Anime zum Seelenheil?

  • Anime sind für mich... 4

    1. ...auch zum Seelenheil. (2) 50%
    2. ...nur Unterhaltung. (2) 50%

    Servus zusammen!

    Ich würde gerne mal ein Thema anschneiden, das mich schon seit meiner Kindheit und Jugend begleitet. Und zwar: Anime zum Seelenheil.

    Vorgeschichte

    Ich bin in einer ziemlich kaputten Familie aufgewachsen und hatte es als Außenseiter auch nie einfach. Mein Vater war ein Alki, in der Schule wurde ich gehänselt und teilweise auch geschlagen, sowie allgemein ausgegrenzt. Freunde hatte ich nie wirklich welche. Ich war auch meist immer so der Stubenhocker, da es wenig in der Welt da draußen gab, die mir was geben hätten können. Als Indigo in einer Welt aus Statussymbolen, Konkurrenzkämpfen und Macht- sowie Geldgier aufzuwachsen, ist wahrlich nicht einfach. Ich bin dann meistens so im Super Nintendo, Nintendo 64 oder dem Computer "versunken".

    Und irgendwann kam dann Sailor Moon auf RTL2. Von hier an, war es um mich geschehen. Aber die ganze Geschichte will ich aufgrund der Größe erst mal nicht posten, denn das ist ein ziemlicher Rattenschwanz. ;) Aber ich kann sagen, dass ich aufgrund von Sailor Moon auch häufig gehänselt wurde. Einzig mit dem Sohn von meinem Taufpaten konnte ich im Fandom aufgehen.

    Anime als Seelenheiler

    Im Laufe meiner Lebensjahre, bin ich immer mehr in die Animewelt eingetaucht. Auch Musik aus Japan hatte ich mir damals besorgt (natürlich wie jeder z.B. über Napster oder dann WinMX) ;). Durch ACOG.de und das Breitbandinternet, bin ich in Animewelten vorgestoßen, die mein Leben schon in gewisser Weise bereichert haben. Es gab einige Anime, die meine Thematiken teilweise behandelt haben oder einfach nur da waren, um sich an ihnen zu erfreuen und Kraft aus ihnen zu schöpfen - zumindest bei den meisten.

    Da wären u.a. Sailor Moon, Love Hina, Hanaukyo Maid Tai, Neon Genesis Evangelion (hat meine Vaterthematik voll bedient), Pokemon, Digimon, Wedding Peach, Jeanne die Kamikaze-Diebin, DoReMi und und und. Das waren einfach Anime, die das Leben schöner gemacht haben! Damals war ich noch nicht so wählerisch wie Heute und fand School Days klasse - nur das Ende war übel. Doch heute suche ich vor allem Anime, die das Herz berühren, unterschwellig Botschaften an die Menschen richten oder auch teilweise eigene Thematiken (meist unbewusst) bedienen. Gerade der Anime The Weakest Tamer Began a Journey to Pick Up Trash bedient da gut das Thema Ausgrenzung, Überleben, später dann Freundschaft sowie Loyalität, aber auch sich im Leben selbst hochzuarbeiten.

    Ich kann bei mir sagen, dass Anime mich in meinen schwersten Zeiten begleitet und mehr oder minder "therapiert" haben. Dazu zählt aber auch die Musik zum Großteil dazu. Gerade Sängerinnen wie Chihiro Onitsuka, Maaya Sakamoto oder Megumi Hayashibara waren häufig wie Balsam für die Seele. Aber auch Kotoko oder Kokia.

    Ich finde, dass viele Anime mehr können als echte Serien oder Filme. Vor allem wenn man auf niedliche Dinge steht, ist Japan mit ganz vorne dran. Und das sind auch so mit die Dinge, die aufbauen: Der Kawaii-Faktor.

    Ach ja und so nebenbei: Während der Sohn meines Taufpaten sein inneres Kind abgelehnt und sich den Anime abgewandt hat - vor allem weil er immer deswegen gehänselt wurde -, bin ich mir treu geblieben und fröne nach wie vor diesem Hobby. Ich denke, dass heutzutage nur noch wenige über Anime lachen können, denn es gibt da einige ernstzunehmende Titel.

    Und heute?

    Heute schöpfe ich nach wie vor meine Kraft aus schönen Anime, sowie Anime Soundtracks und allgemein japanischer Musik.

