Hunter x Hunter ist für mich ein ganz besonderer Anime. Der Einstieg war zäh und hat mich zunächst nicht wirklich gepackt. Trotzdem bin ich drangeblieben. Und zum Glück, denn hätte ich abgebrochen, hätte ich unfassbar tolle Charakterentwicklungen, großartige Kämpfe, die weit über bloße Faustschläge hinausgehen und eine Story verpasst, die mit den Gefühlen der Zuschauer spielt und nicht nur Neteros Herz ins Wanken bringt. In Hunter x Hunter ist sogar ein Brettspiel zwischen zwei komplett verschiedenen Individuen spannender zu verfolgen, als so manche Kämpfe in anderen Anime. Eine Sache, die mich an Attack on Titan so gepackt hat, ist, wie Isayama mit den Begriffen Gut und Böse spielt und genau dasselbe macht auch Togashi. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen dabei so stark ineinander, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, auf wessen Seite man eigentlich stehen soll.
Killua hat Menschen getötet und diese Taten bleiben auch grausam. Killuas Entwicklung besteht nicht darin „Gut“ zu werden, sondern sich von der Angst und Kontrolle zu lösen und endlich seine eigenen Entscheidungen zu treffen. In Gon fand er einen Freund, der ihm zeigte, dass er mehr sein kann, als seine Vergangenheit. Durch diese Freundschaft erhielt er die Möglichkeit, dem Schatten seines früheren Lebens zu entkommen. Für mich ist die Freundschaft zwischen Gon und Killua einer der besten in Anime-History! Killua ist auch einer meiner Lieblings-Charaktere aus dem Anime.
Kurapika ist mir anfangs gar nicht so aufgefallen. Er wirkte freundlich, ruhig und ist ein kluges Köpfchen, aber so richtig interessiert hat er mich nicht … bis zum Yorknew City Arc. Kurapika ist nicht nur ein „netter“ Kerl, in seinem Inneren brennt ein unbarmherziger Hass. Er ist bereit, alles zu tun, um seinen Clan, der von der Spinne ausgelöscht wurde, zu rächen. Seine Fähigkeit spiegelt seinen Zorn auf eine perfekte Weise wider. Kurapika besitzt eine dunkle Seite, obwohl er für seine Freunde alles tun würde, genauso wie die Spinne, deren Mitglieder bereit sind, alles füreinander zu tun, sogar ihr Leben zu opfern. Ihr Requiem und zugleich eine meiner Lieblingsszenen, war ein Ausdruck dieser Loyalität.
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The calendar loses a precious component. The remaining months gather to mourn. The mourners play a melody, while the eleventh moon quietly rises. Uvo… Can you hear? The requiem we’re offering to you?
Man merkt hier schon, dass Hunter x Hunter kein klassisches Gut-gegen-Böse-Muster verfolgt, doch der Chimera Ant Arc stellt das noch einmal auf eine ganz neue Ebene. Ich liebe diesen Arc. Ich hatte so oft Gänsehaut während dem Zuschauen. Die Ameisen wurden erschaffen, um Leid und Zerstörung zu bringen. Sie sind skrupellos und ihnen fehlt es an jeglicher Moral. Zumindest sollen wir das am Anfang glauben. Anfangs hasste ich Pitou, doch die Szenen und Gespräche mit Gon, machten es mir zunehmend schwer, diesen Hass aufrechtzuerhalten. Gon… wir alle kennen Gon als freundlichen, naiven und zielstrebigen Jungen. Aber seine Entwicklung im Chimera Ant Arc war echt erschreckend. Irgendwie verstörend, aber gleichermaßen faszinierend. In diesem Arc erlebte jeder Charakter, selbst die kleinsten, eine Entwicklung. Der finale Kampf war großartig. Knuckle und Shoot fand ich zunächst langweilig, aber mit der Zeit sind sie mir dann doch ans Herz gewachsen und hatten einige coole Momente. Meruem hatte wohl die krasseste Entwicklung von allen. Aus einem Monster, dessen Handlungen für sich sprachen, wurde jemand, der nicht mehr kämpfen, sondern nur noch reden und diskutieren wollte. Die Beziehung zwischen Meruem und Komugi war für mich der emotionale Kern des Arcs. Netero rufte bei mir gemischte Gefühle hervor. Meruems Entwicklung und seine reflektierte Sicht auf die Welt stehen Neteros entschlossener Vorgehensweise und seinen umstrittenen Methoden gegenüber – das war wirklich ein perfekter Kampf!
So sehr ich HxH auch liebe, finde ich nicht alles an dem Anime perfekt. Das Kampfsystem ist eigentlich sehr interessant, aber ich hab’s nicht immer ganz verstanden und manchmal wurde es mir auch zu viel. Manche Folgen waren für mich so langweilig, sodass ich mir wünschte, sie würden endlich vorbeigehen. Viele Fans mögen Hisoka, aber ich persönlich kann mit ihm nicht viel anfangen. Einige Szenen mit ihm fand ich sogar ziemlich unangenehm. Kite hätte man mMn auch früher im Anime einbauen sollen, damit man besser nachvollziehen kann, weshalb Gon so an ihm hängt. Ich hätte auch gerne mehr von seiner Fähigkeit „Crazy Slots“ gesehen. Aber ich muss auch nicht alles daran gut finden, um den Anime zu lieben. 