Frage stellen, wie ihre Haare wohl in dieser Frisur hielten. Ihre Augen waren Meeresblau und sie hatte spitze Ohren. Ihre Kleidung war kurz und praktisch und in hellen Farben gehalten.

    Sie erblickte Darqueria und plötzlich ging eine finstere Aura von ihr aus. Ihre Augen leuchteten pink: “Du....hast du... mein Schwert gesehen?!” Darqueria versuchte ruhig zu bleiben, denn hinter der Frau war ein finsterer Dämon erschienen. “Nein.”, sagte sie. Die Frau wandte sich ab: “...ich muss... Weiter suchen... mein Schwert...wurde...zerbrochen...”Ihr irrer Blick streifte den Boden, “...muss...mein Schwert...zusammenfügen... nur dann...kann ich mich...”, Sie schien die einzelnen Bruchstücke anzusehen, ohne sich dessen bewusst zu sein, “...daran erinnern...wann...wann... ich...?!....gestorben bin?” Sie entfernte sich langsam. Darqueria schien sie völlig vergessen zu haben. Vielleicht konnte sie ihr helfen. Doch es lagen hunderte Schwertfragmente auf dem staubigen Boden. Darqueria schaffte es durch ihre Magie ein Erinnerungsbruchstück aus der Geisterfrau zu extrahieren. Eine große Klinge mit Wellenschliff und bläulicher Schneide. Nun wusste sie zumindest, wonach sie suchen musste. Doch keines der Schwertfragmente sah wie das des Geistes aus. Aber sie gab nicht auf. Vorsichtig durchsuchte sie die Schwertstücke. “Vielleicht suchen wir beide einfach an der falschen Stelle...” Darqueria begann sich vom Schlachtfeld zurückzuziehen. Da – endlich – am Fuß des Berges fand sie ein Stück der Klinge. Als sie zurücklief, sah sie aus der Ferne, wie der finstere Geist eine furchtbare Verwandlung einleitete. “Mein Schwert...mein....Schwert…” Darqueria näherte sich ihr zaghaft: “Das gehört dir, nicht wahr?” Sie gab ihr das Bruchstück. “Ja...”, sie schien sich zurück zu verwandeln, “Ahhhh....endlich...lässt der Dämon von mir ab...mein Schwert...endlich...mein...” Plötzlich wurde ihr glasiger Blick kalt. Sie verschränkte die Arme: “Willst du etwa einfach nur hier rumstehen?” Darqueria war sich nicht sicher was sie davon halten sollte. Wie kann man nur so schnell seine Stimmung wechseln? “Warte - was?”, Sie war vollkommen überfordert. “Verkauf mich nicht für dumm. Warum hast du mir das gebracht? Hoffst du auf eine Belohnung, oder was?” “Eh- Mom-!”, begann Darqueria, doch die Geisterfrau ließ sie nicht ausreden: “Ich muss dich leider enttäuschen, aber ich überhäufe meine Retter nicht mit Schätzen. Oder was auch immer du gehofft hast.” Darqueria kam irgendwie nicht ganz mit. “Hmpf! Obwohl..., wenn man sich überlegt, dass das Stück die ganze Zeit hier gelegen hat... “, die Geisterfrau lächelte plötzlich. Es war kein fröhliches, sondern eher ein hämisches Lächeln: “Ich schätze, ich kann dir danken. Ein wenig zumindest. Du darfst dich geehrt fühlen. Ab jetzt darfst du mich Riven nennen. Nur wenige erhalten dieses Privileg! - Bild dir aber nicht zu viel darauf ein! Wir sind keine Freunde oder sowas!” Darqueria brauchte einen Moment, um das zu verstehen. “Nun? Hast du nichts zu sagen? Sicher hast du etwas Geistreiches auf Lager. Lass mal hören.” “...was...was ist eben mit dir passiert?”, ein wenig dankbar war Darqueria ja schon, dass Riven sie endlich mal zu Wort kommen ließ. Riven wirkte bestürzt: “Was passiert ist?! Nichts ist passiert! Ich bin die gleiche Riven wie eh und je! Meisterhafte Schwertkämpferin und Mörderin! Nichts auf der Welt kann mich aufhalten!” Riven schwieg einen Moment, “...hmpf...aber es ist seltsam... ein solches Schlachtfeld habe ich noch nie zuvor gesehen. Und ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin...”, ihre Stimme wurde wieder leiser, wie ein murmeln, “...und was habe ich da gesehen, als ich das Fragment berührt habe...?” Sie richtete sich auf, den Blick auf Darqueria gerichtet: “Hey, Grünschnabel. Lass uns mal unterhalten. Wie du vielleicht bemerkt hast, ist mein Schwert nicht grade... nun ja... in bestem Zustand. Da du anscheinend besser darin bist, die restlichen Teile zu finden, darfst du sie für mich suchen.” Darqueria schwieg. Sind alle Menschen so? “Nein? Na schön! Mach doch was du willst!”, erwiderte Riven kühl. “...eh...Riven...?”, Einige Schwertbruchstücke schwebten über Rivens Kopf. “-Was...?”, Riven folgte ihrem Blick. Die Fragmente vollführten einen Tanz in der Luft – dann - ein Knall! Und ein seltsamer Geruch... “-Pilze?”, Riven kniff die Augen zusammen. Ein pelziges kleines Geschöpf war erschienen und ließ ein gackerndes, überdrehtes Lachen hören: “Ha-HA! Hab dich drangekriegt!”


    “-DU!”, Riven sah so aus, als würde sie das Geschöpf am liebsten mit bloßen Händen erwürgen. Doch ehe sie sich versah, war es in einer Pilzwolke verschwunden. Riven bließ sich entnervt eine Strähne aus dem Gesicht. Ihr Gesicht war puterrot: “Das - das hast du NIEMALS GESEHEN, KLAR?!” Mit diesen Worten rauschte sie über das Schlachtfeld davon.

    “...na super...”, dachte Darqueria. Nach all den Jahren in völliger Einsamkeit... tat es eigentlich ganz gut, eine andere Person zu sehen, selbst wenn diese einen solch anstrengenden Charakter hat. Sie seufzte und schlug den Pfad in die Berge ein. Nach einiger Zeit hörte sie etwas – eine Melodie im Wind. Sie folgte ihr. “Du lässt dich nicht so leicht abschütteln, was?” An einem Baum lehnte der Schwertkämpfer, den sie bereits getroffen hatte. Er hielt eine Flöte in der Hand. “Ich bin nur der Melodie gefolgt...”, sagte sie leise. “Ach, reden kannst du auch?”, er grinste. Dann fragte er zögerlich: “...Und? … Hat dir meine Musik gefallen?” Darqueria brachte ein schüchternes Lächeln zustande: “Sie war wunderschön.” Der Schwertkämpfer war kaum merklich rot geworden. “Ah, du schmeichelst mir...danke...” Er lehnte sich zurück: “Ich bin Lob nicht gewöhnt. Ich versuche bei meinem Ding als einsamer Schwertkämpfer zu bleiben... Außerdem ist hier das Reich der Geister. Hier gibt es allgemein nicht viele Leute.” Darquerias Blick entging ihm nicht. Er gab sich einen Ruck und erklärte: “Ach in Ordnung. Du hast gewonnen. Ich höre auf, den harten Kerl zu spielen. Ab jetzt darfst du mich Yasuo nennen. Man kennt mich als Geist des Heldenmuts. Mein Gebiet sind waghalsige Taten, tapfere Leistungen, entgegen aller Widrigkeiten für das Richtige einstehen... ”, er grinste, “Aber wenn ich etwas besser Flöte spielen könnte, wäre ich vielleicht für etwas anderes bekannt. Der Geist der Melodie? Nein, nicht eingängig genug...” “Warum kannst du nicht beides sein?”, Darqueria setzte sich. “Es war anscheinend mein Schicksal zu kämpfen. Außerdem komme ich aus einer Familie von Schwertkämpfern. Mein Vater, sein Vater, sein Großvater... alles Krieger, seit zehn Generationen. Ehre und Gerechtigkeit haben uns schon immer geleitet. Musik... ist eine schöne Ablenkung, wenn die Schlachten vorbei sind. Außerdem bedeutet das nicht, dass ich am Schwertkampf keinen Gefallen finde. Im Gegenteil Es gibt nichts, was dem Rausch eines Kampfes gleichkommt... Ich bin einfach der Tradition meines Klans gefolgt... ”, sein Blick wirkte nachdenklich, “...wäre ich stattdessen Musiker geworden, wäre vielleicht auch ER...” Sein Satz wurde von einem Schrei unterbrochen, welcher ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ein Dämon war aufgetaucht. Doch dieser war anders als der von vorhin - größer - mächtiger. Und voller Mordlust wie es schien. Sie konnte es spüren. Doch er machte auf Yasuo keinen großen Eindruck. Dieser grinste: “Endlich ein ebenbürtiger Gegner...” - er schien geradezu mit dem Schwert durch die Luft zu fliegen, um es mit dem Dämon aufzunehmen. Doch Darqueria beschlich ein ungutes Gefühl. Sollte sie ihre eigentlichen Kräfte zeigen? Noch während sie darüber nachdachte, schaffte der Dämon es, Yasuo zu Fall zu bringen. Er war verwundet. “Ach egal...”, Darqueria transformierte sich. Schwarze, ledrige Flügel brachen aus ihren Rücken hervor, ihre Robe wurde zu einer leichten Rüstung und Hörner erschienen auf ihrem Kopf. Sie sah dem Dämon nun recht ähnlich... Doch sie kanalisierte die Lebensenergie der Bestie. Während sie dies tat, konnte sich das Biest kaum bewegen. Als es mit einer Klaue nach ihr ausholte, schwang sie sich in die Lüfte. Ein Feuerball aus grünen Flammen – und der Dämon fiel in sich zusammen. Seine Leiche wurde zu Rauch. Schnell eilte sie zu Yasuo. Die Energie des Dämons nutzte sie dazu, seine Wunde zu schließen. “Hättest du damit nicht früher ankommen können?”, Yasuo grinste schmerzhaft, als - “Weiche, Dämon!” Darqueria spürte einen abscheulichen Schmerz. Eine Klinge steckte in ihrer Brust. “-Yone?” Yasuo schien den zweiten Schwertkämpfer zu kennen, welcher aus dem Dickicht aufgetaucht war. Mit letzter Kraft, flog Darqueria davon. Ihre Wunde blutete unaufhörlich. Und ihre Kraft ließ nach. Sie stürzte in einem Waldgebiet ab. Sie hörte noch das Rauschen eines Flusses und sah eine maskierte Gestalt näherkommen: “Hallo, verirrte Seele...du bist der perfekte Neuzugang für meine Sammlung...” Darqueria wollte fliehen, doch sie konnte es nicht. Sie konnte sich nicht einmal mehr auf den Beinen halten. Der Schmerz war zu groß. Und noch ehe sie sich versah, fiel sie in Ohnmacht.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

    (Lucanus 39-65n.Chr.):cat:

    6 Mal editiert, zuletzt von Darqueria () aus folgendem Grund: Überarbeitet

  • Kapitel 2

    Als sie erwachte, dachte sie zunächst, sie würde schweben. Sie konnte den Boden nicht spüren. Tot sein konnte sie nicht - schließlich hatte sie nie gelebt. “Ah...du bist aufgewacht, verirrte Seele... ich war in Sorge, dass dich diese Wunde in den Abgrund zieht...” Sie hatte diese Stimme schon einmal gehört. Doch erst jetzt, bemerkte sie, dass der Mann mit der Maske sie trug. Es war eigenartig, doch die Wärme seiner violetten Haut tat ihr gut. Fast schämte sie sich schon ein bisschen dafür. Er hatte weißes Haar und Hörner auf dem Kopf.


    “Es gibt nichts zu befürchten. Wenn ich mich vorstellen dürfte... Ich bin Thresh, Diener der natürlichen Ordnung, die uns alle leitet.” Thresh wurde plötzlich still. “...du...bist anders...“ Darqueria verstand nicht so recht. Andererseits – ihr Kopf war noch recht benebelt - “...Dein Geist... er trägt keine Erinnerungen an andere Seelen mit sich... sag, wo kommst du her, verirrte Seele?” Darquerias Stimme war schwach: “...ich...wurde im Abgrund geboren... ich... habe nie.... gelebt...” “...im Abgrund geboren? ...das ist... interessant... der Abgrund ist das letzte Tor, das eine Seele nehmen kann... Wenn sie sich vom Pfad der Erlösung wegbegibt... und ich sie nicht schützen kann... dann ist sie für immer verloren...” Ihre Wunde schmerzte unaufhörlich. Seine Maske ward ihr zugewandt: “Es ist nicht mehr weit... meine Laterne gibt dir genug Kraft, dass du bis dorthin durchhältst...” Darqueria war verwundert: “...Du...hilfst...mir?” “Sprich jetzt nicht... und ja. Es täte mir so weh, eine Seele in Not zurück zulassen...” Dann holte die Ohnmacht sie wieder ein.

    Sie erwachte erneut an einem Fluss. Kleine Lichter schwebten nebst den Laternen in der Luft herum - wunderschön. Der Steg führte zu einem mysteriösen Tor. “Ah, du bist aufgewacht, verirrte Seele...” Thresh stand neben ihr. Er hielt etwas in der Hand: “Willkommen in meinem Zuhause...und bitte entschuldige die Unordnung... ich war zu sehr mit der Obhut beschäftigt...” Sein Blick schien über das Wasser zu schweifen: “Ah...diese Lichter... sie liegen mir so am Herzen... sie stehen für meine Kinder... und jedes einzelne von ihnen dient einem bestimmten Zweck.” Darqueria versuchte sich aufzurichten, doch der stechende Schmerz war noch immer da. Threshs Blick fiel wieder auf sie. “...ich kann dir helfen...allerdings... müsste ich dafür an deine Wunde kommen...” Darqueria verstand zunächst nicht und blickte an sich herunter. Als ihr klar wurde, was er damit meinte, wurde sie feuerrot: “D-du willst, dass ich mich ausziehe?! NEIN!” Thresh blieb ganz ruhig. Ein belustigter Unterton schlich sich in seine Stimme: “Dann fall halt dem Abgrund zum Opfer...” Er drehte sich um, stutzte einen Moment – dann drehte er sich zurück: “Aber ...nein. Ich kann keine verirrte Seele vom Abgrund verschlingen lassen!” Darqueria war vollkommen überfordert. NIEMALS würde sie sich einfach vor einem Fremden entblößen! Andererseits spürte sie immer mehr wie das bisschen Leben aus ihr schwand. “…Ich habe keine Wahl, oder?” “...Nein...” Darqueria hoffte nur inständig, dass er nicht zusah, wie sie sich auszog. Tatsächlich drehte er sich wieder den Lichtern zu, als ihre Hände vorsichtig die dünne Korsage aufschnürten. Erst als ihr Oberkörper entblößt war, bemerkte sie, dass er sie die ganze Zeit über durch die Spiegelung im Wasser hätte beobachten können. Das Rot in ihrem Gesicht bekam einen neuen Anstrich. Thresh drehte sich um und Darqueria verschränkte peinlich berührt die Arme vor der Brust. “... Wir müssen deine Wunde reinigen... und verbinden...”, erklärte er. “...Moment – WIR?!” Langsam fragte sie sich wirklich, ob er ihr nur helfen wollte, oder ob er etwas ganz Eigenes im Sinn hatte. “..., wenn du es selbst schaffst...”, er legte eine kleine Phiole mit einer rauchigen Flüssigkeit vor ihr auf den Boden. Darqueria wollte danach greifen, doch bei jeder noch so kleinen Bewegung verkrampfte sich ihr ganzer Körper. Thresh öffnete das Fläschchen. Er warf ihr durch seine Maske hindurch einen Blick zu. Widerwillig ließ sie ihn sich verbinden. Was auch immer er auf ihre Wunde gekippt hatte, wirkte Wunder. Doch eine plötzliche Müdigkeit nahm ihr überhand und sie schlief auf dem Boden ein. Als sie erwachte, lag neben ihr ein sauberes Oberteil, welches sie rasch anzog. Grade schnell genug, denn Thresh war zurückgekehrt, “Du scheinst dich gut erholt zu haben...” Darqueria nickte: “Ja... danke, Thresh....” Nach einer längeren Pause fragte er: “...Sag mir, verirrte Seele... gibt es jemanden oder Etwas, was dir wichtig ist?” Darquerias Blick wurde trüb: “...nein... ich...ich kenne schließlich niemanden wirklich... das Einzige was ich je kannte, waren die Stimmen der Toten die in den Abgrund gezogen wurden... die Lieder, die sie über ihr Leben sangen...das... ist mir wohl wichtig...”, sie schluckte, “...die Toten... sollten niemals in Vergessenheit geraten...” “Eine solche Antwort habe ich noch nie gehört.... aber es ist wahr..., wenn man etwas hat, was einem am Herzen liegt, ist das die größte Freude... und..., wenn es einem genommen wird, der größte Schmerz...” Er wurde still. “...geht es dir gut?”, fragte Darqueria. “Es...geht mir nicht gut.”, er wand sein Gesicht von ihr ab. Die Laternen wurden trüb, als würde sein Kummer ihr Licht dämpfen. Sie blieben weiterhin trüb, doch Thresh wurde nun von einer leuchtenden Aura umgeben. Seine Maske war verschwunden: “Dies ist meine bessere Gestalt...Ich wollte dich nicht täuschen. Doch tragischerweise bin ich gezwungen, als Abbild meines wahren Ichs zu erscheinen. Ein wahrlich abscheuliches Abbild...”, er blickte zu Boden, “Ich hoffe, diese Gestalt verschreckt dich nicht, verirrte Seele...”Abscheulich?... wohl eher das Gegenteil...

    Darqueria war rot geworden: “Ich...ähm...du....ich meine... du... siehst toll aus...”, stotterte sie. “Oh, welch Kompliment”, Thresh lächelte. Ein belustigter Unterton schlich sich in seine Stimme: “Außerdem verwirrt es dich, meine Mimik nicht deuten zu können, nicht wahr?” Darqueria schwieg, peinlich berührt. “Leider kann ich diese Gestalt nicht lange aufrechterhalten”, fuhr er fort, “Denn jene, die mir am Wichtigsten sind, wurden mir genommen. Und meine Seelen...meine Kinder... Jetzt leiden sie..., weil ich sie nicht beschützen konnte! ” Eine Dunkelheit breitete sich aus. “Als Vater habe ich versagt...” Darqueria stand auf: “Kann ich dir irgendwie helfen?” Sein Leuchten verebbte, doch die nahen Laternen wurden wieder heller. Sie konnte seinen Schmerz spüren. “Nein. Das ist für dich nicht von Belang. Du bist bereits ein verlorenes Kind. Mir steht deine Hilfe nicht zu.” “Doch das tut sie.”, Darqueria trat näher, “Du hast mich... du hast mich vor dem Abgrund bewahrt. Ich würde alles tun, um diese Schuld abzutragen...” “Nun..., wenn du darauf bestehst... Einige meiner Kinder sind noch nicht heimgekommen. Ich vermisse sie so sehr... würdest du nach ihnen suchen? Vielleicht sind sie verirrt, wie du es einst warst. Damit würdest du das Herz dieses alten Geistes beruhigen.” Darqueria nickte, “Sag mir wo ich suchen soll.”

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

    (Lucanus 39-65n.Chr.):cat:

    7 Mal editiert, zuletzt von Darqueria () aus folgendem Grund: Überarbeitet

  • Kapitel 3

    Stundenlang irrte sie erneut im Wald umher. Dutzende kleine Lichter schwebten umher, doch es schien ihr nicht möglich auch nur eines davon zu fangen. Deprimiert setzte sie sich auf den Boden. Sie wollte diesem Wesen helfen, koste es was es wolle. Sie wollte nie wieder zurück in den Abgrund. Diese endlose Leere... und nur die Lieder der Stimmen, welche von ihrem vergangenen Leben erzählten... Lange war Darqueria traurig... ja gradezu eifersüchtig gewesen, da ihr kein Leben geschenkt worden war. Doch nun entsann sie sich auf eines ihrer liebsten Lieder. Eines welches ihr Trost spendete in all den dunklen Stunden. Und sie begann zu singen:

    “Leuchtfeuer brennen in der Nacht, Wie ein Heer aus Sternen,

    Welches mich bewacht. Das Licht, das mich nach Hause führt -

    Zwischen all den andren dort, Der letzte Zufluchtsort...”

    Sie war so in ihr Lied vertieft, dass sie gar nicht merkte, dass sich die kleinen Lichter immer dichter um sie scharrten, doch als das Lied vorbei war, schienen sie verwirrt auf und ab zu hüpfen. Wollten sie ihr damit sagen, dass sie weitersingen sollte? Sie startete einen Versuch und stimmte das Lied erneut an. Die Lichter folgten ihr, wohin sie auch ging. Vielleicht spendete auch ihnen dieses Lied Trost. Oder vielleicht kannten sie aus ihrem Leben, die Person die dieses Lied einst sang. Darqueria lief zurück und sang weiter, Lied um Lied. Die Seelen folgten ihr.

    Sie kehrte zu Threshs Unterschlupf zurück. Es war dunkler als vorher. Thresh stand am Tor, den Blick aufs Wasser gerichtet: “...Ah, du bist zurück. Wie war dein kleines Abenteuer?” Er drehte sich zu ihr um. Erstaunen und Unglauben standen ihm ins Gesicht geschrieben, angesichts der Menge an Seelen die ihr gefolgt waren. Darqueria lächelte: “Deine Kinder mögen wohl meinen Gesang... sie sind mir bis hierher gefolgt.” Threshs Blick wurde weich: “...dann musst du wohl eine wahrhaft meisterliche Stimme haben...” Sie wurde rot. Threshs Finger glitten über die Seelen, so als würde er sie streicheln. “Ah, meine Kinder. Es ist so schön, sie wieder zu spüren.”, er lächelte, “Das war hervorragend, verirrte Seele. Die Rückkehr meiner Kinder bringt mir mehr Wonne, als du dir je vorstellen kannst.” Dann wurde er wieder ernst: “Womöglich ist es an der Zeit, dir zu sagen, wer ich bin...” Darqueria nickte. “Ich bin ein Bewohner der Welt, die die Lebenden als Geisterreich bezeichnen. Einige sehen mich als Hüter. Doch ich halte mich für mehr als das. Ich bin der Vater dieser Geister, der Wahrer ihrer Seelen. Viele von ihnen sind verloren wie du. Die Lebenden vertrauen darauf, dass die Verstorbenen in dieser Welt sicher sind. Und dafür sorge ich...” Das hatte sich Darqueria schon gedacht. “Doch seit kurzem versuchen Geister mit ganz eigenen Absichten meinen guten Willen zu behindern.” “Warum sollten sie so etwas tun?”, fragte sie. Sie spürte, dass ihn dies sehr beschäftigte. Er wirkte zerknirscht, “Sie glauben, sie wüssten es besser als ich... wie vermessen diese Annahme doch ist.” Irgendwas verheimlichte er doch vor ihr... Sein Blick wurde zornig: “Doch das Schlimmste ist, dass mir mein wertvollster Besitz gestohlen wurde! Meine kostbare Laterne... das Leuchtfeuer, das meine Kinder zu mir führt... genau wie sie dich zu unserem Kennenlernen führte. “ Er senkte den Blick: “Ohne meine Laterne schweben meine Kinder in Gefahr... wie du siehst, sind viele der Laternen am Fluss bereits erloschen. Jede von ihnen zehrt von den nährenden Kräften meiner Laterne. Ohne diese verblassen sie, wie die vergessenen Seelen eines vergangenen Zeitalters... Und so irren meine Kinder ohne weisendes Licht umher. Ohne Ziel. Ohne Gestalt. Ohne Bestimmung.” Sein Gesicht wurde wieder von seiner Maske verhüllt, als ob er es vor ihr verstecken wollte, “...welch Kummer das in mir weckt...es schmerzt so sehr... ” Egal ob er ihr etwas verheimlichte, oder nicht... Die Seelen bei ihm waren vor dem Abgrund geschützt. Und so fasste sie einen Entschluss: “Ich werde die Laterne finden.” “Wirklich? Ich wäre dir ewig dankbar, verirrte Seele.” “Ich heiße Darqueria.”, erwiderte sie. Es war ihr fast peinlich, dass sie sich ihm noch gar nicht vorgestellt hatte. Dann brach sie auf. Der Weg zurück zu den Wäldern dauerte Stunden, die ihr wie Tage vorkamen. Auf einer Lichtung kam sie sich plötzlich beobachtet vor. “Hallo?”, fragte sie. Die Bäume schienen sich nach hinten zu biegen und gaben den Blick auf einen weiteren Geist frei. Sie war halb Mensch, halb Reh, mit weißem Haar und großen, ängstlichen rosa Augen.

    “So laut... Iiiieeep...”, sagte sie. “Entschuldige. Ich mag es nur nicht beobachtet zu werden.”, sagte Darqueria ruhig. “Iiiiiep!.... Tut... tut mir leid...”, sagte der Geist. Darqueria trat etwas näher. “K-Komm mir nicht zu nahe!” Sie trat wieder zurück und hob beschwichtigend die Hände: “Vielleicht kannst du mir helfen. Ich bin auf der Suche nach -” Doch der Rehgeist schien ihre Hände als Warnsignal zu verstehen und verschwand blitzschnell hinter den Bäumen. “...Existieren ist seltsam...”, murmelte Darqueria zu sich selbst. Sie marschierte in Richtung des Tals. Vollkommen in Gedanken merkte sie nicht einmal, wie sie mit jemandem zusammenstieß. “E-e-entschul-!”, Sie erstarrte. Vor ihr stand der Schwertkämpfer, der sie verletzt hatte. Wie hatte Yasuo ihn noch gleich genannt? Yone?

    Darqueria betrachtete ihn. Hatten alle Geister weiße Haare? Er sah sehr ernst aus. Ein Blick des Erkennens huschte über sein Gesicht. Darqueria wollte nur noch fliehen. Aber sie konnte sich nicht rühren. Ihr Atem ging flach. Würde er ihre Existenz auflösen? Stattdessen sagte er nur: “Du gehörst nicht hierher.” Darqueria war sich nun ziemlich sicher, dass er sie umbringen würde. “...Die Leute tragen Namen wie Masken. Manchmal so lange, dass wir sie für unsere wahren Gesichter halten. “, er reichte ihr die Hand, “Ich bin Yone. Und du bist hier nicht sicher.” Nicht sicher? Als ob sie nicht auf sich selbst aufpassen könnte! Das war Darqueria doch etwas zu viel, “Hey, falls es dir entgangen ist, ich habe vorhin einen Dämon platt gemacht!” Yone lächelte kühl: “So einfältig... genau wie er... kein Wunder, dass dich dein Weg zu meinem Bruder geführt hat.” Darqueria schwieg. Einfältig? Ich? Unfug! Yone hingegen blickte zu den Bäumen, welche sich im Wind wogten:


    “Wilde Böe weht

    Blätter vom Baum geblasen

    Warum wandern wir?”


    Auf Darquerias fragenden Blick hin erklärte er: “Die Azakana lauern in der Nähe. Egal ob tot oder lebendig, starke Gefühle ziehen diese Kreaturen an. Ich kann dich in Sicherheit bringen. Komm mir nur nicht in die Quere. Ist dir das möglich?” Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu: “Ich kann auf mich selbst aufpassen!” Yone seufzte: “Narren verwechseln Vorsicht oft mit Furcht.” “Sagt derjenige, der mich fast umgebracht hätte...”, erwiderte sie sauer. Yone schwieg. Darqueria dachte nach und beschloss ihm nicht böse zu sein. Sie lehnte sich zurück. Es war gemein von ihr gewesen, gleich so zu reagieren. “...es ist okay. Du wolltest nur deinem Bruder helfen.” Die Finsternis in seinem Blick schwand und wurde zu einem Ausdruck der Verwunderung. “...Nein... ich habe dich in Gefahr gebracht... ich bin ein Narr.” Mit finsterer Miene zitierte er ein weiteres Haiku:


    “Geduld, Disziplin

    Lektionen die ich einst gab

    Ich bin der Schüler.”


    Er wandte den Blick von ihr ab: “ Ich bemühe mich sehr, den Pfad der Weisheit und Vorsicht zu beschreiten und jene zu retten, die in Gefahr sind... doch ich versage... immer und immer wieder. In dieser Welt kennt man mich als Geist der Reflexion. Mein Weg ist einsam, ich jage Azakana und abtrünnige Seelen... doch ich frage mich... Hat das alles einen Sinn? Hier ändert sich alles und nichts. Dieses Land ist voller Perspektiven, die sich verschieben und endloser Totenprozessionen. Wen rette ich? Wen besiege ich? Und warum muss ich es allein tun? Ich habe noch nie Antworten erhalten. Das ist einfach, wie die Dinge sind.” “...du bist nicht allein. Du hast deinen Bruder.”, sagte Darqueria. Die Kälte in seinem Blick erhärtete sich: “Yasuo hatte zu unseren Lebzeiten eine natürliche Begabung für den Schwertkampf... im Gegensatz zu mir...obwohl er lieber Flöte spielte, statt zu trainieren. Ich sagte ihm immer ‘Talent ohne Fokus bringt Schande’. So wollte ich ihn auf den rechten Weg führen. Doch was ist der rechte Weg überhaupt?”, er machte eine Pause, “...letzten Endes wurden wir zu Regionalfürsten, wie es unsere Vorfahren vorgesehen hatten. Es endete damit..., dass wir uns gegenseitig auf dem Schlachtfeld niederstreckten. Lange Jahre... habe ich nach ihm gesucht. Ich hätte nicht gedacht, dass unser Zusammentreffen nach all der Zeit damit ausgehen würde, dass ich eine Unschuldige fast getötet hätte... letzten Endes... konnte... ich niemanden retten...” Eine Dunkelheit nahm von ihm Besitz, “...Niemanden... retten...” Plötzlich wurde Yone selbst zum Dämon.

    Eine Hand zog Darqueria weg von ihm. Yasuo stand schützend vor ihr. Doch Yone war bereits verschwunden. Er war durchs Dickicht gerannt und nirgends war eine Spur von ihm zu sehen. “Was war das?”, fragte Darqueria. “Das Azakana, welches von ihm Besitz ergriffen hat. Ich muss ihn finden.” Mit diesen Worten rannte Yasuo seinem Bruder nach. Und auch wenn Darqueria sich nicht sicher war, ob sie ihn überhaupt leiden konnte – sie erhob sich in die Lüfte und hielt Ausschau nach Yone.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

    (Lucanus 39-65n.Chr.):cat:

    7 Mal editiert, zuletzt von Darqueria ()

  • Kapitel 4

    Yasuo war schnell. Selbst in der Luft hatte sie ihn aus den Augen verloren. Doch stattdessen spürte sie etwas... eine Dunkelheit, wie sie sie bereits bei Riven gespürt hatte, als der Dämon von ihr Besitz ergriffen hatte. Sie folgte diesem Gefühl. Seltsamerweise fürchtete sie sich nicht davor. Im Gegenteil... es kam ihr seltsamerweise fast wie der Weg zurück in ihre Heimat vor... zurück zu dem was ihr heimelig war.

    Sie fand Yone am Hang eines Berges. Er schien wieder er selbst zu sein. “...Hm? Was ist passiert? Wo sind wir?”, fragte er, als er sie erkannte. Darqueria verwandelte sich zurück, “Du hast dich in einen Dämon verwandelt und bist in die Berge gerannt...” Yone schwieg einen Moment. Er blickte finster drein. “...es scheint, als könne ich selbst hier im Geisterreich keinen Frieden finden...” Darqueria fragte sich, was seine Transformation ausgelöst hatte. “...Danke, dass du mir gefolgt bist. Das war töricht, wenngleich auch sehr mutig.” Sie konnte ihren Ohren kaum glauben – Yone BEDANKTE sich bei ihr?! “Ha. Genau wie er...”, er lächelte leise in sich hinein. “Apropos ER – wenn du damit Yasuo meinst, er ist dir nachgelaufen. Aber ich habe ihn aus den Augen verloren. Bestimmt sucht er nach dir. Wir sollten ...ihn suchen.” “Nein. ‘Wir’ sollten überhaupt nichts tun. Denn schließlich bringe ich dich nur in Gefahr...” Darqueria verdrehte die Augen. Yone räusperte sich: “... was du grade gesehen hast, war der Teil von mir, den ich kontrollieren muss...Als ich hier ankam, wurde ich von einem Azakana angegriffen. Der Name des Wesens bedeutet so viel wie ‘Nachklingende Zweifel der eigenen Vergangenheit’. Ich wollte Jagd auf die Kreatur machen, doch es stellte sich heraus, dass sie mich jagte. Azakana bedeutet ‘kleiner Dämon’, doch man sollte sie nicht unterschätzen. Diese Kreaturen sind spirituelle Vampire, die sich von dunklen, komplexen Gedanken ernähren... wenn sie genug Zeit haben, töten sie ihren Wirt und manifestieren sich als die boshafte Verkörperung eines menschlichen Gefühls oder Konzepts. Diese Form nennt man Akana oder Dämon... obwohl... ein paar von ihnen anders sind und schon viel länger existieren als der Rest...”, er warf Darqueria einen Seitenblick zu. Seine Stimme klang noch immer vorwurfsvoll, “Auch wenn der Dämon gebannt ist, ist er ein Teil von mir. Wie alles was ich bereue. Und wenn diese Erinnerungen in mir hochkommen... “ Sein Blick wurde wahnsinnig: “Wie nachlässig von mir! Ich erlag der Vergangenheit und habe dich in Gefahr gebracht! Das ist unverzeihlich!” Darqueria war aufgestanden und legte ihre Hand auf seine Schulter. Diese Geste schien ihn zu verwirren und für einen kurzen Augenblick von seinem Selbsthass abzulenken: “Es geht mir gut. Mir ist nichts passiert.” Er schien sich zu beruhigen: “...das ist wahr. Ich sollte dankbar sein. Dir und auch mir selbst. Es ist schwer, sich der Vergangenheit zu stellen. Und noch schwerer, wenn man es allein tut...” Er lächelte traurig: “Wie seltsam. Ich hielt mich für den Retter, doch das war nie der Fall...” “Dann lass uns Yasuo zusammen suchen... vielleicht kann ich dir helfen, das Azakana im Zaun zu halten...” erwiderte Darqueria.

