Das schwarze Oratorium

  • Vorwort:

    Also... diese Geschichte ist ALT.

    Und zwar *richtig* alt.

    So alt, dass ich sie gelesen und gedacht habe:

    „Wer um alles in der Welt hat das geschrieben?"

    ...nur um mich dann zu erinnern:

    „...Ach ja. Ich. Mist."

    Ich werde gar nicht erst so tun, als wäre es anders - ich finde diese Geschichte peinlich. Extrem peinlich. Aber ich glaube, genau das passiert, wenn man Jahre später seine alten Fanfics ausgräbt. Das ist quasi eine universelle Erfahrung.

    Die fünf Phasen beim Wiederlesen alter Texte:

    „Aww, Nostalgie!"

    „Oh..."

    „OH NEIN."

    „Warum um Himmels willen habe ich das geschrieben?"

    „...Okay, Moment. Das ist eigentlich ziemlich cool."

    Und ja, ich poste es trotzdem.

    Nicht, weil es perfekt ist.

    Sondern weil es ein riesiger Teil von mir ist.

    Werde ich regelmäßig etwas hochladen?

    Das hängt ganz davon ab, ob mein ADHS und ich uns in der jeweiligen Woche dazu entschließen, zu kooperieren.

    Wenn ja - super!

    Wenn nicht... verbringe ich wahrscheinlich drei Stunden damit, auf ein leeres Dokument zu starren, erfinde versehentlich drei neue Charaktere, nach denen niemand gefragt hat, fange eine andere Geschichte an und lande schließlich doch wieder hier.

    Wie auch immer...

    Viel Spaß beim Lesen.

    Viel Spaß beim Fremdschämen.

    Und falls ihr es tatsächlich bis zum Ende schafft...

    Herzlichen Glückwunsch. Ihr seid stärker als ich, wenn ich meine eigenen Dialoge noch einmal lese. ❤️

    Hab euch lieb! ❤️

  • Triggerwarnung: Gewalt

    Die neue Assistentin

    Dakaria versuchte, ihre neue Umgebung einzuordnen, doch der dichte weiße Nebel schien das gesamte Boot zu verhüllen.

    Sie bemerkte, dass ihr Meister, Razuel - der Berater des Königs und ihr Ziehvater -belustigt drein sah.

    "...Meister?", fragte sie.

    Razuel schmunzelte: "Deine Vorsicht in Ehren - doch im weißen Nebel der gesegneten Inseln wirst du nichts erkennen können, fürchte ich."

    Sie merkte auf: "Die gesegneten Inseln? Also sind wir fast da?"

    Der alte Meister wies zum Schiffsbug: "Sieh selbst."

    Der Nebel öffnete sich vor ihnen wie ein weißer Vorhang und gab den Blick auf die Inseln frei. Dakaria hatte schon viele Geschichten über diesen geheimnisumwobenen Ort gehört, doch keine wurde der gleißenden Herrlichkeit, wenn die Sonne auf die gold verzierten weißen Türme der arkanen Hallen fiel, gerecht.

    Das Schiff stieß sanft im Hafen an und Dakaria folgte ihrem Meister über eine kleine Holzplanke von Bord. Sie wusste, dass der Meister einst selbst ein Gelehrter der arkanen Geheimnisse Helias war und sie erkannte einen leichten Ausdruck der Freude, als er seine Heimatstadt wieder erblickte.

    Dann wandte er sich um:

    "Dakaria, warte hier beim Schiff. Ich werde schnell ein paar Besorgungen machen."

    Die junge Frau nickte. Sie stellte die Anweisungen ihres Meisters schon längst nicht mehr infrage.

    Seit sie als Kind von ihm aufgenommen wurde, hatte Razuel ihr sich um sie gekümmert und sie ausgebildet.

    Sie war sowohl in der ionianischen Schwertkunst, dem Säbelkampf der shurimanischen Wüstendiebe, dem Axtwerfern Freljords, sowie den Fechtkünsten ausgewählter Demacianer, als auch mit den Fähigkeiten der noxianischen Assassinen bestens vertraut. So gut wie jede Kampfkunst hatte sie in jungen Jahren gemeistert um die Kunst des Krieges zu verstehen.

    Er hatte sie zu einer Soldatin erzogen und das hatte seine Gründe.

    Dakarias Ziehfamilie gehörte zu einer reisenden Truppe von Spielleuten, deren Lieder sowohl Freude als auch Verderben bringen konnten. Sie wurden die Saltatio Anima genannt - die Seelentänzer.

    Sie glaubten an die zwei uralten Schöpfungsgöttinnen, Adwana und Dakeria. Adwana, die Göttin des Lebens - und Dakeria, die Göttin des Todes. Oder die Göttin der Ordnung, wenn man die Saltatio Anima fragte, denn sie verehrten die dunkle Göttin so sehr, dass sie Dakeria nach ihr benannt hatten.

    Doch das war nicht der Grund, weshalb die Saltatio Anima gefürchtet wurden.

    Aufgrund ihres berüchtigten schwarzen Liederbuchs reisten sie in ständiger Angst, denn viele große Herrscher wollten dieses einzigartige Relikt für sich. Von einem Gläubigen vorgetragen, hatten gewisse Lieder einen unglaublichen Effekt auf die Lebenden - ihre Seelen lösten sich von ihren Körpern und ließen sie als leere Hüllen zurück.

    Man sagte, die dunkle Göttin selbst habe das schwarze Liederbuch erschaffen.

    Als sie schließlich in der Nähe von Demacia ihr Lager aufschlugen, wurden sie schließlich entdeckt.

    Das Volk von Demacia hatte sich seit der großen Katastrophe gegen sämtliche Magie gewehrt.

    Magier wurden nahe der Hauptstadt eingesperrt, doch Dakarias Ziehfamilie hatte nicht so viel Glück.

    Sie wusste nicht einmal mehr wie sie entkommen war, als die Soldaten das Lager niederbrannten...

    Auf ihrer Reise begegnete sie einem Mann, der sich selbst Scream nannte.

    Er wurde ihr einziger Vertrauter...

    ...bis Razuel sie letztendlich fand.

    Sie waren die einzigen Überlebenden der Saltatio Anima.

    Razuel hatte in all den Jahren eine neue Position - als Berater des Königs von Val'garath.

    Und er war eigentlich nur auf der Suche nach des Königs Sohn - Xerxes.

    Sie wusste noch, dass es zum Kampf zwischen Scream und Razuel kam...

    Das Nächste woran sie sich erinnerte war, dass sie an der steinigen Küste der Insel Val'garath aufwachte und einige geflügelte Kriegerinnen sie einkreisten.

    Sie hatten goldenes Haar, waren kräftig gebaut, mit schweren Rüstungen und großen weiß-goldenen Schwingen, die aus ihren Schultern hervorbrachen. Woraus ihre Rüstungen gemacht waren, war schwer zu sagen - eine Art kosmische Energie schien das Metall zu durchfließen, aus dem die Plattenrüstung und die Verzierungen an ihren Hörnern gemacht waren.

    Die Val'kyren Talruins brachten sie zum König, um über ihren Verbleib zu entscheiden.

    Es war allein Razuels Einwand, der sie davon abhielt, Dakaria nicht nach Demacia auszuliefern, obwohl sie als Fremdling nicht gern gesehen wurde.

    Der König stimmte seinem Vorschlag zu, unter einer Bedingung: Dakaria selbst sollte zur Val'kyre seines Sohnes werden.

    Als Val'kyre ist man sein Leben lang der Treue zu seinem Land und seinem König - oder in ihrem Fall Prinz Xerxes aka Scream verpflichtet.

    Darum lernte Dakaria jedwede Kunst, um ihre neue Heimat im Notfall verteidigen zu können.

    Diese neue Aufgabe war alles, was ihr geblieben war.

    Sie hatte die Gesichter ihrer einstigen Familie bereits vollkommen vergessen...

    Ihr Leben bestand nur noch aus Training.

    Sie bereiste mit Razuel die ganze Welt, um sich so viel Wissen wie möglich anzueignen...

    Doch diesen Ort hier, wo die tiefsten Geheimnisse der Magie archiviert worden waren, hatten sie aus einem anderen Grund aufgesucht...

    Sie ließ ihre Erinnerungen los und konzentrierte sich auf ihre neue Umgebung.

    Der weiße Nebel versteckte die Insel nahezu perfekt, doch auf dem Festland konnte sie kaum Sicherheitsmaßnahmen erkennen.

    Sollte die Insel angegriffen werden...

    ...würde man sie überhaupt verteidigen können?

    Es herrschte ein buntes Treiben am Hafen.

    Gelehrte und Magier unterhielten sich mit Händlern seltener Artefakte und ein paar winzige Yordle tappten eifrig umher, die dünnen, fellbehafteten Arme voller Folianten.

    Sie erkannte sogar ein paar Schlangenrufer der Buhru, einem Volk aus Bilgewasser, welches die Schlangengöttin Nagabouros verehrte, sowie ein paar fuchsschwänzige Mitglieder der ionianischen Vesani, mystischen Kreaturen, deren Magie Erinnerungen kanalisieren konnte.

    "Hier."

    , sagte eine vertraute Stimme neben ihr,

    „Nimm das."

    Razuel war wieder aufgetaucht und reichte ihr eine Kutte aus feinem Stoff.

    Dakaria warf ihm einen Blick zu, nickte und ging kurz zurück auf das Schiff, um sich umzuziehen.

