Alles anzeigenHabt ihr überhaupt schon mal Erfahrung damit gehabt?
Es gab bisher noch keinen Anime der mich dermassen herunter gezogen hat. Wäre auch merkwürdig, liebe ich doch gerade die Dramen in Anime.
Bei welchem Anime habt ihr euch so gefühlt?
Wenn überhaupt dann zuletzt bei Darker than Black, siehe: Darker than Black und insbesondere die Handlung rund um Kirsi. Aber depressiv hat es mich nicht wirklich gemacht. Ich wusste ja schon von den ersten paar Episoden her das es eigentlich närrisch ist auf ein Happy End zu hoffen. Aber letztendlich wäre ein allzu fröhliches Ende des Anime auch vollkommen unpassend gewesen, da dadurch der Charme des düsteren ansonsten seine Magie verloren hätte.
Wie stark habt ihr es gefühlt?
Ich war halt irgendwie traurig. Aber es ist doch schön das ein Anime solche Emotionen hervor bringen kann, da es darauf hindeutet das einem die Handlung wirklich zum Nachdenken gebracht hat.
Der Eröffnungspost erklärt es eigentlich schon ganz gut, aber ich möchte es noch einmal etwas näher erläutern, weil ich glaube, dass hier ein kleines Missverständnis vorliegt.
Bei "Post-Anime Depression" geht es nicht unbedingt darum, dass ein Anime ein Drama ist oder dass einen die Handlung während des Schauens traurig oder emotional fertig macht. Das kann natürlich vorkommen, ist aber nicht zwingend der Auslöser.
Dieses Gefühl kann durch ganz unterschiedliche Dinge entstehen. Zum Beispiel durch eine Romanze, bei der man dieses wohlige Gefühl bekommt und sieht, wie eine Beziehung genau so läuft, wie man es sich für das eigene Leben vielleicht wünschen würde, nur mit dem Unterschied, dass es im eigenen Leben eben nicht so ist. Oder durch eine Fantasy-Welt, in die man während des Schauens regelrecht eintaucht und sich vorstellt, selbst solche Abenteuer erleben zu können, während das eigene Leben im Vergleich dazu vielleicht ziemlich eintönig erscheint.
Man kann sich auch stark mit einem Charakter identifizieren, eine besondere Bindung zu ihm aufbauen oder sich sogar zu ihm hingezogen fühlen. Und dann sind plötzlich 12, 24 oder 100 Episoden vorbei. Die Geschichte ist zu Ende, diese Welt existiert für einen selbst erst einmal nicht mehr und man wird mehr oder weniger abrupt wieder aus dieser kleinen Blase herausgerissen. Und dann ist da wieder der ganz normale Alltag.
Genau diese Diskrepanz kann dieses Gefühl von Leere oder Niedergeschlagenheit hervorrufen. Man vermisst nicht unbedingt die traurige Handlung, sondern vielmehr das Gefühl, das einem diese Welt und ihre Charaktere während des Schauens gegeben haben.
Und ich finde, man darf sich durchaus auch einfach mal in eine solche Welt fallen lassen und vollkommen darin aufgehen. Dafür schaut man schließlich Geschichten. Es ist doch eigentlich etwas Schönes, wenn ein Werk einen so sehr erreichen kann, dass man auch nach dem Ende noch darüber nachdenkt oder die Charaktere und die Welt vermisst.
Problematisch wird es meiner Meinung nach eher dann, wenn man dieses Gefühl nach praktisch jedem zweiten Anime bekommt oder der reale Alltag einem dauerhaft so leer und unbefriedigend vorkommt, dass man immer stärker in solche fiktiven Welten flüchtet. Dann sollte man sich vielleicht tatsächlich einmal fragen, ob es nicht Dinge im eigenen Leben gibt, die man verändern könnte. Und wenn die Niedergeschlagenheit sehr stark oder dauerhaft ist, kann es natürlich auch sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Und zu deiner letzten Frage... Ich sehe deshalb keinen Widerspruch darin, einen Anime zu schauen, von dem man weiß, dass er einen emotional mitnehmen wird. Manchmal weiß man vorher sogar genau, dass das Ende weh tun wird, aber man nimmt diese Erfahrung trotzdem gerne mit. Man investiert die Zeit ja nicht trotz der Emotionen, sondern gerade auch wegen ihnen.