    “Wie der Wind wandert

    Muss ich meinen Pfad finden

    Mein Bruder wartet.”

    Er warf ihr einen Blick zu: “Und ich muss ihn allein finden. Ich habe schon zu viel deiner Zeit in Anspruch genommen. Danke, dass du mich ertragen hast, doch nun muss ich allein weiter. Hier trennen sich unsere Wege, denke ich...” Darqueria wurde langsam sauer. Yone drehte sich um und ging die gewundenen Bergpfade hinab – doch Darqueria folgte ihm. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, als er endlich wieder mit ihr sprach: “Ich sagte doch – ich muss allein weiterreisen.” “Damit du wieder jemanden in Gefahr bringst?”, giftete sie zurück. Sein Blick wurde finster: “Ich habe nicht um deine Hilfe gebeten!” “Aber du brauchst sie!” Er blieb endlich stehen: “...ich weiß die Geste zu schätzen. Aber niemand kann mir Frieden schenken.” “Aber vielleicht kann das dir helfen...”, Darqueria öffnete ihre Hand. Ein lila leuchtender Stein an einer Kette lag darin. “Das ist ein Seelenstein. Einer von vielen die im Abgrund erschienen sind... sie sind die Überreste einer zerstörten Seele...und... sie können helfen, dunkle Energien zu bannen.” Yone sah überrascht zu ihr: “Wie bist du an ihn gekommen?” Sollte sie es ihm erzählen? Naja eigentlich – warum nicht. Er schien ohnehin keine Plaudertasche zu sein. “Ich wurde aus dem Abgrund geboren... Meine Mutter war eine große göttliche Kriegerin, die die Menschen schützte und für Gerechtigkeit im Land sorgte... mein Vater...”, sie senkte den Blick. Womöglich würde er sie dafür hassen – oder sie töten wollen..., “War einer der mächtigsten Dämonen die es je gab. Man nannte ihn sogar den König der Dämonen. Er … schwängerte meine Mutter gegen ihren Willen. Und sie... sie begab sich daraufhin in eine Schlacht von der sie wusste, dass sie nie zurückkehren würde... Sie... wollte nicht, dass ich... existierte... doch die dämonische Macht, die mir mein Vater verliehen hatte... sie zerstörte ihre Seele und ließ mich im Abgrund erscheinen. Ich... War weder lebendig noch tot... doch ich existierte...” Sie schluckte, “Der Abgrund... ist kein schöner Ort. So viele Jahre... war ich allein. Ich konnte weder sehen noch fühlen. Wenn ich sprach, bekam ich nie eine Antwort. Doch ich konnte eines hören... die anderen Seelen... und die Lieder die sie sangen... manche schön, manche voller Trauer...” Darqueria sah zu ihm. “Seither kann ich die Lieder von Seelen hören und sie singen... und das Lied in dir... es klingt voller Trauer... und... Zweifel... darum will ich dir helfen.” Sie war etwas rot geworden, als sie dies sagte. Aber Yone schien sie nun besser zu verstehen. Er lächelte ruhig: “...in Ordnung..., wenn du darauf bestehst...” Er hing sich das Amulett um den Hals und verspürte eine Last weniger in seinem Herzen. Er räusperte sich: “... wenn du mir immer noch bei der Suche nach Yasuo helfen möchtest...” Doch Darquerias Blick war auf etwas anderes gerichtet – war das nicht Threshs Laterne die da in der Luft hing? Yone folgte ihrem Blick: “...was zum...?!” Es knallte, eine Pilzwolke erschien – und das kleine pelzige Wesen war wieder da: “Ha-HA! Ihr hättet eure Gesichter sehen sollen!” “...du hattest deinen Spaß. Würdest du mir vielleicht die Laterne geben? Ich brauche sie.”, Darquerias Blick war kühl. Yone warf ihr einen Seitenblick zu – was wollte sie mit der Laterne des Geists der Obsession? Das merkwürdige Wesen grinste: “VIELLEICHT - schon! Ich bin Teemo! Und wenn du die Laterne haben willst, musst du den Geist der Reflexion dazu überreden, etwas für mich zu tun!” Darqueria seufzte und sah flehend zu Yone. Er wirkte nicht sonderlich froh über das Angebot: “...wofür brauchst du die Laterne?” “Sie gehört demjenigen, der mich gerettet hat, als deine Klinge mich beinahe getötet hätte. Bitte.”, in ihrem Blick lag eine stumme Botschaft. Yone wirkte immer noch nicht glücklich darüber: “... ich werde es definitiv bereuen... aber in Ordnung. Ich tue etwas für diese Kreatur...” Teemo strahlte. Er liebte es anderen Streiche zu spielen und nun hatte er DIE Gelegenheit, den Geist der Reflexion bloßzustellen! Er überlegte einen Moment...: “Gut, dann Küss sie!” Der Schock stand beiden ins Gesicht geschrieben – wirklich komisch! “Bitte - WAS?!”, rief sie und er erwiderte: “das kann nicht dein Ernst sein.” Teemo schwenkte die Laterne außerhalb ihrer Reichweite herum, “Tu es oder die Laterne ist weg!” Darqueria war von einem leichten Rauch umhüllt. Ihre Augen sahen wahnsinnig aus. War dies ihr dämonischer Teil? “Na schön...”, Yone entschied, dass es besser wäre, diese dumme Sache aus der Welt zu schaffen, bevor sie jemandem schadete. “ Sie wurde rot und Teemo strahlte: “Aber mindestens zehn Sekunden lang!” Sonst noch Wünsche? Er lief auf Darqueria zu. “Oh und auf den Mund!” “...auf den-?!” Er war genervt, “...also gut, ich habe ja zugesagt... kein Wort darüber zu niemandem. ” Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie sanft. Es... fühlte sich gut an. Irgendwas ließ sie sich näher an ihn schmiegen. Nach einiger Zeit - “...ihr seid jetzt schon dreißig Sekunden dabei.” - das war nicht Teemos Stimme. Sie sprengten auseinander und beide liefen knallrot an. Yasuo konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Es war seltsam seinen Bruder derart außer Fassung zu sehen – aber auch ziemlich amüsant. Darqueria nahm schnell die Laterne an sich. Sie sah keinem von beiden in die Augen. Yone räusperte sich: “...das...das war nichts...” “Schon klar.” Darqueria wusste nicht was sie davon halten sollte. Andererseits... nein. “Ich sollte zurückkehren.”, sagte sie. Aber Yasuo blockte ab: “Es wird bald dunkel. Wir sollten ein Lager aufschlagen.” Das passte ihr gar nicht. Aber in der Dunkelheit würde sie den Weg zurück ohnehin nicht finden können... Stunden später saßen sie zu dritt um ein prasselndes Lagerfeuer herum. Einzelne kleine Lichter schwebten in der Luft. Niemand sagte etwas. Darqueria überlegte... Thresh würde es sicher begrüßen, wenn sie noch mehr verirrte Seelen zu ihm führte... sie stimmte ein Lied an:

    “Ich träumt ich säß im Sonnenschein,
    und wusch mit Nichts Gedanken rein,
    dass jeder leicht wie Federn wog,
    und taumelnd bald gen Himmel flog.

    Ich träumt, dass einer dick und schwer,
    mich heimlich fragt, wie es wohl wär 
    wenn ich durch Schlafes Pforte ging,
    und drüben sucht den Neubeginn.

    Ich greif sie auf in jenem Traum,
    ich gleit hinüber, merk es kaum.

    Ich bin ein Traumtänzer,
    Ich tanz mein Leben, Leb den Traum,
    ich träum vom Glück, schau nie zurück.

    Traumtänzer,
    ich führ Dich in den Traum hinein,
    und er soll Dein Begleiter sein...”


    Yasuo und Yone starrten sie nur verwundert an. Und... noch jemand anderes. Der Rehgeist stand auf der Lichtung. Sie klammerte sich an ihren Stab. Als Darqueria geendet hatte, bemerkte Yasuo: “Du hast... eine bemerkenswerte Stimme.” “Danke.”, erwiderte sie. Yone sah sie weiter an, was ihr fast schon unangenehm war. Doch sein Blick war dieses Mal nicht von Trübsinn und Zweifel geplagt. “B-b-bitte, sing weiter!”, sagte der Rehgeist. Darqueria drehte sich verwundert zu ihr um. Sie lächelte und stimmte das Lied erneut an. Tausende kleine Seelen gesellten sich zu ihrem Publikum. Sie sang Lied um Lied... bis sie müde wurde.

    Sie erwachte am nächsten Tag. Das Licht fiel durch das Blätterdach und eine bekannte Flötenmelodie erklang im Wind. Yasuo. “Hattest du einen erholsamen Schlaf?”, fragte er. Darqueria reckte die Glieder: “Mir war, als hätte ich auf einem Stein geschlafen...” “Das hast du meiner Schulter zu verdanken. Ich laufe immer noch ganz krumm.”, bemerkte er. Darqueria wurde knallrot. Yasuo lachte: “Das war ein Scherz.” Sie beruhigte sich. Wie gemein! Dann deutete Yasuo hinter sich auf Yone: “Du hast auf SEINER Schulter geschlafen.” Da Yone ebenfalls rot wurde, schien es dieses Mal kein Witz zu sein. Der Rot-Ton in ihrem Gesicht bekam einen neuen Anstrich. Sie stand auf: “Ich... ich muss gehen.” Yone nickte: “Das wäre das Beste.” Darqueria verabschiedete sich und erhob sich in die Lüfte. Immer wieder kam ihr Yone in den Kopf, doch sie wollte gar nicht an ihn denken! Doch wenn sie nicht an Yones Kuss und seine Kaltherzigkeit danach dachte, kam ihr Thresh in den Sinn... Irgendwann hörte sie das Rauschen des Flusses. Endlich.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

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  • Kapitel 5

    “Du warst recht lange weg. Ich war sehr besorgt... diese Wälder können wie ein Irrgarten sein.”, Thresh erwartete sie bereits. Darqueria landete vor ihm: “Deine Laterne zu bekommen... erwies sich als schwieriger als gedacht...” “Du bist eine tapfere Seele. Nur wenige sind so mutig... dennoch bin ich erleichtert, dass du unversehrt zurückgekommen bist.” Sorge... dieses Gefühl, dass sich jemand für sie interessierte... Darqueria lief rot an. Sie überreichte ihm die Laterne. Ihr Licht flutete den Raum. “...meine Kinder... sie sind zurück...” Thresh lächelte: “Ah... ausgezeichnet.” Warum hatte Yone so komisch reagiert, als sie seine Laterne holen wollte? Der Gedanke beschäftigte sie. Thresh bemerkte das: “Geht es dir gut? Du siehst aus, als hättest du einige Fragen...” Und dann dieser Schmerz den sie in Thresh spüren konnte... dieses... Leid... “Ich weiß, dass deine Reise hierher nicht einfach war. Bitte sag es mir, verirrte Seele. Was geht dir durch den Kopf?” Es fiel ihr nicht leicht die Frage auszusprechen: “...wer hat dir Leid zugefügt?” Thresh wurde ernst: “Kommen wir gleich zur Sache. Nun, ehrlich gesagt war es nicht immer so. Einst lebten die Geister dieser Welt harmonisch unter meiner Leitung. Doch dann kam eine kleine Füchsin...”, sein Blick wurde trüb. “Eine Füchsin? “Ja... ihr Charme konnte jeden bezaubern... Woher sie kam, weiß ich nicht. Das ist eine ganze Weile her. Da müsstest du Zeit fragen. Anfangs war sie eine Freundin. Wir erkundeten diese Welt, Seite an Seite.“ Der Gedanke daran versetzte Darqueria einen kleinen Stich, “Ihr Hang dazu, verlorenen Seelen zu helfen, kam meinem gleich. Auf gewisse Weise waren wir uns so ähnlich... und... am Ende doch so unterschiedlich.” “...inwiefern?”, Darqueria versuchte ihre Stimme normal klingen zu lassen. Doch irgendwas... “ Sie dachte, Seelen könnten allein überleben. Erst glaubte ich ihr. Ich wollte ihr vertrauen... Aber stell es dir nur vor. Seelen, unschuldig und naiv, verloren und allein. Ohne jemanden, der sie führt... Jeder trägt das Leid aus seinem Leben mit in den Tod. Ich ließ sie gewähren...” Er machte eine Pause. “Das war der größte Fehler, der mir je unterlaufen ist.” Darqueria verstand, “...das tut mir leid...” Er lächelte traurig: “Dein Mitgefühl ist herzerwärmend. Doch nicht ich bin es, der Trost braucht. Ich würde alles tun... Alles, um meine Seelen aus Ahris Bann zu befreien.” Darqueria trat näher: “Du musst das nicht allein tun. Ich werde dir helfen.” Thresh sah sie an: “Du hast schon so viel getan. Ich kann dich wirklich nicht um mehr bitten.” Sie blieb stur: “...du bittest mich nicht. Ich... biete mich an...” Aus irgendeinem Grund wurde Thresh knallrot, was seiner violetten Haut nicht sonderlich guttat: “Ein Angebot... ja... du bietest an... mir zu helfen?” Sie nickte entschlossen. “Solch Güte habe ich lange nicht erlebt. Dann werde ich deinen Mut unterstützen. Geh – hol meine Seelen von dieser unredlichen kleinen Füchsin zurück. Sie wurden von Ahri unter dem falschen Vorwand der Erlösung angelockt. Sammle so viele wie möglich von ihnen ein. Bring mir meine Kinder zurück...” Darqueria verwandelte sich. Threshs Blick ward ihr abgewandt, doch sie hörte wie er halblaut zu ihr sagte: “... und komm unbeschadet zurück...Darqueria...” Es war das erste Mal, dass er ihren Namen benutzte. “Das werde ich.”, erwiderte sie. Dann erhob sie sich und flog fort.

    Sie flog in Richtung Osten und landete in einem ruhigen Wald. Lichtpartikel trieben träge durch die Luft. Alles war friedlich. “Hallo Fremdling. Dich habe ich noch nie gesehen. Oder vielleicht doch? Schwer zu sagen...”, die Stimme kam von einer weißen Füchsin.

    “...nein... du bist nicht von hier... und auch nicht von dort... sag, warum ziehst du umher? Hast du dich verirrt? Nur zu, raus mit der Sprache. Es ist keine Schande, ehrlich zu sein.” “Du bist Ahri, nicht wahr?” Die Füchsin verwandelte sich in eine Frau mit neun Schwänzen und rosafarbenen Haaren.