    Das Gewand war leicht, fast schwerelos und sie fühlte sich leicht angreifbar.

    Doch als sie in den Spiegel blickte, war sie zufrieden mit ihrer Verwandlung.

    Sie trug ein weißes Kleid mit langen Ärmeln, welche mit goldenen Ornamenten gesäumt waren. Ihr Mieder wurde mit Schnallen zusammengehalten, in die bläulich schimmernde Kristalle eingearbeitet waren und die Kapuze die sie trug, war in einem sehr hellen Blauton gehalten, der ein wenig an die Farbe des Porofells erinnerte.

    Sie versteckte ihren Dolch unter dem Mantel und trat nach draußen, wo Razuel sie prüfend anblickte.

    Razuel betrachtete sie für einen Moment, dann nickte er.

    „Sehr gut."

    "R-razuel?! W-was machst du hier?"

    Ein Mann in einer Wächterrobe bahnte sich den Weg zu ihrem Meister. Seine Stimme klang sogleich erfreut, als auch besorgt.

    Er war hochgewachsen und schien aufgrund der grauen Stellen in seinem Bart und den Falten ungefähr so alt wie der Meister selbst zu sein.

    Razuel lächelte.

    "Ah, Nwago, mein alter Freund."

    Er umarmte ihn zur Begrüßung.

    "Was... was machst du hier? Du wurdest doch von der Akademie verbannt...!", sagte sein Gegenüber.

    Razuel bedeutete Dakaria näher zu treten.

    Sie verneigte sich respektvoll.

    "Das hier ist Dakaria, meine Schülerin. Sie ist hier, um etwas über die arkanen Geheimnisse in den Archiven zu lernen."

    Er lächelte:

    „ Ich bin sicher, sie wird euch nicht enttäuschen."

    Dann warf er Nwago einen vielsagenden Blick zu.

    Dieser brauchte einen Moment, um zu verstehen, was er damit sagen wollte.

    "N-nein! Razuel, hör zu, du weißt, dass die Sicherheitsmaßnahmen seit... - seit damals verschärft wurden. Ich kann nicht einfach einer Außenstehenden Zugang gewähren."

    Razuel strich sich über den langen Bart.

    "Hm... ja... das ist wohl ein Problem..."

    Er legte den Kopf leicht schief.

    „Hilf mir auf die Sprünge, alter Freund... welche Strafe stand nochmal darauf?"

    Ein mörderisches Lächeln glitt über sein Gesicht: „Verbannung?"

    Nwago wurde kalkweiß im Gesicht.

    Der Meister neigte sich zu ihm und senkte die Stimme:

    "Vergiss nicht, weswegen du hier bist, Hauptwächter..."

    Die Drohung in seiner Stimme war unverkennbar.

    Dakaria analysierte innerlich das Verhalten des Hauptwächters, welcher seine Nervosität nicht gerade verbarg.

    Waren Menschen wirklich so leicht zu manipulieren?

    Nwago gab sich geschlagen:

    "...nun gut..."

    Er rieb sich die Schläfen.

    „Ich suche ohnehin eine Assistenzkraft für unseren neuen Archivar..."

    Der Meister lächelte herzlich und klopfte dem Wächter auf den Rücken: "Besten dank mein Freund."

    Dann wandte er sich an seine Schülerin:

    „Dakaria, geh zu ihm."

    Sie nickte und tat wie geheißen.

    Nwago sah zweifelnd zu Razuel.

    "... Und was hast du nun vor? Die arkanen Hallen sind für dich Tabu. Eigentlich dürftest du nicht einmal hier sein!"

    Razuel sah unbekümmert in Richtung Gasthaus.

    "...ich erquicke mich an einer Auswahl erlesener Getränke und angesehener Damen."

    Er grinste.

    „Oder um es für dich verständlich auszudrücken..."

    „...Lust und Völlerei, mein Freund."

    Mit diesen Worten verschwand er in der Menge.

    Nwago schüttelte den Kopf.

    Was hatte dieser alte Sack nur vor?

    "Hauptwächter Nwago?"

    Eine klare, melodische Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

    Er brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass diese wohlklingende, reine Stimme zu Dakaria gehörte.

    Sie wirkte ein wenig wie eine Porzellanpuppe.

    Ihre Haut war makellos blass, ihre großen Augen schimmerten wie blaue Eiskristalle, und ihre vollen, dunklen Lippen blieben vollkommen ausdruckslos. Ihr langes, schwarzes Lockenhaar reichte bis zu ihrem Gürtel, während sie von einer beinahe beunruhigenden Aura umgeben war.

    Eine Puppe deren lockiges schwarzes Haar so lang war, dass es in ihrem Gürtel steckte und von der eine gradezu unheimliche Aura ausging.

    "Entschuldige", sagte Nwago und räusperte sich, „Ich war wohl in Gedanken. Folge mir, bitte."

    Er führte sie am Marktplatz vorbei, durch die sorgfältig gepflegten Gärten der Akademie, hin zu einem beeindruckendem weißen Gebäude mit goldenem Tor.

    Nwago erhob seine Hand.

    Drei arkane Kugeln flammten darin auf und fügten sich prompt in die Einkerbungen der Tür ein.

    Ein tiefes Grollen hallte durch den Innenhof und die massive Tür öffnete sich.

    Vor ihnen erstreckte sich eine Eingangshalle, die ebenso beeindruckend war, wie das Gebäude selbst.

    "Dies", sagte Nwago mit unverkennbarem Stolz in der Stimme, „Ist das arkane Archiv."

    Etwas ernster fuhr er fort: „Wir verwahren hier die mächtigsten und gefährlichsten Artefakte, also sei vorsichtig, wenn du hier arbeitest."

    Dakaria trat etwas näher und ließ ihren Blick über das Geländer nach unten schweifen.

    Ganze Wände verschwanden hinter turmhohen Bücherregalen, die sich über mehrere Stockwerke erstreckten und mit endlosen Reihen von Büchern, Schriftrollen und versiegelten Reliquien gefüllt waren.

    Zum ersten Mal seit geraumer Zeit ... war sie aufrichtig erstaunt.

    Nwago kannte diesen Blick.

    Er würde nie vergessen, wie er das erste Mal diese heiligen Hallen betreten hatte!

    Doch ein wenig bedauerte er das Mädchen... niemand war gern einem Thresher - oder um es genau zu nehmen Grael unterstellt...

    ... doch das war wohl das geringste Problem.

    Es würde weitaus schwieriger werden, die Sache zu vertuschen...

    "Hauptwächter Nwago?"

    Wieder durchbrach Dakerias klare Stimme seine Gedanken.

    „Ist alles in Ordnung? Ihr zittert."

    Erst jetzt bemerkte er, dass er den Schlüssel zu der Tür vor ihnen hatte fallen lassen.

    Dakeria hob ihn auf.

    "Oh - nein, es geht mir gut... "

    Er nahm den Schlüssel mit einem beschämten Lächeln an sich.

    „Vielen Dank. Und jetzt komm mit."

    Er schloss die Tür auf und sah sich um.

    Wo war-

    "Ah."

    Seine Augen hatten eine einsame Gestalt zwischen den Regalen entdeckt.

    Der Mann hatte dunkles Haar und einen Ausdruck, so kalt wie Stein.

    "Dakaria, das ist Grael, Wächter der Schwellen."

    Sie verneigte sich respektvoll vor ihm.

    "Es ist mir eine Ehre, euch kennenzulernen, Wächter."

    Zumindest hatte Razuel sie gut erzogen.

    Grael betrachtete sie lediglich schweigend.

    Als Nwago seinen fragenden Gesichtsausdruck bemerkte, erklärte er schnell:

    Grael, ich möchte, dass du diese junge Dame als deine Assistentin in dein Handwerk einweist."

    Grael schien davon nicht sonderlich begeistert.

    " Bei allem Respekt, Hauptwächter... aber wir dürfen Außenstehenden nicht den Zugang zu diesem Teil des Archivs gewähren."

    Sein Blick wurde kälter.

    „Gerade bei den... Vorkommnissen der letzten Tage."

    "Das lass meine Sorge sein.", antwortete Nwago mit gespielter Zuversicht,

    „Dakaria ist eine Arkanistin aus Übersee und nur kurz hier, um sich weiterzubilden."

    Er zwang sich zu einem Lächeln:

    „Ich bin sicher, dass sie dir eine große Hilfe sein wird."

    Er sagte dies in einer schwungvollen Art, doch als er Graels Blick sah, war es ihm, als sei es plötzlich zwanzig Grad kälter im Raum.

    "Ich brauche keine...

    ...Assistentin.", sagte Grael.

    Dieser Mann war wirklich unheimlich.

    Trotz der Ruhe seiner Stimme war die Atmosphäre um ihn herum unverkennbar bedrückend.

    Nwago richtete sich auf.

    Er tat sein Bestes, um autoritär zu klingen.

    Dies ist eine Anweisung, keine Bitte."

    Er wandte sich um:

    „Dakaria, geh zu ihm."

    Die junge Frau nickte und trat zu ihm.

    Offenbar schien ihr seine Art nichts auszumachen.

    Ein bewundernswertes Mädchen...

    Schließlich war Grael irgendwie allen nicht geheuer.

    Allerdings schien sie nicht weniger unheimlich zu sein.

    Nwago fiel ein Stein vom Herzen, als er sich schließlich von den Beiden entfernte.

    ---

    Erlok Grael musterte die Fremde in aller Ruhe.

    Es war offensichtlich, dass diese Frau keine Arkanistin im eigentlichen Sinne war.

