Ich habe seit Release nun fast täglich einige Zeit mit dem Spiel verbracht und habe bis heute gebraucht Worte dafür zu finden, warum ich irgendwie enttäuscht von dem Spiel bin.
Zunächst einmal, ja, es sieht bombastisch aus. Wer sich dieses Spiel anschaut, kann unmöglich behaupten, Videospiele könnten keine Kunstwerke sein. Die Landschaften, die man hier teils zu sehen bekommt, sind so atemberaubend, dass man oft mehr das Bedürfnis hat Screenshots zu machen, als das eigentliche Spiel zu spielen. Entsprechend ist auch die Atmosphäre großartig. Fast schon meditativ idyllisch, wenn man sich auf die Landschaften und der Natur im Spiel einlässt.
Und auch das Gameplay macht an sich Spaß. Allerdings muss man hierzu sagen, dass sich gegenüber dem ersten Teil halt auch nicht viel verändert hat. Die Neuerungen sind eher im Detail zu finden. Beispielsweise könnte man erst meinen, krass, es gibt nun andere Waffen neben dem Katana. Bis man merkt, dass diese im Grunde bloß die Haltungen aus dem ersten Teil ersetzen. Wäre an sich nicht das große Problem, aber trägt zu meinem Kernproblem des Spiels bei.
Denn unterm Strich fühlt sich das Spiel für mich eher wie ein etwas seelenloseres Imitat des ersten Teils an. So als ob die Entwickler keinen blassen Schimmer davon hatten, wie sie den ersten Teil noch toppen sollten und daher einfach irgendwas versucht haben zu entwickeln, was diesem nahe kommt.
Das fängt schon bei der Spielwelt an. So unfassbar schön, wie sie auf den ersten Blick wirkt, so leer erscheint sie beim genaueren Hinsehen. Es fehlen irgendwie solche Highlights wie im ersten Teil. Ich denke da mal nur an den Goldenen Wald mit dem Tempel darin. Sowas fehlt hier komplett. Hier besteht die Spielwelt zum Großteil aus Wiese, hier und da mal ein paar Felsen oder Mini Wälder. Und dann hat man vereinzelt man ein Häuschen. Und für sich genommen wäre das auch nicht das Problem, weil das trotzdem irgendwo stimmig ist. Aber zumindest mir geht es so, dass ich da den Vergleich zum ersten Teil nicht ausblenden kann, mit dem Gedanken, dass all das schon einmal besser gemacht wurde. Da kommt halt aber auch noch dazu, dass sich die meisten Open-World Aktivität nun viel mehr wie diese typische Open-World Fleißarbeit anfühlen. Einerseits, weil man diese Punkte auf der Karte einfach abstottert und zum anderen, weil sich die Erkundung einfach nicht wirklich befriedigend anfühlt. Am Ende läuft es ja immer auf eine der handvollen "Belohnungen" heraus.
Ein weiteres Problem ist die Story an sich, genauer gesagt Atsu. Klar, sie hat eine tragische, traumatisierende Vergangenheit mitgemacht. Aber da frag ich mich ehrlich, das haben viele Protagonisten in diesem Genre. Und die sind am Ende nicht so eine unsympathische, eiskalte Kratzbürste. Und der ganze Plot fühlt sich im Ganzen einfach nicht mehr so bedeutend und groß wie in Tsushima an. Klar, es ist eine diesmal sehr viel persönlichere Geschichte. Aber da wird es einfach zum Problem, wenn man eine Protagonistin hat, die so liebenswert wie eine Wurzelbehanldung beim Zahnarzt ist. Das heißt nicht, dass die Geschichte an sich schlecht erzählt ist. Aber es fesselt mich einfach nicht mehr so, wie im ersten Teil. Und von der Sympathie braucht man gar nicht erst anfangen Atsu mit Jin Sakai zu vergleichen.
Unterm Strich ist es trotzdem ein sehr gutes Spiel, mit dem man sich viele Stunden großartig unterhalten lassen kann. Aber das sind nun einfach für mich so ein paar Punkte, über die ich mich jetzt mal auskotzen musste, die das Spiel unter seinem Potential bleiben lassen. Zumindest für mich persönlich.