    Sie wirkte misstrauisch: “Du... Thresh hat dich geschickt, nicht wahr?” Darqueria schwieg. “Und? Was hat er dir über mich ins Ohr geflüstert?”, sie lächelte schelmisch, “ Die meisten Geister, die es nicht an den ihnen bestimmten Ort schaffen, werden von sterblichen Obsessionen übermannt. Sie verlieren sich in Schmerz und Wut. Manche werden zu Dämonen. Wichtiger noch, sie verlieren ihre Chance auf Frieden. Manchmal für eine Ewigkeit. Wenn das passiert...” “...werden sie zu Azakana.”, beendete Darqueria ihren Satz. Sie dachte an Yone... “Richtig. Darum ist es so wichtig, die Seelen auf den richtigen Pfad zu führen. Dies ist meine Aufgabe.” Sie warf ihr einen Blick zu: “Du kommst weder aus dieser, noch aus jener Welt... sag mir, wo kommst du her?” Darqueria wollte ihr eigentlich nicht trauen. Doch... vielleicht konnte ihr Wissen dazu beitragen, Yone von dem Azakana zu befreien. “...Ich wurde im Abgrund geboren...” “Ah! Nun... das ist...kein Wunder, dass Thresh auf dich aufmerksam wurde. Er ist ein mächtiger Herrscher über die Seelen und hier auch als Geist der Obsession bekannt.” Sie erklärte ruhig: “Wenn Leute sterben, bringe ich ihre Seelen in die andere Welt. Aber auf dem Weg dorthin werden sie von Thresh in Versuchung geführt. Viele kommen vom Weg ab. Aber so soll es auch sein. Sogar Thresh hat hier seinen Platz.” Darqueria war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. Sie wolle ihr nicht glauben... aber ein Teil von ihr wusste, dass sie nicht log. Ahri beobachtete sie eine Weile. “Du traust mir nicht. Und … leider gehörst du auch nicht hierher... deine Anwesenheit stört bereits das Gleichgewicht dieser Welt. Wenn du bleiben würdest, würde sie im Chaos versinken...” Was wollte sie damit sagen. “So leid es mir tut. Du musst zurück in den Abgrund.” “NIEMALS!”, Darqueria war entsetzt. Zurück? Jetzt, wo sie endlich lebte? Nein... “Es tut mir aufrichtig leid.”, Ahri verwandelte sich. Ihr pinkes Haar und ihre Kleidung wurde weiß.

    Sie wirkte mächtiger und schoss eine Kugel aus arkaner Energie auf sie. Doch Darqueria konnte grade so ausweichen. Sie … sie wollte eigentlich nicht kämpfen. Sie wollte nur leben... nur...existieren... NEIN, sie würde sich das nicht nehmen lassen! Darquerias Aura wurde dunkel. Ihre Augen glühten in einem pinken Licht. Sie wich noch ein paar Angriffen aus und flog näher an Ahri heran. Sie kanalisierte ihre Lebenskraft – als sie nur knapp einem Schwerthieb entging. Yasuo und Yone. Warum stellten sie sich ihr in den Weg? “Du wirst ihr nichts tun.”, sagte Yasuo. Darquerias Herz schmerzte, als Yone der Fuchsfrau auf die Beine half. Ihre Blicke kreuzten sich kurz, verfingen sich. Genau in diesem Moment landete Ahri einen Treffer und Darqueria wurde nach hinten geschleudert. Sie blutete am Kopf. Sie verfluchte sie alle. Yone, Yasuo, Ahri... ihr Geist wurde von Mordlust erfüllt. Doch Ahris Treffer hatte wehgetan. Der Schock schien ihre Kräfte zu schwächen. Außerdem war ihr die Kraft sich selbst zu heilen, verwehrt. Ahri baute sich vor ihr auf. Wahrscheinlich wollte sie es schnell zuende bringen. Darqueria konnte ihr nicht entkommen... ihre Hand tastete nach etwas... irgendwas... um sich zu schützen... Plötzlich erschien eine ihr nur zu gut bekannte Laterne. Sie griff danach – und bekam nur mit, dass Ahris Angriff von einem Schwert geblockt worden war. Sobald ihre Hand die Laterne erreichte, befand sie sie im Wald. Sie war weggeportet worden. Thresh stand direkt vor ihr mit düsterer Miene. Sie wandte ihr Gesicht ab: “Verzeih mir...” “Du hast gezweifelt...”, sagte er. Sie nickte. Nun würde sie WIRKLICH lieber im Abgrund versinken... andererseits konnte auch der Abgrund ihr den Schmerz nicht nehmen. Thresh beobachtete sie. Er schien wütend zu sein... doch... er tat ihr nichts. Stattdessen - “...komm... wir gehen nach Hause, verirrte Seele” Er reichte ihr die Hand. Darqueria blickte zu ihm. In ihrem Blick lag so vieles. Trauer, Enttäuschung über sich selbst, Erstaunen, Zuneigung, Schmerz und Hoffnung... Sie fiel ihm um den Hals. Still weinend. Er wehrte sich nicht gegen sie.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

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  • Kapitel 6

    Er versorgte ihre Wunde. Tagelang sprach er nicht mit ihr. Darqueria bereute es bereits, Ahri nicht angegriffen zu haben. Sie dachte lange darüber nach. Ihr Herz war erfüllt von Dunkelheit. Und gleichzeitig wünschte sie sich, sie könnte etwas tun... irgendetwas... damit Thresh ihr nicht mehr böse war. Doch sie wusste, dass er ihr nie vergeben würde. Es tat weh... warum war sie nur so dumm gewesen? Doch... zumindest... konnte sie versuchen ihn zu unterstützen. Sie lief in den Wald, lockte durch ihren Gesang Seelen an und führte sie zu ihm. Immer und immer wieder. Tag für Tag. Wenn es stimmte, würde es Ahri ohnehin schwächen, wenn es keine Seelen gab, die sie führen konnte. Und doch... diese Aussage, dass diese Welt untergehen könnte... wenn sie bleiben würde... Darqueria hätte am liebsten Thresh um Rat gefragt, doch sie traute sich nicht. Nicht einmal mehr ihn anzusprechen. Vielleicht war es besser zu gehen. Sich irgendwo einen Ort zu suchen und dort allein ihr Dasein zu fristen... Schließlich war sie bereit zum Aufbruch, als - “Wo willst du hin?”, nach all der Zeit... sprach er wieder mit ihr. Darqueria schluckte. Sie hatte einen Kloß im Hals: “Ich möchte dir nicht weiter zur Last fallen...” Er betrachtete sie. “...dies ist dein Zuhause. Du gehörst an meine Seite.” Darqueria wurde knallrot. “...mein...Zuhause...?” Sicher... wahrscheinlich war sie für ihn nur ein Werkzeug ... trotzdem... dieses Gefühl...irgendwo hin zu gehören... “D-danke...” Thresh bedeutete ihr mitzukommen. Er trat durch das mysteriöse Tor. Darqueria folgte ihm. Zunächst wurde sie vom Licht geblendet. “Ist es nicht hell?” Als sich ihre Augen daran gewöhnt hatten, bemerkte sie eine Gestalt. Ein bleicher Mann... mit dunkelvioletten Haaren... spitzen Ohren... Hörnern auf dem Kopf...seine Aura... und sein Gesicht sah irgendwie... “Thresh?”

    Er lächelte: “Willkommen in meiner Zuflucht. Setz dich... ” er deutete auf zwei Stühle. Unsicher wie nie zuvor nahm sie Platz. Zunächst schwiegen sie beide. “...was bereitet dir Sorgen?”, fragte er. Diese Frage traf sie völlig unvorbereitet. “Ich... ich...”, ihre Stimme verzagte. Sie atmete tief durch. Was quälte sie am Meisten? “...würdest... du mir meine Schwäche verzeihen?” “Ich sagte bereits, dass Ahris Charme jeden bezaubern kann. Zudem war ich vielleicht nicht ganz ehrlich zu dir... von daher.... sei dir vergeben...” Darqueria fiel ein Stein vom Herzen. “...sie... Ahri... sagte..., dass diese Welt untergehen würde, wenn ich hierbliebe...” Thresh blickte sie nachdenklich an: “...das ist in der Tat der Fall... Es gibt kein Gleichgewicht, welches es mit unserer Macht aufnehmen könnte.” Bei dem Wort ‘unserer’ wurde sie rot. “... Also wird diese Welt kollabieren?” “Womöglich... solange der Seelenbaum existiert, gibt es für diese Welt nur eine Möglichkeit. Den Abgrund.” Ein Schauer durchzuckte Darqueria. “Warte... was hat der Seelenbaum damit zu tun?” Thresh beobachtete ihre Reaktion genau: “Der Seelenbaum ist das Portal zwischen unserer und der Welt der Lebenden. Und außerdem ist er der einzige Zugang zum Abgrund.” Ihr Blick erhärtete sich: “Heißt das..., wenn der Seelenbaum zerstört würde... könnte sich keine Seele mehr in den Abgrund verirren?” Thresh nickte lächelnd. Darquerias Herz hatte einen Entschluss gefasst. “...aber was geschieht dann mit dieser Welt?” “Alles was hier existiert wird zurück in die Welt der Lebenden gelangen... sobald der Zeitpunkt gekommen ist... und uns nichts mehr aufhalten kann...” Darqueria blickte auf. Er sprach von ‘uns’... Der Gedanke gefiel ihr. Sie erhob sich. “Dann.... weiß ich, was mein nächstes Ziel ist.”

    Sie wollte nicht mehr zweifeln. Doch je näher sie an den Baum trat, desto nervöser wurde sie. “Ich wünschte, ich könnte dir diese Last abnehmen. Aber du musst es tun. Es geht nicht anders.“, dies waren seine Worte zu ihr. Sie war sich nicht sicher, ob sie das wollte... aber... welchen Grund hatte sie, ihm zu misstrauen? Thresh hatte sie so oft gerettet... “W-was tust du da?“ Darqueria wand sich um. Es war der Rehgeist. “Ich erlöse diese Welt.“, Darquerias Blick war glasig.... wie in einer Art Trance. Sie kanalisierte die Lebenskraft des Baumes. Ein starker Wind kam auf. “IIIEP! Das darfst du nicht tun!“ Der Rehgeist schien einen Schlafzauber auf sie zu wirken. Es klappte nicht. “Bitte hör mir zu!“, rief sie. “O-ohne diesen Baum kann diese Welt nicht existieren!“ “Stimmt. Sie wird in seiner Asche neu auferstehen.“ Doch was war das? Der Baum war komplett verbrannt... doch es öffnete sich ein Riss...“Der Abgrund? NEIN! DAS...-!?“, Darqueria wurde in den Riss gesogen. Thresh hatte sie reingelegt. Er stand nahe der Bäume in der Ferne. “Es ist für dich an der Zeit... zu deinem Vater zurück zu kehren, Tochter von Val'Garoth...“ Val'garoth? Jetzt erinnerte sie sich... ihr Vater... er war der Herr des Abgrunds.... Ihre Hände rutschten von der Wurzel ab, an die sie sich klammerte. “Nimm meine Hand!“ Yones Ruf war das Letzte, was sie hörte, bevor sie in der Dunkelheit des Abgrunds verschwand.

     

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  • Kapitel 7
    Unmut beschlich sie... die endlose Dunkelheit war ihr nur zu gut vertraut. Doch welchen Zweck hätte es gehabt, in der Geisterwelt zu bleiben? Sie verlor sich in Trauer. Trauer um jene die sie ins Herz geschlossen hatte. Trauer um das, was hätte sein können... und das was war. Warum nur? Warum konnte sie nicht einfach normal sein? Warum konnte sie nicht einfach leben?Und... warum... hatte er sie...? Der Hass durchzuckte sie wie das Gift einer Schlange. Er... ihr Vater... Val'garoth... er war hier gewesen. Die ganze Zeit über... und... hatte sie hier verwahrlosen lassen. Sie stand auf, fest entschlossen, ihn zur Rede zu stellen. Sie fürchtete sich nicht vor seiner Macht. Und sie schrie es heraus: “ZEIGE DICH ENDLICH!“

    Ein Flackern in der Ferne. Sie erkannte, dass sie sich auf einem Weg aus schwarzen Steinen befand, welcher zu dem Feuer führte. Moment... Steine? Nein... es waren versteinerte Seelen... daher kamen also die Stimmen... Sie folgte dem Weg. Das Feuer teilte sich. Immer wieder. Bis es ihren gesamten Weg erleuchtete, welcher in eine gigantische Höhle führte. Egal was sie am Ende des Pfades vorfinden würde. Sie war bereit. Es war ihr alles egal geworden. Ein Lavasee erhellte die Höhle. Es war unerträglich heiß und so hell, dass Darqueria die Augen zusammenkneifen musste, um etwas zu sehen. Dort, auf einem gigantischen Thron... “Hallo Vater.“, sagte sie kühl. Sie musste fliegen, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein. Seine Augen bestanden aus reinem Feuer. Sein lodernder Blick schien sie zu durchbohren, doch sie hielt stand. Sein Kopf war mit gewaltigen Hörnern übersäht und seine Zähne waren wie die eines Raubtieres. “Meine Tochter... endlich.... begegnen wir uns...“ Seine Stimme klang wie Feuer und Asche. “Verkauf mich nicht für dumm.“ Er ignorierte sie. “Du hast mich allein gelassen.“ Der Hass sprach aus ihr. “Deine Mutter opferte ihre Seele für diesen Bann.“, erwiderte er, “sie tat alles, um dich von mir fern zu halten. Der Grund, aus dem sich die Pforte nun öffnete, war der, dass du nicht aus Einsamkeit zu mir kamst.“ Darqueria war verbittert: “Mutter wollte mich nicht einmal leben lassen. Du kannst mir nicht weiß machen, sie hätte das getan, um mich zu schützen.“ Val'garoth lächelte, angesichts ihres Misstrauens, “Wie scharfsinnig du bist. Nein, sie wollte verhindern, dass ich dich auf die Welt der Lebenden loslasse...“ Darqueria senkte den Blick. “Du willst, dass ich sie alle ins Verderben stürze.“, bemerkte sie. “Du warst für kurze Zeit im Geisterreich. Und? War es angenehm dort? Friedlich? Hat dir niemand wehgetan?“ Sie schwieg. Val'garoth witterte seine Chance. “Siehst du? Und die Welt der Lebenden ist noch schlimmer. Tag um Tag sterben Menschen zum Wohle anderer. Kriege die sie selbst zu verantworten haben. Sie schänden die Natur, zerstören den Planeten. Und das alles nur, damit sie sich selbst am Leid anderer bereichern können.“, er beobachtete sie, “sie haben das Leben nicht verdient. Du bist diejenige, die jene Welt von ihrem Leiden erlösen wird.“ Darquerias Blick blieb kühl. Sie dachte nach: “Warum tust du es nicht selbst?“ “Meine Macht ist zu stark. Ich wurde von Schicksal, der alten Hexe, hierher verbannt, da die Welt der Lebenden sie nicht tragen konnte... doch, wenn ich einen Teil davon auf dich übertrage...kannst du mein Werk vollenden“ Darqueria dachte einen Moment nach. Dann nickte sie langsam. Val'garoth beobachtete sie lange, versuchte eine Lüge in ihrem Blick zu deuten - doch sie schien ehrlich zu sein, auch wenn sie ihren Geist gegen ihn verschloss. Er deutete auf den Kristall der die Mitte des Raumes einnahm. Darqueria flog näher heran und ehe sie sich versah, stand er vor ihr, in normaler Größe. Er reichte ihr eine Hand und legte die andere auf den Kristall. “Meine Macht habe ich an diesen Stein gebunden.“ Darqueria schlug ein - ihre Augen glühten grün auf - sie spürte die ungeheure Kraft der sie sich bedienen konnte. “NEIN! Das ist... zu viel!“- ihr Vater wollte die Verbindung auflösen, doch Darqueria hielt ihn an Ort und Stelle. Sie lächelte wahnsinnig. Das Leuchten des Kristalls verebbte. “Nein...du...dürftest gar nicht über... diese Kräfte... Bescheid wissen...“, Val'garoths Gestalt alterte in Sekundenschnelle. Seine Stimme klang brüchig. Erst als er am Boden lag und die Höhle einstürzte, riss Darqueria ein Loch in die Dimension. “Du hast mich gelehrt, niemandem zu vertrauen, Vater. Nun akzeptiere die Konsequenzen.“, mit diesen Worten verschwand sie.

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  • Kapitel 8

    Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Sie erwachte auf einem Berghang. Ein Ruf in der Ferne.... in ihrem wirren Kopf klang es nach “Eierkarton“... Und das Geräusch von einem Schwert, welches durch die Luft fetzte. Es bedurfte ihrer ganzen Willenskraft um aufzustehen. Sie folgte dem Kampfgeräusch. Ein Schwertkämpfer, der einen Dieb zu Fall gebracht hatte. Er hatte braunes Haar, trug blaue Kleidung... doch diese voluminöse Frisur kam ihr seltsam bekannt vor.

    Er musterte sie unschlüssig:“ wer bist du?“ Sie trat zögerlich näher: “...Yasuo?“ Er kratze sich am Kopf: “kennen wir uns?“ Es tat weh das zu hören. “Ich bin es. Darqueria.“ Ein Blick des Erkennens. Doch jemand näherte sich ihnen. Sein Körper war teilweise von Bandagen bedeckt... sein langes Haar war schwarz und seine Augen strahlten in einem hellen Licht. Eine Art rote Krone bedeckte seinen Kopf. Aber er war es. Es konnte nicht anders sein.

