Woran machst du das fest?
Ich meine... woran machst du es denn fest? Ich hab gerade darüber nachgedacht, woran ich fest mache, dass ich männlich bin: an gar nichts. Ich bin halt diskursiv überladen mit sozio-kulturellen Vorstellungen, that's it. Es gibt kein genuines Gefühl des 'Mann-Seins', und wenn es das gibt, bin ich es so gewöhnt, dass ich es nicht unterscheiden kann und dafür quasi blind bin - das sind Trans Menschen vielleicht nicht.
Abseits davon, neuer Impuls: Ich denke, dass überhaupt jegliche Geschlechtsvorstellung diskursiv und kontingent ist. Ich halte nichts davon, wenn Leute behaupten, sie "seien im falschen Körper geboren", da über diese Logik Geschlechter biologisiert werden. Geboren werden wir in eine Welt, die uns dann formt. Diese Formung ist nicht allein sozial, sie formt auch den Körper, über sich wiederholende Handlungen.
Ich würde so weit gehen, zu sagen, dass wir irgendwann Geschlechter weitesgehend überwinden könnten (dafür werden Menschen niemals bereit sein), dass wir - theoretisch - alle mit beiden Merkmalen ausgestattet sein könnten (die dann eigentlich nur noch eines wären), sich also auch unsere Biologie verändern kann und kontingent ist (das passt auch zur Adaption der Evolutionstheorie). So könnte dann die sexuelle Fortpflanzung beliebig stattfinden, da alle Menschen alle nötigen Merkmale besäßen.
Geschlecht ist halt eine Identitätsfläche und für viele quasi das, "was sie sind". Ich finde das befremdlich und frage mich, ob uns vielleicht die medizinische Technik in ein Umdenken führen kann: Was für ein Geschlecht hätten denn z.B. Cyborg-Menschen, die den überwiegenden Teil ihres biologischen Körpers durch Technik ersetzt haben? Die vielleicht zwei oder drei Geschlechtsteile besitzen? Alles Dinge, die in Zukunft möglich sein werden.