    Natürlich bemerkte er die Klingen, die sie versteckt hielt.

    Ihre Haltung ...

    Ihre Augen ...

    Die disziplinierte Art, wie sie sich bewegte ...

    Alles an ihr ließ vielmehr auf eine Soldatin, statt eine Gelehrte schließen.

    Ihre Kleidung wurde allerdings hier hergestellt.

    Er erkannte die verschlungenen Ornamente der Akademie wieder.

    Doch ihre Stimme war erstaunlich sanft.

    "Ich bitte mein plötzliches Auftauchen zu entschuldigen, Wächter Grael. Offensichtlich wurdet ihr nicht von meiner Ankunft informiert."

    Selbst die Art, wie sie sprach, zeugte von der Präzision militärischer Disziplin.

    Jedes Wort abgewogen.

    Kontrolliert.

    Völlig frei von Emotionen.

    "Ich hoffe, ich kann euren Erwartungen gerecht werden."

    Grael betrachtete sie noch einen langen Augenblick lang.

    "...Wir werden sehen."

    Er bedeutete ihr mit einer Handbewegung, ihm zu folgen.

    Ohne ein weiteres Wort ging er schnellen Schrittes voran durch das immer größer werdende Labyrinth aus hoch aufragenden Bücherregalen.

    Dann erklärte er, ohne sich umzusehen:

    "Als Wächter ist es unsere Aufgabe, die hier gelagerten Artefakte zu bewachen und zu schützen."

    Seine Schritte hallten leise auf dem polierten Steinboden wider.

    „Wir müssen in der Lage sein, jedes einzelne Objekt zu finden und zu beschreiben, das sich in unserer Obhut befindet und ich kann nicht guten Gewissens behaupten, dass dies momentan gegeben ist."

    Dakaria sah ihn an.

    "Wie darf ich das verstehen, Wächter?", fragte Dakaria.

    Er war milde überrascht, dass sie mit ihm Schritt halten konnte und noch nicht einmal außer Atem war.

    "Offenbar sind einige Wächter nicht in der Lage, die ihnen anvertrauten Objekte ordnungsgemäß zu verwahren."

    Er nahm einen Schlüssel von dem Tisch vor ihm in die Hand.

    „Erst vor wenigen Tagen hat Wächter Alms den Schlüssel des Herzens genommen.",

    Er hielt ihn zwischen seinen Fingern.

    „Dieser Schlüssel muss alle neununddreißig Stunden einmal in einem bestimmten Schloss gedreht werden. Außerhalb dieser Zeitspanne kann er für jede beliebige Art von Schloss verwendet werden."

    Er legte den Schlüssel zurück.

    „Leider haben gewisse Wächter die Angewohnheit, den Schlüssel zu nehmen, um sich durch die Gänge der Archive zu bewegen. Wächter Alms hat es versäumt, den Schlüssel rechtzeitig in seinem Schloss zu drehen, daher wurde der Schlüssel seinem Namen gerecht und schloss Alms Herz auf."

    "Und was ist dann passiert?", fragte Dakaria.

    Grael drehte sich zu ihr um.

    Sie bemühte sich, nichts anmerken zu lassen, doch in ihrer Stimme war ein winziger Anflug von Aufregung zu hören.

    "Nun... was er aufgeschlossen hat, werden wir nie erfahren, denn Alms überlebte diese Erfahrung nicht."

    Dakaria nickte, "Verzeiht die Frage. Das war... unangemessen."

    Für einen winzigen Moment wirkte sie vollkommen fasziniert.

    Dann, als hätte sich wieder eine Maske über ihr Gesicht gelegt, verschwand jede Spur von Regung erneut.

    Irgendwas war... anders an ihr.

    "Wie auch immer."

    Er griff nach einem der sich stapelnden Notizen auf dem Tisch.

    "Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, jedes einzelne Objekt, das sich derzeit in Verwahrung eines Wächters befindet, aufzulisten. Deine erste Aufgabe ist es, diese Objekte zu suchen und zu mir zurückzubringen."

    Dakaria las die sauber geschriebenen Notizen durch.

    Es war nicht nur aufgelistet, an wen welches Objekt verliehen worden war, sondern auch eine detaillierte Beschreibung, was welches Objekt auslösen konnte.

    Jede Seite war detailliert und geordnet in einer sauberen Handschrift geschrieben.

    Wahrlich perfekt.

    Nachdem sie die ersten Absätze gelesen hatte, nickt sie.

    "Ich habe verstanden."

    Tagebucheintrag 1 - "Meine neue Assistentin"

    "Es ist beschämend, dass Hauptwächter Nwago denkt, er könnte mit diesen offensichtlichen Verstoß gegen die Akademieregeln durchkommen! Vielleicht glaubt er, dass diese Frau mich ersetzen könnte?! Ich werde beweisen, dass weder sie und auch sonst niemand meinen Platz einnehmen wird! Diese... Dakaria scheint nicht einmal eine Gelehrte zu sein. Dennoch muss ich einräumen, dass sie sich zumindest außerordentlich fähig erweist, einfachste Anweisungen zu befolgen - anders als manche meiner Wächterkollegen. Sie arbeitet schnell... Effizient... Und vielleicht am wichtigsten... sie stellt keine dummen Fragen... trotzdem werde ich sie im Auge behalten. Bis dahin gibt mir ihre Anwesenheit zumindest Zeit, mich um ein paar meiner eigenen Projekte zu kümmern..."

    Einige Tage später...

    "Sucht ihr etwas, Hauptwächter Nwago?"

    Dakaria kam auf ihn zugeeilt.

    Nwago schenkte ihr ein warmes Lächeln:

    "Hallo Dakaria. Nun? Wie schmeckt die Arbeit?"

    Er wusste, dass Grael ihr wahrscheinlich keine Pause bei der Arbeit gönnte und war überrascht, dass das Mädchen kein bisschen außer Atem war.

    Sie hatte einen Arm voll Folianten bei sich, welche sie eilig in das nahestehende Regal einsortierte.

    "Ich übe und lerne sehr eifrig, um Wächter Graels Erwartungen gerecht zu werden."

    Ein mildes Lächeln huschte über das Gesicht des Hauptwächters:

    "Grael kann ziemlich streng sein."

    "Er ist pflichtbewusst bei der Sache und mir scheint, er kennt das Archiv besser als ihr.", entgegnete Dakaria.

    Empörung machte sich auf dem Gesicht des Hauptwächters breit.

    Doch diese verwandelte sich rasch in Scham, als Dakaria auf den Folianten in den Händen des Wächters deutete.

    "Ihr seid hier, um die Überlieferungen der arkanen Quadratur des Kreises zurückzugeben, habe ich recht? Wenn ich mich recht entsinne, seid ihr mit der Rückgabe bereits drei Tage im Verzug."

    Nwago erstarrte.

    Langsam und leicht beschämt händigte er ihr das Buch aus.

    "Mir scheint, Grael hat dich bereits gut ausgebildet."

    Der leicht genervte Unterton in seiner Stimme entging ihr nicht.

    "Er ist ein guter Lehrmeister, auch wenn er hohe Erwartungen hat.", antwortete Dakeria ruhig. Vorsichtig legte sie das Buch zurück an seinen Platz. „Offen gestanden bin ich mehr als überrascht, dass ihr jemanden wie ihn hier in den Archiven verstauben lasst. Ich habe nur wenige Menschen getroffen, die in der Lage sind - "

  • "Wir haben unsere Gründe.", fiel Nwago ihr ins Wort.

    Dakaria blickte den Hauptwächter in die Augen.

    Sofort fiel der genervt-wütende Ausdruck von ihm ab und machte etwas anderem Platz.

    Angst.

    Er kannte diesen Blick von Razuel...

    Es war derselbe Blick, den Razuel immer aufsetzte, wenn er jemanden in die Enge trieb.

    Doch Dakaria drehte sich nur um und sortierte weiterhin Bücher in das Regal ein.

    "Er mag euch unheimlich sein, doch das ist kein Grund, ihm einen Karrieresprung zu verweigern."

    Nwago starrte sie ungläubig an.

    "Woher weißt du-?"

    Dann bemerkte er es. Natürlich.

    „...ah...verstehe. Razuel hat dir beigebracht, Menschen zu lesen

    Dakarias emotionslose Augen wandten sich wieder ihm zu: "Das ist korrekt."

    Der Hauptwächter schüttelte den Kopf.

    "Du kommst ganz nach deinem Meister..."

    ---

    Tagebuch von Nwago - Eintrag 1:

    "Diese Dakaria ist definitiv Razuels Schülerin. Sie ist genauso verschlossen wie er (wenn auch wesentlich disziplinierter - wenn ich nur daran denke, was Razuel im Gasthaus treibt... ich habe bereits Beschwerden wegen unangemessener arkaner "Streiche", sexueller Belästigung und nicht weniger Schlägereien bekommen- und dabei ist er keine drei Tage hier!) Ich muss herausfinden was sie vor hat. Vielleicht kann Wächter Grael mir dabei helfen, auch wenn ich ihn nur ungern um einen Gefallen bitte.. nein - es ist besser, wenn er keinen Verdacht schöpft. Vielleicht kann ich einen anderen Wächter um Rat bitten..."

