Chizue
Nur weil wo anders auch ausgenutzt wird ist das kein Argument für einen Pflichtdienst.
Und was das Thema Studium angeht: Es ist das Leben der Leute und wenn alle studieren wollen dan haben sie das Recht das zu tun, und zwar ohne das ihnen was aufgezwungen wird was sie nicht wollen oder ihre Planung durcheinander bringt.
Außerdem bezweifle ich stark das mehr Menschen sich für eine Ausbildung in einem Bereich entscheiden in den sie gezwungen wurden.
Freiwillige gibt es genug sie können nur nicht von dem Leben was sie für ein freiwilliges Jahr bekommen, da muss man ran und nicht irgendeinen Zwang für Leute fordern die dich nicht betreffen.
Oh, man muss es also den Studierenden also so bequem wie möglich machen? Nicht ihre "Planung" durcheinander bringen?
Wenn es eine Pflichtjahr gibt, kann man doch sehr gut planen, denn es steht ja dann fest, dass jeder geht. Das ist also Augenwischerei!
Zudem heißt ein soziales Jahr nicht automatisch das jeder in die Pflege muss! Bevor hier irgend welche Meinungen verbreitet werden, sollten lieber erstmal die Fakten bekannt sein, als Stammtischparolen zu verbreiten.
Denn das meiste was ich hier als Contra lese, hört sich für mich nur so an: "He ich hab keinen Bock und da könnte ja etwas unbequemes auf mich zukommen!"
Z.B. Geld. Also hier mal eine Infos für das studierende Volk. Es gibt junge Menschen, die nach ihrer Schule eine Ausbildung machen und die verdienen dort auch sehr wenig! Und das sogar über 3 Jahre und nicht nur 12 Monate! Und oh wunder, die scheuen sich nicht davor, trotzdem eine Ausbildung zu machen. Aber es ist natürlich einfacher, lieber noch als Student den Eltern oder dem Staat auf der Tasche zu liegen, als selbst etwas zu unternehmen. Denn dann müsste man sein bequemen Lifestyle ändern, das geht ja gar nicht! (Sorry, ich meinte natürlich seinen "Plan" durcheinander zu bringen)
Herrschaften, ihr vergesst, dass es bi 2011 eine Wehpflicht gab. Über 60 Jahre haben junge Menschen Dienst geleistet, entweder in der Bundeswehr oder im Zivildienst. Und im Zivildienst gab es viele Tätigkeiten, nicht nur in der Pflege!
Das Argument, dass man Leute die gezwungen wurden, kontraproduktiv seien ist nicht belegbar, das zeigen die Erfahrungen aus der Zeit der Zivildienstleistenden. Denn sie machten dies oft auch nicht freiwillig, sondern weil sie das als einzige alternative zum Dienst bei der Bundeswehr sahen. Und dennoch haben sie gute Arbeit geleistet.
Was hier viele außer Acht lassen: Viele sind im Pflegedienst geblieben, gerade weile sie über den Zivildienst erst einmal gesehen haben, wie es ist dort zu arbeiten. Etwas was sie als Freiwilliger nie gesehen hätten, weil sie nie einen Fuß dort rein gesetzt hätten. Das Gleiche betraf die Bundeswehr. Die meisten Zeit- und Berufssoldaten kamen über den Wehdienst. Warum? Kaum einer hatte wirklich große Lust und erst nach der Grundausbildung haben sich dann viele für eine Verlängerung entschieden. Wie kommt das? Nun das ist ganz einfach. Wie beim Pflegedienst haben viele bei dem Thema Bundeswehr keinen echten Einblick was da wirklich gemacht wird. Viele haben nur ein paar wenige Klischeebilder im Kopf. Aber wenn man erst einmal ein wenig hineingeschnuppert hat, sieht man erst, dass es erstens mal oft gar nicht so ist und dass man auf einmal auch Dinge erlebt, die einem sogar gefallen!
Also Wehrdienst und Zivildienst haben erst dazu geführt, dass viele junge Menschen mal einen Blick in Berufe bekamen, zu denen sie sonst nie gekommen wären, weil sie freiwillig nie daran gedacht hätten, mal sich damit zu beschäftigen, denn die vorgefassten Klischees in ihren Köpfen ganz falsche Eindrücke vorgaben.
Also bevor hier alle gegen ein Pflichtjahr meckern, fast euch mal an eure eigene Nase. Satt immer nur an das eigene Wohl und Bequemlichkeit zu denken, mal einen Augenblick darüber nachdenken, ob man bei einem Verzicht auf so ein Jahr, nicht auch auf eine sehr wichtige persönliche Erfahrung verzichtet?
Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, mir hat der Wehrdienst nicht geschadet. Aber das konnte ich erst im Nachherein erkennen und wertschätzen. Auch ich war von der Wehrpflicht nicht begeistert, aber ich habe es durchgezogen und bin sogar nach anfänglicher Skepsis länger geblieben. Und ich habe Erfahrungen mitgenommen, die ich sonst nie und in keinem normalen Beruf so hätte mitnehmen können. So ein Dienst ist also nicht nur eine Pflicht, sondern er gibt einem auch kostbare Erfahrungen und Erlebnisse mit.
Ja, es ist traurig, wenn es unsere Politik nicht schafft, genügend Leute für die Pflege zu finden. Aber das als Gegenargument, das man nicht als billige Arbeitskraft für die Fehler der Politik missbraucht werden will, ist sehr polemisch. Denn hier wird etwas außer Acht gelassen. Wer die Möglichkeit hätte, etwas beizutragen die Nöte zu lindern und Menschen zu helfen, Menschen die nichts für die Politik können und auf Hilfe angewiesen sind, lässt auch diese Menschen im Stich. Schon mal daran gedacht, dass es vielleicht erstmal wichtiger wäre Hilfe zu leisten, anstatt sich auf das hohe Ross zu setzen und große reden zu schwingen? Denn davon alleine wird sich an der Situation nichts ändern, wenn man dagegen einen persönlichen Beitrag leistet, aber schon!
Das ist meine Meinung dazu.