So. Hab mir eben auf Prosieben Maxx die Hayao Miyazaki Doku Never-Ending Man angeschaut. Der Titel ist dabei Programm. Es handelt von Miyazakis Zeit nachdem er seinen "Ruhestand" angetreten ist. Trotzdem lässt ihn seine Arbeit nicht los (etwas was bei vielen Künstlern der Fall sein dürfte) und so entschließt er sich zunächst im kleinen Rahmen an CGI Animation zu versuchen dem er lange Zeit kritisch gegenübergestanden ist.
Die Doku ist insgesamt sehr ambivalent. Auf der einen Seite ist sie sehr melancholisch. Miyazaki macht sich viele Gedanken um die Zukunft. Auch bedrückt ihn, dass viele seiner langjährigen Weggefährten alle wegsterben. Auf der anderen Seite sprüht die Doku voller Energie. Miyazaki blüht bei seiner Arbeit richtig auf, auch wenn er sich mit CGI etwas schwertut, aber es ist schön zu sehen, dass er bereit ist sich neuen Dingen zu öffnen. Die Ergebnisse können sich jedenfalls sehen lassen. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.
Man merkt, dass die Arbeit ihn am Leben hält. Ihn geistig und körperlich fit hält und so kam dann am Ende doch noch nach langem Überlegen die Entscheidung einen weiteren Film zu machen, dann jedoch ganz klassisch animiert so wie man es von Miyazaki gewohnt ist. Während dieser Entscheidungsfindung zeigt die Doku auf, welche Gedanken sich Miyazaki so macht und auf alles gefasst ist u.a., dass er möglicherweise den Tag der Filmpremiere nicht mehr erleben könnte.
Besonders interessant fand ich den 6. Kapitel des Films, wo ein Ausblick auf die Zukunft des Animationsprozesses gegeben wird. Dies wurde Miyazaki schließlich vorgeführt. Das hat dessen Toleranzgrenze jedoch ziemlich überstrapaziert. Jedenfalls war dessen eindeutiges Statement dazu ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die ihre Ergebnisse zunächst mit einem gewissen Stolz Miyazaki präsentiert hatten. Hatte selber schon damit gerechnet, auch wenn die Gründe am Ende andere waren als gedacht. Man merkt aber an seinen Aussagen, dass Miyazaki das Leben liebt und wenn ich so darüber nachdenke merkt man das auch in seinen Filmen, die immer so vor Kraft, Energie und Leben in allen erdenklichen Formen überströmen.
Insgesamt war es inhaltlich eine schöne Doku, wo man Miyazaki wirklich ganz nah sein konnte und wo man an seinen Gedanken teilhaben konnte. Die Kamera des Dokumentarfilmers war aber irgendwie etwas kärglich. Ich kenne semi-professionelle Youtuber, die eine um Welten bessere Kamera als er haben und deutlich klarere Bilder zustande bringen können. Das ist die weniger gelungene technische Seite. Da die Doku jedoch inhaltlich gut und auch die Person Miyazaki sehr faszinierend ist, der wie ein richiger "Elder Statesman" auftritt, kann ich darüber hinwegsehen.