Benjiro Misaki
Als ich Haruma mit mir reden höre, halte ich an und drehe mich um, um ihn besser zu verstehen. Während seines Monologes über Freundschaft und Zusammenhalt werde ich immer wütender. Wütend auf ihn, wütend auf diese Situation und wütend auf mich selbst.
Am liebsten würde ich einfach wieder runter gehen und ihm so richtig eine langen, aber ich bin nicht in der Lage dazu und besser machen würde es auch nichts. Als ich dann die Worte Familie, Mama, Papa und Baby höre, platzt mir fast der Kragen. Ich warte noch kurz, bis er seine Standpauke beendet hat, bevor ich entgegen jeglicher Warnung lautstark antworte.
„Freunde sagst Du? Du glaubst auch noch an die Zahnfee, oder? Freunde gibt es nur in Märchen. Und noch was Yamato, ich habe keine Eltern mehr.“
Mit diesen Worten drehe ich mich um und gehe die Treppe rauf um die Dusche zu suchen.
Zum Glück finde ich diese relativ zügig. Ohne nachzudenken stelle ich mich drunter und lasse das kalte Wasser einfach laufen. Langsam bekomme ich wieder Luft, mir geht’s besser und ich kann meine Gedanken wieder ordnen. Für einen Moment setze ich mich auf den Boden der Dusche und versuche das Geschehene zu rekonstruieren. An vieles der letzten Minuten kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich Shuusei gesehen habe, der überall mit Blut vollgeschmiert war und dann, dass ich Haruma angeschrien habe. „Held, hat er gesagt. Ich wäre gern ein Held, dann wäre meine Situation sicher eine andere. Aber ich bin kein Held. Was kann ich denn schon, außer den Haushalt zu Hause und Bus fahren. Sch**ße, warum musste das nur passieren.“
Ich schmeiße meine klatschnassen Sachen einfach in eine Ecke, öffne einen Schrank, in dem ich tatsächlich Seife und Shampoo finde, dreh das Wasser wärmer und stell mich wieder unter die Dusche. [Jetzt geht es mir wieder gut]
Als ich mich umsehe, erkenne ich auf der anderen Seite des Raumes eine Waschmaschine und einen Trockner.[So einen hätte ich auch gern zu Hause.] Ich schnappe mir ein Handtuch und wickle es mir um die Hüfte. Dann wasche ich schnell meine Sachen im Waschbecken, weil es schneller geht als in der Maschine und werfe sie danach in den Trockner. Dann mache ich mich auf die Suche nach Klamotten. [Hoffentlich sieht mich niemand] In einem Nebenraum finde ich tatsächlich ein paar Sachen. Wie immer viel zu groß für mich. Ich kremple den Pullover, wie auch die Stoffhose hoch und binde mir einen Gürtel um den Bauch. Dann gehe ich wieder über den Flur zurück in das Badezimmer. Solange der Trockner noch läuft, höre ich etwas Musik und stopfe dann meine sauberen Sachen in meinen Rucksack. Ich merke, wie müde ich mittlerweile geworden bin und dass ich Hunger habe. [Ich habe bis auf Frühstück noch gar nichts gegessen.] Im Nebenraum stelle ich meine Klamotten neben das Sofa, esse das Brötchen, was ich mir beim Frühstück eingepackt hatte und leg mich dann, mit dem kleinen Püppchen, was meine Schwester für mich gebastelt hat, in der Hand, hin. Von den Geschehnissen des Tages erschöpft, schlafe ich zügig ein.