Nur weil etwas nicht änderbar ist, darf man es nicht kritisieren, wenn es gerade in der aktuellen nicht hilfreich ist? Warum?
Weil das unnötig verfassungsfeindlich ist. Wenn du mit dem Föderalismus unzufrieden bist, musst du nach Frankreich ziehen. Den Diskurs überhaupt auf diese Ebene zu ziehen ist bereits ein destruktiver Akt. Warum, fragst du dich? Es ist nicht veränderbar und trägt nicht zur Problemlösung bei, sondern soll einzig die staatliche Souveränität in Mitleidenschaft ziehen. Es soll aufzeigen, wie unfähig und schlecht unser System ist, aber das ist es mitnichten. Die konstitutionelle Ordnung zu attackieren gehört zu den Dingen, bei denen man mit Echo rechnen muss. Und hör auf ständig das Wort "kritisieren" zu missbrauchen, das in diesem Zusammenhang ebenfalls falsch ist.
Witzigster Auswuchs des Förderalismus finde ich die unterschiedlichen Bußgelder für Maskenverweigerer. Wenn jetzt einer ohne Maske im Fernstreckenzug erwischt wird, welches Bußgeld gilt dann? Das seines Heimatortes? Das seines Einstiegsbahnhofs? Das seines Ziels? Oder das in dem Bundesland, in dem er erwischt wurde?
Du findest das witzig, aber die Hoheit der Länder ist eine ernste und wichtige Sache. Ja, es kann dabei zu teilweise absurden Situationen kommen, wie bei allen imaginären, rein intelligiblen Dingen. Wo unterscheidet sich z.B. diese Problematik von der grundsätzlichen Problematik zwischen Staatsgrenzen? Oder Fürstentümern? Oder Königreichen? Das war schon immer eine komplexe rechtliche Lage. Bist du vor einem Jahr auch schon rumgelaufen und hast die Staatsgrenzen ad absurdum gezogen? Natürlich nicht. Erst jetzt, wo die Krise da ist, zeigst du mit den Finger auf unabänderliche, schon lange existierende Zustände und tust so, als wäre das "hilfreiche Kritik".