Im Schatten der Fabriken

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  • Originaltitel
    Koujou Yakei
    Erscheinungsjahr
    2022
    Anzahl Bände
    1
    Abgeschlossen?
    Ja
    Genre
    Drama
    Mystery
    Psychological
    Romance
    Slice of Life
    Verlag
    Hayabusa
    ISBN
    978-3-551-62403-1
    Autor/Mangaka
    Rie Aruga

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    Beschreibung (von Carlsen/Hayabusa Manga):

    Wenn die Sommeridylle zum Albtraum wird...

    Ao und Takaomi sind Kindheitsfreunde, die in der Nähe eines Industriegebiets leben und einen unbeschwerten Alltag teilen. Sie fühlen sich zueinander hingezogen und wollen auch ihre letzten Sommerferien miteinander verbringen. Es scheint der Beginn einer zarten Liebe zu sein. Doch auf einmal stehen Polizisten vor der Tür von Aos Familie – ihr Vater soll Takaomis Mutter nach einem gemeinsamen Arbeitsessen vergewaltigt haben. Schlagartig wird die verträumte Sommeridylle wie vom Smog der Fabriken vernebelt und ein dunkler Schatten breitet sich über Aos und Takaomis Leben aus…

    Daten:

    Übersetzer/in: Doreaux Zwetkow

    Preis: 10€

    Extra: Großformat, kein sonstiges Extra.

    Meinung:

    Rie Aruga ist zuvor für Perfect World bekannt, in denen sie tiefgreifend den Alltag eines gehbehinderten Menschen zeigt, und nun schlägt sie in eine ehere düstere Kerbe mit dem Einzelband "Im Schatten der Fabriken" beim Hayabusa-Verlag von Carlsen. Eine Straftat ist geschehen, die ungewollt zwischen den beiden Jugendlichen Ao und Takaomi steht: Ihr Vater hat seine Mutter vergewaltigt, eine grauenhafte Tat, und die beiden jungen Leute stehen vor vielen Fragen: Wie geht man mit der Situation um? Darf man die Tochter des Vergewaltigers der Mutter noch lieben? Wie geht die Gesellschaft mit dem Thema um? Und was hat das für die Kinder der Beteiligten für Konsequenzen? Ist es gerecht, dass das Kind für die Taten des Vaters verurteilt wird?

    Im Schatten der Fabriken handelt von einer grausamen Tat, Mobbing und Ausgrenzung, und eine Liebe, die trotz dem, was geschah, noch im Raum steht.

    Rie Aruga schafft es in dem 192-seitigen Einzelband gekonnt, eine ruhige und dennoch tragische Liebesgeschichte zu erzählen, die von einer grausamen Tat überschattet wird. Ein Mädchen, das Schuldgefühle hegt, obwohl sie unschuldig ist und ein Junge, der Gefühle für das Mädchen hegt. Aber ist das denn recht so?

    Ein nachdenklicher Manga, der aufrüttelt, ohne mit dem Finger auf Andere zu zeigen. Lebensnah, dramatisch.

    4 von 5 Schatten, die auf den Fabriken tanzen von mir. Wirklich empfehlenswert!

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    "Ich wollte nur, dass du mich findest.

    Aber aus diesem schmollenden, kindlichen Grund habe ich die ganze Welt zerstört, die dir lieb und teuer war."

    Einmal editiert, zuletzt von Ryomou (13. Dezember 2023 um 21:57)

  • Ein richtig großartiger Manga, wenn man mal das ernste Thema betrachtet. Hier werden Tabu-Themen mit einer Liebesgeschichte verwoben und alle beteiligten Charaktere haben ihr eigenes Päckchen zu tragen.

    Spoiler anzeigen

    Takaomi ist hier ganz klar der Held, wenn man so sagen will, seine Stärke hilft Ao über den Schulalltag und sie sagt ihm gegenüber am Ende ja auch, dass genau das sie gerettet hat. Dafür bewundere ich ihn, allerdings verstehe ich ihn auch, schließlich ist er in Ao verliebt und diese kann nun mal nichts für die Tat ihres Vaters. Die meisten anderen (die Mitschüler z.B.) pressen die beiden ganz klar in Opfer- und Täter-Fraktion und können gar nicht verstehen, dass die beiden überhaupt noch miteinander reden können. Ao entschuldigt sich sehr oft für die Tat ihres Vaters, doch Takaomi macht ihr klar, dass es ja nicht ihre Schuld sei und so können sie den Schulalltag irgendwie meistern, obwohl alle hinter ihren Rücken über sie reden.

    Krass finde ich, dass Ao und Takaomi immer und immer wieder mit dem Thema konfrontiert werden, weil irgendjemand sie erkennt und das ganze scheinbar immer wieder auf kommt - erinnert mich an unsere schrecklichen "Oma-Magazine", in denen Promi-Storys immer wieder breitgetreten werden und dann meist sogar noch erstunken und erlogen sind :sick:

    Schön finde ich, dass hier eben nicht nur auf die beiden Protagonisten, sowie Opfer und Täter eingegangen wird, sondern dass auch andere Personen unter dem ganzen leiden, wie z.B. Aos jüngerer Bruder und ihr Onkel (im weiteren Sinne; dessen Frau fand ich schon grenzwertig, weil sie Ao und ihre Familie am liebsten loswerden will. Ich verstehe, dass auch ihr eigener Sohn offenbar unter dem Gewäsch der Leute zu leiden hat, aber der Familie in so einer Situation nicht zu helfen finde ich meh).

    Zu sehen, wie aus den beiden Teenagern Erwachsene werden und was aus ihnen wurde, fand ich super; und auch, dass sie beide immer noch Gefühle für einander haben und am Ende auch ihr Happy End bekommen (soweit man das eben rauslesen kann) fand ich schön :lovex: So ein Ende wünscht man sich doch 🥺

    Ich war begeistert wieviel emotionale Story man in einen einzelnen Band packen kann, ohne dass er gleich zu dramatisch beladen wirkt, oder man bei vielen Dingen im Unklaren gelassen wird. Oft schaffen One Shots das ja nicht so richtig, weil es einfach mehr Platz bräuchte um die Story zu entfalten; das klappte hier aber sehr gut.

    Zeichnerisch zeigt Rie Aruga wieder ihr Können. Die Charaktere und Hintergründe sind schön und detailliert und den Umgang mit der Rasterfolie beherrscht sie auch perfekt. Gefühle und Szenen werden so sehr gut transportiert und man weiß immer sofort was Sache ist.

    Generell hätte ich gern mehr solche Manga und auch super gerne mehr von Rie Aruga :lovex: