Fire Pentagramm
(c) by Rolf der Wolf, Stardate 2017-06-02
Jüngst wurde mir per Internet eine Nachricht zugespielt, die mich einigermaßen nachdenklich machte. Die Zeit der bahnbrechenden Erfindungen scheint ja (fast!) vorbei. Aber es gibt dann eben doch noch ein paar frappierende Ideen, selbst im Zeitalter des biederen deutschen ”FFFF-” (”Feierabend-Fernsehen-Filzpantoffel-Flaschenbier-") Menschen. Wie wir, um ein aktuelles Beispiel zu benutzen, zB. an Hand des Schwarzen Leipzig (Und folglich des "Schwarzen Volkes" (ohne das iss nich!!!) deutlich sehen.
Nun, einer dieser Erfinder war Hugo Pyromanowitsch-Brennding. Er hatte sich schon mehrfach mit zündenden Einfällen um das Wohlwollen seines Chefs verdient gemacht. Aber er besaß, wie schon seine Eltern und Großeltern, ein sehr hitziges Gemüt, und er verspürte große Liebe zu den Gothics. Was in der Vergangenheit schon zu mehreren gefährlichen Bränden, auch in diversen schwarzen und anderen Locations, im Zusammenhang mit Pyromanowitschs Präsenz geführt haben soll (nicht umsonst hießen sie Brenn-Ding!)
Brennding war es dann auch, der die erste tragbare Brennstoffgewinnungsanlage entwickelte und baute, genügsam durch Solarpaddel, Platz findend in jedem Zelt oder Caravan! Stundenleistung: 1 Liter. Ursprünglich sollte das Monstrum ja nur dazu dienen, die vielen Kocher auf dem Campingplatz des Wave Gothic Treffens mit Brennstoff zu versorgen. Dabei wurde aber dann doch mehr daraus als geplant, sprich eine ziemlich monströse Maschinerie, die eher an eine abenteuerliche Absinth-Destille erinnerte denn an ein technisches Gerät.
Wie jedem Menschen dann und wann, passierte dann auch Hugo Pyromanowitsch-Brennding ein Missgeschick: Während er auf dem Balkon die Anlage nachjustierte, fiel ihm das große silberne Pentagramm von der Halskette auf die Fließen. Ein kleiner Funken, und im Nu stand alles in Flammen.
Pyromanowitsch-Brennding, vorsorglicher Besitzer eines ”Digi-Flamm-Killer 500”, pfiff diesen mittels vereinbartem Notsignal zum Einsatz. Gehorsam sprang der Roboter in Bereitschaft und wies darauf hin, dass er das Feuer mit KohIensäureschnee bekämpfen würde. Die Maschine erklärte in aller Seelenruhe, dass nach erfolgreicher Löscharbeit die Temperatur im Wohnzimmer auf exakt minus siebenundsiebzig Grad Celsius gefallen sein würde, so dass er, Pyromanowitsch-Brennding, danach glatt zu Eis erstarrt wäre.
Pyromanowitsch-Brennding war schon immer dagegen gewesen, Roboter aller Art mit zu viel Intelligenz auszustatten. Und die endlose Diskussion Pyromanowitsch-Brennding‘s mit seiner feuerlöschenden lntelligenzbestie blieb dann auch nicht ohne Folgen: Er erfror nicht, sondern verschmurgelte...
Funzel Pyromanowitsch-Brennding, der Bruder Hugo Pyromanowitsch-Brennding‘s, ließ sich von Tode seines Mitstreiters nicht von der Weiterführung querdenkerischer Neuerungen abhalten. Er entwickelte nicht nur das erste vollelektronische und vollautomatische Orakel im Hosentaschenformat. Er erfand auch ein Lösungsmittel mit wahrhaft universellen Eigenschaften. Es war zwar nur als Zündhilfe für die brennenden Holzstämme im Heidnischen Dorf gedacht, die im Vorjahr einfach nicht richtig brennen wollten. Aber der Computer arbeitete so gut, dass das Mittelchen dann auch für technische Anwendungen brauchbar wurde und mit wenigen Litern Einsatz ganze Eisenbahnbrücken im Nu von altem Lack und Rost befreite. (Die dabei entstandene Hitze und deren Auswirkungen in der Nachbarschaft wurden hier nicht erwähnt...)