    ---

    Tagebuch von Nwago - Eintrag 2:

    "Ich habe Grael dennoch angewiesen, ein Auge auf Razuels Schülerin zu haben. Auch wenn er mir unheimlich ist - er ist mein bester Schüler und ich weiß, dass auf ihn Verlass ist. Diese Dakaria... ich will nicht wissen, was Razuel ihr angetan hat damit ihr Blick so kalt und tot wurde... Ich weiß, dass sie irgendwas im Schilde führt...Unterdessen werde ich versuchen, Razuel zu beschatten, auch wenn ich sicher bin, dass er das bereits eingeplant hat."

    ---

    Tagebuch von Nwago - Eintrag 3:

    "Es ist frustrierend, dass ich immer noch nicht weiß, was Razuel vorhat! Er gibt sich vollkommen normal..

    ...nun...

    ...nicht, dass er je normal gewesen wäre...

    Seine Schülerin hat einiges von ihrem Meister gelernt, unter anderem wohl auch, sich in fremden Situationen unauffällig zu verhalten. Sie erfüllt ihre Pflichten ohne einen einzigen Fehler zu begehen...

    ...ich glaube, selbst Grael scheint gelinde beeindruckt zu sein.

    Nun ja.

    Sagen wir, ich vermute es.

    Aus ihm wird man genauso wenig schlau, was mich ebenfalls beunruhigt. Diese Unwissenheit bringt mich noch um den Schlaf!"

    ---

    Es dunkelte schon, als Razuel zum Gasthaus zurückkehrte.

    Es war ein schöner Tag gewesen.

    Er hatte auf dem Marktplatz einige bemerkenswerte Schnäppchen gemacht, und alles, was er jetzt wollte, waren ein guter Drink und ein bequemes Bett.

    Doch als er die Gestalt sah, die in der Dämmerung wartete, grinste er.

    Es war schon der vierzehnte Versuch, seitdem er hier angekommen ist, bei dem Nwago versuchte, seinen Plan zu durchschauen.

    Irgendwie niedlich.

    "Razuel."

    Nwagos Stimme klang bestimmt.

    „Es reicht. Ich werde beantragen, dass du und deine Schülerin die Insel verlasst."

    Razuel gähnte gelassen.

    "Und weswegen? Ich hörte, sie hat erst kürzlich Wächter Haal vor dem Tod bewahrt."

    Nwagos Stimme klang sofort unsicherer.

    "Das - das hat nichts damit zu tun! Ich weiß nicht warum ihr hier seid, aber -"

    "Aber was? Bisher haben wir dir doch in keinster Weise geschadet, mein Freund.", sagte Razuel mit einem entspannten Lächeln und winkte einer Dame aus der Gaststube zu.

    "Ich habe Beschwerden über dich erhalten und das nicht wenige!", knurrte Nwago.

    Razuel zog eine Augenbraue hoch.

    "Gut, wenn du meinst. Ich verschwinde von hier. Aber Dakaria bleibt."

    Nwago starrte ihn fassungslos an.

    "Warum sollte sie bleiben?! Sie wird mit dir gehen!"

    Razuel gluckste.

    Offenbar war Nwago der Kragen geplatzt.

    Nun gut, wenn er unbedingt einen triftigen Grund braucht...

    "SIE hat nichts falsches getan, oder?"

    Nwago schwieg und Razuel deutete auf die Bank neben sich.

    "Setz dich zu mir, alter Freund."

    Nach einer langen Weile gehorchte Nwago widerstrebend.

    Razuel zündete sich seine Pfeife an, bevor er erneut sprach.

    "Dakaria kommt bestens ohne mich aus. Sie braucht niemanden und war ihr Leben lang auf sich allein gestellt. Ich habe sie zwar aufgezogen...doch ich war nie ein Vater für sie."

    Er blies einen Schwall des Pfeifenrauchs in die Abendluft.

    „Ich wollte aus ihr eine Waffe machen. Eine Waffe die jeden Krieg gewinnen kann."

    Seine Stimme wurde eine Spur leiser.

    „Aber nun, da sie so weit ist... schmerzt es mich, dass sie nur noch eine gefühllose Puppe ist."

    Er ließ den Blick über das Meer schweifen.

    „Es war ihr Wunsch hierher zu kommen. Und ich denke, es wäre vielleicht besser, wenn sie bleibt. Sie hat mehr Krieg und Elend gesehen, als irgendjemand ertragen sollte. Das hat Narben hinterlassen, die niemals wirklich heilen werden. Ich weiß nicht, was sie sich von diesem Ort erhofft ... aber ich konnte es nicht über mich bringen, ihr diesen Wunsch abzuschlagen."

    Stille legte sich über die Beiden.

    Razuel dachte über seine eigenen Worte nach.

    Er musste sich eingestehen, dass das Meiste davon zutraf.

    Er öffnete eine Weinflasche und führte sie zum Mund.

    "Ich hätte nie gedacht, dass du dich jemals für jemanden verantwortlich fühlen würdest.", meinte Nwago und nahm ihm die Flasche aus der Hand.

    Er trank einen Schluck und lächelte.

    Razuel zuckte die Schultern und sah wieder aufs Meer hinaus, wo die Sonne langsam ihre letzten Strahlen auf das Wasser fallen ließ...

    ---

    Dakaria sortierte die letzten Objekte ein.

    Es dunkelte schon und die magischen Kugeln gaben nur spärliches Licht ab.

    Dann hörte sie ein vertrautes Geräusch, das sich näherte.

    Schnelle Schritte.

    Gleichmäßiges Tempo.

    Und dennoch ohne Eile.

    "Du bist noch wach?"

    Sie drehte sich um.

    Grael näherte sich und trug eine Laterne, deren Schein lange Schatten auf sein Gesicht warf.

    „Ich wollte meine Arbeit noch beenden."

    Er nahm ihr das Buch wortlos aus der Hand.

    "...es sieht dir gar nicht ähnlich, dass du dich verspätest...", bemerkte er.

    Sie nickte und senkte ihre Stimme um eine Oktave: "...ich glaube, Wächter Vrelen will mich von der Arbeit abhalten. Er steht jede Stunde hier und will mich in ein Gespräch verwickeln. Ich habe keine Zeit für unnützes Geschwätz."

    Grael nickte.

    Sein Blick fiel auf den Einband des Buches, das er Dakaria abgenommen hatte.

    Es war eine Studie über psychische Torturen.

    "...von wem hast du dieses Buch?", fragte er.

    Dakaria sah ihm ruhig in die Augen.

    "Ich habe die Erlaubnis des Hauptwächters, mich hier weiterzubilden."

    Zum ersten Mal ... umspielte der leiseste Hauch eines kalten Lächelns Graels Lippen.

    "...dies war keineswegs eine Schuldzuweisung."

    Dakaria sah zu Boden.

    "Verzeiht... es ist meine Aufgabe alles zu erlernen, um meine Heimat zu schützen..."

    Er gab ihr das Buch zurück.

    "Höchst ungewöhnlich für eine... Arkanistin."

    Er drehte sich um: „Folge mir."

    Dakarias Puls beschleunigte sich.

    Warum hatte sie ihre Heimat erwähnt?

    War sie kurz davor, entlarvt zu werden?

    Verbannt, bevor sie ihre Mission erfüllt hat?

    Sie folgte ihm schweigend.

    Doch zu ihrer Überraschung führte er sie nicht zum Hauptwächter.

    Stattdessen schloss er ein Tor zu einem ihr unbekannten Teil der Archive auf und bedeutete ihr, einzutreten.

    Danach schloss er die Tür hinter ihnen.

    Sie waren allein.

    Nur Graels Laterne spendete etwas Licht.

    "Dieser Teil ist normalerweise für Außenstehende verboten...", erklärte er.

    Sie sah sich um.

    Folianten über arkane Folterwerkzeuge.

    Objekte die in besonderen Behältern verstaut worden waren, weil ihre negative Energie bereits Menschen in den Wahnsinn getrieben hatte.

    Anleitungen für dunkle Rituale...

    Ihre Augen leuchteten.

    Andererseits - sie drehte sich zu ihm um, misstrauisch blickend.

    "Warum habt ihr mich hierher gebracht?"

    Er ging langsam zwischen den Regalen hin und her, seine Finger strichen leicht über die verwitterten Buchrücken unzähliger Bücher.

    „Als meine Assistentin ... solltest du mit jedem Teil des Archivs vertraut sein. Und mit jedem dir anvertrauten Objekt."

    Dakaria konnte ihre Euphorie kaum verbergen.

    Doch... irgendwas war an der Sache faul.

    Sie wollte noch etwas sagen-

    doch er drehte sich um und ging.

    Sie blieb allein zurück.

    Dakaria dachte nach.

    Das konnte doch nur eine Falle sein, oder?

    Andererseits...

    ...er schien auch nicht gerade abgeneigt von ihrem Gesuch zu sein...

    Nach einem kurzen Zögern traf sie eine Entscheidung.

    Sie beschloss sich schnell umzusehen.

    Wenn hier alle dunklen Geheimnisse und Riten zu finden waren, musste ES auch hier sein.

    Sie bewegte sich schnell durch die endlosen Regalreihen.

    Eine nach der anderen.

    Nichts.

    Immer noch nichts.

    Stunden vergingen.

    Durch ein Fenster, hoch oben drangen bereits die ersten Sonnenstrahlen.

    Sie fluchte innerlich.

    Würde man sie hier entdecken, würden gewiss unangenehme Fragen gestellt werden!

    Sie trat an die Tür - abgeschlossen.

    Er hatte sie hier drin eingesperrt.

    Natürlich hatte er das.

    Statt ihn zu verfluchen, lächelte sie.

