Achtung:
Ich hole leicht aus (wer lesefaul ist, kann auch nur die kurze Zusammenfassung am Ende lesen) und sage es schon einmal vorweg: Nein, ich bin nicht für Massentierhaltung, auch wenn es vielleicht beim Lesen des Textes so scheinen mag. Ich habe nur versucht, das Thema möglichst objektiv und logisch zu durchdenken:
Bei der Bewertung von Ethik und Moral in Bezug auf Tiere, frage ich mich, welches Verhalten für den Menschen „natürlich“ ist.
An sich isst der Mensch genau wie jedes andere Tier das, was er zum Überleben braucht – dazu gehörte ursprünglich nun einmal auch Fleisch. Wegen der extrem hohen Population der Menschen, sind diese, wenn sie denn alle (regelmäßig) Fleisch essen wollen, auf die Massentierhaltung angewiesen.
Mein Bruder meinte letztens zu mir, dass es für den Menschen natürlich wäre, wenn er einfach die ganzen freilebenden Tiere jage und esse. Das impliziert, dass er Massentierhaltung für „unnatürlich“ hält. Aber ich denke nicht, dass er damit Recht hat.
Allgemein haben viele Menschen Lust, Fleisch zu essen. Schlimmer noch: Wie oft hört man Leute sagen, dass man Fleisch doch zum Leben braucht?Egal ob die Leute sagen, dass der Mensch Fleisch allgemein zum Leben braucht oder dass sie sagen, dass SIE es zum Leben brauchen – man könnte überlegen, ob das nicht durch diesen natürlichen Überlebensinstinkt und dem da drin wohnenden Egoismus (Ja, der Mensch ist „von Natur aus“ ein Egoist) kommt. Wie oben bereits geschrieben, gibt es die Massentierhaltung, damit die Menschen ihre „Fleischlust“ befriedigen können. Ohne diese ginge das Ganze nicht. Was ist somit an der Massentierhaltung unnatürlich?
Anders ausgedrückt: Der Mensch war/ ist vernünftig genug, um nicht die ganze Erde bis zum letzten Tier zu jagen (na gut, darüber lässt sich streiten), um zu überleben oder ihre Lust zu befriedigen. Aus dieser Vernunft ergab/ ergibt sich die Massentierhaltung. Da fällt mir Mephistos Aussage in Goethes Faust über die Menschen ein,
„Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.“
Der Walfang hingegen wird hier nicht nur nicht praktiziert, weswegen wir nicht damit aufgewachsen sind, dass es in irgendeiner Weise „normal“ oder „natürlich“ ist, sondern wird auch von den Menschen hier nicht als „überlebenswichtig“ angesehen („ICH könnte ohne FLEISCH NIEMALS leben“). Ich denke, das sind zwei wichtige Aspekte dabei, wieso viele Menschen den Walfang als moralisch „schlimmer“ empfinden als die Massenzucht. Zum anderen können – wie bereits erwähnt wurde – Wale nicht gezüchtet werden. Vielleicht sieht der Mensch darin (unterbewusst) eine Bedrohung nicht nur für die Tiervielwalt und -Welt, sondern auch eine Bedrohung für sich? Ich weiß es nicht.
Zu dem, was der eine unter den Beitrag gepostet hat, @Howard Bonty, und damit ebenso zu der Bewertung, ob es heuchlerisch ist, wenn man zwar gegen den Walfang, aber nicht gegen die Massentierhaltung ist:
Man kann immer sagen – egal ob es nur um Tiere oder die Erde allgemein geht - , dass die Menschen, wenn sie B sagen, auch X, Y und Z sein lassen müssten und am Ende nur noch auf einem Fuß stehen und auf ihr Ende warten dürften (diese Extreme wegen diesem ständigen Gebrabbel von „Wenn ihr Pflanzen esst, tut ihr den Pflanzen auch weh“ oder „Wenn andere Tiere das Fallobst gegessen hätten, hätten sie vielleicht überlebt, du Mörder!“) . Am Ende des Tages zählt es doch, dass man auf etwas verzichten kann/ möchte. Dass es nicht perfekt „ethisch und moralisch korrekt“ ist, ist doch nicht so wichtig. Jeder setzt seine Prioritäten und damit auch seine Ernährung, Lebensweise und Einstellungen anders. Wenn du oder auch andere das eine für mehr verwerflich hältst oder deine Prioritäten nur auf einem davon liegen, ist das doch okay. Von Heuchelei kann hier nicht die Rede sein, finde ich.
Zusammengefasst:
Ich denke, dass viele die Massentierhaltung für „normaler“ und „natürlicher“ und das Fleisch daraus für lebenswichtiger halten als den Walfang. Somit sehen es vielleicht auch viele als moralisch verwerflicher an. Das Wort "Heuchelei" ist hier meiner Meinung nach nicht richtig.