Eine hypothetische Möglichkeit in ferner Zukunft beeinflusst mein gegenwärtiges Verständnis vom Menschsein nicht
Oh, also lässt dich das Artensterben und der Klimawandel kalt? Oder zukünftig mögliche Kriege? Mögliche Pandemien? Das alles beeinflusst nicht, wie du dich als Mensch in der Welt begreifst? Schade! Und btw.: Gedankenexperiment bedeutet, mit Prämissen zu arbeiten. Das hätte auch einfach ein Sokratisches Gespräch werden können, aber wir führen hier ja keinen Monolog. Sieh es einfach als eine Form der Argumentation. Wenn du die Prämissen ablehnst, in Ordnung. Aber Beinprothesen, Brillen, Insulinpumpen, künstliche Herzklappen abzulehnen ist halt irgendwie merkwürdig. Es geht darum, dass der Mensch keine Essenz besitzt, sondern ein Zusammenspiel aus Wirkmächten ist, die sich in ihrer Beschaffenheit und Beziehung zueinander verändern können.
Bis die genetisch eindeutigen Differenzen nicht behoben sind oder werden können lässt sich nicht bestreiten, dass es einen biologischen Mann und eine biologische Frau gibt.
Schade auch, dass du offenbar nicht auf das eingehst, was ich schreibe sondern einfach nur deinen Standpunkt wiederholst. Ist aber okay für mich, ist ja auch nur ein Forum. Es ist eben der Unterschied zwischen Sein und Werden. Guck dir doch einfach mal Prozessphilosophie an, wenn du willst.
Ebenso ist ein Mensch noch definiert und dadurch von einer Gurke zu unterscheiden.
Ah, schöne Absurdität, die überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat. Du bist übrigens auch kein Blasebalk - ist das jetzt irgendwie relevant?
In meinem Verständnis ist ein Körper, der keinerlei menschliche (oder überhaupt) Genetik aufweist, auch kein Mensch mehr und nicht als Frau/Mann einzuordnen.
Sei dir gegönnt. Aber bitte nicht zum Fakt erklären. Ich könnte jetzt halt meine Argumente auch alle wiederholen, aber... ich denke, dann drehen wir uns im Kreis. Du machst halt Genetik an einen absurden Naturbegriff fest und verkennst, dass diese Genetik problemlos synthetisch sein könnte. Du hast irgendwie Angst davor, dass dann etwas Urmenschliches verloren gehen könnte, aber da ist nichts Urmenschliches, das verloren gehen kann. Und wenn ja: Erklär mir mal bitte, was das sein soll.
Noch einmal: Es geht hier doch darum, dass manche Menschen behaupten, dass Geschlecht etwas "Natürliches" sei - dem ist auch so, wenn Technologie genau so zu unserer Natur dazugehört wie das Schneckenhaus zur Schnecke. Ansonsten aber ist die Natur/Kultur-Dichotomie eine Denkfalle, die durch diverse Beispiele entkräftet werden kann. Irgendwann müssen sich die Vertreter*innen dieser Denkfalle auf absurde Essenzen berufen, eben auf die Seins-Ontologie, um das Ganze haltbar zu machen. Ist halt nicht unbedingt clever. Ich liefere noch ein Beispiel:
Stephen Hawking hat in den 90er Jahren einen Vortrag an einer kalifornischen Uni gehalten. Unsere Protagonistin wollte gerne zusehen - natürlich war es überall ziemlich überlaufen, der gesamte Hörsaal war voll und vor der Uni wurden Lautsprecher aufgestellt, damit die Leute dort auf dem Rasen mithören konnten. Die Protagonistin hat sich in die erste Reihe gequetscht, um dabei zu sein, und siehe da: Hawking saß dort, reglos wie immer, und kommunizierte über sein Gerät mit dem dazugehörigen Synthesizer Speech Plus CallText 5010, den wir sicherlich alle vom Klang her kennen. Er wurde schlicht über die Boxen im Saal übertragen. War unsere Protagonistin dem Teil von Hawking, der hier zählt, jetzt näher als wenn sie draußen auf dem Rasen zugehört hätte? Oder wurde Hawking über seine Technologie erweitert, seine Gedanken in die Umgebung gebracht?
WIr reden hier nicht über ferne Zukünfte. Die Beispiele des Gedankenexperiments sind zugespitzt, damit sie streitbarer werden, aber wir benutzen alle ständig Erweiterungen unserer selbst, die eine feste Grenze zwischen Mensch und Nicht-Mensch verschwimmen lassen. Stell dir halt eine künstliche Herzklappe vor, und jetzt stell dir vor, dass du jedes Teil des Körpers graduell austauschst. Von mir aus lass das Gehirn weg - bedeutet das, dass diese "Menschenessenz" im Gehirn sitzt? Genauso verhält es sich mit dem Geschlecht. Es gibt kein SEIN, nur ein WERDEN. Menschen kommen als solche auf die Welt, ja. Sie besitzen Gene, korrekt. Aber sie sind im Werden begriffen.
Hier geht es darum, dass Menschen, die ihr Geschlecht angleichen, dann dieses Geschlecht werden, weil es einfach keine Essenz gibt, die sie nicht sein könnten, ganz "biologisch und natürlich". Ich kann es jetzt nicht noch einfacher erklären und jeder, der möchte, kann sich von diesen Beispielen etwas mitnehmen oder es bleiben lassen. Wer will, kann Literaturhinweise von mir erfragen.