    Ihr Herz machte einen Sprung. Doch auch er schien sie nicht zu erkennen. “Wir sollten weiterziehen.“, sagte Yone ohne sie zu bemerken. Yasuo nickte. Er warf ihr einen Blick zu, bevor er seinem Bruder folgte. Darqueria verwandelte sich und sah zu Boden: “...leb wohl... Yone...“ Yone drehte sich ruckartig um und sah sie nur noch fortfliegen.

    Lange dachte sie nach. Was sollte sie nun tun? Ihre Gedanken kreisten um alle. Um Yone.... um Yasuo... um das Rehmädchen... um Riven... Ahri.... selbst um Teemo... Als sie an Thresh dachte, blieb sie mitten in der Luft stehen. Er hatte sie benutzt und verraten. Es tat so weh an ihn zu denken... So weh..., dass sie am Liebsten sterben würde... Darquerias Weg führte sie in den verschneiten Norden. Und auch ihr Herz schien sich allmählich abzukühlen. Sie gehörte nicht hierher. Es war dumm zu glauben, dass es irgendwo einen Ort gab, an den sie sich zuhause fühlen konnte. Und dennoch... die Zeit bei Thresh hatte ihr gut getan. Sicher - er wollte sie nur loswerden. Sie war eine unbekannte Größe in seiner Rechnung. Was hatte er mit ihr bezwecken wollen? Warum hatte er sie nicht gleich zurück dorthin geschickt? War sie vielleicht doch nützlich für ihn gewesen? Aber warum hatte er sie dann erst vor Ahri gerettet um sie dann in den Abgrund zu reißen? Vielleicht hatte er ganz eigene Pläne... Sie rastete in einer Höhle, als sie etwas bemerkte. Ein ... Schnuppern? Sie bemerkte, dass ein pelziges kleines Wesen mit Hörnern und einer großen Zunge an ihrer Provianttasche hockte und neugierig die Nase hineinsteckte. Wie nannten die Einheimischen diese Geschöpfe noch gleich? Poros? Doch seltsam, im Gegensatz zu seinen Artgenossen war dieser Poro statt weiß, komplett schwarz. Er bemerkte ihren Blick und schien nach einem Versteck zu suchen - und verkroch sich in ihre Tasche. “Ich tu dir nichts.“, sagte sie kühl. Der schwarze Poro lugte neugierig aus seinem Versteck. Darqueria lächelte und zog einen Keks aus ihrem Umhang und legte ihn vor den Poro. Dieser stieß ein freudiges Quietschen aus und machte sich über den Keks her, welcher fast so groß wie er selbst war. Niedlich.“Ah, du hast ihn gefunden.“, ein alter Poro-Hirte betrat die Höhle. Er hatte einen langen weißen Bart und ein gutmütiges, wettergegerbtes Gesicht. “Ich fürchtete schon, er würde nie einen Freund finden.“ Einen.... Freund? Darqueria blickte auf das flauschige schwarze Geschöpf, welches es sich mittlerweile auf ihrer Schulter gemütlich gemacht hatte. “Wie du bemerkt hast, ist dieser Poro etwas ... anders. Er hat sich der Herde nie zugehörig gefühlt. Ich würde mich freuen, wenn er wenigstens in dir eine Bezugsperson findet.“, sagte er. Darqueria streichelte das Geschöpf und nickte. “in Ordnung.“ Der Poro-Hirte schien sich aufrichtig zu freuen. Er rastete kurze Zeit bei ihr und erzählte ihr Geschichten über die Poros.

    Nach einer umfangreichen Einweisung in die Poro-Pflege brach sie wieder auf. Sie warf den abgerissenen Kopf des Poro-Hirten achtlos hinter sich. Seine Seele fing sie in ihrer Hand ein. Sie lächelte kühl.

    Der Poro, welchen sie nun “Gwindel“ getauft hatte, schlief gemütlich in ihrer Kapuze. Sie gelangte in eine kleine Stadt. Eine Dunkelheit schien auf ihr zu liegen und ein seltsamer schwarzer Nebel lag auf dem Meer am Hafen. Sie hatte für Gwindel ein paar Kekse erstanden, als sie ein Gespräch hörte. “...wenn wir Thresh töten wollen, müssen wir schnell handeln. Die Allianz steht bereits am Hafen. Wir müssen uns beeilen, Senna.“ Der Mann, der das gesagt hatte, trug zwei Pistolen bei sich. Sein Haar und seine Haut war dunkel und seine Kleidung hell, in den Farben weiß und gold von Demacia gehalten. Die Frau die ihn begleitete, hatte ebenfalls schwarzes Haar und dunkle Haut. Sie trug eine Kapuze, welche aus Nebelschwaden zu bestehen schien und ihre Augen leuchteten grünlich - zudem hielt sie ein mysteriöses Gewehr in den Händen.

    Darqueria grübelte. Sie wollen.... Thresh... töten? Interessant... wenn auch naiv...Sie verwandelte sich und folgte dem Paar lautlos und unbemerkt.

    Mit einem Schiff setzten sie auf eine Insel über, welche von einem gigantischen Tempel eingenommen wurde. Der Nebel verdichtete sich. Sie stiegen ab. Sie konnten gradezu spüren wie das Leben aus ihnen wich und sie ihrer Kraft beraubte. Die Schatteninseln... welch finsterer Ort. Alles hier wirkte irgendwie tot. Die Erde war schwarz, die Bäume abgestorben und tot. Überall waren unheimliche Statuen errichtet worden, welche sie zu beobachten schienen. Und der Nebel... er war überall. Senna warf Lucian, ihrem Mann, einen Blick zu. Er nickte beruhigend und nahm ihre Hand. Es würde heute enden. Endgültig. Die Allianz, ein Bündnis aus Kriegern und Magiern aller Welt, hatte bereits einige Magier vorgeschickt. Sie waren die Nachhut, die ihn zur Stecke bringen sollte... und dann wäre das, was Thresh Senna angetan hatte, endlich gesühnt.

    Plötzlich erfasste eine Druckwelle die Insel. Ein Schuss löste sich aus Sennas Gewehr. “Was war das?” Eine Gestalt tauchte am Horizont auf. Eine schwarzhaarige blasse Frau mit grünlichen Hörnern und ledrigen Fügeln. Eine Art grüne Dämonenenergie umgab sie. Sie landete vor Thresh. “Verschwindet! Er gehört MIR!” Ihre grün leuchtenden Augen waren zu einem Ausdruck des Wahnsinns verzehrt. Aufgeben? Nein! Doch diese Frau setzte einen mächtigen Zauber ein, der sie alle fort ins Meer schleuderte.

    Darqueria... ich hätte nicht gedacht, dass du den Weg zu mir zurück finden würdest... freiwillig...” Sie drehte sich um und die Ketten die ihr als Rock dienten rasselten. “Ich bin nur hier, um dich eigenhändig in Stücke zu reißen!”, ihre Stimme war voller Hass, “Du hast mich zurück in den ABGRUND GESCHICKT!” Sie warf einen Ball aus grünem Feuer nach ihm. “Vielleicht weil ich wusste, du würdest deinen Vater vernichten und von selbst in die Welt der Lebenden gelangen.”, erwiderte er. Er trat näher. Was hatte er vor? “Ich bedaure, dass du mich nun in dieser Gestalt sehen musst... ich fürchte, meine Geistergestalt hat dir besser gefallen...”

    Darqueria betrachtete ihn. Er sah tatsächlich komplett anders aus. Sein Körper schien aus blau-grünlichem Rauch zu bestehen und seine Maske war wie das Antlitz eines Skeletts. Er trug einen schwärzlichen Mantel und seine Laterne wirkte wie das Leuchtfeuer eines gesunkenen Schiffs. Der Hauch des Untodes umgab ihn. Ihr gefiel diese Gestalt. Das ist eine List... Es kann nicht anders sein... Thresh war ihr nun nahe genug, um ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. Warum tat sie nichts? “Es wärmt mein Herz dich wiederzusehen...” Vielleicht weil er der Einzige war, der sie auf Anhieb erkannt hatte? Nein... Nein... sie durfte ihren Gefühlen nicht nachgeben. “Du hast mich benutzt.”, sagte sie kalt. “Ich brauchte dich zu meinem Bedauern... Durch dich können keine Seelen mehr vom Abgrund verschluckt werden...” Sie schwieg. Auch der Hass der sich bei ihr angestaut hatte, konnte ihre Zuneigung zu ihm nicht entgültig verhüllen... "Du weißt, dass das nicht sehr glaubhaft klingt, oder?", erwiderte sie und hockte sich auf eine umgestürzte Säule. Ihr Blick war kühl... "Du hast mich doch schon von Anfang an durchschaut." Sie kicherte. Meinte er das ernst? "Nein... ich fürchte, ich mochte dich zu sehr... ich war wohl blind...deswegen ist der Schmerz auch so besonders süß..." Er überlegte, “...und nun willst du mich töten...“ Darqueria übergab ihm die gefangene Seele des Poro-Hirten. “Ich weiß es nicht. Vielleicht war es richtig. Vielleicht wäre der Abgrund besser für mich... es gibt keinen Ort, an den ich gehöre...“ “...“, Thresh wandte sich um: "Ich glaube wir müssen das auf später verschieben... wir haben Besuch..." Einige Schiffe waren am Horizont erschienen. Allesamt.. mit dem Wappen von Demacia. “Sag mal, wie viele Seelen hast du eigentlich gesammelt, während ich weg war?“, fragte Darqueria geschockt. Je mehr sich der Nebel lichtete, desto mehr Schiffe wurden sichtbar. “Du solltest gehen.“, sagte Thresh. Darqueria sah nur ungläubig zu ihm, “Das sind zu viele. Du wirst einen Angriff von ihnen niemals überleben!“ Thresh ignorierte das: “Geh. Such Schicksal auf. Sie ist die Einzige, die dir helfen kann.“ Darqueria hatte gemischte Gefühle bei der Sache. Warum wollte sie bleiben? Vor wenigen Minuten wollte sie ihn noch töten! ...andererseits... hätte sie das wirklich getan? Eigentlich konnte sie aus einem Bündnis auch einen Nutzen für sich ziehen... “Ich kann jetzt nicht gehen...“, sagte sie mit belegter Stimme. “Wenn du auch nur einen Bruchteil deiner neuen Kräfte einsetzt, wird wieder alles aus dem Gleichgewicht geraten und eine neue Art Abgrund wird sich auftun und dich verschlingen. Du bist zu mächtig für diese Dimension.“ Darqueria sah zu Boden.


    “So, so... sähr interessaant....“, sagte Schicksal, während sie die beiden beobachtete, “ganz andärs als ihr Vater...“ Schicksal warf dem Aschegefäß in der Ecke einen Blick zu. “Jetzt 'ör auf! Schwäche... sehen anders aus. Wäre sie schwach, sie wurde schon längst gegangen sein...“, sie schien mit der Asche zu reden. Allgemein sah sie doch recht wirr aus: Schicksal war eine kleine hutzelige alte Frau mit wirren grauen Haaren die aussahen, als hätte sie in eine Steckdose gefasst. Sie trug ein ärmliches anmutendes Kleid, dutzende Armbänder und Talismane. Ihre Haut war blaugrau und ihre Augen , welche durch die Hornbrille ziemlich vergrößert wurden, hatten die Farbe von zermatschtem Schnee. Außerdem waren ihre Ohren lang und spitz und standen etwas ab und zwei Hauer ragten über ihre Lippen hinaus. Sie wandte sich wieder ihrem sehenden Rauch zu. Äußerst interessant... Darqueria würde alles tun, damit er überlebte. Selbst wenn er ihr wehgetan und sie nur ausgenutzt hatte. “Dummes Wesen.“, sagte Val'garoths Asche. “Ruhe! Du verstähst ohnehiin nichts von Liebäh.“ sie warf einen Topf nach der Asche - obwohl Asche sowieso nichts spüren konnte. Sie lächelte: “Sie 'at ein guttes Herz... es wierd Zeit fur mich, aufzubrechen...“ Schicksal nahm ihren hölzernen Stab, wedelte ihn sinnlos in der Luft herum, damit ein Portal entstand und trat hindurch.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

    (Lucanus 39-65n.Chr.):cat:

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  • Kapitel 9

    “Ich... kann nicht gehen... wenn... wenn du stirbst ...es gibt kein Geisterreich mehr...und wenn du...in den Abgrund gezogen wirst... wirst du zu Stein... und... und... deine Seelen...“, ihr versagte die Stimme. Es gab nur noch den neuen Abgrund nach dem Tod. Zugegeben... was sie getan hatte, war nicht durchdacht gewesen. Er wollte sie einfach nur loswerden... und dennoch... der Gedanke ... seine versteinerte Gestalt sehen zu müssen... “Du machst dir immer noch Sorgen um meine Seelen?“, fragte er. Es klang fast, als würde er bei dem Gedanken lächeln. Die Schiffe kamen näher. “...Thresh... es gibt da noch etwas, das ich dir sagen will...“, begann sie, als - “Immär miet der Ruhäh.“, eine kleine alte Frau war aus dem Portal hinter ihnen getreten. Thresh schien sie zu kennen. “Ah... Schicksal...“ Schicksal trat näher an sie heran. Darqueria mied ihren Blick. War sie gekommen, um sie in den Abgrund zu schicken, bevor sie irgendwas tun konnte? Die alte Frau legte eine Hand auf ihren Arm: “Aber 'ör mal, Liebes.“, sie lächelte, “Isch kann nischt sulassän, dass du deine Macht einsetzt.“ Also doch... Schicksal fuchtelte mit dem Stab herum und ein Sturm brach los. Die tödlichen Fluten verhinderten, dass sich die Schiffe nähern konnten. Zufrieden setzte Schicksal sich auf einen Stein. “Wa-warum-?!“, fragte Darqueria überrascht. “Du biest gaaans anders als dein Vatär. Nur darum 'abe isch ge'olfen. Naturlich nischt ohnäh Gegenleistung.“ Anders? Sie beschütze einen sadistischen Seelendieb... “Du biest nischt wegän seiner Macht ier.“, sagte Schicksal und deutete auf Thresh, “sondern wegän deines 'erzens.“ Darqueria wurde rot. Schicksal dehnte sich und ihr Rücken ließ ein lautes Knacken ertönen. “Isch kann nischt sulassen, dass ihr euch verbundet. Ihr 'ättet susammen eine zu große Macht. Darqueria- “, sie stand auf und drückte ihr etwas in die Hand. Einen... Ast? “Dies sein Stuck des Seelenbaums. “Damit wirst du deine Kräfte aufteilen. Auf Seelen die wurdig dafur sind.“ Darqueria blickte auf. Das hieße ja... “Ich kann... in dieser Welt bleiben?“ Schicksal nickte, “Wende ihn oft an. Deine Macht ist zu groß fur eine Person. Odär zehn. Odär 'undert. Du wirst viel um'erreisen mussen. Doch das sein das Einzige, was ich dir anbieten gann.“ “Danke... Schicksal...“, sagte sie. Schicksal wandte sich empört um: “Schicksal? Isch 'eiße Zerusha. Odär sollte isch euch nur Dämonenprinzessin und Seelenschänder nennen?“ Mit diesen Worten verschwand Zerusha wieder in ihrem Portal.


    Darqueria wusste nicht wie ihr geschah. Sie konnte leben. Und er würde nicht sterben. Doch sie würde einige Zeit weg sein... Aber... wahrscheinlich war ihm das egal. Sie war nur ein Werkzeug für ihn. “Komm. Bevor du gehst, will ich dir etwas zeigen.“ Noch bevor sie aufblicken konnte, war Thresh verschwunden. Doch er hatte ihr seine Laterne als Wegweiser zurück gelassen. Unsicher nahm sie sie an sich. Plötzlich befand sie sich in einer Zwischendimension. Es sah nicht viel anders aus als in Threshs Tempel - nur etwas wohnlicher. Aber wo war er? Jemand stand hinter ihr und nahm ihr sanft die Laterne aus der Hand. Sie wandte sich um. War dies seine tatsächliche lebende Gestalt? Er lächelte. Seine grünen Augen schienen ihre Reaktion genau zu beobachten. Er war bleich und seine langen schwarzen Haare sowie sein Kinnbart schienen grünlich zu schimmern, wie das Gefieder eines Raben. Seine Kleidung hatte sich jedoch nicht verändert und seine Gesichtszüge waren definitiv dieselben. Er sag in ihren Augen fantastisch aus.

    Darqueria überlegte nervös, was sie sagen sollte - es überforderte sie etwas. Was hatte er vor? Er zog sie an sich. Sie wurde knallrot, “Thresh...“ Dann spürte sie seine Lippen auf den ihren und verlor sich in diesem Gefühl des Glücks...der Zuneigung... des Verlangens nach mehr...


