Heute hatte ich die Gelegenheit, mir dieses Werk nach vielen Jahren erneut anzusehen. Dass so viel Zeit vergangen ist, sagt eigentlich schon einiges aus. Andere Ghibli-Filme schaue ich teilweise fast jedes Jahr, daher kann man sich wohl denken, dass dieser für mich nicht zu den stärkeren gehört.
Vorweg möchte ich aber sagen, dass sich meine Kritik ausschließlich auf die Handlung und die Entwicklung der Charaktere bezieht.
Die Animationen sind, wie man es von Ghibli kennt, herausragend, und auch die Musik trägt einen auf fast schon magische Weise durch die Geschichte.
Was genau stört mich also an der Handlung (es ist hoffentlich jedem klar das hier Spoiler folgen)? Zunächst einmal haben wir eine klassische, märchenhafte Heldenreise, wie sie für Ghibli typisch ist. Man wird in eine Welt geworfen, in der es Magie gibt und in der gerade ein Krieg oder vielleicht sogar mehrere stattfinden. Warum genau dieser Krieg geführt wird, bleibt über den gesamten Film hinweg allerdings weitgehend unbeantwortet.
Dabei hätte sich hier eine simple Erklärung rund um Rübe angeboten. Zum Beispiel nach dem Motto: "Königreich A greift Königreich B an, weil man glaubt, der eigene Prinz sei entführt oder getötet worden." Ein einziger Nebensatz hätte schon gereicht, um dem Zuschauer eine verständlichere Grundlage und am Ende einen Aha-Effekt zu geben.
Das größte Problem des Films sind für mich jedoch die Charaktere und deren Entwicklung. Während des gesamten Films war mir nicht wirklich klar, ob die Handlung innerhalb weniger Tage spielt oder sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Viele Entwicklungen wirken dadurch wirr und überstürzt.
In einem Moment lernt Sophie Hauro kennen und im nächsten Moment schreit sie bereits, dass sie ihn lieben würde. Das kam so sehr aus dem Nichts, dass ich in diesem Moment wortwörtlich ein "Wie bitte?" von mir gab.
Auch bei der Hexe des Niemandslandes wirkt die Darstellung extrem sprunghaft. Erst ist sie klar böse, dann angeblich nur "besessen", kurz darauf fast schon liebenswürdig, wenige Minuten später wieder "besessen", um dann erneut Einsicht zu zeigen. Diese Wechsel passieren so schnell, dass sie eher verwirrend als überzeugend wirken. Ganz abgesehen davon, dass sie Sophie ihr normales Leben genommen hat und dann scheinbar ohne große Bedenken in die Familie aufgenommen wird. Bei aller Selbstlosigkeit wirkt das schlicht unglaubwürdig.
Auch Hauros Katharsis ist für mich kaum nachvollziehbar. Es fehlt ein klarer Moment, in dem wirklich deutlich wird, wann bei ihm der Punkt erreicht ist, an dem er beschließt, sich seinen Problemen zu stellen.
Von Suliman will ich gar nicht erst anfangen. Dieser Charakter wirkt auf mich letztlich wie eine schlechte Version von "Herrin Eboshi".
Alles in allem wirkt der Film, besonders gegen Ende hin, ziemlich überhastet. Ich kenne die Buchvorlage nicht und kann daher nicht beurteilen, ob hier einfach unglücklich adaptiert wurde oder ob die Handlung vielleicht schon dort nicht ganz rund war.
Ich denke aber, dass meine Punkte zumindest nachvollziehbar sind. Ich möchte den Film auch niemandem madig machen. Wie schon erwähnt sind Animation und Musik großartig. Die Geschichte selbst sorgt für mich jedoch dafür, dass ich ihn innerhalb der Ghibli-Filme deutlich niedriger einordnen muss.