Es sind Zahlen, die wenig Aufschluss geben, aber zu viel Interpretationsspielraum ermöglichen, sowohl zu Gunsten aber auch zu Ungunsten der benoteten Person.
Mal überlegen, was die Note "sehr gut" über eine Person aussagen könnte. Dass sie fleißig ist, wäre nur eine Möglichkeit. Vielleicht ist sie aber eher Gegenteil von fleißig und das Fach liegt ihr einfach. Oder, sie hat ganz viel Nachhilfe benötigt, um diese Note zu erreichen, was neben dem finanziellen Background inklusive damit verbundenen Möglichkeiten, auch Aufschluss über die, in diesem Fall nicht vorhandene, Fähigkeit zum selbstständigen Erarbeiten und Aneignen von Themen gibt. Vielleicht hätte die Person auch ursprünglich die Note "befriedigend" verdient, aber der Pygmalion-Effekt hat mal wieder zugeschlagen. Auch lassen sich aus einem "befriedigend" in dem Fach Deutsch keine Rückschlüsse auf einen einzelnen Aspekt, beispielsweise auf den der Rechtschreibung, ziehen. Und so könnte man das ewig weiterführen, mit allen möglichen Fach-Note-Konstellationen.
Mir ist durchaus klar, dass Menschen in irgendeiner Form miteinander verglichen werden müssen, wenn es um die Besetzung eines Ausbildungsplatzes oder eines regulären Jobs geht. Es wäre aber weitaus fairer, eine Auswahl lediglich auf Basis von eigens für die zu besetzende Stelle entwickelten Tests zu treffen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass derartige Verfahren überhaupt nicht zu kritisieren wären. Auch diese können keine absolute Fairness garantieren, und auch hier kann es zu sehr fragwürdigen Zusammenstellungen von Aufgaben und noch fragwürdigeren Auswertungen kommen. Insgesamt wäre diese Vorgehensweise aber um einiges fairer, als eine Entscheidung oder Vorsortierung anhand von Noten vorzunehmen. Mir ist bewusst, dass nicht jeder Arbeitgeber die Kapazitäten dafür aufbringen kann, aber die, die es können, sollten es mMn tun (oder meinetwegen eine andere, bessere Alternative vorschlagen).