• Servus zusammen!

    Vor nicht all zu langer Zeit, habe ich einen Thread eröffnet, in dem ich Euch vor dem s.g. Disc Rot gewarnt habe. Da ich mich die letzte Zeit sehr mit dem Thema beschäftigt habe, möchte ich Euch gerne etwas aufklären, mit dem Wissen, das ich sammeln konnte.

    Was ist Disc Rot eigentlich?

    Disc Rot bezeichnet einen Vorgang, bei dem Laser Discs, CDs, DVDs und teilweise auch BluRays einfach kaputtgehen. Die Art und weiße des Verfalls, unterscheidet sich von Medium zu Medium.

    Eine CD besteht insgesamt auf 4 Schichten. Einmal das Substrat (die Disc an sich), dadrauf dann eine Versiegelung, auf der Versiegelung ein Schutzlack und über dem Schutzlack befindet sich dann der Aufdruck. Die Daten werden dann direkt unter die Spiegelschicht gebrannt. Deswegen ist es besonders bei CDs gefährlich, wenn die bedruckte Seite verletzt wurde. So genannte Pinholes, kleine Stecknadelgroße Löcher, sorgen dafür, dass der Laser nicht mehr reflektiert und der Laser quasi ins Leere läuft. Was bei Musik-CDs nicht so dramatisch ist, ist es bei z.B. Spiele-CD schon. Denn hier zählt jedes saubere Bit, da es sonst in der Software zu Problemen kommt. Man kann also sagen, die Daten sind ziemlich ungeschützt auf eine CD gepresst. Aber CDs sind auch Trübungen ein Problem, beider einer der verwendeten Lacke oder Kleber anfängt zu oxidieren. Dies passiert, wenn Sauerstoff zwischen die Schichten gelangt und dort chemisch reagiert.

    Eine DVD hingegen ist wie ein Sandwich aufgebaut. Bei der DVD liegt die Datenschicht zwischen zwei zusammengeklebten Discs. Hier ist das Problem, dass Sauerstoffeinschlüsse oder schlechte Kleber dafür sorgen, dass DVDs sich entweder verziehen und der Laser dann nicht mehr die Spur halten kann, der Kleber durch chemische Reaktion trüb wird oder die Spiegelschicht oxidiert, was sich u.a. durch einen Goldstich äußert. Pinholes sind bei DVD weniger ein Problem, kommt aber bei recht billigt produzierten DVDs durchaus auch vor.

    In beiden Fällen können die Spiegelschichten sich sogar auflösen, sodass die Disc letztendlich auch unlesbar wird. Es gibt aber auch noch viele andere Formen von Disc Rot.

    BluRays können auch betroffen sein, allerdings war dies nur in den Anfängen ein Thema. Moderne BluRays, sind so gut gefertigt, dass sie unter normalen Bedingungen durchaus 30-50 Jahre halten können.

    Was kann ich gegen Disc Rot tun?

    Leider nichts! Das ist das Problem. Selber versiegeln ist schlecht und selbst wenn man die Lagerung ändert, kann man den Prozess nur etwas verlangsamen.

    Nur mit einigermaßen optimaler Lagerung, kann man den Prozess etwas verlangsamen. Die optimale Lagertemperatur beträgt zwischen 20 und 25°C, bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60%. Es sollten auf jeden Fall starke Temperaturschwankungen vermieden werden, sowie direkte Sonneneinstrahlung oder allgemein UV-Licht. Die allgemeine Lagertemperatur liegt zwischen -5°C und +30°C.

    Welche Medien sind vom Disc Rot betroffen?

    So wie ich das verstanden habe, sämtliche CDs und DVDs, die vor 2010 gefertigt wurden. Allerdings kommt es hier auf die Zeit und das Presswerk an. Auch die Mixtur der Lacke und Kleber hat einen Einfluss, die Luftfeuchtigkeit und Temperaturen bei der Pressung im Werk uvm. Man kann Glück haben, aber auch Pech.

    Doch auch BluRays die zwischen 2005 und 2012 produziert wurden, können Disc Rot bekommen. Darunter fallen vor allem Medien von Warner Bros.

    Und was mache ich jetzt am besten?

    Das ist eine gute Frage! Am besten die DVD mal in ein PC-Laufwerk legen und sie z.B. dvdisaster (Linux) oder VSO Inspector (Windows) prüfen. Lässt sich die DVD noch wunderbar lesen, dann rate ich zu einem digitalen Backup oder - wenn möglich - den Nachkauf einer BluRay. Sichern könnt Ihr u.a. mit gddrescue (ddrescue, Linux) oder IsoBuster (Windows). Für die ganz harten Fälle, bei denen evtl. beide Tools an ihre Grenzen stoßen, könnte man eine Sicherung noch mit MakeMKV ausprobieren. MakeMKV arbeitet nicht wie die anderen Tools auf Sektorbasis, sondern schnappt sich einfach die VOB-Dateien bei DVDs.

    CDs könnt Ihr z.B. mit fre:ac oder einem anderen Ripper in FLAC umwandeln. Es ist aber auch möglich einfach die WAV-Dateien zu kopieren, soweit es das Laufwerk und die Fehlerkorrektur zulassen.

    Noch ein kleiner Hinweis zu DVDs: Auch wenn Euer DVD-/BluRay-Player die Scheiben noch liest, heißt es nicht, dass sie nicht schon am Zerfallen ist. Die Standalone-Player haben eine gewisse Leck-Mich-Am-Arsch-Methode und versuchen das Bild- und Tonmaterial durch Bieten und Brechen auf den Fernseher zu bringen. Verlasst Euch also nicht auf Euren Player!

    Leider ist Disc Rot ein großes Thema und leider auch das s.g. Bit Rot, bei dem Bits auf einer Festplatte kippen können. Aber hier ist die Wahrscheinlichkeit um einiges geringer als Disc Rot. Aber auch hier gibt es "einfache" Mittel und Wege, dem entgegenzuwirken. Und denkt immer daran: USB-Sticks und SSDs sind die schlechtesten Sicherungsmedien überhaupt! Am besten sind gute Festplatten, teure M-Disc (wenn man es auf die Spitze treiben will) oder Magnetbänder (wobei die auch mit der Zeit verfallen).

    Kleine Anmerkung zu meinen DVDs von zwischen 2000 und 2010

    99% meiner DVDs konnte ich retten. Eine DVD ist ein Totalausfall und eine konnte mittels MakeMKV noch gerettet werden.

    Ich hoffe, ich konnte Euch etwas aufklären. Wenn Ihr noch Fragen, Ergänzungen oder Korrekturen habt, dann lasst es mich wissen.

    Mit besten Grüßen,
    Johannes

    Einmal editiert, zuletzt von Johnnii360 (9. März 2026 um 12:06) aus folgendem Grund: Lagerungsbedienungen bei "Was kann ich gegen Disc Rot tun?" hinzugefügt.