    Sie hatte ihn richtig eingeschätzt...

    Kalt.

    Gerissen.

    Ehrgeizig.

    Sie lehnt sich gegen ein Regal und überlegte.

    Offenbar kam sie nicht ohne Schlüssel hier raus.

    Ihr blieb wohl nichts anderes übrig, als zu warten...

    -was war das?

    Sie hörte Schritte...

    ...Stimmen.

    ...Wächter.

    Mehrere, wie es schien.

    Ein einziger Gedanke durchzuckte sie - Sie musste sich verstecken!

    "Seid ihr sicher, Wächter Grael? Ich kann mir einen Eindringling in der verbotenen Abteilung nur schwerlich vorstellen. Schließlich kommt man nur durch den Schlüssel überhaupt hinein!", sagte einer der Hauptwächter skeptisch.

    Grael schloss die Tür auf, ohne den Blick vom Raum dahinter abzuwenden.

    „Ich bin mir absolut sicher."

    Er trat ein.

    „Jemand war hier."

    Er deutete auf eine Reihe Regale.

    „Seht ihr die Unordnung?"

    Der fremde Hauptwächter ließ den Blick umherschweifen: "...in der Tat... aber wo ist der Eindringling?"

    Grael ging methodisch durch die Regale.

    Unmöglich...

    Sie war verschwunden!

    Aber - es gab keinen zweiten Ausgang.

    Der Raum konnte nur von außen aufgeschlossen werden.

    Sie musste hier sein!

    Irgendwo...

    Doch jeder Gang...

    Jedes Regal...

    Jeder Schatten...

    War leer.

    Der Hauptwächter verschränkte die Arme.

    "Nun - wer auch immer es war, ist weg. Wenn ihr keine wichtigen Anliegen habt, werde ich mich nun zurückziehen."

    Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, verschwand er.

    Grael machte keine Anstalten, ihn aufzuhalten.

    Seine Augen suchten weiterhin den Raum ab.

    Dann...

    Etwas erregte seine Aufmerksamkeit.

    Auf dem Steinboden lag eine einzelne Feder.

    Schwarz.

    Mit Gold besetzt.

    Scharf, wie die Klinge eines Rasiermessers.

    Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich.

    „...Ein Val'kyre..."

    Er hob sie vorsichtig auf.

    Dann verließ er den Raum und schloss die Tür noch einmal hinter sich ab.

    "Habt ihr da drin etwas gesucht, Wächter Grael?"

    Er erstarrte.

    Dakaria!

    Sie stand nur wenige Meter neben ihm.

    Ruhig.

    Emotionslos.

    Als hätte sie die ganze Zeit über dort gestanden.

    Zum ersten Mal seit Jahren... war er aufrichtig überrascht.

    "Du!"

    Seine Stimme klang kälter, als gewöhnlich.

    „Wie bist du...?", knurrte er.

    Dakaria trat plötzlich näher.

    Näher...

    Bis sie kaum noch eine Handbreit voneinander trennten.

    Die Porzellanmaske, die sie jeden Tag trug...

    ...fiel einfach weg.

    Was ihn ansah, war das mörderischste Lächeln, das er je gesehen hatte.

    Ihre eisblauen Augen leuchteten vor unverkennbarer Freude.

    Sie senkte ihre Stimme auf kaum mehr als ein Flüstern.

    Leise.

    Fast verführerisch.

    "Das war ein guter Hinterhalt. Ihr habt meine Schwäche gesehen und sogleich ausgenutzt.", ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen.

    „Doch selbst gut ausgebildete Soldaten versäumen es hin und wieder, nach oben zu sehen. Sie denken manchmal nicht dreidimensional. Dies...", sie neigte den Kopf leicht, „War euer einziger Fehler."

    Sie machte eine Pause.

    „Ich bin euch dankbar für diese Lektion."

    Dann, genauso plötzlich –

    Verschwand das Lächeln.

    Ihr Gesicht wurde wieder zu der emotionslosen Maske, die ihm so vertraut war.

    Sie lehnte sich zurück.

    "Ihr wollt wissen warum ich hier bin."

    Das war keine Frage, eher eine Feststellung. Und sie hatte Recht.

    Er verschränkte die Arme.

    "Das wäre zumindest ein Anfang...", seine Finger spielten mit der Feder in seiner Hand, „...kleine Val'kyre."

    Für einen Moment sah sie fast überrascht aus. Dann bemerkte sie die Feder.

    „...Ah."

    Ihr Ausdruck versteifte sich.

    Offenbar gefiel es ihr nicht, dass er ihr kleines Geheimnis entdeckt hatte.

    Sie nickte.

    "In Ordnung. Ich werde euch mein Missionsziel anvertrauen... aber im Gegenzug erbitte ich eure Hilfe. Gibt es einen Ort wo wir ungestört reden können?"

    Grael wollte etwas erwidern, als sich jemand in ihr Gespräch einmischte.

    „Störe ich?"

    Vrelen, ein niederer Artefaktsucher, welcher beinahe vom Spiegel des Jenseits eingesogen worden wäre, wenn Dakaria nicht im richtigen Augenblick den Blickkontakt unterbrochen hätte.

    Er lächelte Dakeria an: "Dakaria, hast du heute Abend schon was vor? Ich dachte wir könnten... du weißt schon... zusammen was trinken gehen oder so."

    Obwohl sie sonst eher die emotionslose Puppe spielte, bemerkte Grael den leicht genervten Ausdruck in ihrem Gesicht.

    Sie schien sich arg zusammenreißen zu müssen...

    Doch nur für einen Moment.

    Einen Augenblick später, hatte ihr schönes Gesicht wieder seine neutrale Maske aufgesetzt.

    Sie konnte sich beeindruckend gut beherrschen.

    "Tut mir leid, ich habe bereits andere Pläne."

    Vrelen zog eine Augenbraue hoch.

    "Tatsächlich?"

    Er trat näher.

    "Ich hoffe doch, du meinst mit anderen Plänen nicht, dass du den ganzen Abend hier verbringst... Etwas Gesellschaft würde dir gut tun..."

    Seine Hand näherte sich ihrer Wange, doch Dakaria drehte sich eiskalt weg.

    "Mir reicht die Gesellschaft von Wächter Grael."

    Vrelens Lächeln schwand.

    Er starrte zu ihm hinüber.

    In den Augen eine Mischung aus Überraschung ...

    ... und Feindseligkeit.

    „Verstehe."

    Wieder das Lächeln.

    Er lehnte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr.

    "Dann ein andernmal..."

    Plötzlich ertönte ein scharfes, metallisches Klicken.

    Vrelen heulte vor Schmerz auf.

    Seine linke Hand, welche auf einem Regal ruhte, steckte in einer Mausefalle.

    Vrelen entfernte sie, lief rot an und rauschte davon.

    Grael warf ihr einen vielsagenden Blick zu.

    Dakaria verdrehte die Augen.

    "Irgendwie musste ich ihn loswerden."

    "Du solltest magische Artefakte nicht leichtfertig verwenden."

    Zu ihrer Überraschung klang er weniger streng als sonst.

    Tatsächlich sah sie das erste Mal den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht.

    Oder zumindest etwas, das einem Lächeln recht nahe kam.

    "Das sagt ja der Richtige. Wie ich hörte, hat euch Wächter Rastofir mit einer Degradierung gedroht, solltet ihr den unbeschrifteten Folianten weiterhin studieren.", erwiderte sie.

    "Er will nur die Anerkennung für sich...", erklärte er und trat näher.

    So nahe, dass nur sie ihn hören konnte.

    "Sonnenuntergang. Der rechte Flügel der Haupthalle.", seine Stimme war zu einem unheimlichen Flüstern geworden, „Lass mich nicht warten... kleine Val'kyre."

    -

    "Vrelen?", Wächterin Yalanda blickte von ihrem Schreibtisch auf, „Was ist denn mit dir los? Du siehst so niedergeschlagen aus."

    Vrelen schüttelte nur schweigend den Kopf, wütend dreiblickend.

    Lovir, sein bester Freund und Kollege grinste: "Immer noch kein Glück bei der Neuen, was?"

    Vrelen sah finster zu ihm.

    "Ich glaub zwischen ihr und Grael läuft was."

    Yalanda brach in Gelächter aus.

    "guter Witz!"

    Doch als niemand ihr Gelächter erwiderte, kriegte sie sich wieder ein.

    „Warte - du meinst das ernst?"

    Lovir verschränkte die Arme hinter dem Kopf und wippte auf seinem Stuhl: "Was soll daran so seltsam sein? Unheimlich und unheimlicher - passt doch."

    "Die Kleine gehört mir...", knurrte Vrelen.

    Er beachtete nicht einmal die Schar anderer Wächterinnen, die ihm giggelnd zuwinkten.

    "Mach bloß nichts, was du später bereuen könntest..."

    Lovirs Stimme war ruhig und bestimmt.

    Es war ein guter Rat.

    Doch leider...

    hörte Vrelen nicht hin.

    ---

    Einige Zeit später...

    Dakaria blickte zum gefühlt zehnten Mal über die Schulter.

    Niemand schien ihr zu folgen.

    Grael wartete bereits.

    Ohne ein Wort zu sagen, bedeutete er ihr, ihm zu folgen.

    Er aktivierte einen Teleporter, der aussah, als sei er schon seit einigen Jahren nicht mehr benutzt worden.

    Ein Puls aus blassblauem Licht hüllte sie ein.

    Augenblicke später tauchten sie unter den arkanen Hallen auf.