    Wie ist es bei Euch so? Sind Anime für Euch noch Unterhaltung oder schöpft Ihr auch Kraft in schweren Zeiten aus ihnen?

  • Es gab ne Zeit, da hab ich mir zwar gedacht. "Jo das ist echt traurig/witzig/schön." aber wirklich emotional wurde ich bei Anime oder Games nicht. (Auch wenn ich nicht argh viel Anime schaue)

    Irgendwann kam der Punkt wo ich gemerkt habe: "Wieso werden meine Augen feucht, obwohl ich das sonst nie hatte?"

    Von deinen genannten Anime habe ich nur "Love Hina" und "Neon Genesis Evangelion" gesehen. An Love Hina kann ich mich kaum erinnern, NGE mit den Filmen mehrmals.

    Wenn ich aber an Botschaften denken muss und sonstiges muss ich an "Attack on Titan" denken. Gehört zu meinen Lieblingsanime.
    Es gab Momente wo ich echt traurig wurde für die Charaktere, mitgefühlt habe. Ich würde behaupten ich schaffe es immer mehr und mehr... sämtliche Charaktere zu verstehen und es bricht einem manchmal das Herz.
    Aber im Endeffekt hat es mein eigenes Motto bestärkt, auch wenn ich mehr als nur dieses eine habe, aber es kommt 1:1 aus dem Anime und sogar aus den Liedern: "Die Welt ist grausam aber wunderschön."
    Es ist nicht immer alles gut, es sind nicht immer aller der gleichen Meinung, es wird immer Konflikt geben. Trotzdem ist es schön, auf der Welt zu sein.


    Auch "Assassination Classroom" empfand ich als schönen Anime, der jeden dazu anspornt das beste aus sich rauszuholen und sich zu verbessern, denn jeder hat seine Stärken.


    Kommen wir zu "Higurashi no Naku Koro ni", auch einer meine Lieblingsanime. Ein Anime der eigentlich im Kern aussagt:"Rede mit deinen Freunden. Vertrau ihnen. Du musst das nicht allein machen, aber du musst selbst was tun." (ja, ich weiß klingt 08/15 aber man will ja nicht zu viel sagen, sonst spoilert man.)

    Vor langer Zeit habe ich auch den Anime "Welcome to the NHK" geschaut. Sehr lange habe ich mich, so blöd das klingt, mit dem Protagonisten identifiziert. Nicht vollständig, aber ein großes Stück. Mittlerweile weniger... dennoch auch hier hab ich gelernt: "Es ist okay kaputt zu sein. Man hat seine schlechten Seiten, aber man kann an sich arbeiten."

    Natürlich gibt es noch viele weitere Anime, die ich NICHT geschaut habe und wundervoll sind.


    Kurz weg von Anime:
    Die neuste Hauptstoryquest aus Wuthering Waves war wunderschön und traurig.
    Früher wollte ich immer Vater werden, mittlerweile lieber nicht. Aus verschiedenen Gründen.
    Aber hier hat mir das Spiel gezeigt, vielleicht bin ich in dem Sinne "genug" und kann mich anstrengen und das beste machen.
    Wahrscheinlich möchte ich später trotzdem kein Vater werden, aber es hat mir ein wenig die Angst genommen... und sollte es mal zu so einem Zeitpunkt kommen, versuche ich mein bestes.

    Anime UND Games können mir Kraft geben, oder andere Perspektiven auf Dinge.

    Aber als Seelenheil muss man höllisch aufpassen, der Grad zwischen Ersatz für echte Welt und einer langfristigen Flucht ist schmal.
    Einige verlieren sich zu lang, zu oft, und zu sehr in diesen Welten. Auf Dauer schadet man sich dann nur noch selbst.
    Aber wir reden ja primär über die positiven Aspekte, und ich denke es hat einigen durch schwere Zeiten geholfen.
    Ich hatte schwere Zeiten, klar. Anime haben mir dabei zwar nicht geholfen, aber allgemein zu meiner Persönlichkeit und Ansichten mich etwas geformt und gestärkt.
    Allein Akira Toriyama hat mit Son Goku eine Legende geschaffen, die Moral hat und herzensgut ist. Der Mann und sein Werk haben Generationen geformt.



    Auch wenn es bei mir nicht prinzipiell nicht Seelenheil ist, würde ich trotzdem dafür stimmen.