    Stunden später war sie bereit zum Aufbruch. Es schmerzte, dass sie nun wieder von ihm getrennt sein würde. Doch nicht für ewig. Sie wandte sich zu ihm um: “Wirst du auf mich warten?“ Diese Frage lag ihr schon lange auf der Zunge. “Das werde ich. Bis du zurückkehrst und deinen Platz an meiner Seite annimmst.“ Sie lächelte traurig. “Ich gehöre dir...auf Ewig...“, mit diesen Worten schwang sie sich in die Lüfte und flog ziellos davon.


    Thresh lächelte kalt. “'...ich weiß...“, sagte er leise zu sich.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

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  • Kapitel 10


    “...so weit, so gut...“, dachte Darqueria. Sie war einige Meilen weit geflogen, ohne so recht zu wissen, wo sie überhaupt hinwollte. Hauptsache weg... Aber was nun? Schicksal hatte ihr aufgetragen, mit diesem komischen Ast ihre Kraft aufzuteilen. Aber wie sollte das gehen? Und wer war in Schicksals Augen würdig? Fragen über Fragen... Sie ließ sich auf einer Klippe nieder und Gwindel krabbelte von ihrer Schulter. Noch immer war das Meer teilweise von dem schwarzen Nebel verhüllt. Es war wunderschön... Sie zog den Kirschblütenast aus ihrer Tasche. Eine einzelne Blüte war darauf erschienen. Gwindel schien sie zu faszinieren - er krabbelte näher.... - und verschlang sie. Darqueria warf dem kleinen Poro einen Blick zu. “Hast du Hunger?“ Sie lächelte. “Das sein kein Poro-futtär.“, erklang eine Stimme hinter ihr. “Schicksal!“ Die alte Frau verdrehte die Augen. “Eh, ich meine... Zerusha...“ Aber auch das schien ihr nicht zu gefallen, “Du sprichst es falsch aus. So klingen das wenn du dabei hinfallen. Sprich schnell! ZERU-SHA.“ “Zerusha.“, echote sie. “MADAME Zerusha.“, berichtigte Schicksal sie. “Entschuldigung, Madame Zerusha.“ Zerusha schien zufrieden. Plötzlich eilte sie zu Gwindel und nahm den Poro genau unter die Lupe. “Isch sagten doch. Nur auf WURDIGE Seelen aufteilen.“ Gwindel hechelte. Es sah fast aus, als würde er grinsen. “Sekunde.... so teile ich meine Macht auf?“, fragte Darqueria. “Ja. Jedä Blute schenken dem, den du sie gibst, Teile deinär Kräfte.“ Das... war gut zu wissen. “Dann hat Gwindel jetzt meine Kräfte?“ Zerusha erwiderte seufzend: “Nischt deinä Kräfte. Seine eigenen Kräfte werden stärker. Er werden widerstandsfähiger.“ Poros haben Kräfte? Langsam fragte sie sich, ob Zerusha noch alle Tassen im Schrank hatte - als Gwindel plötzlich gigantisch groß wurde. “Äääääh....-?“ Was zur Hölle-? “Nun gutt. Das hast du dir selbst suzuschreibän.“ Zerusha warf dem Poro einen Keks zu, woraufhin er wieder auf seine normale Größe schrumpfte. “Nur. Wurdige. Seelen.“, sagte sie und warf Darqueria einen strengen Blick zu. “Aber wie erkenne ich wer würdig ist?“ Die alte Frau setzte sich, “Du mussen Gleichgewicht schaffen. Eine Blute erscheinen, wenn eine wurdige Seele in deinär Nähe ist. Egal ob gutt oder bösäh. Gleichgewicht bedeuten nicht nur gutes. Starker Wille. Eiserne Strategie. 'Erzen aus Stahl. Liebäh. Gutmutigkeit. Du wirst es merken. Wenn jemand eine starke Charakter hat. Eine gute Kämpfer. Du geben Blute.“, sagte sie. Plötzlich erschien ein Pantoffel in der Luft. Er schien Zerusha an etwas zu erinnern. “Ah, ich mussen gehän. Du kommen schon klar.“ Damit fuchtelte sie mit ihrem Stab und trat durch ihr Portal. Zumindest etwas mehr Info...

    Darqueria dachte nach. Wo sollte sie hin? Es war... ungünstig, dass sie ihre neue Macht aufteilen musste... Andererseits... immer noch besser, als der Abgrund. Eigentlich... hieß das ja nur, dass sie sich von der Fessel der ewigen Vergessenheit befreit hatte. Sie hatte nichts mehr zu verlieren. Gwindel sah sie mit großen Knopfaugen an. Es war seltsam... sie sollte zwar ihre Macht aufteilen, doch sie fühlte sich nun wesentlich mächtiger...

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

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  • Kapitel 11


    Sie sah sich ihre neue Umgebung näher an. Eine kleine zwielichtig anmutende Stadt befand sich in ihrer Nähe. Das Wasser schimmerte grünlich trüb. Dutzende Schiffe lagen im Hafen vor Anker und einige davon schienen offensichtlich keinen ehrbaren Händlern zu gehören. Ein paar Leute zogen die letzten Überlebenden aus dem Wasser. Was hatte Thresh getan, damit sich ein solches Bündnis gegen ihn schloss? Sie sollte der Sache auf den Grund gehen... Darqueria verwandelte sich zurück und zog sich die Kapuze über den Kopf.

    Gwindel wurde unsichtbar. “Du kannst deine neuen Fähigkeiten ja schon ganz gut einsetzen.“, bemerkte sie. Das war gut... dieser Poro war tatsächlich anders als der Rest. Der alte Poro-Hirte hatte ihr erzählt, dass er seine gesamte Herde ausgerottet hatte. Ein machthungriger kleiner Poro...


    In der Stadt angekommen, wurde sie etwas nervös. Zu viele Menschen... zu viele potenzielle Feinde... Sie lief ziellos über Stege, an Tavernen vorbei... Wo könnte sie etwas darüber in Erfahrung bringen? “Hast du dich verirrt?“, fragte eine Stimme im Schatten. Sie drehte sich um. Der Mann, der gesprochen hatte lächelte kalt. Der Schatten seines Hutes überdeckte seine Augen. Er trug einen zerschlissenen Mantel, darunter eine rote Weste. An seinem Hut, welcher die langen braunen Haare bedeckte, steckten ein paar Spielkarten.

    “Nein. Natürlich nicht.“ “Und warum läufst du dann in eine Sackgasse?“ Darqueria biss sich auf die Lippe. Das gefiel ihr ganz und gar nicht... wenn sie nun ihre Kräfte zeigen würde... “Keine Sorge. Gib mir dein Geld und wir vergessen das ganz schnell.“ Geld? Das einzige Geld was sie besaß waren ein paar Münzen die sie dem Poro-Hirten abgeknöpft hatte. Sie sollte diesen komischen Typ einfach genauso erledigen. Er lachte verhalten: “Nun? Wie wäre es mit einem Spiel? Der Gewinner erhält sowohl dein, als auch mein gesamtes Geld.“ Er zog ein altes Kartenspiel aus dem Mantel. Darqueria sah finster aus. “Und wenn du verlierst, macht mich dein Kumpel da hinten kalt und ihr nehmt mein Geld ohnehin an euch - nicht wahr?“ Sie deutete hinter sich. Tatsächlich stand dort jemand. Ein Mann mit braunen Haaren und einer Zigarre im Mund. Er hielt eine doppelläufige Flinte in der Hand.


    Wie hatte sie das bemerkt? Der Kartenspieler lächelte: “Oh, ich verliere nicht.“ Er deutete auf ein paar Kisten, bedeutete ihr Platz zu nehmen. “Wie wäre es wenn du mir deinen Namen verraten würdest, unbesiegbarer Kartentyp?“ Er lächelte: “Man nennt mich Twisted Fate.“ Während er die Karten mischte sagte er genüsslich: “Das Leben ist ein Spiel, nicht wahr?“ Darqueria beobachtete jede seiner Bewegungen genau: “So? Was denn für eines?“ Twisted stutzte einen Moment. Darüber hatte er noch nie nachgedacht. Er brauchte einen Moment, um zu antworten:“... ein sehr lehrreiches. Nur wer etwas dazu lernt, kann am Ende etwas gewinnen.“ “Und verliert dafür sein Leben.“ Die Art, wie sie dies sagte, jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Und auch Graves hatte seine Flinte ruckartig auf sie gerichtet. Ihre eisblauen Augen hatten kurz grün aufgeleuchtet. Diese Frau war nicht normal....

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  • Kapitel 12


    Darqueria lächelte kalt, während Twisted Fate die Karten ausgab. Er erklärte die Regeln, doch sie hörte nur mit halben Ohr zu. Er musste irgendeinen Trick anwenden... warum sonst hätte er so selbstsicher gesagt, dass er nie verliert? Gwindel war unsichtbar von ihrer Schulter gekrabbelt. Nur sie konnte ihn sehen. Der kleine Poro schien das Spiel besser zu beherrschen als sie, denn er biss immer in die Karte die sie ausspielen sollte. Twisted Fate lächelte: “Du bist ein interessanter Gegner... ich hätte schwören können, dass du noch nie gespielt hast...“ Mit diesen Worten legte er seine Karten auf den improvisierten Tisch - 4 mal Ass. “Leider hast du verloren. Willst du eine Revanche?“ Gwindel sah ziemlich sauer aus und warf ihr einen Blick zu. Was hatte sie schon zu verlieren? Wenn sie diese Typen kalt machen wollte, wäre es ohnehin besser mehr über sie zu wissen. Sie nickte, “Um was spielen wir?“ Sie warf das Geld, sowie zwei Kirschbüten auf den Tisch. Twisted wechselte einen Blick mit Graves. “Wir spielen um alles was du am Leibe hast“, sagte er. ...perverslinge..., dachte Darqueria. Gwindel schien ihr jedoch irgendwas mitteilen zu wollen. Er hopste runter und sprang auf ein Plakat in ihrem Blickwinkel zu. Es wurde ein Kopfgeld auf die beiden ausgesetzt. Und...daneben ... auch auf sie. “Mist...“ Wahrscheinlich hatte sich einer der Überlebenden an sie erinnern können... Gwindel sprang höher, schien auf etwas aufmerksam machen zu wollen. Darqueria las: Twisted Fate - Der Kartenmagier. Kartenmagie?...das erklärte einiges. Ein faires Spiel konnte sie nur erzielen, wenn sie seine Kräfte blockte. Aber konnte sie das? Gwindel deutete mit der Pfote auf ihre erste Karte, die sie ausspielte. “Ein gewagter Zug...“, bemerkte Twisted. Was, wenn sie statt seiner Lebensenergie, seine Magie kanalisierte? Sie startete einen Versuch. Mit der Linken hielt sie die Karten, mit der Rechten entzog sie ihm die Kräfte. Sie spürte nicht viel, bemerkte allerdings mit Genugtuung, dass ihm die Nervosität überkam. Sie gewann. “....das war nur Glück...“, murmelte er, “Bereit für die letzte Runde?“ Darqueria nickte lächelnd. Twisted nickte Graves fast unmerklich zu. Als er die Flinte auf sie richtete blieb Darqueria ganz ruhig: “Du magst dich für Unbesiegbar halten, doch im Spiel des Lebens bin einzig und Allein ich die Gewinnerin.“ Sie transformierte sich. Eigentlich hatte sie diese Situation vermeiden wollen - es war zu schade, ihre Kräfte für diese zwei Gauner zu zeigen. “Du-?!“ - “Das ist sie!“, rief Graves durch den Wind, der aufgekommen war, als ein paar Schüsse die Luft zerfetzten und das schallende Lachen einer Frau erschall. Graves wurde am Arm getroffen, schaffte es aber dem tödlichen Kugelhagel auszuweichen. Er zerrte Twisted mit sich. Als der Pulverrauch sich legte, lag Darqueria am Boden. Sie war ohnmächtig geworden - jedoch verheilten ihre Wunden in Sekundenschnelle. “Heute scheint wohl mein Glückstag zu sein.“, sagte die rothaarige Frau, welche sie von fesselte. “Lebend gibts mehr Gold für sie. Je höher das Risiko, desto größer das Kopfgeld. Los, packt sie an Deck ihr Seeratten! Wir liefern sie in Piltover aus!“

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  • Kapitel 13


    Schmerz. Das war das erste, was sie spürte, als sie wieder zu sich kam. Sie konnte sich nicht bewegen. “Sie ist wach. Sag dem Captain Bescheid!“ Raue Stimmen in der Luft... Jemand zerrte sie unsanft über den schwankenden Holzboden. Sie schmeckte salzige Seeluft. Man brachte sie in die Kajüte des Kapitäns. Oder der Kapitänin wohl besser. “Willkommen auf meinem Schiff, Abschaum.“, sagte sie. Sie hatte wallendes rotes Haar und trug einen Kapitänshut. Ihren üppigen Vorbau brachte das schwarz-weiße bauchfreie Lederoberteil zur Geltung. Ansonsten war sie wie alle Piratinnen gekleidet - enge Hosen und Stiefel.

    Auf dem Tisch vor ihr lagen zwei identisch aussehende Pistolen. “Man nennt mich Miss Fortune. Du allerdings scheinst keinen Namen zu haben.“, sie hielt ihren Fahndungsbrief hoch, “ 'Dämonenprinzessin von den Schatteninseln'.“ Darqueria schwieg. Hätten diese Trottel ihr nicht einen klangvolleren Namen verpassen können? “Normalerweise rede ich nicht mit Abschaum wie dir. Allerdings interessiert es mich, warum man derartig viel Gold auf deinen Kopf ausgesetzt hat. Nicht einmal Gangplank war ihnen so viel wert...“ Sie schien sich an etwas zu erinnern. Als sie Darquerias Blick bemerkte, wurde sie wütend: “Nun? Sprich - oder sollen dich meine Männer zum Reden zwingen?“ “...ich tat nur, was ich für Richtig hielt...“, erwiderte sie, “...ich... habe nur jemanden geschützt, der mir am Herzen lag...“ Miss Fortune verdrehte die Augen: “Was hab ich von Abschaum wie dir erwartet? Diese Lügen kannst du dir sparen! Jeder weiß, dass nur Verdammte auf den Schatteninseln lauern. Ruhelose Gestalten ohne einen Funken Menschlichkeit.“ Darquerias Blick blieb kühl: “Du nennst mich Abschaum... obwohl mehr Blut an deinen Händen klebt, als an den Meinen.“ “Oh, wirklich? Willst du wissen, wie viele Menschen in den Fluten ertrunken sind, die du erzeugt hast?“, Miss Fortune hatte die Hände auf den Tisch gestützt und blickte ihr in die Augen. “Offenbar nicht genug.“, sagte Darqueria. “Es gibt einen Unterschied zwischen uns, Dämonin. Ich töte keine Unschuldigen.“, Miss Fortune strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. “Stimmt. Du zerstörst nur die Leben der Hinterbliebenen.“, Darqueria entsann sich auf die abertausenden Seelen, die sich umbrachten, weil sie allein waren. Weil ihre Liebsten einen Fehler gemacht hatten und dafür ermordet wurden. Auch diese Frau... sie waren alle Schuldig. Vielleicht hatte ihr Vater Recht gehabt... sie verdienten das Leben nicht. “Was weißt du schon von zerstörten Leben?! Schafft mir diesen Bastard aus den Augen!“, Miss Fortune war aufgebracht. Während ihre Männer die Dämonin zu den anderen Gefangenen brachte, ruhte ihr Blick auf den Zwillingspistolen. Den letzten Waffen, die ihre Mutter gemacht hatte, bevor sie von Gangplank ermordet wurde...



    Darqueria lächelte, während sie von ein paar Piraten unter Deck gezogen wurde. Es gefiel ihr, dass sie Miss Fortune aufgebracht hatte. Irgendwie fand sie es ziemlich amüsant, als ihre Fassade der Arroganz zerbrach und der Verletzung Platz machte. Diese Pein...


    Man warf sie auf den Boden und verschloss die Tür. “...Darqueria?“, sagte eine Stimme in der Dunkelheit.

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

    (Lucanus 39-65n.Chr.):cat:

    2 Mal editiert, zuletzt von Darqueria ()

  • Kapitel 14


    Yasuo befreite sie von den Fesseln. "Ist Yone auch hier?", fragte sie. "Nein... warum, vermisst du ihn?", er grinste, wurde aber schnell wieder ernst, "...er sucht nach dir..." Er... sucht mich?...Nein... "Warum sollte er?... Ich meine... er wollte mich doch eigentlich nur die ganze Zeit über loswerden..." "Du meinst abgesehen von eurem Kuss?" Darqueria wurde rot und warf ihm einen vernichtenden Blick zu, "Das war nur, um Threshs Laterne von dem fiesen kleinen Fellball zurückzubekommen!" Apropos Fellball... wo war eigentlich Gwindel? Darqueria sah sich um. "Suchst... du irgendwas?" Etwas quietschte in ihrer Nähe. Der schwarze Poro war aus einem Rattenloch gekrabbelt und hopste auf ihren Schoß, "Da bist du ja..." Yasuo schwieg einige Zeit und sah nur zu ihr und ihrem Poro. "...Yone mag dich wirklich sehr... der Grund, warum er dich immer abgewehrt hat..." Darqueria blickte zu ihm. "...naja.", er lächelte, "Du hast ihn abgelenkt." "Abgelenkt?", sie verstand nicht so recht. "In deiner Nähe konnte er sich nicht so richtig konzentieren...er sieht es als seine Pflicht an, Monster zu töten... Und du weißt ja...", er imitierte Yone: "Talent ohne Fokus bringt Schande!" Darqueria lachte, "Gut getroffen. War er eigentlich schon immer so... ?" "Nein... naja doch... früher, als Kinder haben wir immer Glühwürmchen am Fluss gefangen... Ich spielte Flöte - wobei das damals eher klang als hätte man einer Katze auf den Schwanz getreten - und er schrieb wundervolle Gedichte...aber... er hatte immer ein paar aufmunternde Worte für mich...", Yasuo schien in Erinnerungen zu schwelgen, "...ich glaube der Druck war es, der ihn so werden ließ. Yone war der Erstgeborene. Von ihm wurde viel erwartet und er war der ehrgeizigste Schüler den ich je gesehen habe. Er wollte unbedingt den Namen unserer Familie wahren. Und die warmen Tage am Flussufer waren dahin... Er gab sein Bestes, um die Schwertkunst zu meistern. Niemand den ich kenne, hat mehr trainiert oder auf mehr verzichtet. Es gab nur eines für ihn. Eiserne Disziplin.... und dann kam ich. Ich wurde eins mit dem Schwert wie der Vogel mit dem Wind... Und ich spürte wie Yones Geist Jahr für Jahr von mehr Dunkelheit erfasst wurde... wir zerstritten uns... und das Ende kennst du ja..." "...ich verstehe...", sagte Darqueria. Er wollte nur Anerkennung... den Ort an den er gehörte... und jenen die ihm wichtig waren, nützlich sein... das hatten sie wohl gemeinsam... "Und dann kamst du.", sagte er. "Hä?", fragte Darqueria. Was sollte das denn jetzt heißen? Yasuo lehnte sich entspannt zurück, "Ganz ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn jemals so aus der Fassung sehen würde." Er lachte. "Du hast dich wie eine Klette an ihn gehängt, um ihn vor sich selbst zu schützen. Und das obwohl er dir eigentlich klar gemacht hatte, dass er dich nicht bei sich haben will." Darqueria wurde rot und sah weg, "...ich wollte... ihm nur helfen..." "Vielleicht war es genau das, was ihn verwirrt hat. Du bist zwar eine Dämonin... aber du wolltest ihn nicht umbringen. Du bist anders und das passte nicht in seinen dickköpfigen Schädel." ...stimmte das? ...Aber... " ...Ihr beide wolltet mich von Ahri töten lassen...",erwiderte sie. Yasuo kratzte sich am Kinn, "...ich weiß auch nicht, was uns dazu geritten hat... es war als wären wir in Trance..." Plötzlich wankte das Schiff stark und Gwindel flog durch die Luft. Er verfing sich in Yasuos Zopf. Dieser versuchte den Poro aus seinen Haaren zu entfernen - was allerdings nicht so recht gelang. Anscheinend hatte Gwindel seinen Spaß. Darqueria kicherte. "Hör auf zu lachen.", sagte Yasuo entnervt. Gwindel schien es gar nicht zu gefallen, dass er so mit seiner Herrin sprach. Der Poro ließ die Zunge raushängen und ein laaanger Sabberfaden tropfte herunter. "Igitt...", Yasuo schaffte es endlich den Poro zu packen und hielt ihn eine Armlänge von sich weg. Darqueria nahm das pelzige Geschöpf an sich. "Ich glaube, Gwindel mag dich." "Ich mag ihn aber nicht. Und wenn du schon dabei bist, sag ihm, wenn er mich nochmal vollsabbert, schlitz ich ihm den Bauch auf."

    Plötzlich wurde die Zellentür geöffnet: "Aufstehen Abschaum. Wir sind da."

    “Jeder normale Mensch ist wohl von Zeit zu Zeit versucht, in die Hände zu spucken, die schwarze Flagge zu hissen und anzufangen, Kehlen aufzuschlitzen...“

    (Lucanus 39-65n.Chr.):cat:

  • Kapitel 15


    Eine junge Frau mit Zylinder und lila Kleid führte sie ab.

    Sie trug ein modifiziertes Hextech-Gewehr bei sich und hatte lange dunkelblaue Haare. "Die da wird an Demacia ausgeliefert. Angeklagt wegen Hochverrats... Wobei es noch Verhandlungen gibt. Andere Reiche hegen ebenfalls Interesse an ihr", bemerkte sie und deutete auf Darqueria. Ihre Begleiterin, eine große Frau mit wilden pinken Haaren und modifizierten Hextech-Handschuhen, welche überaus bedrohlich wirkte, nickte.


    "Und der Typ da?" Sie deutete auf Yasuo. Die Frau mit dem Gewehr zuckte die Schultern: "Top Secret. Irgendjemand will ihn hängen sehen. Alles sehr vage, auch mich hat keiner in Kenntnis gesetzt. Aber egal. Werfen wir sie erstmal zu den anderen Irren."

    Sie schlossen eine Zelle auf und warfen sie hinein. Darqueria warf den Beiden einen letzten hasserfüllten Blick zu, bevor sich die Zellentür endgültig schloss.Sie sah sich um. Die Wände der Zelle waren kahl, nur hie und da von Rattenlöchern und pinkem Graffiti verziert. Es befanden sich abgesehen von Yasuo und ihr noch vier andere Insassen im Raum. Eine davon, eine blasse Frau mit geflochtenen blauen Haaren stand plötzlich seeehr Nahe vor ihr und begutachtete sie. "Hm.....", machte sie. Darqueria blieb bemüht gleichgültig. "Duuuuuuuu.... hast nicht zufällig etwas Sprengstoff dabei, oder crazy Lady?", sagte die Blauhaarige.

    Das verwirrte Darqueria doch ein wenig: "-was?" Die Blauhaarige verschränkte die Arme hinter dem Kopf: "Aaaaah - schon wieder solche Langweiler..." Sie drehte sich um und wandte sich einer Spinne zu, welche Beine zusammengeschusterten Hextech-Teilen basaß. Neben ihr saß ein kleines Wesen mit großen Ohren. Ein Yordle. Er trug eine seltsame Brille die mit seinem Kopf verbunden schien und Handschuhe. Er schien die ganze Zeit über zu grinsen und wenn er sprach hatte er eine hohe verrückt klingende Stimme.

    Die beiden schienen gute Freunde zu sein. Ein weiterer Yordle zupfte Darqueria am Bein. "Rrrrrrabadaba.", schien er zu sagen und obwohl Darqueria kein Wort verstand fand sie das irgendwie niedlich. Dieser Yordle wirkte eher wie eine kleine Wildkatze. Sein Fell war rötlich und er hatte sehr große niedliche Augen. Auf seinem Kopf trug er ein paar Knochen wie eine Art Krone. Der Yordle zupfte sie erneut am Rock und wiederholte die seltsamen Laute.

    Langsam schien sie zu verstehen, was er wollte. Sie zog einen Poro-Keks aus dem Umhang und gab ihm den Yordle. "Rrrrrrabadama!" Der Yordle steckte sich glücklich den Keks in den Mund und deutete auf sich: "Gnnnnaaaar!" "...dein Name ist also Gnar? Freut mich dich kennenzulernen.", erwiderte Darqueria. Vorsichtig tätschelte sie dem kleinen Wesen den Kopf. Es schien die Streicheleinheit zu genießen. "Kennenlernen? Ich will auch jemanden kennenlernen!", sagte die Blauhaarige plötzlich. Etwas verrückt schien sie ja schon zu sein... allerdings - Darqueria war untötbar - von daher sollte auch sie keine große Gefahr darstellen. Die irre Blauhaarige machte eine Art Knicks: "Ich bin JINX! Und duuuuuuuu bist-?" Yasuo verdrehte die Augen. Er hatte sich von allen anderen abgewandt und schien ihr sagen zu wollen, dass sie sich besser nicht mit dieser Irren einlassen sollte, doch das war Darqueria erstmal egal. "Darqueria.", sagte sie nur. Jinx legte den Kopf schief, aber bevor sie etwas sagen konnte, sorgte Gnar für Ablenkung. Er war gigantisch groß geworden und stand vor dem anderen Yordle. Jinx verdrehte die Augen: "Jungs - wir hatten besprochen, dass wir uns erst alle gegenseitig umbringen, wenn wir hier draußen sind - Ouh und vorher rauben wir noch die Schatzkammer von Piltover aus, ja?" Gnar wirkte verwirrt, aber der andere Yordle schien glücklich. Darqueria setzte sich in eine Ecke. Was nun? "...du... hast etwas... an dir....", sagte der letzte Gefangene. Er war angekettet worden, in der hintersten, dunkelsten Ecke der Kammer. Sein schwarzes Haar hatte er zu einem Zopf geflochten und eines seiner Augen leuchtete rot.

    Darqueria überlegte: "...das höre ich öfters..." Hatte er so schnell ihre Kräfte bemerkt? Offenbar. "Du trägst eine...dämonische... MACHT in dir...", Bei dem Wort "Macht" schien ihn eine dunkle Aura zu umgeben. Jinx wandte sich um: "Aaaah hör nicht auf den Süßen, der ist nur sauer, weil sie ihm seine Sense gemopst haben." Sie lief gelassen auf den Angeketteten zu. Anscheinend bewirkten die Ketten, dass er sich absolut nicht rühren konnte, denn er konnte sich nicht einmal abwenden, als Jinx zu ihm kam und ihm Fratzen schnitt, was ihm augenscheinlich gar nicht passte. Darqueria blickte auf den staubigen Boden. Sie musste hier raus... sie brauchten einen Fluchtplan...

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  • Kapitel 16


    Plötzlich stand Jinx grinsend neben ihr: "Oooooooooooh diesen Blick kenne ich!" Darqueria sah sie verwundert an. "Du schmiedest einen Fluchtplan! Ich bin dabei!" Woher wusste sie das? Auf ihren misstrauischen Blick hin, bemerkte Yasuo :" Du hast ziemlich laut nachgedacht." Darqueria schrak zusammen: "....Ouh... ehm..." Reiß dich zusammen! Sie setzte sich. Ihre Mithäftlinge blickten zu ihr. "Kennt sich irgendjemand mit dem Gefängnis hier aus?" Jinx strahlte und reckte die Hand in die Höhe, wie ein fleißiger Schüler, der unbedingt die Frage seines Lehrers beantworten wollte: "HIER! ICH!" Darqueria zog den Kirschblütenzweig aus ihrer Tasche. Er war voller Blüten... Darqueria zupfte fünf davon ab und verteilte sie an ihre Mithäftlinge, welche sie nur vewundert annahmen. Jinx Yordle-Freund steckte sich die seine an den Ohrring an seinem rechten Ohr. Dann skizzierte sie mit dem Ast einen Grundriss auf den staubigen Boden. Sie erinnerte sich daran, dass man sie zunächst durch eine große Eingangshalle geführt hatte. Danach war es nach links durch einen Gang gegangen, die Treppe hinunter und anschließend, am Ende eines Flurs der bereits von Zelltüren gespickt war ging es nach rechts in ihre Zelle. "Okay Jinx. Wo lagern sie unsere Waffen?", fragte Darqueria. Sie hatte zwar keine besonderen Waffen, doch allein hier rauszukommen war vermutlich schier unmöglich. Sie musste ihren neuen Gefährten vertrauen... auch wenn ihr das widerstrebte. Außerdem war sie gespannt, was die Kirschblüten ihnen nutzen würden. Jinx hatte sich die Ihre wie eine Brosche angesteckt. "Hm......", machte sie und zog einen knallpinken Stift hervor. Aus Darquerias Skizze machte sie ein wirres Gekitzel mit Pfeilen und einem pinken Einhorn. Aber es war irgendwie nachvollziehbar. "...das Einhorn...-stellt die Waffenkammer dar?", fragte Darqueria um sicher zu gehen. Jinx fiel ihr um den Hals: "HARRGENAU, CRAZY LADY! Du hast es VERSTANDEN! YAY!" Darqueria war verwirrt. Sie schien nicht sicher, wie sie auf diesen ungewohnten Körperkontakt reagieren sollte. "Aber zunächst müssen wir diese Fesseln loswerden...", bemerkte Yasuo. Er hatte recht. Er und Darqueria hatten Handschellen verpasst gekriegt, Jinx und die beiden Yordle hatten eine schwere Beinfessel bekommen - und von dem komischen Typ in der Ecke gar nicht erst zu schweigen. Der einzige der sich frei bewegen konnte, war - Moment. Wo war er hin? "Gwindel?", sagte sie. Yasuo schien ihn losgeworden zu sein. "Was ist ein Gwindel? Ist das eine Waffe?", fragte Jinx verwirrt. Dann drehte sie sich zu einem der Yordle um: "Hey, Ziggs, wir brauchen auch einen Gwindel!" Der Yordle namens Ziggs grinste wahnsinnig. Darqueria sah sich suchend um. Wo war er hin? Lange Stunden vergingen, ohne dass der Poro aufgetaucht war. Sie diskutierten die verschiedensten Möglichkeiten durch, (Wobei sie die Vorschläge von Jinx meistens missachtete, da diese in fast allen Fällen mit einer Explosion endeten bei der sie alle umkommen würden) - die Fesseln loszuwerden. Nur der komische Typ in der Ecke sagte nichs. Doch sein Blick war permanent auf Darqueria gerichtet. Woher wusste er von ihren Kräften? Konnte er ihre dämonische Aura etwa spüren? Gut möglich. Schließlich konnte sie bei ihm etwas ähnliches spüren, auch wenn seine Aura immer mehr verblasste. Von Jinx erfuhr sie, dass er Kayn hieß. Irgendwann beschloss sie, dass es sinnlos sei, weiter zu diskutieren. Die einzige Möglichkeit schien, ihre Kräfte einzusetzen, doch diese dämlichen Handschellen schwächten sie. Plötzlich wurde ein Schlitz unten an der Tür geöffnet und ein Tablett wurde durchgeschoben. Zwischen schimmligen Broten lag ein kleiner Topf. Darqueria öffnete ihn - und entdeckte darin - "GWINDEL!" Der kleine schwarze Poro hatte einen Schlüsselbund im Maul und quietschte vergnügt. Er sah ziemlich satt aus - aber Darqueria gönnte ihm was auch immer im Topf gewesen war. "Menno, das ist ja gar keine Waffe...", sagte Jinx mürrisch. Gwindel sah böse zu ihr während Darqueria sich und die anderen von den Fesseln befreite. Als sie sich zu Kayn umwandte, stutzte sie. Sie wusste nichts über ihn. Warum hatte man ihn derart gefesselt? "Lass das lieber, Schätzchen. Der Süße bringt uns alle um, bevor wir hier rauskommen.", bemerkte Jinx grinsend. Sie schien Gefallen an Darqueria gefunden zu haben - Darqueria sah das eher mit gemischten Gefühlen. Dennoch. "...ich kann es mit ihm aufnehmen. Außerdem - wenn er uns nicht hilft, wäre er ein super Köder für die Wachen." Mit diesen Worten befreite sie Kayn.