Nun ist es in der Technik nicht viel anders als in der Medizin: Um Wirkungen zu erreichen, mussten stets auch mehr oder minder NEBEN-Wirkungen in Kauf genommen werden. So war Pyromanowitschs Lösemittel nicht nur höllisch giftig und folglich umweltschädlich bis an den Eichstrich. Weil auch der Flammpunkt wohl weit unter Null Grad gelegen hatte, genügte es schon, das Pyromanowitsch das Nietenhalsband vom Hals fiel - und schon brannte der Hobbyraum lichterloh!
Funzel Pyromanowitsch-Brennding besaß zur Brandbekämpfung den ”Digi-Flamm-Killer 1000” der mit einem satten Kubikmeter Wasser aufwartete. Natürlich wusste Funzel noch nicht, dass sein Sohn den Großteil der Elektronik dieses Löschroboters schon ausgeschlachtet und in seine syntronisch gesteuerten Witchboards verbastelt hatte (Damit die eben auch mal etwas Angenehmeres prophezeiten als die ewigen Hiobsbotschaften!...)
Kurzum: Der Feuerlöscher, durch Sohnemanns Bastelei fast gänzlich seiner Intelligenz beraubt, ließ sich auf keine weitere Diskussion ein. Er sprang in Kampfstellung und nahm mit seiner Wasserfüllung den aussichtslosen Kampf gegen den Lösemittelbrand auf. Das Lösemittel aber, leichter als Wasser, schwamm flugs oben drauf und war hocherfreut darüber, sogleich in der gesamten Wohnung breit geschwemmt zu werden. Das Wasser stand nach kurzer Zeit knöchelhoch, das Feuer brannte munter weiter und verwandelte die Wohnung binnen Minutenfrist in einen brennenden Hochofen.
Kurzum: Funzel Pyromanowitsch-Brennding erfror nicht. Aber ihm wurde sehr warm, ja sogar heiß. Seine Füße standen im Wasser, und sie waren es dann auch, die zuletzt übrig geblieben sind.
Wir wissen nicht, was geschehen wäre, hätte Sohnemann mit seiner Bastelei den "Digi-Flamm-Killer 1000” nicht zur dummen, blind gehorchenden, und nicht diskutierenden Maschine gemacht. Aber nun sind wenigstens Brenndings Füße geblieben.
Schussel Pyromanowitsch-Brennding, der Sohnemann, ließ sich ebenfalls nicht entmutigen. Er erfand den so genannten ”Laser-Entäster”, mit dem sich Äste auf Bäumen aller Art mühelos von Boden aus abschneiden ließen. Ursprünglich sollte der Apparat ja nur zum Entfernen einiger störender Äste auf einem Caravanstellplatz beim Wave Gothic- Treffen verwendet werden Aber dann, beim Entwerfen der nötigen Baugruppen am CAD-PC entstand plötzlich eine wesentlich Leistungs fähigere Version, als geplant - und wurde gebaut! Natürlich wollte Sohnemann das Monstrum auf der Stelle ausprobieren. Als Testobjekt musste, mangels Bäumen, nur eben Nachbars Dachgarten herhalten. Das Gerät war schwer, Schussel Pyromanowitsch-Brennding zielte miserabel. Schließlich rutschte er aus und fiel hin. Und weil er den Apparat wohl auch zu starkhoch geregelt hatte, fielen nicht nur einige Äste. Der ganze Dachgarten wurde zum Funken und Flammen speienden Vulkan!
Selbstverständlich hatte auch Schussel Pyromanowitsch-Brennd ing schon Vorsorge getroffen in Form des ”Digi-Flamm-Killer 1500”, eines Anderthalb-Tonners Pulver. Der Löschroboter stellte sich auch gehorsam und flink in Positur und ließ das Feuer in einer riesigen weißen und Kilometer weit sichtbaren Staubwolke verschwinden.
Das Feuer verlosch selbstverständlich. Was aber von dem Dachgarten übrig geblieben war, konnte am Abend sein Nachbar bewundern. Er kam von der Arbeit, wollte sich, wie fast jeden Tag, auf seinem Dachgarten erholen. Er schien nicht schlecht erstaunt zu sein, dass er sich plötzlich in einem verschneiten Hiroshima wieder fand. Und wo wirklich noch etwas grün glänzte, erinnerte es verdächtig an Emaille .........
Ja die Gothics und das Schwarze Leipzig waren unversehrt geblieben, aber die Umgebung lag in Schutt und Asche. Der nette Nachbar, wollte aber schon immer dabei sein, hatte es sich nur nie getraut. Und der Umgang mit den Gothics erwies sich dann auch als weniger gravierendes Problem, als die Tätigkeit von Löschtechnik mit übergroßen Intelligenzquotienten...