    Die unterirdischen Gänge waren alt.

    Vergessen.

    Verlassen.

    Steinbögen verschwanden in der Dunkelheit, während dicker Staub auf dem Boden lag.

    "Vor langer Zeit wurden hier die ersten Schriften und Artefakte gelagert...", erklärte er, während sie ihm weiter folgte,

    „Nun wird es zu einem Gewölbe für die Vesani umgebaut."

    Seine Laterne warf lange Schatten an die Wände.

    „Wir haben nicht viel Zeit."

    Dakaria nickte.

    Es gefiel ihr hier unten. Kein Licht drang durch diese Mauern, nur der Schimmer seiner Laterne trieb sie voran.

    Dann...

    Sie hörte etwas.

    Leise.

    Vorsichtig.

    Schritte.

    "... Wächter Grael..."

    "Ich weiß."

    Er setzte seinen Weg ungehindert fort, bis sie schließlich in einem gewölbeartigen Keller angelangt waren.

    Dann – ohne eine Vorwarnung – verschwand Dakeria in der Dunkelheit.

    Grael drehte sich weder um, noch rief er ihr nach.

    Er wusste bereits, was sie vorhatte.

    Einen Herzschlag später-

    ... hallte ein Schrei durch den Korridor hinter ihnen.

    Als er sich umdrehte, lag Wächter Vrelen blutend auf dem Boden und hielt sich das Bein.

    Offenbar hatte Dakaria ihn noch nicht töten wollen.

    Sie hatte ihn lediglich an der Flucht gehindert.

    Nach allem was er gehört hatte, recht ungewöhnlich für eine Val'kyre.

    "D-Dakaria!"

    Vrelen zitterte am ganzen Leib.

    Tut mir... - ich - ich wollte..!"

    Dakaria hob einen Finger.

    ScHwEig!

    Sie bewegte ihre Lippen nicht, doch der Befehl echote in Vrelens Kopf wider.

    Ihre Augen begannen zu leuchten.

    Ein unheimliches grünes Licht sickerte aus seinem Körper und floss langsam in ihre ausgestreckte Hand.

    "Ich konnte Spione noch nie leiden."

    Ihre Stimme klang kühl.

    Die grüne Energie formte sie zu einer Klinge.

    Sie musterte ihn.

    "Warum bist du uns gefolgt?"

    Vrelen blickte starr vor Schreck auf das spektrale Messer.

    Er war unfähig zu sprechen.

    Dakaria stach ohne mit der Wimper zu zucken zu - in seinen Arm.

    Nicht tief genug, um ihn zu töten, doch tief genug, um sich an seinem Leid zu ergötzen.

    Ein Schmerzensschrei hallte durch die Kammer.

    Sie beobachtete ihn mit stiller Faszination.

    In ihren Augen war keine Wut zu sehen.

    Kein Hass.

    Nur...

    Vergnügen.

    Als wäre sie in Trance geraten.

    Oder vielleicht eine Ekstase.

  • „I-AAAH!"

    Die Worte lösten sich in einem weiteren Schrei auf.

    Dakaria hob ihre Waffe.

    Die smaragdgrüne Klinge löste sich wieder in treibendem Rauch auf.

    Sie wandte sich an Grael: "Was sollen wir mit ihm machen?"

    -

    Wenige Minuten später...

    ... erfüllten Vrelens Schreie die gesamte Halle.

    ...doch niemand konnte ihn hören...

    „Bedauerlich."

    Dakaria blickte auf den Körper hinunter, der regungslos zu ihren Füßen lag.

    „Die Kunst des Krieges besagt, man solle den Willen eines Gegner brechen, statt ihn zu töten... Ich fürchte, ich habe seine Schmerzresistenz überschätzt."

    "Du wolltest mir erklären, warum du hier bist ...kleine Val'kyre...", sagte Grael.

    Sein Blick war auf die immer noch zuckende Leiche gerichtet.

    Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass er viel ruhiger war als zuvor.

    Auf seinem Gesicht war sogar die leiseste Spur eines Lächelns zu erkennen.

    Wortlos legte Dakaria eine Hand auf Vrelens Körper.

    Grünes Licht breitete sich über den Steinboden aus.

    Langsam verwandelte sich die Leiche in eine verwitterte Steinsäule.

    Als die Magie verblasste, blieb vom toten Wächter keine Spur mehr übrig.

    Erst dann lehnte sie sich gegen die kühle Steinmauer zurück und atmete langsam durch.

    "...wie ihr wisst", sagte sie ruhig, „bin ich eine der Val'kyren ...der Beschützerinnen Val'garaths ...Aber wir waren nicht immer Soldatinnen ...Ursprünglich waren wir die Brücke zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten. Die dunkle Göttin, Dakeria, nach der ich benannt wurde, hat uns erschaffen und einst war es unsere Aufgabe die Toten auf die andere Seite zu geleiten."

    Ihre Stimme klang nachdenklich.

    Kühl.

    Als müsste sie sich an etwas erinnern, an das sie sich nicht erinnern wollte.

    „Nachdem es jedoch zum Kampf zwischen den beiden Schöpfungsgöttinnen kam, schwand Dakerias Macht. Sie wurde von ihrer Schwester in ihrem eigenen Totenreich eingesperrt. Adwana, die Göttin des Lebens, erschuf daraufhin den grauen Mann, der unsere Aufgabe ersetzte."

    Eine leichte Bitterkeit war in ihrer Stimme.

    Sie senkte den Blick leicht.

    „Unsere Aufgabe hat sich geändert. Es ist nun an uns, die Insel Val'garath und den Tempel vor Feinden zu verteidigen und unserem Gebieter zu dienen. Mein Gebieter ist Prinz Xerxes, der Thronfolger, doch sollte er mich aus seinem Dienst entlassen, kann ich mir einen neuen Gebieter suchen. Das Band zwischen einer Val'kyre und ihrem Herrn bringt für beide Seiten Vorteile - beide Seiten werden mächtiger und können einander ohne Worte verstehen. Doch diese Macht hat verständlicherweise auch einen Preis."

    Sie machte eine Pause.

    „Wenn mein Gebieter stirbt... sterbe ich ebenfalls. Und ohne meinen Gebieter ... ist es mir zudem nicht möglich, meine wahre Form anzunehmen. Das ist das Los, das wir unter Adwanas Führung ziehen mussten."

    Sie blickte wieder zu ihm.

    „Und dies ist auch einer der Gründe, warum ich jede erdenkliche Kunst erlerne, um die Feinde meines Herrn aufzuhalten. Mein eigenes Leben hängt daran."

    Grael hatte ihr interessiert zugehört.

    "Mit anderen Worten, du bist eine Assassinin in königlichen Diensten."

    Dakaria schüttelte den Kopf.

    "Die Kunst des Krieges beinhaltet nicht, seinen Feind zu töten. Es ist vielmehr notwendig ihn selbst, seinen Willen zu kämpfen und den Willen seiner Verbündeten zu brechen bis er kriegsmüde aufgibt."

    Sie sprach die Worte genau so aus, als hätte sie sie vor Jahren auswendig gelernt.

    "Und warum bist du dann ausgerechnet hier?", hakte er weiter nach.

    Sein Blick schien sie zu durchdringen, doch sie hielt eisern stand.

    Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper.

    "Nur wenn ich mich selbst, sowie meine potentiellen Feinde und deren Völker kenne, muss ich den Ausgang von hundert Schlachten nicht fürchten."

    Zum ersten Mal, seit ihr Gespräch begonnen hatte, wanderten ihre Augen zu der Steinsäule, die einst Vrelen gewesen war.

    "...ihr müsst wissen, als Val'kyre wird man nicht geboren. Man wird auserwählt.

    ...Bevor ich nach Val'garath kam, war ich die Tochter eines einfachen Spielmannes.

    Fahrendes Volk...

    Wir wurden die Saltatio Anima genannt - die Seelentänzer.

    Unsere magischen Lieder aus dem schwarzen Oratorium, einem weißen Liederbuch mit schwarzen Seiten und goldener Schrift, gaben uns die Fähigkeit unter anderem auch die Seelen derer, die uns zuhörten, anzuziehen, daher der Name.

    Ich habe lange nach dem Buch gesucht und da es bei der Ausrottung meines Volkes in Demacia verloren ging, hat mich meine Spur hierher geführt... es könnte mir helfen, das Blatt in dem Krieg der uns bevorsteht zu wenden."

    Er sah die Entschlossenheit in ihren Augen.

    "Krieg?"

    Dakaria nickte.

    "Unser König hat viele Feinde und offen gestanden wundert es mich nicht. Die Val'kyren und der König selbst haben sich noch nie um Diplomatie geschert und bisher jedwede Ressource mit Waffengewalt genommen.

    Jene die sie damit verdrängt hatten, haben sich zu einer militärischen Übermacht zusammengeschlossen und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie sich zurückholen, was ihnen genommen wurde."

    Sie blickte ihm in die Augen.

    „Mithilfe des Buches könnte ich allerdings die Weichen stellen, um eine Schlacht zu unseren Gunsten zu wenden.

    Doch dafür... müsste ich wissen, wo es versteckt wird."

    Stille.

    Er musterte sie für einen Moment.

    Dann lächelte er plötzlich eiskalt.

    "...nun... sagen wir, ich wüsste wo sich dein Buch befindet."

    Er trat näher.

    „Wärst du bereit, dafür zu sterben?"

