Neu Bittersüße Liebe

Unsere Schatten, welche von einem kleinen Licht projiziert wurden, fielen auf den Boden. Seine Fingerspitzen waren so rau, doch dieses Kratzen auf meiner Haut fühlte sich beschwingend an.


Alles mit ihm fühlte sich so an, als ob es nichts besseres geben würde. Als ob unsere Zeit nie vergehen würde und dieser Moment für ewig war. Als ob wir unsterblich wären und füreinander geschaffen. Doch trügt mich meine Wahrnehmung, denn irgendwann würde dieser Moment nur zu einer Erinnerung werden. Ein kleiner Bruchteil meines Lebens, der später keinen Wert mehr haben wird. Weder für mich, noch für meine zukünftige Familie oder für die Geschichten, die ich erzählen werden. Spätestens wenn seine Medikamente nicht mehr ansetzen und er seine Augen schließt, wusste ich, dass selbst das hellste Licht dunkel für mich erscheinen würde und nach einer gewissen Zeit würde es komplett erlöschen.


Tja, so war das nun mal mit der Liebe. Kaum verliebte man sich, musste es ein bitteres und schmerzvolles Ende nehmen. Zumindest ging es immer mir so, aber dieses Ende war wohl das Schlimmste, denn ich würde nie die Chance haben das Kapitel, welches seinen Namen trug in meinem Lebensroman, abzuschließen. Seine so blasse Haut trug so viele Narben. So viele, dass man nie genug Zeit haben würde, die Geschichten hinter all diesen Narben zu entdecken. Vielleicht waren es auch nur bedeutungslose Narben, Narben die durch dumme, alltägliche Situationen oder ähnliches entstanden waren. Aber das war mir egal, solang er redete, war es mir egal über was. Ich wollte ihn einfach hören, ihn und seine so klare Stimme. Diese Stimme, welche die Kriege in meinem Kopf beenden könnte.


Ich wusste nicht warum, aber ich glaubte immer daran, dass die kleinsten Sachen eines Menschen die größten Wunder bewirken würden. Und so war es bei uns. Er hat mich auf eine Art und Weise gerettet, wie es kein Held geschafft hätte. Er hat geredet, mich berührt ohne seine Hände zu benutzen und ich hab gefühlt, wie gesund ich wurde und vor allem wie glücklich. Ich war glücklich, nach langer Zeit wieder konnte ich sowas wie Glück empfinden. Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, wie toll unsere Beziehung war, welchen Orte wir zusammen gesehen haben, was wir erlebt haben. Aber außer die Intensivstation und die Krankenhauscafeteria haben wir nicht wirklich was besonderes gemacht. Trotz dessen war es toll und mit ihm war jeder Tag nennenswert.


Und jetzt, jetzt wo er weg ist, verliert langsam alles seine Farbe um mich herum. Alles fängt an zu verschwimmen und vollkommen seinen Sinn zu verlieren. Die Schmerzen werden größer, die Kriege werden lauter und das Atmen schwerer. Liebe ist ein so süßes Leiden. Eine Versuchung und ein großer Schmerz.


Doch werde ich nie bereuen geliebt zu haben.