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  • Kapitel 17


    Sobald er frei war, wollte Kayn Jinx an die Gurgel gehen - aber Darqueria entzog ihm seine Lebenskraft. Kayn sah zu ihr. War das also ihre Stärke? Er wurde ruhig. "Wenn du nicht sofort sterben willst, tust du von nun an, was ich will. Verstanden?", fragte sie kalt. Er nickte zornig. Dann wandte sie sich zu Jinx um: "Und du hältst dich fürs erste fern von ihm - okay?" "Och Mannoooooo....", sagte Jinx. Sie lief zur Tür und Ziggs warf ihr ein paar Hextech-Teile, die er von der modifizierten Spinne hatte, zu. Jinx stocherte damit ein paar mal im Schloss rum. "Tadaaaaaaa!", sagte sie triumphierend, als die Tür aufschwang. Dann erschrak sie: "Ouh, eh... Wir wollten gar nicht ausbrechen, Vi!" Die pinkhaarige Wache stand vor ihnen. Sie sah sauer aus und ihre gigantischen Hextech-Handschuhe schienen sich mit einer Art Energie aufzuladen. Vielleicht konnte Darqueria... - Plötzlich spuckte Gwindel einen großen Sabberball auf Vi. Hatte er irgendwas falsches gefressen? Sein Sabber schien Vi zu lähmen und sie fiel um. "So weit, so gut. Führ uns hier raus, Jinx.", bemerkte Darqueria. Jinx strahlte,: "Ich muss mir auch einen Gwindel bauen!", Dann tänzelte sie den Flur voran, während Ziggs noch ein paar Teile aus Vis Handschuhen riss. Kannte sie sich wirklich aus? Zunächst führte sie die Truppe in eine Sackgasse nach der nächsten. Kayn schien sich ziemlich zusammenreißen zu müssen, um sie nicht umzubringen. Doch er hielt sein Wort - zumindest für den Moment. Jinx führte sie zu einer mechanischen Tür. Sie war aus Bronze und ihre Scharniere bestanden aus abertausenden kleinen und großen Zahnrädern. "Da müssen wir rein." Ziggs hatte seinen großen Auftritt. Er schien bereits im Gehen aus den Teilen von Vis Handschuh eine kleine Bombe gebastelt zu haben. Nun platzierte er sie an der Tür. "Deckung!", Jinx schien sich diebisch zu freuen. Kayn zog Darqueria weg. Sie warf ihm einen verwunderten Blick zu . Dann - "BOOOOOM!" Es knallte und eine große Rauchwolke breitete sich aus. Jinx ging selbstgefällig durch den Rauch zur Tür. Sie schien sich des Sieges über den Mechanismus schon sicher, also - "Echt jetzt?" Als sich der Rauch lichtete sahen sie, dass die Tür nur geschwärzt war, aber sich immer noch nicht öffnen ließ. "Kannst du vielleicht was machen?", fragte Yasuo und warf Darqueria einen Blick zu. Sie lächelte. "...der Geist des Heldenmuts, der für das Richtige einsteht... lässt sich also trotzdem mit Verbrechern ein, um seine Klinge zurück zu erlangen... Eine verrückte Welt...", dachte sie, während sie einen Ball aus grüner Teufelsenergie formte und gegen die Tür schmetterte. Endlich - sie ging auf. Naja - mehr oder weniger. Von der Tür war nur ein verkohltes Loch übrig geblieben. Die anderen stürmten hinein und nahmen ihre Waffen an sich, während Darqueria sich umsah. Diese Explosion dürfte ihren Aufenthalt verraten haben. Bestimmt würden gleich jede Menge Wachen das Gebäude stürmen - noch ehe sie sich versah, hagelte es Kugeln. Einige Wachleute mit Hextech-Waffen waren eingetroffen. Unter ihnen war auch die Schützin mit dem Zylinder. Plötzlich wurde das Feuer erwidert - Jinx hatte einen Raketenwerfer in Haifischform in den Händen und Ziggs begleitete ihre Synphonie der Zerstörung indem er Bomben warf. Beide lachten wahnsinnig. Gwindel versuchte durch den Kugelhagel zu Darqueria zu gelangen, doch er schien es nicht zu schaffen - bis Yasuo den kleinen Poro schützte. Auch Gnar war wieder zu der gigantischen Bestie geworden und schien Leute totzuknuddeln. Kayn hingegen verschwand in den Schatten. "...Verräter...", dachte Darqueria. Die Schützin hatte ihr Gewehr auf sie gerichtet. Plötzlich tauchte Kayn wieder auf und verletzte sie schwer. Darqueria zog eine Augenbraue hoch. ..er...rettet mich?...Was hatte dieser Kerl nur vor..? Sie selbst entzog einigen Wachen das Leben.

    Die Verbliebenen zogen sich langsam zurück. Jinx strahlte und winkte Darqueria zu sich. Sie hatte eine Statue weggesprengt und dahinter war ein schmaler Gang zum Vorschein gekommen: "Nach dir, Crazy Lady!" War das ein Ausweg? Doch sie hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Sie flüchtete voran, die anderen folgten ihr. Der Gang endete in einem Tunnel. Sie schienen meilenweit unter der Stadt zu sein. Jinx schien öfters hier zu sein - die Wände waren von ihrem pinkfarbenen Graffity beschmiert. Doch sie alle waren verwundet worden. Mit Ausnahme von Darqueria. Sie atmete tief durch - eine Person zu heilen war leicht, aber fünf? Doch sie hatte so viele Wachleute getötet und ihre Lebensenergie kanalisiert... Es kostete sie einiges an Energie, doch nach diesem mächtigen Zauber waren all ihre Wunden verschwunden. Yasuo war in ihrer Nähe, den Blick auf Kayn gerichtet, welcher sie mit einem Blick ansah, den man nur als gierig bezeichnen konnte. "Bei Fuß! Da gehts lang, klar!", sagte Jinx, "Oh und passt auf den grünen Schleim auf!"

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  • Kapitel 18


    Jinx stürmte den Gang voran. Jetzt, da niemand mehr Blut verlor, konnten ihnen die Wachen nicht mehr so schnell auf die Spur kommen. Aber mal wieder schien sich Jinx nicht sicher zu sein wo sie hin wollte. Sie rannte in eine Richtung, blieb stehen und machte kehrt. Irgendwann stand sie unter einer Luke aus massiven Stahl, die sie einfach mit dem Raketenwerfer wegsprengte. "Nach euch!" Einer nach dem anderen gelangte durch das Loch. Es endete in einer Mischung aus Bunker und Werkstatt. Jinx streckte sich und Ziggs packte ein merkwürdig aussehendes Hextech-Werkzeug aus, um die Luke wieder zu verschließen. "Was sollen wir hier?" Darqueria wandte sich um. Es war das erste Mal, dass Kayn etwas sagte. Er erwiderte ihren Blick. "Najaaaaaaaaa - da oben wird grade mächtig Party sein! Und bevor wir uns dazu einladen, muss ich noch meine Knuffelpuff fertig stellen!", sagte Jinx. Sie winkte Gwindel zu sich und untersuchte seinen lähmenden Sabber. "Auch gut. Ruhen wir uns aus.", Yasuo ließ sich in einer Ecke nieder. Immer noch nahe genug, um zu handeln, falls sich irgendjemand entscheidet, die anderen umbringen zu wollen. "Hier werde ich keinen Schlaf finden...", bemerkte Darqueria, "...ich vertraue euch nicht..." "Nichts anderes hätte ich von Val'Garoths Tochter erwartet...", sagte eine rauchige Stimme. Sie schien aus Kayns Sense zu kommen. Darqueria wandte sich um: "Woher kennt deine Sense meinen Vater?" "UUUH also MIR haben sie immer gesagt, dass es VERRÜCKT sei, mit Gegenständen zu reden, stimmts Knuffelpuff?", rief Jinx von der Werkbank aus. "Val'Garoth war ein großer Herrscher... seine Macht war so groß, dass diese Welt sie nicht tragen konnte.. und darum wurde er in den Abgrund verbannt... damit seine Macht niemandem schaden konnte... es gab nichts, was es mit ihm aufnehmen konnte...", sagte die Sense, "...ich kannte ihn... bevor das alles geschah... und bevor ich an diese Waffe gebunden wurde... er war ein Titan, machtvoll und grausam..." Darqueria senkte den Blick. Schon seltsam, wie andere ihren Vater besser kannten, als sie selbst - naja gut. SIE wollte ihn schließlich auch schon nach nicht einmal fünf Minuten umbringen... so gesehen... waren sie sich vielleicht gar nicht so unähnlich... Kayns Interesse schien geweckt worden zu sein. Klar - kein Wunder. Er war ein machthungriger Irrer, genau wie sie alle. Naja - mit ein paar Ausnahmen. "UUUUUUUUUUUUUUUND FERTIG!", Jinx streckte ihre neue Waffe in die Höhe. Es war eine Minigun in Poro-Form. Aus dem Rohr triefte eine Flüssigkeit die Gwindels Sabber sehr ähnlich sah. Die massive Betonwand auf die sie anschließend schoss, schien wegzuätzen. Gwindel währendessen war wieder zu Darqueria gekrabbelt und ließ sich auf ihrer Schulter nieder. Sie stand auf: "Auf zur Party?" Jinx lachte wahnsinnig. “Nein. Es wäre besser wenn wir uns unbemerkt hier raus schleichen.“ Gnar schien Yasuo zuzustimmen. Jinx sah gelangweilt aus. “Mit DEN Klamotten wird das nichts.“ Sie hatte Recht... Piltover war für seine Erfindungen bekannt und die Einheimischen trugen sie gern mit sich. Vielleicht sollten sie ein paar Zahnräder ankleben und das ganze Steampunk nennen..

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  • Kapitel 19


    Yasuo verschränkte die Arme: "Jinx und Ziggs sind die einzigen, die hier angepasst aussehen - zumindest einigermaßen..." Darqueria fasste sich an den Kopf: "Du willst die beiden nicht WIRKLICH losschicken, um Klamotten zu suchen, oder?" Jinx, die auf ihrer Werkbank fläzte, schrak empört hoch - "HEY!". Darqueria verdrehte die Augen. "Ich kann gehen", sagte Kayn und trat aus den Schatten, "Mich wird niemand kommen sehen." Sie warf ihm einen bösen Blick zu und selbst Jinx meinte: "Schoooon klar. Du wirst entweder abhauen oder uns verraten. Vergiss es, Sensenmännchen." Entnervt stand Yasuo auf: "Gut. Dann gehe ich. Jinx, Ziggs - ihr kommt mit mir. Darqueria - du sorgst dafür, dass keiner stirbt bis wir zurück sind. In Ordnung?" Sie stimmte nur widerwillig grummelnd zu. Als sie fort waren, ließ sich Kayn betont lässig in ihrer Nähe nieder. Wollte er sie provozieren? "Was hast du gegen mich?", fragte er. Darqueria war sauer. Eigentlich wollte sie ihm nicht einmal antworten. Aber warum eigentlich? Bisher hatte er ihr nichts getan... gut, er wollte Jinx ein paar Mal umbringen, aber das war irgendwie auch verständlich... Sie atmete aus und sagte schließlich: "...ich vertraue dir einfach nicht." "Und warum?", er grinste. Ihr ging dieses Gefrage wirklich auf die Nerven. "Du willst nur an meine Macht." - "Hab ich das jemals behauptet?" - "Deine Blicke sind mehr als deutlich." Kayn lehnte sich zurück und sah sie an: "...wenn du meinst... Muss schön sein, wenn man nicht nach mehr Macht streben muss..." Darqueria ließ ein leises Knurren ertönen. Was wusste er schon? Es wäre ihr lieber wenn sie ein normales Leben gehabt hätte, statt mit diesem Fluch hierher zu kommen, obwohl sie eigentlich nicht einmal existieren sollte! "...entschuldige." -"Was?", hatte grade wirklich Kayn zu ihr gesprochen? Nein, das muss sie sich wohl eingebildet haben. "...in...meiner Vergangenheit... wurde ich mit einigen anderen Noxianern zu Kindersoldaten ausgebildet. Wir führten Krieg gegen das Reich von Ionias. Ich konnte nur leben oder sterben. Und leben konnte ich nur wenn ich andere besiegte.", sagte er ruhig. Darqueria hörte ihm ruhig zu. Ihr Zorn schien abzuflauen. "...wir kämpften an einem strategisch unbedeutendem Ort. Irgendein Dorf, dessen Name ich schon längst vergessen hatte. Mein eigenes Reich hatte mich zum Sterben ausgesandt. Ich... habe sie alle abgeschlachtet...um zu überleben. Um zu zeigen, das sie sich irrten. Um zu beweisen, dass ich etwas wert war... aber es kam keine Unterstützung von meiner Heimat. Irgendwann... kamen Menschen... Sie waren vom Orden der Schatten und nahmen mich auf. Sie lehrten mich mit jeder Waffe umzugehen.", er richtete sich auf, "...meine letzte Prüfung war es, diese Sense zu bergen und für mich zu beanspruchen. Ich werde den Orden der Schatten zu neuem Ruhm verhelfen... das ... ist meine Bestimmung." Darqueria dachte nach. Sie hätte vielleicht nicht so voreilig ihre Schlüsse ziehen sollen. Andererseits - vielleicht erzählte er ihr das nur, um sie einzulullen. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem. Dennoch... sie waren sich gar nicht so unähnlich. "Ich weiß, wie es ist ... wenn man nicht gewollt wird. Mein Vater war der Dämonenkönig, der dunkle Titan Val'Garoth. Meine Mutter war eine göttliche Kriegerin die für Gerechtigkeit lebte. Ich weiß nicht viel über sie. Nur dass sie sich lieber umbrachte, als mich zu gebären. Sie opferte sogar ihre Seele, damit ich keinen Kontakt zu meinem Vater aufnehmen konnte. Ich war... immer... allein im Abgrund. Dem letzten Tor, das eine Seele nehmen kann. Wenn sie auf ewig verloren ist... Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ins Geisterreich gelangt bin... nur, dass ich es zerstört habe... und dafür Schmerzen in Kauf nahm... ich weiß nicht einmal warum ich hier bin..." - "HEEEEY!", Jinx warf Darqueria mit einer Art Korsage ab. Sie waren zurück gekehrt.

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  • Kapitel 20


    Es dauerte länger als gedacht. Tatsächlich schien Jinx voll bei der Sache zu sein. Sie modifizierte Kayns Sense (Während dieser Prozedur mussten Darqueria und Yasuo ihn festhalten, damit er sie ihr nicht aus den Händen riss) so, dass sie sich zu einem Gehstock umfunktionieren ließ. Es wäre vielleicht etwas auffällig gewesen, wenn er mit seinem Markenzeichen durch die Gegend lief. Die Auswahl an Kleidern die sie hatten mitgehen lassen, war zwar bescheiden, doch sie tat ihren Zweck. Jinx baute für sie Accessoires, damit sie wie noble Bürger Piltovers aussahen. Sie war so enthusiastisch.... was führte sie im Schilde? “Korkenzieherlocken sind grade totaaaal in!“ Sie selbst hatte ihre Haare pink gefärbt und ihre Zöpfe zu besagten Locken gedreht und verpasste auch Darqueria eine Lockenfrisur. Die Kleidung die sie mitgebracht hatten, glich einer Art Uniform... eine Art braune Weste mit Messingknöpfen auf denen drei Zahnräder eingraviert waren. Jinx trug darunter eine Art Lolitakleid mit Puffärmeln. Kayn zog sich grade eie rote Weste über sein weißes Hemd. Dazu bekam er eine Art schwarzen Mantel mit Nickelknöpfen, schwarze Hosen und teuer aussehende Lederschuhe.. Yasuo trug ein ähnliches Hemd, jedoch hatte Jinx das Seine an seinem linken Arm mit einigen Metallteilen verziert. Ansonsten sah er Kayn von der Kleidung her recht ähnlich, nur dass er, wie Jinx, eine Art Fliegerbrille bei sich trug. Gnar hatte einen kleinen Anzug und ein Monokel bekommen, während Ziggs eher wie ein kleiner dampfbetriebener Blechritter aussah. “Für dich hab ich auch was, Crazy Lady!“, sagte Jinx. Sie warf ihr ein kurzes Kleid zu. Es war schwarz. Ein Glück - in hellen Farben fühlte sich sich ohnehin unwohl. Sie zog es an. Nur mit der Schnürung der Korsage hinten am Rücken hatte sie Probleme. Nach einer Weile: “...brauchst du Hilfe?“, Kayns Stimme klang spöttisch. Darqueria wurde rot: “Yasuo! Ich hatte dich doch gebeten darauf zu achten, dass keiner guckt!“ Yasuo grinste gelassen: “...ein Gentleman genießt und schweigt...“ Echt jetzt?! “Grrrr! WENN WIR HIER RAUSKOMMEN, WERDE ICH EUCH ALLE UMBRINGEN!“, sagte sie genervt. “Das ist die RICHTIGE Einstellung!“, rief Jinx.Sie hörte ihn lachen. “Schon gut.“ Er war aufgestanden und vollendete den Knoten an dem sie verzweifelt war.

    Jinx führte sie aus ihrem Geheimversteck über die Straßen von Piltover, als - “Ah. Ja. Sie müssen die neuen Austauschstudenten sein. Kommen Sie mit. Professor Heimerdinger erwartet Sie bereits.“, sagte eine Stimme zu ihnen.

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