Was ich hier seit Stunden wiederhole und hier noch einmal ausdrücklich unterschreiben möchte: Diese Lieder sind genauso sexistisch, wie ich zu meinen Freunden beleidigend bin, wenn ich sie Vollidioten nenne. Weder die Intention, noch die Botschaft, noch das Ziel dieser Musik ist die Objektifizierung der Frau. Man müsste schon sämtlichen Kontext entfernen, um den Text allein als offen frauenfeindlich zu identifizieren. Wer daran noch Anstoß nimmt, dessen Problem ist definitiv nicht der Songtext eines dummen Sauflieds.
Hast du dir die Lieder überhaupt mal angesehen? Oder den Kontext, von dem du da redest?
Eines der Lieder handelt basically davon, dass jemand am Ufer ein schlafendes "Mädel" vergewaltigt, mit der schönen Passage "Ich mach' dich zur Mutter und lass′ dich allein" sowie der etablierung der Schuldumkehr "Und die Moral von der Geschicht', Männer sind Schweine, vertrau ihnen nicht" (Lyrics). Welchen Kontext willst du da bitte entfernen?
Oder meinst du den Sauf-Kontext, in dem die Lieder gespielt werden? Den Kontext, in dem es eh schon Probleme mit Übergriffigkeiten gegenüber Frauen in Festzelten gibt? Weswegen die Stadt unter anderem extra Safe Spaces für Frauen sowie ein Frauen-Notruf eingerichtet hat?
Und in diesem Kontext siehst du Lieder wie "Nein heißt ja" (Lyrics) und "Joana, du geile Sau" (Lyrics) als völlig unproblematisch an, weil sie deines Wissens nach "Bullshit" "BULLSHIT" sind und sie ja auch nur so verstanden werden können? Hast du dafür auch Quellen? I mean, ich hab mir vorhin die Mühe gemacht, Quellen herauszusuchen, warum man solche Lieder gerade in so einem Kontext psychologisch als problematisch einordnen kann und es wäre nett, wenn du hier auch welche für mich hättest. Aber damit du es dir nicht zu einfach machst: Bitte mit Kontext und nicht einfach nur "Kunstfreiheitsgesetz" / unproblematisch weil sonst wären sie ja schon verboten.
Dann kommt noch dazu, dass die Stadt das Volksfest bewusst als sicheres Fest für "Klein und Groß" bewirbt (Quelle). Dazu hat sie mit ihrer Verteidigung ihrer Entscheidung gegen diese Lieder, um "gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern" schaffen zu wollen, mMn. eigentlich schon alles gesagt (Quelle).
Du sagst auch, dass es keine rechtliche Grundlage für "so eine Aktion" gibt. Ich bin kein Jurist und lasse mich da gerne korrigieren, aber soweit ich es verstanden habe, bewegen wir uns hier rein rechtlich in einem Rahmen, in dem die Stadt durchaus derartige Empfehlungen aussprechen darf (Quelle). Wichtig ist wohl hauptsächlich, dass solche Empfehlungen sachlich begründet, verhältnismäßig und nicht als verbindliches Verbot mit Sanktionen ausgestaltet sind. Aber gehen wir das mal nacheinander durch:
- Sachlich Begründet ist es ja alleine schon damit, dass die besagten Lieder nicht zur gewünschten, inkludierenden Fest-Atmosphäre passen, mit dem die Stadt das Fest offiziell bewirbt, das sie finanziell mitträgt. Im Grunde müsste die Stadt auch im einzelnen begründen, warum sie die besagten Lieder nicht empfiehlt. Aber das kann ich ja schlecht.
- Verboten wurde hier auch nichts, sondern es wurde nur die bitte herausgegeben, diese Lieder doch nicht zu spielen. Falls man es doch tut, würde wahrscheinlich genau gar nichts passieren.
- Und was die Verhältnismäßigkeit angeht, so wird das genau der Grund sein, warum man sich "nur" gegen diese 12 Lieder entschieden hat. Die im übrigen auch nur eine Orientierung sind. Offiziell will man den Wirten selbst überlassen, die Liste zu erweitern. (Quelle)
Natürlich kann man hier nicht auf Ebene einer einzelnen Feier diskutieren, da hat ja schließlich der Veranstalter das Sagen. Es geht um die Struktur hinter dieser zugegeben einzelnen Entscheidung.
Aber es geht hier doch nunmal um genau diese Einzelentscheidung?
Wäre der Kontext hier ein anderer, wäre die Entscheidung sehr wahrscheinlich nicht so gefallen, wie sie gefallen ist. Man kann den Kontext doch nicht einfach wegnehmen und nur das Übriggebliebene zur Grundlage nehmen, um gegen etwas zu Argumentieren, das von eben diesem Kontext abhängig ist, den du gerade weggenommen hast?
Dass wir im großen Ganzen Kunstfreiheit schützen sollten, ist denke ich etwas, gegen das hier niemand Argumentieren wollen wird. Dafür gibt es ja die Kunstfreiheit in unserem Grundgesetz. Aber hier geht es ja genau um eben solche Einzelentscheidungen, die hier überhaupt erst interessant sind, eben weil es hier einen Interessenkonflikt zwischen Kunstfreiheit und den staatlichen Sicherheitsauftrag sowie Gleichberechtigung gibt, der ja sonst einfach nicht in der Form existiert.
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