    Sie stand plötzlich vor ihm, nur Zentimeter von seinem Gesicht entfernt und er blickte in die strahlendsten eisblauen Augen, die er je gesehen hatte.

    "Ja."

    Sie hatte nicht gezögert.

    Nicht für einen einzigen Augenblick.

    ---

    Tagebuch von Nwago - Eintrag 4:

    Ich kann guten Gewissens behaupten, dass es bisher keinerlei ungewöhnliche Vorkommnisse mit Dakaria gab. Vielleicht führt Razuel ausnahmsweise doch nichts im Schilde... gleichzeitig meine ich, eine leichte Bindung zwischen seiner Schülerin und Grael zu erkennen. Ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl bei der Sache... allerdings muss ich einräumen, dass ich mir auch kein Urteil darüber erlauben sollte. Es ist zudem recht angenehm, Grael auch mal lächeln zu sehen - auch wenn er dadurch nicht weniger unheimlich ist...

    Bericht von Razuel:

    "Dakaria berichtete mir, sie hätte einen Hinweis auf ihr Artefakt gefunden und einen Verbündeten, der sie hinführt... wenn mich nicht alles täuscht, kann nur von diesem Archivar, Grael, die Rede sein. Ich hoffe doch, dass sie nicht den Fehler macht und Gefühle für ihn entwickelt. Emotionen sind für einen Krieg nur hinderlich. Doch sie mag ihn, daran besteht kein Zweifel... vielleicht wird es langsam Zeit, ihr die letzte, die wichtigste Lektion näher zu bringen..."

    ---

    "Ihr wolltet mich sprechen, Meister?"

    Razuel blickte beim Schreiben des letzten Absatzes auf.

    Dakaria blickte ausdruckslos zu ihm.

    Er wandte sich wieder dem Papier zu.

    "Wie ich höre, arbeitest du ziemlich hart."

    "Ich tue was ich kann, um Wächter Grael zu unterstützen.", entgegnete sie.

    Er musterte sie.

    "Ist das wirklich der einzige Grund?"

    Zum ersten Mal seit Jahren...

    ...zögerte sie.

    Razuel wandte sich wieder seinem Bericht zu. Dann bemerkte er, dass die Tinte seiner Feder sich beim Innehalten zu einem großen Fleck ausgebreitet hatte und fluchte leise.

    "Meister?"

    Er atmete langsam aus und drehte sich zu ihr um: "Was ist die wichtigste Voraussetzung für einen guten Anführer?"

    "Sich selbst kontrollieren zu können und sich nicht von persönlichen Gefühlen leiten zu lassen.", sagte sie wie aus der Pistole geschossen.

    Razuel nickte.

    Als sie eins und eins zusammenzählte, erstarrte sie.

    Langsam...

    Ganz langsam...

    Verstand sie, was er damit sagen wollte.

    Sie wurde knallrot:

    "Ich hege keine Gefühle für ihn."

    "Deine Mimik sagt etwas ganz anderes."

    Eine unangenehme Stille folgte.

    „Er gefällt dir, nicht wahr?"

    Sie schwieg, spürbar angespannt.

    Darüber hatte sie noch nie nachgedacht.

    Endlich sprach Razuel erneut:

    "Ich habe eine letzte Mission für dich. Danach... ist deine Ausbildung abgeschlossen und du kannst nach Hause zurückkehren."

    Sie blickte auf.

    Fragend.

    Überrascht.

    Es lag sogar ein Hauch von Hoffnung in ihren Augen.

    „Wie lautet meine Mission?"

    Razuel erwiderte ihren Blick.

    Seine Stimme blieb ruhig.

    Kalt.

    Unerschütterlich.

    "Töte das, was du am Meisten liebst. Dann ist deine Ausbildung endgültig zu Ende."

    Stille.

    Dakeria verneigte sich.

    "Das werde ich."

    Als sie wieder aufblickte, war jegliche Emotion aus ihrem Gesicht verschwunden.

    „Wenn ihr mich nun entschuldigen würdet... ich habe eine Verabredung:"

    Tagebucheintrag 5 - "Meine neue Assistentin"

    "Ich gebe zu, sie falsch eingeschätzt zu haben.

    Diese Frau ist wahrlich gerissen...

    Und außerordentlich rücksichtslos...

    Ich frage mich, was sie zu tun bereit ist, um ES zu bekommen..."

    ---

    Er erwartete sie in einem weiteren weit abgelegenen Teil des Archivs.

    Ohne ein Wort zu sagen, deutete er auf eine Kammer vor sich.

    "Das was du suchst, befindet sich dort."

    Dakaria folgte seinem Blick.

    Der Raum vor ihnen war in tosende Flammen gehüllt.

    Feuer füllte jede Ecke der Kammer, doch das Inferno teilte sich seltsamerweise vor einem einsamen Sockel in der Mitte.

    Und darauf...

    ...lag ein einzelnes Buch.

    Das schwarze Oratorium.

    Die Flammen umkreisten es wie gehorsame Wächter und wagten nicht, es zu berühren.

    Grael beobachtete Dakerias Reaktion sehr genau.

    Sie trat näher.

    Die Hitze war schon in dieser Entfernung kaum auszuhalten.

    Die Wärme vernebelte ihr den Verstand.

    "Der Altar der Flammen... geschaffen, um die gefährlichsten Artefakte zu schützen. Das was du suchst, liegt dort."

    Ein kaltes Lächeln auf den Lippen fügte er hinzu: „Hol es dir... wenn du kannst."

    Dakaria nickte nur ruhig.

    Dann trat sie ohne zu Zögern durch die Flammen.

    Es überraschte ihn.

    Sie war wirklich... pflichtbewusst.

    Aber dieses Inferno konnte niemand überleben.

    Die Flammen verschlangen sie augenblicklich.

    Ihr Gewand fing Feuer.

    Ihr Fleisch verkohlte.

    Doch sie schrie nicht.

    Das würde nur die Aufmerksamkeit der Wächter auf sich ziehen und das wollte sie um jeden Preis vermeiden.

    Ihre Kehle war ohnehin schon zu versengt, als dass sie einen Laut von sich geben konnte.

    Das Feuer wurde mit jedem Schritt den sie sich dem Altar näherte, heißer.

    Die Hitze wurde unerträglich.

    Jeder Schritt zum Altar war eine Qual.

    ... Und die Finger mit denen sie das schwarze Oratorium schließlich an sich nahm, bestanden nur noch aus verkohlten Knochen.

    Sobald sie das Buch umschlossen, verschwand das Feuer.

    Dakaria - nur noch ein verkohltes Skelett - brach zusammen.

    Grael betrat den Raum und nahm das schwarze Liederbuch aus ihren verkohlten Händen.

    Für einige Momente -

    ...er stand einfach da.

    Die offensichtliche Entscheidung wäre gewesen zu gehen.

    Sie hatte ihren Zweck erfüllt.

    Sie war tot.

    Kein Zeugen.

    Keine losen Enden.

    Er wandte sich dem Ausgang zu.

    Hielt inne.

    Sein Blick wanderte zurück zu den Überresten, die auf dem verbrannten Boden lagen.

    Aus Gründen, die selbst er nicht erklären konnte, traf er eine andere Wahl.

    ---

    Tagebuch von Hauptwächter Rastofir:

    "Es beschleicht mich das ungute Gefühl, dass Wächter Grael etwas mit dem Verschwinden des schwarzen Oratoriums zu tun haben könnte. Nicht dass ich ihm irgendetwas zu unterstellen versuche - er ist ein wissbegieriger Mann, der weder Kosten noch Mühe scheut, um dem Orden zu neuem Ruhm zu verhelfen. Tatsache ist jedoch, dass er eine dunkle Seite hat und sein Drang, gefährliche Artefakte zu untersuchen, könnte uns eines Tages noch den Kopf kosten..."

    ---

    Dakaria erwachte Stunden später.

    Sie lag in einem warmen Bett.

    Der Architektur der Decke zufolge, befand sie sich immer noch auf dem Akademiegelände.

    Wo war sie?

    Jede Faser ihres Körpers schmerze.

    Langsam gelang es ihr, sich aufzurichten.

    "Du hast beachtliche Selbstheilungskräfte", sagte Grael von einem Schreibtisch aus, über ein Buch gebeugt - das schwarze Liederbuch.

    „...kleine Val'kyre."

    Dakeria starrte ihn überrascht an.

    "Ihr habt mich nicht zurückgelassen.", stellte sie nüchtern fest.

    Grael blickte nicht von den Seiten auf.

    „Hätten die anderen dich gefunden, wäre mein Name unweigerlich aufgetaucht."

    Sein Ton war so distanziert wie immer.

    „Und das hätte... unangenehme Fragen verursacht."

    Irgendwie brachte sie das zum Lächeln.

    "Dennoch... ich danke euch

    Aus irgendeinem Grund schlug ihr Herz ein wenig schneller.

    "Du hast die ganze Zeit über nicht geschrien..."

    Grael hob schließlich seinen Blick von dem Buch.

    "Während meiner Ausbildung habe ich schon wesentlich schlimmeres erlebt, als bei lebendigem Leib zu verbrennen. Ich bin körperliche Schmerzen gewohnt.", erwiderte sie ungerührt.

    Sein Gesichtsausdruck blieb undurchschaubar.

    "Was fürchtest du dann... kleine Val'kyre?"

    "Zu sterben, ohne meine Mission vollendet zu haben.", sagte sie trocken.

    Sie sagte ihm nicht die ganze Wahrheit.

