...den Domino Day

Immer noch wehmütig denke ich an damals zurück als ich wie gebannt vor dem Fernseher saß und zusah wie Tausende, wenn nicht gar Millionen Dominosteine herunterfielen und die aufregendsten Kunstwerke offen legten, die mehrere Teams aufwendig in einer riesigen Halle irgendwo in den Niederlanden aufgestellt hatten. Keine andere Sendung hatte meine Kindheit so geprägt wie der Domino Day. In den 90er gab es im Fernsehen noch recht vielfältige Samstagabendshows, was in den 2000er Jahren deutlich abnahm. Da blieb für mich nur noch der Domino Day übrig. Neben dem Eurovision Song Contest (lang lang wars her) war es für mich das jährliche Highlight gewesen. Samstagabend auf RTL moderiert von Linda de Mol (mit Frauke Ludowig als Nachfolgerin wurde ich nicht so warm, aber das tat dem Unterhaltungsfaktor der Show keinen Abbruch).

Wetten, dass...?! fand ich übrigens schon damals ziemlich schnarchig, tranig und langatmig.


Das ganze Spektakel wurde vom guten alten Robin Paul Weijers erfunden und organisiert. Er stand auch der Moderatorin immer zur Seite, um einige Fragen zu beantworten. Ergeizig vorfolgte Weijers das Ziel möglichst viele Dominosteine zu Fall zu bringen und so den Weltrekord zu knacken. Das klappte immer wieder mal, aber leider nicht immer.

Einer der großen Momente war natürlich der Start, wo der erste Dominostein zu Fall gebracht wurde und so die Kettenreaktion, die mehrere Stunden dauern soll, zum laufen gebracht wurde. Ab da begann für mich der kuschelige Teil. Zuzuschauen wie die Dominosteine in gleichbleibender Geschwindigkeit runterfielen und dabei die schönen Dominokunstwerke offen legten. Dabei haben sich die verschiedenen Teams immer wieder was nettes einfallen lassen wie dies von statten gehen sollte.

Damit es dann doch nicht auf Dauer zu eintönig wurde wurden im laufe der Dominostrecke immer wieder sogenannte "Challenges" eingebaut. Bei diesen mussten die von Weijers bestimmten Dominoaufbauer innerhalb einer kurzen Zeitspanne von einigen Minuten ab dem Start der Kettenreaktion im entsprechenden Abschnitt mit, ja natürlich, Dominosteinen eine Verbindungslinie aufbauen. Schaffen sie es bevor die Kettenreaktion die Verbindungslinie erreicht konnte die Kettenreaktion über diese Linie zu zusätzlichen Dominosteinen gelangen und diese zu Fall bringen, was womöglich zu einem neuen Weltrekord beitragen könnte.

Die "Challenges" fanden auf Nebenstrecken statt und berührten die zentralen Hauptkettenreaktionen nicht. Wäre ja auch blöd gewesen, wenn das Spektakel da vorzeitig zu Ende gegangen wäre. (';


Für mich haben diese zusätzlichen Herausforderungen nochmal etwas Spannung mit reingebracht ehe es gleich wieder schön gemütlich wurde.


Insgesamt war der Domino Day ein ziemlich aufwendiges Spektakel. Die Sicherheitsmaßnahmen und Vorkehrungen damit die Steine nicht vorzeitig zu Fall kamen waren schon bemerkenswert (kann man nochmal bei Wikipedia nachlesen wer möchte), die Einarbeitung der Teams und Planung waren eine große Hausnummer. All das für ein paar Stunden Unterhaltung an einem Samstagabend in einem einzigen Jahr vor der heimischen Glotze. Das ging natürlich ordentlich ins Geld und genau das hat dem Domino Day letztlich das Genick gebrochen. 2009 fand der vorerst letzte statt. Danach versuchte Weijers Firma genug Geld und Sponsoren aufzutreiben, um den Domino Day fortsetzen zu können. Jedoch ohne Erfolg. Damit war der Domino Day 2010 geplatzt und für mich ein wichtiger Teil meiner Kindheit vorüber.


Auch heute noch finde ich es sehr bedauerlich, dass der Domino Day Geschichte ist. Ich hab mir ständig Gedanken darüber gemacht warum RTL, die lange vom Domino Day profitierten sich am Ende nicht an den Kosten beteiligte. War es denen zu teuer gewesen? Waren die Einschaltquoten zu der Zeit schon auf dem Sinkflug, sodass man wenig motiviert war sich daran finanziell zu beteiligen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr so genau.


In meinen Gedanken träume ich immer noch von einem Comeback, aber ob es dasselbe Domino Day wie früher ist? Wahrscheinlich nicht. Bestenfalls wäre es ein netter Domino Day geworden im kleineren Rahmen. Das der Domino Day mal ein gewichtiger Teil von RTL war neben den damaligen Wintersportübertragungen, Formel 1 und Gott bewahre DSDS und Dschungelcamp war hatte RTL nochmal in ihrer Jubiläumsshow gezeigt als man dem Domino Day mit einer kleinen Dominoketten Aktion gedachte. Ich weiß noch, dass da auch Monk Darsteller Tony Shalhoub mit dabei war. Eine schöne Geste für ein legendäres Spektakel.


PS: Der Vorspann vom Domino Day beschert mir auch heute noch richtige Gänsehaut. An diesen Nostalgieflash kommen noch nicht einmal meine damaligen Lieblingsanimes bei RTL2 heran.

Kommentare 2

  • Ja, der Domino day, das waren noch Zeiten. Das habe ich auch jedes Jahr angeschaut, war immer wieder interessant und spannend - und einfach mal was anderes im Vergleich zu den üblichen Samstag-Abend-Shows. Der D-Day hatte noch Format, es ist einfach schade das diese Show abgesetzt wurde.


    Generell hat sich das Show-Programm der großen Sender spätestens seit Mitte der 00'er Jahre stark verändert, immer mehr Müll und Quotenflops, z.B. von Joko und Klaas oder Casting-Quatsch. Die letzten halbwegs guten Shows kamen noch vom Raab, aber spätestens seit es den nimmer gibt, kommt nichts auch nur ansatzweise gescheites auf die Bildschirme.


    Vielleicht wäre es interessant mal wieder einen Domino-Day ins Leben zu rufen. Ich würde das auf jeden Fall wieder schauen - zumindest solange Joko und Klaas oder Bohlen das nicht moderieren, dann wäre das Ding schon hinüber bevor der erste Stein umfällt.

    • Offiziell wurde soweit ich weiß der Domino Day nie eingestellt, sondern dessen Rückkehr scheiterte immer wieder an der fehlenden Finanzierung. Auch nach 2010 war das Interesse noch da. Die Zuschauer fragten immer wieder nach und RTL musste von Jahr zu Jahr immer wieder diese vertrösten.


      Ob es den Domino Day in der damaligen Form in der Jetztzeit wieder geben wird ist fraglich. Soweit ich gehört habe war das ganze eine ziemlich kostspielige Sache gewesen und die Planungen und Aufbau mit großem Aufwand verbunden.