Ein sehr schönes Erlebnis hatte ich übrigens, als ich in Braunschweig auf die Bahn gewartet habe. In meiner Nähe stand ein leicht alternativ gekleideter junger Mann mit langen Haaren; ich habe ihn einfach nebenbei registriert. In der Bahn saß er mir dann quer gegenüber (ich auf einem Zweier, er allein auf einem Vierer), und ich habe wieder nebenbei registriert, dass er die ganze Zeit etwas auf seinen Papierblock schrieb. Als er dann vor mir ausstieg, legte er mir das Blatt im Vorbeigehen auf meinen Schoß, lächelte mich freundlich an und stieg aus. Das war keine "Du gefällst mir, hier ist meine Nummer" Notiz, sondern ein langer und tiefgründiger Text darüber, was flüchtige Begegnungen in einem Menschen auslösen können. Er schrieb u.a., dass ihm mein Link-Anhänger aufgefallen war und er nun Lust hat, mal wieder Zelda zu spielen. Und dass er sich sehr alleine in einer Masse von ihm undurchdringlich erscheinenden Menschen fühlt, dass ich eine alternative Ausstrahlung auf ihn habe, die aus der Masse heraussticht, und dass ihn dies glücklich macht.
Sein wirklich schöner Text endete mit "Sofort ist ihr anzusehen, dass sie sich vom Herkömmlichen unterscheidet. Von all diesen trüben Gesichtern am Bahnhof, unter all diesen Passanten, sticht sie als etwas Besonderes heraus. Eine Person, die ich nie sah und wohl nie sehen werde. Danke für dieses Erlebnis." Darunter notierte er keinen richtigen Namen und keinen Kontakt; er wollte mir dies einfach mitteilen, und das hat mich unheimlich bewegt. Vor allem hat es mich auch darin bestärkt, immer zu mir und meinen Interessen zu stehen. Also auch an dich, Mr. Unbekannt, vielen Dank für diesen schönen Text!