    Ihre wahre Mission war viel größer, als Val'garath. Oder der Schutz ihres Gebieters. Allerdings – selbst wenn sie es ihm verraten würde, würde er ihr wohl ohnehin kaum glauben.

    Schließlich sollte sie in dieser Form gar nicht existieren.

    "Verstehe."

    Er schloss das schwarze Oratorium.

    „Ich würde dir raten, deine neuen Kleider anzulegen.", bemerkte er trocken.

    Dakeria verstand zunächst nicht, was er meinte.

    Dann erst realisierte sie...

    ...dass sie vollkommen nackt war.

    Dakaria wurde rot.

    Mit einer überraschenden Geschwindigkeit zog sie die Decke über ihre Brust.

    Genau in diesem Moment klopfte es an der Tür.

    "Hey, Grael."

    Lovirs Stimme drang durch die Tür.

    „Hast du Vrelen vielleicht gesehen? Wir vermissen ihn schon seit ein paar Tagen und-"

    Die Tür schwang auf.

    Lovir erstarrte.

    Sein Blick wanderte von Grael ...

    ... zu Dakaria, die im Bett saß ...

    ... und wieder zurück.

    Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

    „Oh...

    ...Entschuldigung...

    ...Ich wusste nicht, dass ihr...

    ... Besuch habt..."

    „Ich habe ihn nicht gesehen."

    "Ich habe ihn nicht gesehen.", sagte Grael kalt.

    "Verstehe...

    ...nun...

    ... da-dann will ich nicht weiter stören."

    Lovir verließ grinsend den Raum.

    Es wurde still.

    Dakaria atmete erleichtert aus und begann sich schnell umzuziehen.

    "Das war...knapp."

    "Ein Grund mehr für dich diese Insel zu verlassen.", meinte Grael.

    Er hatte Recht und gleichzeitig schnürte sich ihr Herz zusammen.

    Die Worte ihres Meisters hallten durch ihren Kopf

    "Töte, was du liebst..."

    Sie betrachtete ihn.

    Liebe...

    Schon der Gedanke daran fühlte sich fremd an.

    Unmöglich.

    Und doch ...

    Bevor sie sich zurückhalten konnte, sprach sie.

    "Bevor ich gehe... würdet ihr mich an einen bestimmten Ort begleiten?"

    ---

    Razuel hörte Stimmen.

    Er drehte sich um und sah Dakaria und diesen seltsamen Archivar den Raum betreten.

    Es war in der Gaststube nicht mehr viel los - kein Wunder.

    Es war weit nach Mitternacht.

    Selbst der Wirt hatte sich bereits zurückgezogen, nachdem er Razuel sein letztes Bier gereicht hatte.

    Was wollten sie hier?

    "Meister Razuel...", Dakerias Stimme war ruhig, „ich bin bereit, meine letzte Prüfung zu bestehen."

    Ihr Blick verriet keinerlei Emotionen.

    Gut so.

    Sie war diesbezüglich in letzter Zeit etwas nachlässig gewesen.

    Razuel lächelte.

    "Sehr gut. Ich denke, dafür sollten wir einen abgelegeneren Ort aufsuchen..."

    Obgleich Dakarias Begleiter selbst ihm nicht geheuer war - und das will etwas heißen - führte Razuel sie im Dunkeln zu einem ihm sehr gut bekannten Ort.

    Einer Höhle, nahe der Klippen.

    Weit weg genug, dass niemand die Schreie hören würde.

    Er hielt inne.

    Draußen brandete das Meer leise gegen die Felsen.

    Er drehte sich zu seiner Schülerin.

    "Nun?"

    Dakaria zog ihre Klinge...

    ... fast geräuschlos...

    ...so schnell, dass man es fast nicht wahrnahm.

    "Ihr sagtet, meine letzte Aufgabe sei, das zu töten, was ich am Meisten liebe..."

    Er nickte.

    Ein Teil von ihm freute sich bereits, von diesem unheimlichen Archivar loszukommen.

    Dann...

    -spürte er, wie sich eine Klinge in seine Brust bohrte.

    Razuel blickte an sich hinunter.

    Er schmeckte Metall auf der Zunge.

    "...was...?"

    Er sah sie lächeln.

    Ihre eisblauen Augen leuchteten in der Dunkelheit.

    Sie beugte sich so nah vor, dass nur er sie hören konnte.

    „Es mag wahr sein ... dass ich Grael mag."

    Ihre Stimme wurde sanfter.

    „Doch ihr seid mein Vater. Ihr seid meine einzige längerfristige Bindung die mir irgendwas bedeutet."

    Razuel starrte sie ungläubig an.

    Dass sie so empfand... hätte er nie gedacht.

    Ja... er hatte sie aufgezogen.

    Doch er hätte nie gedacht...

    ...dass er für sie tatsächlich ihr Vater war.

    Er hatte seit Jahren keine einzige Träne vergossen, doch nun, da er im Angesicht des Todes in das Gesicht seiner Ziehtochter blickte...

    ...welche selbst ihn, ihren Meister, zum Narren gehalten hatte...

    ...schwoll ihm die Brust vor Stolz an.

    Selbst die Schmerzen konnten dieses Gefühl vorerst nicht verdrängen.

    Sein Tod zog sich in die Länge.

    Bevor er starb, verstand er...

    ...warum Dakaria diesen Psychopathen mochte.

    ...er war genauso grausam wie sie und konnte dies genauso gut vertuschen...

    ...eine nutzbringende Verbindung für sie...

    ...Zusammen...

    ...sie waren furchterregend.

    Seine Sicht verdunkelte sich.

    Er lächelte noch immer, während er langsam starb.

    ---

    "Zu schade..."

    Dakaria blickte milde überrascht zu Grael.

    "Ihr findet es schade, dass mein Meister schon tot ist?"

    Er erwiderte ihren Blick.

    "...Nein."

    ...es ist zu schade, dass du mich verlässt. Meine kleine Val'kyre..."

    Sie wurde rot.

    Sie wusste, dass er dies rein ... geschäftlich meinte - dennoch. S

    Sie war eine wertvolle Assistentin.

    Mehr nicht.

    Dennoch...

    Sie trat auf ihn zu.

    Bevor sie den Mut verlieren konnte ...

    ...küsste sie ihn.

    Seine Lippen waren kühl.

    Das Gefühl war seltsam.

    Unbekannt.

    Doch...

    ...nicht unangenehm.

    Für einen flüchtigen Moment ...

    ...erlaubte sie sich, es einfach zu genießen.

    Sie wusste, dass er ihre Gefühle nicht erwiderte.

    Zumindest...

    ... sie glaubte sie, dass er es nicht tat.

    Langsam zog sie sich zurück.

    "Ich werde zu euch zurückkehren. Das verspreche ich."

    Ohne ein weiteres Wort verwandelte sie sich.

    Schwarze Flügel entfalteten sich von ihrem Rücken.

    Sie flog in Richtung eines Schiffes, welches gerade im Hafen ablegte.

    So war es weniger unangenehm für sie.

    ... was war nur in sie gefahren?

    Vielleicht hatte sie doch den Falschen getötet

    ... ein Teil von ihr fand es schon seltsam.

    Ihr erster Kuss und sie wusste nicht einmal, was er dabei empfand...

    ...doch er hatte sie nicht abgewiesen...

    Andererseits... wahrscheinlich wusste er bereits, was der muss einer Val'kyre bewirken würde...

    ...denn er würde die Welt der Lebenden niemals ohne sie verlassen können...

  • "Miss?", sagte ein Matrose.

    Er war von ihrem Meister für diese Überfahrt beauftragt worden.

    "Bringt mich nach Talruin."

    Talruin war die Hauptstadt von Val'garath.

    Der Matrose zögerte.

    "Seid ihr sicher, dass ihr ins Kriegsgebiet wollt?"

    Sie merkte auf.

    "Der Krieg ist ausgebrochen? Seit wann?", fragte sie aufgebracht.

    Der Matrose schien von ihrer Frage überrascht: "Seit etwas über nem Jahr..."

    Stille.

    Das...

    ... das konnte nicht sein!

    Hatte Razuel sie hingehalten, damit sie nicht zurückkehren konnte?

    Aber warum sollte er das tun?

    Es war ihre Pflicht, die Insel zu schützen!

    Ihre Hände umschlossen die Reeling fester.

    Endlich sprach sie:

    "Bring mich nach Hause."

    Ihre Stimme hatte ihre vertraute Ruhe wiedererlangt.

    Der Matrose salutierte ohne ein weiteres Wort und eilte zurück zum Kapitän.

    Dakaria blieb, wo sie war.

    Ihr Blick wanderte über das Meer.

    Das Wasser hier sah überhaupt nicht so aus wie das Wasser rund um Talruin.

    Warmes Sonnenlicht schimmerte über sanfte Wellen und verstreute unzählige goldene Flecken über die Oberfläche.

    Lange Zeit ... schaute sie einfach zu.

    Dann drehte sie sich um und warf einen letzten Blick auf die Gesegneten Inseln.

    Der weiße Nebel rollte noch einmal langsam über das Wasser.

    Es hat die Inseln verschluckt.

    Die goldenen Türme.

    Die Arkanen Hallen.

    Bis nichts mehr übrig blieb.

    Nur endloses Weiß.

    Dakaria schloss die Augen.

    Sie sprach kaum mehr als ein Flüstern.

    „Wir werden uns wiedersehen..."

    Ein schwaches Lächeln berührte ihre Lippen.

    „...ich weiß es."